Warum es deinem Selbstwertgefühl schadet, andere zu verurteilen

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Es ist zum Verzweifeln.

Jedes Mal, wenn du dein Herz einem Menschen öffnest, wirst du enttäuscht. Deine Beziehungen fangen so vielversprechend an. Aber dann kommst du immer an den Punkt, an dem du entdeckst, dass du einem Lügner auf den Leim gegangen bist. Oder einem Hochstapler. Oder einem Betrüger.

Wenn du ehrlich bist, hattest du ja von Anfang an so ein Gefühl, dass irgendetwas faul ist. „Alle Menschen sind doch gleich“, denkst du dir irgendwann. Es gibt scheinbar keine Ausnahmen. Jeder ist irgendwie falsch, unzuverlässig, unehrlich oder einfach nur schräg und bekloppt. Aber stimmt das denn wirklich?

andere verurteilen

Dein Urteil ist niemals objektiv

Die Verurteilung dessen, was andere tun oder sind, entsteht immer aus deiner eigenen Erfahrung heraus. Wir können bei anderen nur das wahrnehmen, was wir zu sehen gelernt haben – meist bei uns selbst. Unser Egoismus lehrt uns, den Egoismus der Anderen zu sehen. Mal auf eine angemessene Art und Weise, mal verstärkt. Im schlimmsten Fall bilden wir uns nur ein, dass etwas da ist: das nennt man Projektion. Das bedeutet, wir schreiben anderen eine Eigenschaft oder Verhaltensweise zu, die aber eigentlich wir selbst haben.

Wir sehen die Welt also durch die Brille unserer persönlichen Defizite und Schwierigkeiten. Eine starke Fokussierung auf sich selbst ist typisch für Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl.

„Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie so wie wir sind.“ – Talmud

Dieser autozentrierte Blickwinkel führt jedoch zu einer Verarmung unserer Wahrnehmung der Welt und somit unserer selbst.

Desto mehr wir verurteilen, umso weniger neue Erfahrungen machen wir. Wir sind schlicht nicht offen dafür. Wir füllen die Welt mit uns selbst an, statt uns von ihr anfüllen zu lassen. Wir nehmen nichts mehr richtig wahr, das nicht wir selbst sind. Die Folge: Die Welt erscheint uns starr, „es ist immer das Gleiche“, alle Leute „sind immer gleich“ (und immer enttäuschend). Oft ist es aber unsere Art sie zu verstehen, die immer gleich ist.

Hilft es dir, ein besseres Selbstwertgefühl zu entwickeln, wenn du die Anderen mehr akzeptierst?

Ja! Paradoxerweise macht es uns stärker, wenn wir akzeptieren, was ist. Dadurch nehmen wir uns selbst eher als das potentielle Spielzeug der Anderen wahr und werden wieder zu Akteuren in unserem Leben.

Wir urteilen über die Anderen, manchmal lehnen wir sie ab, wir reagieren ironisch, machen uns über andere lustig. Und wenn wir das nicht machen, haben wir meist doch Lust darauf, es zu tun.

Sind denn die Anderen immer so enttäuschend? Oder bist du selbst zu „enttäuschbar“? Beides ist richtig. Die Anderen sind weder so toll noch so mies, wie wir das annehmen. Enttäuschen sie dich oft, so liegt es daran, dass du zu viel von ihnen erwartest. Warum? Zu einer Enttäuschung gehören immer zwei: deine eigenen Erwartungen erklären die Enttäuschung meist genauso gut wie das Verhalten des Anderen. Wie kannst du realistischer werden?

nicht verurteilen

Wie du es schaffst, nicht zu urteilen

Hast du dir erst ein Urteil über jemanden gebildet, interpretierst du alles, was diese Person tut, entsprechend. Du erinnerst dich dann eher an die Dinge, die dein Urteil stärken und verdrängst die, die es nicht untermauern. Wir Menschen funktionieren so. Wir wählen lieber die Information, die unsere Glaubenssätze und Vorlieben bestätigt.

Dies trifft auch auf die Details zu, die wir in unserem Umfeld wahrnehmen. Du kennst das bestimmt: du kaufst dir ein neues Auto und plötzlich siehst du überall dieses Modell auf der Straße. Ein Rassist wird verstärkt die Meldungen über die kriminellen Taten der Ausländer wahrnehmen, ein Anarchist das Fehlverhalten der Polizei, usw.

Deshalb halten sich rassistische Vorurteile oder sexistische Stereotypen so hartnäckig.

Willst du deine Vorurteile bekämpfen, braucht es etwas Anstrengung. Einfacher, als bereits gefasste Urteile zu revidieren ist es deshalb, von Anfang an nicht voreilig zu urteilen. Denn das Urteil, welches du dir zuerst über eine Person bildest, setzt sich für lange Zeit hartnäckig in deinem Kopf fest, selbst wenn es später widerlegt wird. Wie schaffst du es also, nicht vorschnell zu urteilen?

