Angst oder Vernunft – was hält dich wirklich zurück?

Jeder Mensch hat Angst. Daran lässt sich nichts drehen oder wenden. Die einen Menschen haben aber mehr Angst und die anderen weniger. Manche spüren diese Angst häufig und ganz deutlich, in vielen anderen Fällen existiert sie nur unterschwellig – meist sogar unbemerkt. 

Egal, wie das bei dir ist: Angst ist auch bei dir mit Sicherheit in irgendeiner Form vorhanden und genau diese ist die schlechte Nachricht. Denn Angst ist im Leben nur allzu oft ein Hindernis. Sie führt dazu, dass du dir selbst im Weg stehst und verhindert somit, dass du deine Ziele erreichen kannst. In vielen Fällen ist Angst also der (Haupt-) Grund, weshalb du in deinem Hamsterrad verweilst und immer wieder scheinbar gute Gründe findest, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, um an deinem Leben etwas zu ändern. 

Denn Veränderungen machen Angst. Viele Menschen fürchten sich vor dem Ungewissen und davor, dass zwar momentan alles doof ist, aber durch die Veränderung eben noch schlechter werden könnte. Angst ist also meistens ein schlechter Ratgeber.

Aber wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt nämlich durchaus Situationen, in denen diese Angst berechtigt ist. Dich nicht einfach vor ein Auto zu stürzen oder einen Kredit in Millionenhöhe aufzunehmen, den du niemals abbezahlen kannst, sind ebenfalls angstgetriebene Entscheidungen – in diesen Fällen hat die Angst aber durchaus ihre Daseinsberechtigung. Wir sprechen dann von der Vernunft. Bleibt also die Frage: Worin liegt der Unterschied zwischen Angst und Vernunft?

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Free-Photos / Pixabay

Angst vs. Vernunft: Der Versuch einer Abgrenzung

Um dieses Thema in Gänze zu erfassen und daraus wichtige Lehren ziehen zu können, ist es also sinnvoll, erst einmal eine Abgrenzung vorzunehmen. Laut Definition handelt es sich bei der Angst um

„ein beklemmendes oder banges Gefühl, bedroht zu sein.“ 

Genau genommen, stellt die Angst eines der Grundgefühle des Menschen dar – wie zum Beispiel auch Freude, Trauer oder Wut. Es handelt sich also um eine starke Emotion, die mit dem Gefühl einhergeht, auf irgendeine Art und Weise jetzt oder zukünftig bedroht zu sein. Dabei kann es sich um eine körperliche Bedrohung ebenso handeln wie um eine finanzielle oder auch soziale…beispielsweise die Angst vor dem Verlassenwerden oder dem Jobverlust. Angst geht also meistens mit der Empfindung einher, aus irgendeinem Grund überhaupt nicht mehr oder nicht mehr so gut weiterleben zu können wie zuvor. 

Die Angst ist also unverzichtbar für den Selbstschutz und damit auch die Selbsterhaltung. Ohne Angst wärst du vermutlich schon lange tot, um es drastisch auszudrücken. Allerdings geht dieser Selbsterhaltungstrieb bei vielen Menschen zu weit. Die Ängste verselbständigen sich und plötzlich hast du vor vielen Dingen unnötige Angst. Sie wirkt lähmend und hält dich davon ab, aus deinem (angstgetriebenen) Hamsterrad auszubrechen. Häufig weißt du dabei selbst gar nicht genau, was dich abhält, da du die Ängste nicht bewusst wahrnehmen kannst. In Extremfällen können sie aber auch in Angstzuständen, Phobien oder Panikattacken münden. 

Demgegenüber bezeichnet Vernunft 

„die geistige Fähigkeit des Menschen, Einsichten zu gewinnen, sich ein Urteil zu bilden, die Zusammenhänge und die Ordnung des Wahrgenommenen zu erkennen und sich in seinem Handeln danach zu richten.“  

Die Vernunft ist somit die Fähigkeit, deine Ängste bewusst(er) wahrzunehmen und objektiv zu bewerten. Auch vernünftige Menschen haben also Angst, jedoch haben sie gelernt, „richtig“ damit umzugehen. Die Vernunft nimmt den Ängsten ihre Unberechenbarkeit und fungiert stattdessen als eine Art „Filter“, um eben anhand von Fakten & Co zu prüfen, welche Angst tatsächlich berechtigt ist und welche nicht. 

Was bedeutet das für dich?

Wenn du vor einer schwierigen Entscheidung stehst, beispielsweise dem Sprung in eine Selbständigkeit, musst du also das richtige Maß finden. Es macht keinen Sinn, dich von unnötigen Ängsten abhalten zu lassen. Deine Angst aber einfach beiseite zu schieben und dich blindlings ins kalte Wasser zu stürzen, kann ebenfalls ordentlich schiefgehen. Du solltest daher nicht ängstlich sein – aber vernünftig.

