Du bist zu nett? Immer Everbody’s Depp? 9 gute Gründe damit aufzuhören

zu nett

Es ist für mich sehr spannend, dass gerade ich einen Artikel mit diesem Titel schreibe. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich hasse Auseinandersetzungen, Konfrontationen, Meinungsverschiedenheiten und Streitereien. Tendenziell bin ich auch zu nett.

„Zu Nett sein“ könnte es auch „harmoniebedürftig“ nennen oder neuerdings würde man vielleicht das neue Modewort „hochsensibel“ benutzen. Ganz ehrlich, mir sind Meinungsverschiedenheiten zu anstrengend. Mir geht dieses verbale Kräftemessen schwerstens auf die Nerven.

Andererseits weiß ich, dass es Menschen gibt, die das mögen. Gar nicht aus einer bösen Intention heraus. Sondern die es einfach brauchen, sich aneinander zu reiben (wenn es wenigstens im erotischen Kontext wäre, könnte man das ja noch verkraften).

Nur was passiert, wenn jemand, der Konfrontationen nicht mag (weil sie zu 99,9 % völlig sinnlos sind), und jemand, der diese sucht, zusammenkommen?

Einer zieht zurück. Jaja, ich kenne den halbweisen Spruch „Der Klügere gibt nach“, nur das ist nicht immer sonderlich befriedigend. Und es hat für mich lange Zeit gedauert, um drauf zu kommen und mir selbst einzugestehen:

„Du bist einfach zu nett.“

Ich möchte jetzt nicht dazu aufrufen, dass wir alle Streithähne werden und jedes Mal auf Biegen und Brechen unseren Willen durchsetzen sollen, aber ein Anfang wäre mal, Nein zu sagen. Ja, ich weiß: „Nein sagen“ muss man üben. Und „Nicht immer nett sein“ muss man erst recht üben. Denn, wenn deine Gutmütigkeit immer ausgenutzt wird, dann nervt das.

Denn „Everybody’s Darling“ wird schnell mal zu „Everybody’s Depp“.

und:

Mit leerem Kopf nickt es sich leichter!

gutmütige Menschen
StockSnap / Pixabay

Immer zu nett? Ein kleines Mantra für dich

Wenn du jetzt alleine bist, während du diesen Artikel liest, kannst du die folgenden Aussagen durchaus laut für dich sagen:

  • Ich scheue keinen Konflikt mehr, nur weil ich nicht anecken möchte. Wenn mir etwas wichtig ist, dann spreche ich es aus.
  • Nett sein stärkt nicht meinen Wert. Weder meinen Selbstwert noch führt es zu mehr Respekt durch andere.
  • Ich höre auf, nett zu sein. Denn das führt dazu, dass sich alles in mir aufstaut und ich irgendwann dann förmlich „explodiere“.
  • Ich spreche ab jetzt aus, wenn mich etwas stört, wenn ich anderer Meinung bin, wenn ich anders denke. Ich probiere es einfach mal aus und lasse mich überraschen, was passiert.

Mag jetzt extrem lächerlich sein, sich solche Sätze laut vorzusagen. Ich weiß, was die eine oder der andere sich jetzt denkt: Jetzt kommt er mit Affirmationen und diesem „Eso-spiri-positiv-denken-Zeug“ an.

Ganz unter uns: Mir persönlich ist ja scheißegal, ob das Eso-Zeug ist oder nicht. Es funktioniert.

Hm … Das war gut. Ich habe den Konflikt mit dir, lieber Leser, jetzt gerade nicht gescheut und habe das, was mir gerade durch den Kopf ging, einfach hingeschrieben.

Hier ein Buchtipp, der dir weiterhelfen wird!*

Mein Blog hat viel dazu beigetragen, dass mir das mittlerweile recht leicht fällt. Denn sich selbst zu artikulieren ist ein wichtiger Schritt, wenn du aus dem Hamsterrad raus willst.

Hat für mich funktioniert.

Funktioniert auch für dich. Dann ist endlich Schluss mit dem ewigen „zu nett“ sein!


