Ein Beispiel wie ich ganz schnell und intuitiv Geschichten schreiben gelernt habe.

Letzte Woche erhielt ich eine Email von Markus mit dem Betreff: „Heute erzähle ich dir (k)eine Geschichte“. Wow, dachte ich, das soll wohl eine Ermutigung sein.

Ich hatte überlegt, für den Blog einfach eine Geschichte zu schreiben, die ich mit einer Technik, die ich von Friede Gebhard in meiner Suggestopädie-Ausbildung gelernt hatte ganz einfach und zügig komplett ohne „Schreibblockade“ geschrieben habe. Friede hat die Technik des intuitiven Schreibens – genannt MoonDance: das magische Geschichtenspiel – entwickelt. Dazu gibt es sogar eine wundervolle, inspirierende, eigens dafür komponierte Musik mit dem gleichen Titel. Für das Geschichten schreiben im Onlinebusiness hat ja Markus letztlich im Blogartikel uns sein neues Buch empfohlen.

Zum Schreiben zieht man eine Reihe von Kärtchen nach dem Zufallsprinzip und daraus entsteht dann die Geschichte. In meiner Geschichte spielen die „Zufallshelden“: ein Bettler und ein Höhlenbewohner die Hauptrollen. Beim Schreiben und wieder lesen lernt man eine ganze Menge über die eigenen Entwicklungschancen und Blockaden.

Hier kommt die Geschichte vom zufriedenen Bettler und dem Höhlenmenschen, der nichts hören konnte.

Im übertragenen Sinn haben wir ja alle irgendeinen Bereich in unserem Leben, der festgefahren ist, da wir für das, was uns das Leben zuruft, völlig taub sind. Meist spielt da das Verharren in der Komfortzone und unbedingtes Beibehalten bequemer Gewohnheiten eine wichtige Rolle.

Ich bin gespannt, was sich bei euch, denen ich die Geschichte erzähle, in dieser Hinsicht bewegen wird. Nur wenn ihr es mir auf irgendeine Weise mitteilt, werde ich es erfahren.

VOM LÄCHELN, DAS STETS ZURÜCKKEHRTE

Gar nicht weit von mir wohnte ein sehr alter Bettler, der gerade das Allernotwendigste zum Leben hatte. Zum Essen reichte ihm aus, was die Leute, die den alten freundlichen Mann kannten und schätzten, ihm gerne vorbeibrachten. Er brauchte sie gar nicht groß zu fragen, denn wenn er in seinen einfachen bunt zusammen-gewürfelten Kleidern, mit seinem zerbeulten Hut, von dem weiche Federn vom Wind bewegt herunterwinkten, durch die Straßen ging, lächelte er zufrieden und freundlich. Dann geschah es immer wieder, dass dieses ausgesandte Lächeln über die Gesichter der Leute strich, die eben noch so gleichgültig ausgesehen hatten, und zu dem Bettler zurück kehrte.

Wenn er hungrig war, knurrte sein Magen recht laut, so dass die Menschen, die er traf sich wunderten, dass er bei solchem Hunger noch so zufrieden lächeln konnte. Wenn aber das Knurren seines Magens den Leuten zugerufen hatte: „Ich bin hungrig, habt ihr nicht was übrig, um mich zu beruhigen und zu sättigen?“ erinnerten sich manche, dass sie ja noch hier und da etwas vom Mittag- oder Abendessen übrig hatten. Dies gaben sie dann dem Bettler. Sie hätten es, das wußten sie aus Erfahrung, doch nur so lange aufgehoben bis es schlecht wurde und weggeworfen werden mußte. Oder sie hätten es ohne Appetit gegessen. Wie viel besser war es da, dem freundlichen alten Mann damit eine Freude zu bereiten. Manchmal hatten die Leute gerade Langeweile und dann ergab es sich oft, dass der Bettler anfing eine Geschichte aus seinem langen Leben zu erzählen, denn er war wie gesagt schon recht alt.