Übe dich in Beobachtung und Akzeptanz. Beobachte, was um dich herum passiert und akzeptiere erst einmal alles so, wie es ist – BEVOR du urteilst! Dann denke darüber nach. Wenn du ein Urteil fällst, sei präzise und provisorisch: „Im Moment kann ich in diesem Bereich dieses denken.“ Später änderst du dein Urteil oder passt es an.

„Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“ – Christian Morgenstern

Sollst du also Ungerechtigkeit und Verrat akzeptieren? Akzeptieren, dass man dich belogen, ausgenutzt oder dein Vertrauen missbraucht hat? Wenn dies der Fall war, hast du ohnehin keine Wahl. Akzeptiere, dass dir so etwas tatsächlich passiert ist.

Aber die Akzeptanz endet hier. Angesichts dessen, was ist. Allem, was noch nicht stattgefunden hat und kommen könnte, dem wirst du dich noch stellen, wenn es denn eintritt. Auf die Akzeptanz folgt Aktion und nicht der Rückzug.

empathie

Werde ein Meister der Empathie

Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Zu verstehen, wie sie sich fühlen und warum sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Empathie hilft dir dabei, anderen aufgeschlossen zu begegnen und sie nicht vorschnell zu verurteilen. Falls du kein empathisches Naturtalent bist, habe ich hier einen Crashkurs in Empathie für dich.

  1. Geh vom Allgemeinen zum Spezifischen: Übe dich darin, dein Urteil aufzusplittern und abzuwägen. Was gefällt dir an dieser Person, was läuft (deiner Meinung nach) gut und was gefällt dir nicht? Was sind die Pros und Kontras?
  2. Überwinde die Versuchung, die Person zu verurteilen („Das ist ein Angeber!“) und beschreibe stattdessen nur ihr Verhalten („Gestern Abend hat er geprahlt.“)
  3. Nimm keinen absoluten Standpunkt ein („Sie ist so.“) sondern einen punktuellen („In der Situation benimmt sie sich so.“).
  4. Statt zu verurteilen („Sie ist pedantisch.“) sei verständnisvoll und sachlich („Wenn sie so ist, dann weil ihr das hilft oder etwas bringt, aber was?“)
  5. Statt zu grollen, suche das Gespräch. Sprich mit den Leuten, mit denen es ein Missverständnis gab, oder denen du etwas übel nimmst. Es ist immer leichter, diese Menschen zu meiden, um sie so besser aus der Ferne verurteilen zu können. Es lohnt sich aber, diesen Reflex zu überwinden. Du musst nicht jedermanns Freund werden. Es geht vielmehr darum, deine Sicht auf den anderen zu verfeinern, indem du dich mit ihm aussprichst. Wenn du mit den Menschen sprichst, kannst du erkennen, dass sie schwächer oder freundlicher sind, als du dachtest. Zwar kannst du so immer noch ihre Fehler erkennen, aber du modifizierst gleichzeitig deine Gefühle und Reaktionen.
  6. Lies Bücher und sieh dir Filme an. Dies gibt dir Einblick in das Leben von verschiedensten Personen und deren Charaktereigenschaften. Du bekommst so die einmalige Chance zu verstehen, warum sich jemand auf eine unsympathische oder unmoralische Art verhält. Du kannst Verhaltensweisen studieren und dadurch in deinem realen Leben besser reagieren.

Sei geduldig mit dir selbst. Du wirst dich höchstwahrscheinlich nicht von heute auf morgen von Grund auf ändern. Aber zuerst bekommst du ein Bewusstsein dafür, dass du urteilst. Du beobachtest dich selbst. Dann beginnst du, deine Urteile zu modifizieren, aber es ist immer noch eine bewusste Handlung. Und schließlich fällst du keine absoluten Urteile mehr, sondern du gehst wie oben beschrieben vor. Dann ist dir das neue Verhalten zur Gewohnheit geworden.

verzeihen

Die Macht des Verzeihens

Wenn du jemandem verzeihst, verzichtest du darauf, ihn zu verurteilen und zu bestrafen. Verzeihen bedeutet jedoch nicht vergessen! Du entscheidest dich dafür, dich nicht mehr von Hass und Groll gegenüber dem, der dich verletzt hat, leiten zu lassen. Du entscheidest dich dafür, dich von ihm zu befreien.

Probleme mit deinem Selbstwertgefühl machen es dir sehr schwer, anderen zu vergeben. Vergebung bringt dir aber sehr viele Vorteile. Die Fähigkeit zu verzeihen beschert dir ein besseres inneres Gleichgewicht sowie eine insgesamt bessere Regulierung deiner Emotionen. Permanenter Groll – selbst wenn er gerechtfertigt sein mag durch die erlittenen Verletzungen – bleibt eine Quelle des Leidens. Verzeihung muss aber deine freiwillige Entscheidung sein.