Der Artikel zum hören:


Jetzt mal für die Rationalen ein paar Punkte, warum du mit „zu Nett sein“ aufhören solltest.

1) Du kommst drauf, dass Konflikte dich und andere auf den Weg bringen. Jeder Konflikt hat, egal wie heftig er auch sein mag, konstruktive Seiten.

Passender Artikel:  Paradoxe Gebote: Warum Trotz und Unvernunft zutiefst gute Eigenschaften sind

2) Du fühlst dich besser, weil du mehr du sein kannst. Dein Selbstrespekt geht durch die Decke.

3) Dein Wert bei anderen hängt nicht davon ab, ob du stets ihrer Meinung bist (stets anderer Meinung zu sein bringt übrigens auch nichts).

4) Du lernst, wann du „Nein“ sagen kannst. Und du lernst vor allem, dich nicht schuldig dafür zu fühlen.

5) Du hörst auf, dich ständig im „Rechtfertigungs-Modus“ zu befinden.

6) Du sparst Zeit und Energie. Nicht nur deine, sondern auch die deiner Mitmenschen. Auch wenn du manchmal unbequem bist, sie werden es dir danken.

7) Du denkst weniger. Manche würden auch „geistiges Onanieren“ oder „Hirnwichsen“ dazu sagen. Wenn du es nicht mehr immer jedem recht machen musst, musst du dir auch nicht alles immer auf Punkt und Beistrich überlegen und durchdenken.

8) Du lernst dich besser kennen, du siehst deine Stärken und kannst Fähigkeiten und Seiten an dir entfalten, die eventuell durch „Mund-Halten“ noch im Verborgenen schlummern.

9) Je weniger du es anderen recht machen musst, umso weniger erwartest du dies auch von anderen. Wenn die anderen nicht so „funktionieren“, wie du willst, dann wird dir klar, warum. Denn du funktionierst ja auch nicht immer so.

Hast du dich hie und da wiedererkannt? Hast du für dich weitere Argumente gefunden, warum du aufhören kannst, ein „Ja-Sager“ zu sein? Dann mach hier den ersten Schritt!

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

32 Antworten

  1. Verdammte Scheiße – klar stimmt das alles, was hier geschrieben wird aber was ist denn, wenn ein Mensch gerne hilft und dabei selbst seine eigenen Grenzen überschreitet? Es ihm also leicht fällt und er dies nicht als lästige Aufgabe empfindet, weil er einfach so viel Liebe hat und diese verschwenden möchte. Klar, daß man dadurch möglicherweise einfach nur die Verantwortung für sein eigenes Leben abgeben möchte – aber selbst wenn; was wäre daran so verwerflich? Vielen Menschen zu helfen – selbst wenn es nur um geringfügige Handlungen oder Dinge geht oder auch nur um ein Lächeln – ist doch möglicherweise für eben Viele „gewinnbringender“ als die disziplierte Arbeit an sich selbst, sich eben selbst sehr wichtig zu nehmen. Mein Gott, was maßen wir uns an? Oder sind wir auf die Welt gekommen, um uns selber zu formen? Jeder Mensch ist doch anders – es kann doch keine allgemeingültige Formel geben. Seit ich (seit 5 Jahren in dem harten Berlin wohnend ) bemüht bin, härter und nicht mehr so charmant und liebenswürdig zu sein wie es meiner lebhaften und liebevoll heiteren Natur entspricht, fällt mir alles unsagbar schwer und meine „kindliche“ Lebenslust und mein „unbedarfter“ Elan scheinen begraben….