Der Bettler war aber noch aus einem anderen Grunde sehr zufrieden mit seinem Leben. Er hatte das Glück ein Dach über dem Kopf zu haben. Es war zwar nur ein uraltes Wohnmobil, das schon seit langem nicht mehr fahrtüchtig war, aber immerhin hatte er sich dort ein gemütliches Nest einrichten können, das ihm Schutz und Geborgenheit schenkte. Im Frühjahr, wenn er die Fenster öffnete, konnte er die Düfte der Wiesenblumen riechen und dem Zwitschern der Vögel lauschen, denen er im Winter stets etwas von dem Wenigen, das er hatte, abgab.

Neben seinem Wohnmobil hatte der alte Mann einen wunder-schönen Garten angelegt. Dort wuchsen die schönsten Blumen, herrlich schmeckender Salat und aromatisches Gemüse.

Die Lieblingstätigkeit des Bettlers aber war es, aus dem wenigen, das er hatte, die herrlichsten Mahlzeiten zuzubereiten. Er hatte es durch lange Erfahrung, durch ausprobieren und Schmecken der verschiedensten Kräuter fertiggebracht, solch herrlich duftende, wohlschmeckende Speisen aus Wildkräutern und Gemüsen seines Gartens zu kochen, dass jeder, der vorbeikam und den aromatischen Duft der Speisen erlebte, wie magisch angezogen wurde und alsbald vor dem alten Wohnmobil auftauchte.

Der neue Unbekannte

So schlich eines Tages ein zotteliger, mit einem Fell bekleideter Höhlenbewohner um das Wohnmobil. Der alte Mann, der gerade sein Mittagessen auf den alten wackeligen Tisch im Schatten der alten, großen Linde neben seinem Wohnmobil gestellt hatte, genoß gerade mit geschlossenen Augen das Rauschen der Blätter im Wind. Dies tat er stets vor dem Essen, da er dadurch den Duft und Geschmack der Speisen viel intensiver erlebte und ihm dann nachher das Essen umso besser mundete. An diesem Tag drangen ungewohnte und seltsam schleichende Geräusche an das Ohr des Bettlers und er genoß es, etwas länger zu lauschen. Schließlich blickte er neugierig auf und bekam, als er den zotteligen Höhlenbewohner entdeckte einen tüchtigen Schrecken. Dann aber erinnerte er sich an das vorsichtige, beruhigende Schleichen, das er gehört hatte und wußte sofort, dass er keine Angst zu haben brauchte. Außerdem fühlte der alte Mann sich im Moment etwas einsam, und so entschloß er sich, den Höhlenbewohner zum Essen einzuladen. Er sprach mit sanfter Stimme: „darf ich sie einladen mein Herr, mein bescheidenes Mahl mit mir zu teilen?“ Da aber trotz mehrmaliger Wiederholung seiner Einladung keine Reaktion des Höhlenmenschen zu entdecken war, und auch keine Antwort über dessen Lippen kam, ging der alte Mann auf ihn zu, ergriff dessen Hände und bedeutete ihm mit einer einladenden Handbewegung und einem liebevollen Lächeln, sich am Tisch niederzusetzen. Freude zeigte sich im Gesicht des Höhlenmenschen, der eben noch unsicher und ängstlich dreingeblickt hatte, und er setzte sich vorsichtig auf die Bank, wobei er zunächst prüfte, ob diese auch stabil genug war seinen mächtigen Körper zu tragen. Dabei nahm er eine für den alten Mann ungewohnte Sitzhaltung ein, indem er sich auf seine Fersen abstützte und in einer Art Hockstellung verweilte. Das köstliche Mahl ließ sich der Höhlenmensch kräftig schmecken, was er mit allerlei schmatzenden Geräuschen und Rülpsen dokumentierte.

