Mein selbstgezimmertes Hamsterrad – 7 Fallen für Selbständige und 5 Tipps, wie du dich wieder befreist

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In meiner über 20jährigen Selbständigkeit bin ich immer wieder in meinem ganz eigenen Hamsterrad gelandet, habe es zeitweise auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt und habe gelernt es immer wieder anzuhalten und rauszuspringen. Manchmal hat mich auch mein Körper gebremst, wenn ich auf kein Warnzeichen reagieren wollte, wie z.B. durch Lungenentzündung, Bänderzerrung mit 2 wöchigem Liegegips, Stimmverlust über fast 3 Monate,… und es war immer zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. 😉

Mittlerweile erkenne ich es schneller und stoppe es rechtzeitig.

Wie hat alles begonnen:

Ich hatte das große Glück bereits am Tag meiner Sponsion meinen ersten Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben. „Assistentin der Verlagsleitung“ klang für mich vielversprechend. Nach 1,5 Monaten kündigte ich, denn meine Erwartungen und die Versprechen, die mir bei meiner Einstellung gegeben wurden, waren vom tatsächlichen Arbeitsalltag weit entfernt.

1 Jahr und 2 weitere Versuche im Angestelltenverhältnis zu arbeiten später, hielt ich den unterschriebenen Vertrag einer großen österreichische Bank in Händen. Meine Familie war überglücklich, endlich würde auch die „Kleine“ (ich habe 3 ältere Geschwister) einen vernünftigen Job beginnen und hoffentlich auch dort bleiben. Das Entsetzen, als ich mich 1 Woche vor Arbeitsbeginn entschloss, abzusagen und mir meinen schon während des Studiums gehegten Wunsch selbständig zu arbeiten zu erfüllen, war entsprechend groß. Ich ließ mich nicht beirren und so entstand Bellcom, meine Telefonmarketingfirma.

Ich machte eine Aussendung (damals noch per Fax, es war Anfang der 90er Jahre) an 50 Firmen und es kamen sofort 3 Rückmeldungen mit Terminwünschen. Meinen ersten Kundentermin werde ich nie vergessen, es war ein bekannter Druckerhersteller. Die Firma plante eine Veranstaltung, um ihr neuestes Modell zu präsentieren. Sie hatten eine Aussendung gemacht und wollten, dass wir 1.400 Personen für sie anriefen. Ich tanzte innerlich vor Freude, bis ich auf die Frage „ab wann?“, die Antwort erhielt „ab morgen und Sie haben 4 Tage Zeit.“ Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Mitarbeiter, alleine war das unmöglich zu schaffen. Ich überlegte kurz    und sagte zu. Es ist sich alles ausgegangen und der Kunde war sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Das war mein Startschuss. Meine Firma wuchs relativ schnell und nach einem Jahr beschäftigte ich 25 Mitarbeiter.

Und ich? Ich arbeitete, ich war erfüllt und ich war stolz. Mein Einsatz kannte fast keine Grenzen, zu den „Telefon-Zeiten“ telefonierte ich entweder mit, war bei Kundenterminen oder unterstütze meine Mitarbeiter durch Coachings. Am Abend und am Wochenende hieß es dann Auswertungen und Abrechnungen zu machen, Angebote zu schreiben, einfach alles zu tun, wozu ich untertags keine Zeit hatte.

2 Jahre nach Start meiner Firma begann ich den Trainingsbereich aufzubauen, das hatte sich ergeben, als mich ein Kunde fragte, wer meine Mitarbeiterinnen ausbildete und er das für sein Team haben wollte. Das Rad drehte sich immer schneller, ich war nach wie vor energiegeladen und zufrieden. Ich merkte nicht einmal, dass ich mich vollkommen verausgabte.

Das erste Mal, als ich leicht stutzig wurde, war bei einem Segelurlaub. Wir planten die Reise mit einem befreundeten Paar. Der Plan war mit mehreren Stopps für Besichtigungen nach Livorno zu fahren und von dort mit dem Segelboot nach Korsika. Ich schaffte es nicht mit den anderen loszufahren, es war zu viel zu tun, und so vereinbarten wir, dass ich 3 Tage später mit dem Nachtzug nach Florenz komme und wir dann gleich nach Livorno fahren. Der Skipper warf einen kurzen Blick auf mich und sagte, „ich nehme dich nur mit, wenn du was gegen Seekrankheit nimmst, du siehst ja jetzt schon ganz fertig aus.“

Es war mein erster Urlaub seit langem und da merkte ich erst, wie müde ich war….

Hier sind die, aus meiner Sicht, größten Fallen um als Selbständige(r) im Hamsterrad zu landen:

Spaß an der Arbeit

Du wirst dir jetzt denken, das ist doch einer der Hauptgründe, um sich überhaupt selbständig zu machen, das ich nur noch mache, was ich will. Das ist auch so und gleichzeitig birgt genau dieser Spaß eine große Gefahr, denn bei mir war es (und ist es immer wieder so), dass ich zwischen Freizeit und Arbeit nicht unterscheide. Wenn ich in meine Arbeit vertieft bin, gibt es kein Halten mehr. Oft denke ich erst spätabends, dass ich wieder einmal keine Pause gemacht habe. (meine Tage beginnen im Normalfall zwischen 6 und 7 Uhr morgens)

Freie Zeiteinteilung

Frau/Herr über die eigene Zeit zu sein ist etwas Wunderbares. Ich erzähle gerne, dass ich es genieße, dass ich auch einmal unter der Woche, wenn das Wetter passt, z.B. Schi fahren gehen kann und dafür einfach am Wochenende arbeite. Doch wenn ich ehrlich bin, viel öfter ist es so, dass ich am Wochenende arbeite ohne unter der Woche frei gemacht zu haben.  Und es stört mich nicht, weil siehe Punkt 1) die Arbeit Spaß macht.