    1. @Romy Marlene, Gott, du sprichst mir sooo aus der Seele! Ich denke wie du! Lebe deine Einstellung und frage mich ebenso, warum soll ich mich ändern? Warum können nicht die anderen einen Schritt auf unsere Liebe, unsere Freundlichkeit zugehen? Würde dies nicht die Welt etwas besser machen und nicht umgekehrt? Oder muss ich mich ändern um die Welt nicht so verdammt ungerecht zu empfinden? Bin ich dann nicht genau das was mich ärgert? Der Egoismus und die Selbstgefälligkeit unserer Gesellschaft? Glorie, zugezogen nach Berlin

  2. Hallo Markus,
    hab grad deinen Nett-Beitrag entdeckt. Da kann ich mich gut wieder finden. Auch ich lerne immer mehr das Wort Nein zu gebrauchen und es macht Spass 😉
    Dein Beitrag ist wie immer sehr Alltagstauglich, danke dir.
    Herzlichst Marianne

  3. Hey,ich bin noch ein Kind (13)und werde sehr viel ausgenutzt von meinen Mitschülern und ich habs satt immer wenn ich „Nein“ sage schuldgefühle zu empfinden.Alle meine „Freunde “ nutzten mich immer nur aus und ich wurde auch schon von ihnen gemobbt…aber ich..hatte immer angst was zu sagen mich zu währen da es so immer nur schlimmer wurde.Ich erzählte meiner Mutter davon aber sie sagte nur ich solle mor das nicht gefallen lassen.Aber wenn man viel zu große Angst hat und nicht wieder will das alles so wird wie damals,was soll man dann tun. 🙁

    1. Hi Dina, danke für deinen Kommentar, Ferndiagnosen sind immer schwierig, aber beginne zu aller erst dir klar zu werden, wer du bist und vor allem, was du an dir magst. Alles beginnt damit, sich selbst zu akzeptieren und sich selbst lieb zu haben. Auch dir Art und Weise, wie andere mit uns umgehen hat seinen Ursprung in der Tatsache ob wir uns selbst lieb haben. Das ist ein Weg, den wir alle, auch du und ich lernen dürfen. Es ist ein schöner Weg. Lenke den Focus mal auf dich und lernen dich kennen, lerne dich schätzen, lerne dich lieben. Und du wirst sehen, dass die anderen das merken werden und anders mit dir umgehen werden.
      Lass es dir gut gehen!
      M

  4. Lieber Markus!
    Ich konnte immer schon „nein“ sagen. Ich war immer authentisch. Ich habe die Wahrheit gesagt, wenn es notwendig war. Aber kein prinzipiell gegen den Strom schwimmen.
    Und ich bin sehr einsam!
    Die Kollegen wollen lieber ihre eingefahrenen Wege gehen und grenzen mich aus. Lieber einen längeren Weg gehen als einen neuen. Kein Respekt für mich (auch wenn ich für die Kollegen einen Vorteil holen will!), nur betretene Ablehnung.
    Auch privat hat man nicht viele Freunde, wenn man sich nicht von den anderen einspannen lässt! Die meisten möchten sich nur mit nur Ja-Sagern umgeben.

    Also klug zum weißen Raben mutieren!
    Sissy

  5. Gut, dass du den Artikel auf Facebook noch einmal promotet hast, er gefällt mir wirklich gut!

    Bei deinem dritten Punkt musste ich übrigens breit grinsen:

    „3) Dein Wert bei anderen hängt nicht davon ab, ob du stets ihrer Meinung bist (stets anderer Meinung zu sein bringt übrigens auch nichts).“

    Bei mir ist das Problem tatsächlich häufig, dass ich eine andere Sicht der Dinge habe. Frag mich nicht warum, ich bin eigentlich auch sehr harmoniebedürftig. 😉 Ich habe bei mir selbst aber auch schon oft festgestellt, dass ich null Respekt vor Leuten habe, die sich immer anpassen, jedem Konflikt aus dem Weg gehen und einknicken, wenn jemand anders ihre Meinung infrage stellt.

    Schwierigste Frage ist eigentlich: Wann sollte man wirklich einfach nur „nett“ sein und seine Meinung für sich behalten? Und wann sollte man offen, aber diplomatisch seine Meinung sagen? Da bin ich noch in der Experimentierphase! Meistens sage ich aber eher zu wenig als zu viel. 😉

    Liebe Grüße,
    Melina

  6. Hallo Markus,

    danke für diesen Artikel-wirklich klasse Gedanken.
    Für mich geht es beim nicht-nett-sein um Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und authentisch sein. Menschen fällt es schwer auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Das ist aber das, was Standing aus macht.

