Der eine fatale Grund, warum du niemals deine Berufung findest

Es ist wie die Suche nach dem Stein der Weisen, dem heiligen Gral, dem Rezept für ewige Jugend, der chemischen Formel, wie man Gold herstellt, oder heutzutage dem Mittel, das wirklich gegen Haarausfall hilft:

Das Finden der eigenen Berufung, der Leidenschaft, „tun, was man gerne tut“, „das eigene Ding durchziehen“ oder wie immer das heute auch genannt wird.

Nur, wenn so viele Menschen danach suchen, dann tun viele Menschen offenbar etwas, was nicht ihre Berufung ist, etwas, das sie nicht gerne tun.

Aber ist es nicht eigentlich gegen die Natur des Menschen, gegen die Natur unseres Daseins, dass wir den Großteil unserer Zeit, die wir zur Verfügung haben, etwas tun, was wir nicht lieben?

Wie hat das angefangen?

Wer hat sich das ausgedacht, dass man seine Lebenszeit verkauft für den monatlichen Gehaltsscheck?

Ich wiederhole es nochmal:

Tag für Tag verkaufen wir unsere Lebenszeit. Wir tauschen unsere Zeit gegen Geld. Und zwar indem wir Dinge tun, die nicht dem entsprechen, was wir gerne tun, und dafür entschädigt werden. Mit Geld.

Und das tun wir nur, weil wir nicht wissen, was unsere Leidenschaft ist! Hier kannst du das ändern.

Doch bevor wir zu dem einen fatalen Grund kommen, warum du niemals deine Leidenschaft findest, schauen wir uns mal die Faktoren an, die dazu führen.

Warum wissen wir nicht, was unser Ding ist?

Wie kommt es eigentlich, dass fast niemand auf dieser Welt sagen kann: „Ich weiß, was meine Berufung ist“? Und wie kommt es, dass die wenigen Menschen, die es wissen und auch leben, ungemein erfolgreich und gleichzeitig zufrieden sind?

Ich denke, es gibt einige wenige Gründe, warum wir nicht wissen, was unsere Berufung ist. Davor aber ein kleiner Hinweis für eine Abkürzung:

Weil das Wort „Berufung“ einfach zu groß ist

Es steht auf einem Podest. Ganz weit oben. Gleich neben Reichtum, Glück, Gesundheit und Liebe. Die Bestimmung oder Berufung. Nur eines versteh ich nicht:

    • Wir wünschen einander Tag für Tag Gesundheit und „viel Glück“.
    • Tag für Tag heiraten zigtausende Menschen, weil sie an die Liebe glauben.
    • Millionen Menschen rackern sich den Arsch ab, um reich zu werden.

Warum – verfickt nochmal – glauben und wünschen wir uns all das, aber niemand, niemand, niemand wünscht den anderen „Berufung zu finden“ und fast niemand arbeitet wie der Blöde 10 Stunden täglich, um die eigene Bestimmung zu leben? Warum ist „Berufung“ so groß, unerreichbar und utopisch und Liebe, Glück, Gesundheit und Reichtum sind „normal“ und gesellschaftlich akzeptiert? Denn alles davon ist meiner Meinung nach gleich schwer oder gleich leicht erreichbar. Es will einfach nicht in meine Birne. Und es macht mich einfach nur traurig. Hier mal kurz ein paar Glaubenssätze, die sich beim Thema „Berufung“ festgesetzt haben.

    • Du hast deine Berufung gefunden? Du hattest einfach Glück
    • Die eigene Bestimmung finden ist eine echte Seltenheit – wie ein Lottogewinn.
    • Nicht jeder hat so etwas wie die eigene Berufung. Das ist nicht jedem gegeben!
    • Rund um mich herum sind nur Menschen in meinem Alltag, die auch nicht ihre Leidenschaft leben. Warum soll es gerade bei mir funktionieren?

Hand aufs Herz. Welcher dieser Glaubenssätze sitzt auch in deiner Birne fest? Und nochmal Hand aufs Herz: Wie viel Zeit hast du aufgewendet, um an irgendeinem davon zu rütteln? Ansatzweise so viel Zeit, wie du auch nur in einer Woche auf Facebook verbringst?

Weil wir nicht so erzogen werden

Ich kann nur von mir sprechen und ohne jeden Vorwurf: Ich kann mich nicht erinnern, wann im Rahmen von Erziehung, Schule, Ausbildung, Universität, beruflicher Weiterbildung jemals das Wort „Berufung“ gefallen wäre. Eher ging es in diese Richtung:

    • Du musst was tun, was Geld bringt.
    • Du musst einen Job ergreifen, der Zukunft hat.
    • Du musst etwas tun, wo du Karriere machen kannst.
    • Du musst einen Trend-Beruf ergreifen, also etwas, das gerade boomt.
    • Du musst etwas Ordentliches machen, so etwas wie Bank, Medizin, Anwalt oder BWL.