Passender Artikel:  Die Angst vor dem Schreiben - Wie wir sie demaskieren und überwinden können

Das Problem des Neuen

Da er dabei aber auch weiterhin nicht auf Fragen reagierte, erkannte der Bettler bald, dass der Höhlenmensch nicht nur hungrig war, sondern auch Hilfe brauchte, weil er nicht hören konnte. Der Bettler versuchte nun, durch Gesten und durch Zeigen Fragen zu stellen und es gelang dem Höhlenmensch kurze Antworten zu formulieren, die jedoch meist so wortkarg und unbeholfen waren, dass der Bettler über dem Nachgrübeln, wie dem Höhlenmenschen zu helfen sei, ganz traurig und mutlos wurde, da ihm keine Lösung einfallen wollte. Als der Höhlenmensch dies sah, überlegte er, womit er den Bettler etwas aufmuntern könnte. Da fiel ihm ein, dass seine Uroma, die ein besonderes Verhältnis zu den Geistern der Natur gehabt hatte, ihm einmal, als er noch ganz klein war, gezeigt hatte, wie man auf einer Wolke reiten kann. Alsbald tauchte auch am Horizont eine kleine weiße Wolke auf. Sie kam näher und näher und blieb genau über dem Wohnmobil stehen. Der Höhlenmensch bedeutete dem Bettler in seiner wortkargen Art, er solle die Augen schließen und sich ganz intensiv vorstellen, dass er vom Boden abhebt und immer höher zu der weißen Wolke schwebt.

Neue Perspektiven für die Problemlösung

Bald waren beide oben angekommen und schwebten in der weißen Wolke über das Land. Von weit unten drang das Glockengeläut der kleinen Kirche des Nachbardorfes an die Ohren des Bettlers und er wurde wieder ein bißchen traurig, als er daran dachte, dass der Höhlenmensch die Glocken nicht hören konnte. Dieser lachte und jauchzte aber vor Freude über die schöne Landschaft, die er sah und die weiche Wolke, die er fühlte. Da lachte auch der Bettler und freute sich über die Geräusche und die Weichheit der Wolke. Erst als der Höhlenmensch aufgeregt nach unten deutete, merkte der Bettler, dass er die Landschaft ja gar nicht sehen konnte, denn er war ein wenig kurzsichtig und hatte seine Brille abgenommen, als er sich auf die Wolke konzentrierte. Er sollte jedoch bald erfahren, was es dort unten zu sehen gab, denn sein Freund der Höhlenmensch senkte die Wolke langsam herab zur Erde. Als sie aus der Wolke geklettert waren, entdeckte der Bettler in seiner Nähe ungewöhnliche, ihm unbekannte Pflanzen und Tiere. Sie waren in einem unbekannten Land gelandet. Unmittelbar vor ihnen tollte ein lustiger kleiner Geselle herum. Er sah aus wie ein Hund und hatte so lange Ohren, dass er andauernd darüber stolperte und Purzelbäume schlug. Als sie ihm eine Weile zugeschaut hatten, fingen beide plötzlich so sehr an zu lachen, dass ihnen die Tränen die Wangen herunterkullerten und sie sich am Boden wälzten.