    Nein sagen und dabei respektvoll mit dem Gegenüber sein-that´s it.

    Schön, dass Du Deine Gedanken dies bezüglich zum Lesen gebracht hast. Passt zum heutigen Tag!

    Liebe Grüße Katharina

  7. Hallo, egal welchen Beitrag ich von Dir lese, es sind alles interessante Themen aus denen ich viel gelernt habe. Nein sagen war für mich schon immer sehr schwer da ich schüchtern bin und keinen verletzten will, nur wenn man Deine Beiträge liest und man selbst merkt das man von vielen Leuten nicht annähernd das zurück bekommt was man mal gegeben hat dann macht es irgendwann KLICK und man versucht sich im Nein sagen, am Anfang sagt man nicht direkt Nein, aber irgendwann kommt einfach ein klares Nein mit einer kleinen Beschreibung wieso weshalb warum und dann is auch gut so, der wo das dann nicht versteht, ja mei, der ist wahrscheinlich nur ein ständiger Nehmer.
    Vielen Dank für Deine Beiträge
    in diesem Sinne, Schöne Grüße aus Little Munich

  8. Lieber Markus,

    danke, dass du mit wenigen Worten den Punkt triffst. Harmonie-Sucht macht unfrei und es ist letztendlich auch nur eine der vielen Süchte, mich im Hamsterrade bleiben lassen. Was will ich denn damit erreichen? Dass ich mehr geliebt, geschätzt oder gewürdigt werde? Das Gegenteil ist der Fall. Was ist wirklich wichtig für mich – JETZT? Dass ich mich liebe wie ich bin, dass ich mich wertschätze wie ich bin, dass ich mir treu bleibe…………Je echter und ehrlicher ich bin, je mehr ich an mich glaube und vertraue, desto mehr fliesst von dem in mein Leben, wonach ich mich sehne. Schönen Montag wünscht Noelani

  9. Hallo Markus,

    danke für Deine Artikel. Immer wieder gute Anregungen! Superartikel!