Perfektionismus

Der Unterschied zwischen einem exzellenten und einem perfekten Ergebnis liegt in vielen Stunden, oft nervenaufreibendem,  Mehraufwand und das Schlimmste, er ist meist ausschließlich für dich selbst erkennbar.

Geld

Ich habe als Selbständige schon sehr viel in sehr kurzer Zeit verdient und dann gab es immer wieder Monate, da hatte ich fast keine  bis keine Einnahmen. Das verleitet natürlich alle Aufträge anzunehmen, um ein Ruhekissen zu haben, wenn es mal nicht so gut läuft…

Glaubenssätze

Ich selbst habe den Glaubenssatz: „ irgendwie schaffe ich immer alles.“ Klingt positiv, oder? Dieser Glaubenssatz führt dazu, dass ich manchmal To-Do Listen habe, die fast unmenschlich sind und um sie zu bewältigen schalte ich auf „Funktioniermodus“. Nach solchen Phasen bin ich oft vollkommen ausgelaugt.

Das wunderbare, süchtig machende Gefühl des Erfolgs

Ich liebe den Kick, wenn ich weiß, ich hab´s geschafft, z.B. beim Feedback nach einem Seminar oder wenn ich die Veränderung eines Coachees, den ich begleiten durfte, miterlebe, oder bei positiven Feedback auf meine Artikel.  Und davon will ich immer mehr…..

Anderen etwas beweisen wollen

Davon kann ich ein Lied singen, da ja mein Umfeld alles andere als erfreut über meine Entscheidung mich selbständig zu machen war, hat mich immer auch „ich werd´s euch schon zeigen“ angetrieben.

Vielleicht kennst du den einen oder anderen Punkt auch von dir.

Ich verrate dir jetzt meine 5 wichtigsten Tipps, um das Hamsterrad wieder zu verlassen

Tempo rausnehmen

Dieses Jahr habe ich wieder mit einem sehr straffen Zeitplan begonnen. Ich wollte im Jänner meinen ersten Onlinekurs starten, mit begleitendem Produktlaunch und mein Buch fertigstellen. Ich war mit Feuereifer dabei, habe Dinge getan, von denen ich vor wenigen Monaten nicht einmal wusste, dass es sie gibt (z.B. Landing Pages erstellen, Mitgliederbereich aufbauen…). Irgendwann Mitte Jänner merkte ich, dass ich müde und unkonzentriert wurde. Ich habe dieses Mal sofort reagiert und habe die Fertigstellung des Buches auf Februar/März verschoben und den Start des Kurses um ein paar Tage nach hinten verlegt.

Nein  – Sagen

Wenn der Kalender schon voll ist, den Mut zu haben, Aufträge auch einmal abzulehnen.  Ich habe bei einigen Kunden, die positive Erfahrung gemacht, dass sie gern bereit waren zu warten, bis ich wieder einen Termin frei hatte.

Aufgaben abgeben können

Zu Beginn meiner Selbständigkeit machte ich einfach alles selbst. Es war für mich ein langer Lernprozess Aufgaben abzugeben, anderen zu vertrauen, dass sie es, auf ihre Art (die einfach nicht meine sein muss) gut erledigen werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass für manche Dinge, die mich viele Stunden kosten, der richtige Spezialist einen Bruchteil der Zeit braucht  und damit auch die Kosten überschaubar sind.

Bewusste Freizeit

Ich plane mittlerweile regelmäßig Zeit für Sport ein, ich brauche Bewegung als Ausgleich zu meiner Tätigkeit und ich habe wieder verstärkt begonnen, auch abseits von Fachliteratur, zu lesen.

Ich ertappe mich zwar nach wie vor dabei, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich ja so viel zu tun habe und gleichzeitig merke ich, wie gut es mir tut.

Ansprüche an sich selbst überdenken

An dem arbeite ich Tag für Tag vor allem auch im Zusammenhang mit meinen Kindern…

Fazit:

Ich habe meine Entscheidung mich selbständig zu machen niemals bereut. Meine Arbeit erfüllt mich nach wie vor mit Freude und seit ich mehr darauf achte, nicht ins Hamsterrad zu geraten, kann ich sie noch mehr genießen.

Was sind deine Erfahrungen zu diesem Thema, wenn du bereits selbständig bist bzw. deine Gedanken, wenn du dir gerade überlegst dich selbständig zu machen.


Ein Gastartikel von Birgit Gatter

Birgit Gatter ist Botschafterin für eine charmant, unwiderstehliche Kommunikation und unterstützt erfolgreiche Menschen, ihre ganz persönliche Art der Kommunikation zu finden, damit sie ihre Ziele schneller und mit mehr Freude und Leichtigkeit erreichen.

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