Die Problemlösung

Der Bettler schlug sich immer wieder vor Lachen auf die Oberschenkel und zog seinen Freund an den Ohren, um ihn auf die langen Ohren des Hundes aufmerksam zu machen. „Sieh mal wie komisch!“ jauchzte er. „Ja wie ein Zirkusclown.“ antwortete der Höhlenmensch. „Du kannst ja wieder hören!“ staunte der Bettler und machte ulkige Sprünge vor Freude. „Ja“, strahlte der Höhlenmensch, „Es war als wäre mir etwas aus den Ohren gefallen, als ich so lachen mußte und du daran gezogen hast.“ „Das waren wohl kleine Steinchen, die dir in deiner Höhle im Schlaf die Gehörgänge verstopft haben.“ sagte der Bettler mit ernster Miene. Über diese Erklärung mußten beide noch mehr lachen und sie tanzten miteinander ausgelassen um eine der merkwürdig verschlungenen baumartigen Pflanzen, deren bunte Blätter glitzerten und strahlten. Dabei dachte der Bettler an seine Linde, in deren Schatten er so oft gesessen hatte, erst jetzt entdeckte er, dass es um die Pflanzen und Bäume in dem unbekannten Land nicht das geringste bißchen Schatten gab. Bei dieser Entdeckung wurden beide still und nachdenklich. Erst jetzt bemerkten sie auch, dass nicht der geringste Laut an ihr Ohr drang und kein Duft in ihre Nase stieg. Kein Wind säuselte, kein Bach plätscherte, kein Vogel sang und keine Blume duftete. Der Bettler und der Höhlenmensch schauten sich an, sprangen wie auf ein Zeichen in ihre kleine weiße Wolke und flogen zurück zum Wohnmobil mit der Linde und dem Schatten und den duftenden Blüten und Kräutern. Sie beschlossen, als sie dort angekommen waren, ein Fest zu veranstalten und zusammen im Wohnmobil zu wohnen.

So wurde es beiden nie langweilig und dem Höhlenmensch konnten in seiner Höhlenumgebung keine Steinchen mehr die Gehörgänge verstopfen.

Hans Bechheim

Artikel von

Hans Bechheim

Hans Bechheim

Ich bin seit 5 Jahren im sg. Ruhestand. Habe vorher mich aber nur in wenigen Stresszeiten im Hamsterrad gefühlt, da ich das, was ich beruflich tat immer geliebt habe (Englischlehrer und Beratungslehrer in einem Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Schüler-innen in Marburg). Während meiner Berufszeit hatte ich das Glück, parallel zur Berufstätigkeit einige Ausbildungen genießen zu können. So wurde ich NLP-Master und Suggestopädietrainer und einiges mehr. Nach meiner Pensionierung begann ich sofort eine Weiterbildung zum "Schulmediator" und bin seitdem mit Begeisterung an einer Schule erhrenamtlich tätig bei "Seniorpartner in Schools". Auch hier habe ich die Möglichkeit, laufend an weiteren Fortbildungen teilzunehmen. Seit mehreren Jahren schreibe ich auch Bücher über Fotografie, die ich als Kindle und Taschenbuch bei Amazon veröffentliche. Wenn du meine Art zu schreiben erkunden möchtest, schau mal in einem meiner Bücher nach. Auf der Basis meiner Erfahrungen als Beratungslehrer habe ich im letzten Jahr auch ein Buch zum visuellen Gedächtnistraining geschrieben. www.makro-foto.com

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Hans Bechheim

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Ich bin seit 5 Jahren im sg. Ruhestand. Habe vorher mich aber nur in wenigen Stresszeiten im Hamsterrad gefühlt, da ich das, was ich beruflich tat immer geliebt habe (Englischlehrer und Beratungslehrer in einem Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Schüler-innen in Marburg). Während meiner Berufszeit hatte ich das Glück, parallel zur Berufstätigkeit einige Ausbildungen genießen zu können. So wurde ich NLP-Master und Suggestopädietrainer und einiges mehr. Nach meiner Pensionierung begann ich sofort eine Weiterbildung zum "Schulmediator" und bin seitdem mit Begeisterung an einer Schule erhrenamtlich tätig bei "Seniorpartner in Schools". Auch hier habe ich die Möglichkeit, laufend an weiteren Fortbildungen teilzunehmen. Seit mehreren Jahren schreibe ich auch Bücher über Fotografie, die ich als Kindle und Taschenbuch bei Amazon veröffentliche. Wenn du meine Art zu schreiben erkunden möchtest, schau mal in einem meiner Bücher nach. Auf der Basis meiner Erfahrungen als Beratungslehrer habe ich im letzten Jahr auch ein Buch zum visuellen Gedächtnistraining geschrieben. www.makro-foto.com

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