    Ich hatte das Problem auch und bin da auch noch etwas dran. Ähnliche Grundsätze habe ich auch aufgestellt.
    Ich habe allerdings den Grundsatz, mich nie auf „immer“ oder „nie“ festzulegen, denn es mag Ausnahmen geben (zu anderen Zeiten oder in anderen Situationen), die ich jetzt noch nicht kenne. Und dann könnte ich an einem vom Unterbewusstsein aufgenommenen Satz, den ich dann schon nicht mehr im Bewusstsein habe, festhängen. Dieser Grundsatz ist quasi eine Sicherung gegen neue Hamsterräder. Wird dieser Grundatz auf sich selbst angewendet, wird aber klar, dass auch er Ausnahmen haben könnte…
    Wegen dieses Grundsatzes läuteten bei mir beim Lesen von „Ich höre auf, nett zu sein…..“ sofort die Alarmglocken. Das Risiko könnte vermieden werden mit „Ich höre vorerst auf nett zu sein, damit ich lerne, nichts mehr in mir aufzustauen. Ich bin vorerst ungebremst.“
    Ich war dieses Harmonieproblem vor etlichen Wochen mit Konfrontation angegangen. Die Hemmnisse, die da noch hochkammen, wenn ich derartige Sätze wie „Ich höre auf nett zu sein“ sagte, haben mich auf weitere Hemmnisse geführt und diese zu ähnlichen Grundsätzen bis hin zu „Ich darf auch Skrupellos sein.“ (war der Andere ja auch, wenn mitunter auch durch eine zuckersüße Blume..)
    Natürlich kann es sein, dass Andere da auch mal leiden müssen. Aber das muss man ansonsten selbst. Da müssen die Anderen dann auch durch, ist halt so…sie sind ja auch nicht unschuldig…
    Mit derartigen Gedanken habe ich mich überzeugt, dass vorübergehend mal einiges knirschen darf und das nicht schlecht sein muss und es auch moralisch vertretbar ist.
    Andere können natürlich darunter leiden. Das macht nichts, denn – so skrupellos, wie die ihre falschen Argumente in Zuckerwatte verpackt damit der schwarze Peter immer bei mir liegt – voll fies! Darauf eingehen bringt nur Diskussion und Fronten (aus Erfahrung). Einfach sagen was ich davon halte, nicht mitspielen, ihr ggf. sagen welche Wahl sie hat und tun was ich für richtig halte. Egal wie skrupellos das sein oder wirken mag…
    Ich habe zu Beginn noch meinem Gegenüber aufgeführt, wie skrupellos ihr Verhalten ist und wie fies, das in Zuckerwatte zu verpacken. Später habe ich Ihr dann einfach nur die Wahl zwischen zwei Optionen gelassen (mit der Einstellung: geh drauf ein oder lass es bleiben) oder einfach nicht mitgespielt und meins gemacht.
    Was ich nicht gleich zu Beginn gemacht habe, aber besser gemacht werden sollte, denn das kann die Situation für den Anderen entschärfen und auch das Lernen beschleunigen: soweit ich auf Verständnis gehofft habe, habe ich mitgeteilt: „Ich war auf Nettigkeit gepolt, habe mir etliches gefallen lassen und einiges in mir aufgestaut. Das lasse ich jetzt ungehindert raus. Das kann starke Reaktionen geben. So lerne ich schneller, wo bei mir noch Bremsen wegen des Harmoniebedürfnisses sind. Die heftigen Reaktionen werden wohl wieder abklingen wenn ich gelernt habe, nichts mehr aufzustauen. Aber „Undinger“ zukünftig nie mehr durchgehen. Tauziehen wird es nicht mehr geben. Ich entscheide dann einfach was möglich ist und Du hast die Wahl, es anzunehmen oder nicht…… … ….Du darfst das gerne als „friss oder stirb“ bezeichnen…
    Ich muss mitunter wirklich auch skrupellos sein können, um das ohne Endlosdiskussion durchzustehen. Ich sollte wohl alles können (auch allgemein als negativ bezeichnete Eigenschaften sind in machen Situationen gut) und nichts grundsätzlich ablehnen, das lerne ich langsam. Diskussion bringt gar nichts, wenn einer auf Konfrontation aus ist. Mir hat da geholfen: ich habe überlegt, wie ob und ggf. wie weit ich bereit bin entgegen zu kommen. Das Ergebnis (als Endergebnis, nicht als Diskussionsgrundlage) habe ich mitgeteilt und fertig. Falls neue entkräftbare Gegenargumente kammen, habe ich die entkräftet. Aber „olle Kamellen“ die schon längst entkräftet waren, ignoriert und gesagt „Bei vielen Wiederholungen lohnt sich das zuhören nicht. Ich mach jetzt meine Sachen.“ Und das getan und alles Andere ignoriert.
    Ich habe Anfangs ständig (war vielleicht zu lange) und später gelegentlich ihr ihre Rücksichtlosigkeit (die sie mir vorwarf) oder Anderes mit Argumenten vorgehalten, wenn sie angreifbare Argumente vorbrachte (oft machte sie das, was sie mir vorwarf, nur nicht offensichtlich da in Zuckerwatte verpackt). Durch das gelegentliche entkräften ihrer Argumenten kommt nicht die Gefahr auf, dass Sie nicht bemerkt, wie sie agiert. Ich habe meine Argumente als Ergebnis hingeworfen. Nicht zur Diskussion. Weitere Gegenargumente habe dann ich direkt entkräftet (mitunter emotional recht geladen), aber keine Diskussion – die bringt bei gegnerischer Einstellung einfach nichts. Deshalb habe ich das auch nur ab und zu als Erinnerung mitgemacht. Das Entkräften der Argumente ging aus meiner Sicht recht erfolgreich. Mir ist erst während dieser Auseinandersetzungen richtig klar geworden, wie falsch und gut verpackt viele ihrer Argumente waren.
    Mittlerweile ist die Situation wieder entschärft. Ich bin langsam so weit, nichts mehr aufzustauen und sie hat keinen Bock, ständig den kürzeren zu ziehen. Wenn man sich wirklich rückhaltlos traut und keine Hemmungen hat, findet man viel leichter spontan Argumente und sieht auch leichter die Angriffspunkte.
    Das Lernen hat einige Wochen gedauert und verbal war das teils sehr heftig. Ich habs hinbekommen, da ich bereit war, auch schlimmere Folgen für die Beziehung hinzunehmen. So sollte es jedenfalls nicht weitergehen.
    Ich konnte das im privaten Umfeld lernen und das dürfte auch beruflich helfen. Aber die Lernphase klappte nur gut und unbefagen da ich bereit war möglichen Folgen der Auseinadnersetzungen zu akzeptieren. Das könnte im beruflichen (entlassung, Kunden verlieren…) schwierig sein und das könnte einen, wenn man es dennoch probiert, hemmen. Zusätzlich bliebe dann auch noch das Risiko. Da könnten vielleicht Rollenspiele helfen indem einer z.B. die Rolle des Kunden oder Chefs übernimmt.
    Mittlerweile reden wir miteinander und es klappt in der Regel ohne emotionales hochkochen und ohne Unterdrückung – aber emotionales Überschäumen ist nicht (mehr) verboten. Unterdrücken muss ich nichts mehr – vielleicht manchmal kurz innehalten, denn Argumente an den Kopf knallen ist jetzt, wo es auch anders geht, nicht mehr gut. Ins andere Extrem zu fallen (z.B. von der Harmonie in die Konfrontation) ist aber wohl die schnellste Art zu merken, wo z.B. das alte Harmoniebedürfnis noch bremst und sich davon zu lösen. Das Gegenüber unterstützt das oft auch, da der bisher gewonnene Boden nicht gerne kampflos aufgegeben wird. Die häufigen Lernmöglichkeiten sind eine positive Seite der Konfrontationen. Diese Einstellung hat auch etwas Distanz gebracht und es für mich leichter gemacht.
    Etwas zu viel halte ich mich immer noch zurück, das lerne ich jetzt wohl harmonischer lösen, ich muss es einfach nur direkt sagen und noch reinspüren, was mich da noch bremst. Das Grobe ist überstanden denke ich.