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Du merkst, dass dich irgendetwas in der vergangenen Zeit – vielleicht sogar schon immer – davon abgehalten hat, deine Träume zu verwirklichen? Gerade dann ist diese Erkenntnis für dich jetzt besonders wertvoll. Denn vermutlich waren es deine Ängste, die dir bewusst oder unbewusst im Weg standen. Dementsprechend ist jetzt die Zeit gekommen, um nicht ängstlich, aber vernünftig an die Sache heranzugehen.

Schritt 1: Ängste bewusst machen

Erst einmal gilt es, dich ehrlich zu fragen, was dich bislang von der Erreichung deiner Ziele oder dem Treffen einer wichtigen Entscheidung abgehalten hat. Viele Menschen möchten sich ihre Ängste nicht eingestehen und kommen daher mit Gründen wie „zu wenig Geld“, „jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt“, „schlechte Marktlage“ und, und, und…

Liste einfach erst einmal alle Gedanken auf, die dir in den Sinn kommen und welche für dich in der Vergangenheit nach guten Gründen klangen, um dein Vorhaben aufzuschieben oder sogar gänzlich zu verwerfen.

Nun wirfst du noch einmal einen zweiten Blick auf diese Liste und fragst dich, ob dieser tatsächlich ein Grund ist oder nur der Vorwand für eine dahinter steckende Angst. Hast du beispielsweise zu wenig Geld, um dich selbständig zu machen, so steckt dahinter vermutlich nur deine Versagensangst. Du traust dir also schlichtweg nicht zu, auch als Selbständige/r (rechtzeitig) ausreichend Geld für deinen Lebensunterhalt zu verdienen. 

Schritt 2: Vernunft einschalten

Nachdem du deinen Ängsten auf den Grund gegangen bist, gehst du diese Liste noch ein drittes Mal durch und bewertest die aufgelisteten Hindernisse mit Vernunft. Steht dir also wirklich das Geld im Weg – um bei dem Beispiel zu bleiben? Oder könntest du nicht vielleicht zur Überbrückung einen Kredit aufnehmen? Wie hoch darf dieser sein, um dich nicht finanziell unter Druck zu bringen, aber trotzdem als Starthilfe zu fungieren und dich endlich aus dem Hamsterrad zu holen?

Am Beispiel des Geldes lässt sich also sehr gut verdeutlichen, wie eine vernünftige, aber nicht ängstliche Herangehensweise aussehen könnte. Angenommen, du hast tatsächlich zu wenig Geld, dann gibt es mittlerweile viele Wege, um schnell und einfach an einen Kredit zu kommen – zum Beispiel über das Internet. Allerdings könnte ein solcher Kredit für dich auch den finanziellen Ruin bedeuten, wenn du diesen nicht zurückzahlen kannst. Nun musst du also anhand von Zahlen und Fakten ausrechnen, wie viel Geld du für den Start deiner Selbständigkeit bräuchtest und ob dieser Wert realistisch ist.

Erst, wenn dir das Ergebnis dieser Rechnung vorliegt, solltest du entscheiden, ob du den Schritt wagen kannst oder noch nicht. Die Betonung liegt auf „noch“, denn dann gilt es, einen Plan B zu entwickeln und beispielsweise fünf Jahre zu sparen, um deinen Traum anschließend zu verwirklichen. Dieses Beispiel lässt sich natürlich auch auf alle anderen möglichen Situationen, Ängste, Ziele & Co übertragen. Vernunft bedeutet also, Ängste nicht zu ignorieren, aber dafür Lösungen zu finden. Merkst du anschließend, dass dich trotz „freier Bahn“ noch etwas von deinem Vorhaben abhält, handelt es sich vermutlich tatsächlich nur um eine unbegründete Angst. 

Schritt 3: Ängste (endlich) überwinden

Solltest du also einen konkreten Plan haben, um dem Hamsterrad zu entkommen oder ein anderes Vorhaben umzusetzen, aber deine Ängste blockieren dich noch, ist das völlig normal. Die Angst ist schließlich ein intensives Grundgefühl, das du nicht einfach ausknipsen kannst. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, um deine Ängste zu überwinden und somit endlich deine Ziele zu erreichen. 

Welche der mehreren möglichen Strategien bei dir am besten wirken, ist individuell und musst du schlussendlich selbst herausfinden. Doch wenn du bereits weißt, dass es sich um eine unbegründete Angst handelt und dass du vernünftige Pläne hast, die mit großer Wahrscheinlichkeit aufgehen werden, hast du bereits einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht!

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2 Antworten

  1. Danke für diesen Artikel. Angst hält so viele Menschen zurück, endlich in die Richtung zu gehen, in die man eigentlich will.
    Aber man kann es schaffen und dazu finde ich diesen Artikel sehr wertvoll!

    LG Stefan

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