Anderen zu vergeben, ohne dich durch deine eigene Schwäche einschränken zu lassen, erleichtert es dir, auch dir selbst zu vergeben. Du verzichtest darauf, weiterzuleiden und dich selbst weiterhin durch die Erinnerung daran zu bestrafen, was geschehen ist.

Zugegeben, oft ist es gar nicht so einfach zu vergeben und es bedarf manchmal professioneller Begleitung. Vielleicht misstraust du diesem ganzen Kram mit der Vergebung und betrachtest sie als ein Eingeständnis deiner Schwäche. Du denkst, Rache wäre eine angemessene Reaktion?

Rache und Groll haben langfristig noch niemanden glücklich gemacht.

„An Zorn festzuhalten ist wie selbst Gift trinken und erwarten, dass der Andere daran stirbt.“ – Buddha

Vergebung geschieht nicht wenn du deinen Groll unterdrückst. Sie muss aus freien Stücken kommen. Vergebung bedeutet auch nicht zwingend, dass du dich mit jemandem versöhnst. Sie erlaubt dir jedoch, wieder in Kontakt mit der Person zu treten, die dich verletzt hat, ohne dich emotional hilflos zu fühlen.

Es ist auch nicht wichtig, ob der Übeltäter sich von deiner Vergebung beeindrucken lässt und seine Tat bereut oder sich sogar bei dir entschuldigt. Du vergibst, um dich selbst besser zu fühlen, nicht damit er sich besser fühlt. Du tust dies für dich selbst und die Menschen, die dir wichtig sind. Damit diese nicht ebenfalls unter deinem Groll leiden müssen.

Vergebung bedeutet nicht, auf deine Wut zu verzichten: Es steht dir zu, sowohl deine Wut zu erleben, als auch Scham. Opfer von Gewalt schämen sich zum Beispiel häufig für das Erlebte. Worum es letztendlich geht, ist, dass dein Verzeihen dich befreit. Du besiegst dadurch deine Feindseligkeit und Traurigkeit.

Selbstvertrauen

So steigerst du dein Selbstwertgefühl

Akzeptierst du die Menschen um dich herum so, wie sie sind, erhöht dies dein allgemeines Wohlbefinden. Du setzt einen positiven Kreislauf in Gang: Geht es dir gut, begegnest du Anderen mit mehr Wohlwollen. Dieses Wohlwollen tut dir selbst auch wiederum gut.

„Einen Menschen lieben heißt: ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ – Fjodor Dostojewski

Umso besser dein Selbstwertgefühl ist, desto besser beobachtest du, ohne zu vergleichen, zu beneiden oder zu verurteilen. Dadurch profitierst du stärker von den Erfahrungen des Lebens, du entwickelst eine ausgezeichnete Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Ein gutes Selbstwertgefühl hilft dir nicht nur dabei, die guten Aspekte aus deinem Umfeld herauszuziehen, sondern diese auch zu provozieren. Statt dich über jemanden zu ärgern, konzentrierst du dich darauf, seine guten Seiten zu entdecken. Das ändert deine Sicht auf diese Person komplett. Die Menschen reagieren auf dein Wohlwollen indem sie sich dann tatsächlich von einer besseren Seite zeigen. Warum? Weil es uns Sicherheit und Wohlbehagen verschafft, wenn wir uns akzeptiert und gemocht fühlen.

Dein gutes Selbstwertgefühl ist dein „Werkzeug für Realitätsverbesserung“. Plötzlich bewegst du dich in einer ganz anderen Welt!

Deine Empathie anderen gegenüber beschert dir automatisch mehr Empathie mit dir selbst – und andersherum. Bist du im Reinen mit dir selbst, so bist du automatisch auch im Einklang mit deinem Umfeld.

„Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft.“ – Oscar Wilde

Pflegst du eine gute Verbindung zu deinem innersten Wesen, erscheinst du wie ein Fels in der Brandung. Kein Unwetter von Außen wird dich erschüttern. Du nimmst es nicht mehr persönlich, wenn andere sich verhalten, wie sie sich verhalten. Du stellst dann deine eigenen Bedürfnisse nicht mehr hinten an, in der Hoffnung, so das Wohlwollen der Anderen zu erheischen (und bist hinterher bitter enttäuscht, wenn es nicht klappt). Du erwartest nicht mehr von den Anderen, deine Bedürfnisse zu erfüllen, weil du jetzt für dich selbst einstehst und dir selbst gibst, was du brauchst. Du behandelst dich selbst richtig – und damit auch die Anderen. Deine eigene Authentizität inspiriert dein Umfeld dazu, ebenfalls authentisch zu sein.


Bernadette Bergmann-AyariBernadette ist Kommunikationstrainerin und Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungen. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie regelmäßig Artikel zu diesen Themen. Ihren Newsletter kannst du unter https://bba-training.de/kommunikation-in-der-partnerschaft/ abonnieren und erhältst als Dankeschön sechs Tipps um besser mit deinem Partner zu kommunizieren.

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