    Lass es dir gut gehen! Die Erfahrungen auf diesem Weg austauschen kann vielen helfen und das klappt bei Dir! Danke!

    Liebe Grüße
    Detlef

  10. Hallo Markus,
    ich finde das ganz toll, dass sich immer mehr Männer zu ihrer empfindsamen, sensiblen Seite bekennen. Von daher großes Kompliment an dich.
    Die Zeiten der Ellenbogenmentalität und der Ego- Kämpfe sind langsam aber sicher zum Glück vorbei.
    Was aber natürlich auf keinen Fall heißt, sich alles gefallen zu lassen und keine Grenzen zu setzten. Das fällt Menschen, die sich sehr gut in andere einfühlen können besonders schwer. Von daher ist „Nein“ sagen zu üben und zu lernen sehr wichtig. Ohne eigene Grenzen ist es schwierig von anderen als eigenständige Persönlichkeit wahr und ernst genommen zu werden.
    Außerdem kann man ja auch freundlich und bestimmt Nein sagen.

    lieben Gruß
    Edith

  11. Hallo,

    Ich werde als konfliktscheu genannt, und als zu nett. Ich will nett sein – zu mir und anderen!!!!
    KONFLIKT ist meiner Meinung nach ja nicht notwendig es geht in einem Konflikt ja darum zu kämpfen – wenn Meinungen unvereinbar sind. Ich kann ja eine andere Meinung stehen lassen, annehmen, muss sie doch nicht annehmen, und kann sagen dass ich das nicht will und auch gehen. Also komme ich nicht in Konflikt. In Konflikt gerate ich nur wenn ich Recht haben will. Konfliktfrei zu sein funktioniert halt nur wenn man das Verlangen nach Anerkennung nicht hat und nicht Recht haben will. Das ist keine leichte Übung. Ich will nett sein dürfen, daher gehört für mich auch dazu, die Vielfalt der Meinungen anzunehmen, solange sie meine Freiheit und Frieden nicht beschränken.
    LG Miriam

  12. Hi Markus

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich sehe mich oft als den netten Kerl, wie so viele der Kommentatoren.