Ich glaube ja fest daran: Wenn dir das von Kindesbeinen an eingehämmert wird, dann wird das einfach nix mit diesem Berufungs-Ding. Dann triffst du deine Job-Entscheidungen auf Basis der obigen Checkliste. Und Berufung steht definitiv nicht darauf. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemand dieses Wort gelehrt oder gar erklärt hätte. Macht mich auch traurig. Der dritte Punkt ist noch schwerwiegender:

Weil wir uns nicht kennen

Auch hier müssen kurz mal Schule & Co herhalten. Wir lernen in der Schule alles. Aber nichts über uns. Wir lernen, was wir wissen müssen, was wir können müssen, was wir haben müssen, wie wir sein sollen.

Wir lernen aber nicht, wie wir sind. Nicht, wie wir in uns reinhören.

Wir müssen funktionieren, wir dürfen nicht wir sein. Daher funktioniert alles, was mit „Persönlichkeitsentwicklung“ zu tun hat, so wunderbar. Weil wir ab einem gewissen Alter nach Antworten gieren wie ein Durstiger in der Wüste nach Wasser. Ich habe es selbst erlebt.

Die Frage nach dem Sinn des Seins und Tuns kommt irgendwann. Auch im schnellsten Hamsterrad. Und oftmals bleibt die Antwort aus. Weil du nicht „du“ sein darfst, kennst du dich nicht gut genug. Weil du dich nicht gut genug kennst, hast du keinen Plan, was deine Berufung ist. Der vierte Grund ist bereits der erste Schritt für die Lösung.

Weil wir uns keine Zeit dafür nehmen.

Ganz einfach. Alles andere auf der Welt ist wichtiger als das Finden deiner Berufung. Dabei wäre der Weg gar nicht so kompliziert:

Der eine fatale Grund, warum du niemals deine Berufung findest

ist, wenn man sich die oberen Element anschaut, entsetzlich naheliegend:

Der Grund bist du.

Weil du es dir nicht erlaubst.

Weil du nicht daran glaubst.

Weil du es dir nicht zutraust.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch den Plan hätte, wie du aus dem Dilemma rauskommst und dich mit der Auskunft „Du bist dafür verantwortlich“ einfach so im Regen stehen lassen würde.

Genau um das zu erreichen, habe ich für dich einen Maßnahmenplan zusammengestellt. Einen Plan, den du nur nachturnen musst, und der, wenn er umgesetzt wird, alles ändern wird. (Klingt heftig, wenn du es aber ernst meinst, wird es so sein.)

Maßnahmen für den einen Tag, an dem du deine wahre Leidenschaft findest

Commitment mit dir selbst – Meine es ernst

Der erste Schritt ist, die Halbherzigkeit endlich hinter dir zu lassen. Es geht darum, dass du deine Berufung nur findest, wenn du es wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich willst. Und nicht nur ein wenig.

Daher beschließe es. Mach einen Vertrag mit dir. Halte dich daran.

Du gehst ja auch fünfmal pro Woche zur Arbeit. Das kannst du ja auch einhalten.

Termin mit dir selbst

Setze einen Tag an, der nur diesem Thema gewidmet ist, und plane, dafür deine normale Umgebung zu verlassen. Trage ihn in deinen Kalender ein, reserviere ein Hotelzimmer oder überlege dir, wo du diesen Tag verbringst.

Wichtig: Er muss weit genug weg von deiner normalen Umgebung sein (geografisch und mental) und du solltest dort nicht erreichbar sein. Im Zweifelsfall: Handy zu Hause lassen.

Die Agenda

Mach eine Agenda, einen Stundenplan: 9-10, 10-11, 11-12 etc. Bei Business-Klausuren gibt’s auch Tagesordnungen, die eingehalten werden. Mache es mit dir genauso. Plane einfach, was du an diesem Tag mit dir alles klären möchtest. Wenn du möchtest, setze Ziele und Resultate. Wenn nicht, lass es.

„Professionelle“ Research

Mache dir eine Liste von 7 Menschen, die dir wichtig sind. (Schau auf die Kurzwahl-Liste deines Handys oder die Whatsapp-Chat-Übersicht, wenn dir die Wahl schwerfällt). Schreibe ihnen eine Mail oder rufe sie an und frage sie:

  • Was kann ich am besten?
  • (Bei Freunden): Warum bist du mit mir befreundet?
  • Was ist mein größtes Talent?
  • Womit sollte ich mein Geld verdienen?
  • Wann fragst du mich nach meinem Rat?
  • Was glaubst du, ist meine Berufung?