    Hinzufügen möchte ich zwei Themen, welche ich bei mir beobachtet habe:
    1. Wenn ich die Mantren 1:1 umsetzen würde würde das Pendel in die Gegenrichtung schwenken und mein Image als netter Kerl würde sogleich zum Egoisten mutieren. Solche Gegenbewegungen habe ich sowohl bei mir als auch bei anderen Mitmenschen erlebt, welche unbedingt anders sein wollten als sie eigentlich waren.
    2. Mantren finde ich gut wenn sie meine innere Einstellung widerspiegeln. Wenn ich mit vollem Herzen hinter dem Mantra stehen kann und mich nicht dagegen wehre. Andererseits schüren sie Widerstände in mir, welche Mental, Emotional und Körperlich wahrnehmbar sind.

    Schönen Gruss
    Markus

    1. Hallo Markus,
      Ich glaube es ist ganz normal, dass das Pendel zuerst ins andere Extrem geht. Mir fällt da gleich eine alte Waage ein, so eine mit zwei Waagschalen. Da geht die zweite Schale auch erst mal ganz runter wenn du etwas reinlegst, bevor sich die beiden Schalen irgendwo einpendeln. Man muss ja erst mal testen: wieviel Egoismus tut mir gut und wieviel ist dann doch zuviel.

      1. Hi Susanne.

        Ein sehr gutes Bild. Je nachdem wieviel Gewicht du auf die Waage legst sind die Auswirkungen größer oder kleiner.
        Ich bin ein Freund der langsamen und natürlichen Persönlichkeitsentwicklung, weshalb ich Veränderungen eher mit Kieselsteinen angehe anstatt mit Felsblöcken.

        LG
        Markus

  13. Vielen Dank für den Post Markus.
    Wenn ich dann und wann nein sage, habe ich auch mehr Lust an anderer Stelle laut „Ja“ zu sagen, weil ich weiß, dass ich allein für mich entscheide.
    Lieber ein richtiges echtes Ja, als zehn Unfreiwillige.
    Ich bin nämlich auch der Meinung, dass Ehrlichkeit das Leben einfach macht.
    Und maches Mal ist eiun klares Nein nunmal einfach ehrlicher.

  14. Schöner Artikel! Um es auf das Wesentliche runterzubrechen: Man muss wissen, wann es sich zu kämpfen lohnt und wann ein Rückzug vielleicht die bessere Alternative ist.

    Bis bald!
    Jonas

  15. Hallo Markus,

    ich wüsste noch einen Grund dafür, öfter mal NEIN zu sagen.
    Ich werde ernst genommen! Oder ernster. Von meinen Kollegen, vom Chef, vom Ehemann, von den Kindern, von meinen Kunden.

    Wer oft JA sagt und NEIN meint, macht sich unglaubwürdig. Und das schädigt auf Dauer das eigene Selbstverständnis und das Verständnis, dass andere von mir haben.
    Ansonsten freue ich mich immer wieder deinen Blog zu lesen und warte somit bereits auf den nächsten.

    Viele Grüße
    Dagmar

  16. Hallo Markus,

    ein sehr interessantes Thema, denn ich war immer auf der anderen Seite und bin oft angeeckt, das kannst du doch nicht sagen.

    Ich hatte schon immer eine sehr direkte Art und konnte auch immer sehr gut NEIN sagen. Ich wollte oft anderen helfen, auch öfter mal „nein“ zu sagen und ich bekam oft zur Antwort, ach so egoistisch kann ich nicht sein.

    Bin ich ein Egoist, wenn ich direkt sage, NEIN das mag ich nicht, das gefällt mir nicht, ich mache mein Ding?

    Nun, ich kann deshalb auch sehr nett sein, kenn nur die Grenzen zu, denn „Everybody`s Darling“ ist schnell zum „Everybody`s Depp“ geworden!

    Ich liebe diese Einstellung und es geht mir gut dabei!

    Liebe Grüße
    Lothar

    … lass es Dir gut gehen, ist ein wichtiger Teil davon!

  17. Hey Markus,

    ich war auch immer der nette und kenne daher den Rechtefertigungsmodus und das ständige Ent-schuldigen auch von mir.

    Es ist einfach erniedrigend. Heute rechtfertige ich mich nicht mehr und ich bin auch frei von jeglicher Schuld.

    Ich hab mir meine Eier (Potenz) wieder geholt und ob ich nett oder nicht nett bin, interessiert mich nicht.

    Wenn der Klügere nachgibt, wird die Welt ja von den Dummen regiert.

    Gruß

    Matthias

  18. Hallo Markus,

    das mit dem Nett-Sein kenne ich zu gut, und vor kurzem ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, Grenzen zu setzen.

    Die 9 Gründe, die du nennst, warum man mit dem Nett-Sein aufhören solltest, kann ich voll und ganz unterschreiben. Wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Was die kleinen Mantras anbelangt, sie würde ich erst einmal auf einem ungefährlichen Terrain ausprobieren… nicht dass man eine Bombe los tritt, der man noch nicht gewachsen ist. Denn die Leute kennen einen ja als NETT… und wer weiß, wie sie reagieren, wenn sie überrascht feststellen, dass ihnen ihre Felle davon schwimmen. 😉

  19. Hallo Markus,

    stimmt, stimmt, stimmt – ein toller Artikel! Du sprichst mir (wieder mal) aus der Seele und zwar von der Einleitung bis zum P.S.! Sch… Harmoniebedürfnis hab ich oft gedacht, irgendwann ist mir dann das Strauß-Zitat zugeflogen und Recht hatte er. Gerade die „Neins“ gegenüber Energieräubern und der Verzicht auf Rechtfertigungen befreien enorm. Ich hatte keine Lust mehr auf diese Energieverschwendung und als sich auch das schlechte Gewissen verflüchtigt hat und die innere Stimme nicht mehr von Äußerlichkeiten übertönt wurde, ergab das ein richtig gutes Gefühl :-).

    Ein Stück mehr zum „Ich lass es mir gut gehen“ ;-).

    Lass es dir weiterhin gut gehen & vielen Dank für so gehaltvolle Inputs!

    Lieben Gruß
    Alexandra

  20. Hi Markus,

    schönes Kontrastprogramm. Ich habe vor kurzem erst den Film „Der JA-Sager“angesehen und auch Jim Carrey bekommt dort eine kalte Dusche an neuen Erfahrungen mit.
    Vielleicht einfach mal die andere- ungewohnte Seite der Macht ausprobieren 🙂 Das werde ich jetzt mal eine Woche probieren.

    Gruß, David

  21. Ja, ja, ja. Stimme allen Aussagen des Artikels von Markus zu! Meine Erfahrung ist, dass die Konflikte sich eher auflösen, als dass sie sich vermehren, wenn man offen und direkt kommuniziert. Selbst dann, wenn es unangenehme Botschaften und Gespräche betrifft. Und der eigene Selbstrespekt steigt dabei. Am besten (sic!) ist, man selbst und bewusst ehrlich zu sein, alles andere ist einfach Zeitverschwendung.

  22. Ein wichtiges „Erlebnis“, wenn man das so bezeichnen möchte, war für mich die Geburt unserer ersten Tochter. Danach hat sich für mich massiv der Fokus verschoben, was wirklich wichtig ist im Leben und was wirklich zählt.
    Dann fällt es auf einmal ganz leicht „Nein!“ zu sagen.
    Manchmal müssen die Dinge in die richtigen Verhältnisse gesetzt werden. 🙂
    Das schafft Platz für die wichtigen Dinge im Leben.
    Gruß
    Philipp

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

Markus Cerenak hat gemeinsam mit seinen Lesern die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad angezettelt. Wenn auch du in einem Hamsterrad sitzt und raus willst, dann klicke unten auf den Button!

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