Sammle die Ergebnisse zusammen, werturteile nicht, packe sie zu den Unterlagen für das „große Meeting mit dir selbst“.

Info an die Liebsten

Informiere deine Familie etc., dass du einen Tag lang einfach nicht da bist. Und wenn du dir denkst: „Das geht nicht“, dann muss ich dir eines geradeheraus sagen: DU IRRST DICH. Nimm dich nicht so wichtig. Die Welt läuft weiter ohne dich. Auch wenn du einen Tag lang nicht erreichbar bist. Und Menschen, die dich lieben, werden es verstehen.

Das Equipment

Du musst dich mit dem richtigen technischen Equipment für diesen Tag ausrüsten. Überraschenderweise ist das recht einfach: Papier. Stift. Fertig.

Der besondere Tag

Dieser besondere Tag ist wie ein schon lange geplanter Urlaub. Zelebriere in den Tagen davor das kommende Meeting mit dir selbst. Freue dich darauf. Mache es genauso wie bei einem Traumurlaub in der Karibik. Stehe an diesem Tag besonders früh auf und mache dich auf den Weg. Fühle das Kribbeln im Bauch, wie Reisefieber. Nach diesem Tag ist nämlich nichts mehr so wie vorher.

Das Gespräch mit dir

Abgesehen davon, dass du dich an deine Agenda hältst, gebe ich dir einen Rat, der in normalen Meetings manchmal zu kurz kommt: Lass dich selbst aussprechen! Lass die Ergebnisse deiner Meinungsumfragen einfließen. Frage dich in aller Ruhe, was du schon immer werden wolltest, was du aufgegeben hast, was du dich nie getraut hast zu sagen, was du tun willst, obwohl du weißt, damit verdienst du keinen Cent, und, und, und.

Schreibe alles nieder. Wenn die Fragen oder Antworten nicht sofort kommen, sei geduldig mit dir, aber bleib fokussiert. Sieh diesen Tag als den Tag, wo du endlich mal zulässt, dass du zu Wort kommst. Und zwar mit dem, was du willst oder mit dem, was du dir nie erlaubt hast. Oder schlicht und ergreifend mit dem, was zu absurd klingt, um davon leben zu können.

Das Resultate-Protokoll

In den letzten zwei Stunden deines Berufungs-Tages beginnst du, die Resultate zusammenzufassen. Einfach Schritt für Schritt die ganzen Gedanken und Notizen sichten und schlichten.

  • Sieh Zusammenhänge, wo sie auf den ersten Blick nicht erkenntlich sind.
  • Erkenne Faktoren, an die du bis jetzt nicht gedacht hast.
  • Kombiniere, was nach rationaler Sicht nicht zusammen passt.

Du brauchst nicht DAS Ergebnis. Erlaube dir aber, ein starkes Gefühl für die Richtung zu entwickeln. Dieses Gefühl bringt dir mehr als jedes messbare, kognitive Resultat.

Der erste Schritt

Der Berufungs-Tag endet mit dem ersten Schritt. Definiere klar und deutlich, was dein erster Schritt mit den neu gewonnenen Erkenntnissen ist, und dann mache diesen Schritt sofort.

Nicht: „Heute hab ich genug geleistet, das mache ich morgen“.

Nein.

Mache sofort den ersten konkreten Schritt, um das, was du an neuen Erkenntnissen geschaffen hast, in die Realität umzusetzen. Nachdem du diesen ersten Schritt (und sei er noch so klein) gemacht hast, plane die nächsten Schritte und terminiere deren Umsetzung.

1 Tag, 10 Schritte, 1 starkes Gefühl, 1 klare Richtung.

Am Ende noch etwas:

Wenn du etwas kochen möchtest und du keine Ahnung hast, wie es geht, dann besorgst du dir ein Kochbuch mit einem Rezept, um das Gericht Schritt für Schritt nachzukochen.

Wenn du dich dann nicht an die Mengen- und Zeitangaben, die in deinem Kochbuch stehen, hältst, andere Zutaten nimmst, etwas weglässt oder es einfach anders machst, dann darfst du dich nicht wundern, dass am Ende nicht das Gericht rauskommt, das so wunderbar auf dem Foto im Kochbuch abgebildet ist.

Lass es dir gut gehen!

sig

P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ehrlichkeit das Leben einfach macht.

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