Ein Brief von einem, der aus dem Hamsterrad ausgestiegen ist.

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Liebes Hamsterrad,

ich mag Dich nicht mehr. Du hast mich geblendet. Du hast mich glauben lassen, es sei richtig, in Dich hineinzusteigen … mich abzustrampeln für „gutes Geld“ und Karriere und Status. Du hast mir den Traum untergejubelt, ich würde so schnell rennen können, dass ich irgendwann genügend Kohle angespart habe, um Dir wieder zu entkommen. Vielleicht müsse ich dafür ein bisschen Stress in Kauf nehmen, hast Du geflüstert, vielleicht auch ein paar Schlafprobleme, oder hier und da mal ein Glas Wein oder Whiskey am Abend oder beruhigende Mittel (in Werbeagenturen stattdessen: Koks) tagsüber.

Ich lernte Dich kennen, Stück für Stück, Sprosse für Sprosse, und recht schnell wurde mir klar, mit wem ich’s zu tun hatte. Du bist selbst wie eine Droge. Je länger man auf Dir abgeht, umso mehr glaubt man, nicht mehr ohne Dich zu können. Deine kleinen Belohnungen nutzen sich ab, immer schneller, und man strampelt noch mehr und noch mehr, um ein Level zu halten, und dann drehst Du Dich schneller und alle guten Gefühle nach einem Erfolg rutschen einem verdammt schnell unterm Hintern wieder weg, man kann nichts mehr genießen, nur noch weiter strampeln, noch ein bisschen schneller, noch ein bisschen verrückter. Du machst süchtig. Abhängig. Und obwohl man mit der Zeit immer weniger Freude an Dir hat, vergisst man schnell: es gibt ein Leben ohne Dich, jenseits von Dir. Du legst einen nicht an Ketten, Du sorgst dafür, dass man sich selbst Ketten aus Gedanken anlegt. So verkettet, zwischen „Ich muss nun mal meine Rechnungen zu zahlen“, „Was soll ich denn sonst machen“,  „Ich kann nichts anderes“ und „Das Leben ist nun mal so“ hängt man fest, hängt man sich auf.

Liebes Hamsterrad, Du und ich, wir kamen trotz Deiner Verlockungen nie ungebremst leidenschaftlich zusammen, ich hab mich nie ganz in Dir verloren. Wenn Du mich küssen wolltest, drehte ich mich weg. Als Du fummeln wolltest, gingst Du mir auf die Eier. Wenn Du mich umarmtest, suchte ich an Deinem Kopf vorbei nach dem Ausgang.

Und ich habe ihn gefunden.

Heute sind wir getrennt. Mir geht es besser als je zuvor. Und ich werde nicht zu Dir zurückkommen.

Mehr noch: ich werde anderen Menschen zuwinken, die ihre Runden drehen zwischen Erschöpfung, Leere und Langeweile. Ich werde springen, mit meinen Armen fuchteln, und ihnen dabei zurufen:

„Komm her, hier draußen ist so viel mehr Platz, zum Leben, zum Atmen, für Abenteuer und Ruhephasen gleichermaßen … es gibt ein Leben jenseits des Hamsterrads … ein Leben, das genau für Dich gemacht ist und auf Dich wartet.“

Dreh’ Dich weiter, Hamsterrad, solange Du kannst. Es gibt längst nicht nur mich, sondern eine Reihe von Leuten, die Dir Steine ins Getriebe werfen, mit ihren Worten und Taten und gebrochenen, dafür aber umso stärkeren Lebensläufen. Du hast Feinde, und es werden immer mehr.

Tim


Ein Gastartikel von Tim Schlenzig

Tim Schlenzig lebt seit Mitte 2011 von Internetportalen. Seine Website Mymonk.de hilft Menschen, die innere Ruhe suchen, wachsen und sich selbst verwirklichen wollen.

Für das kostenlose Ebook „Die Mymonk-Essenz“ interviewte er 70 Mönche und Meister, Yogis, Coaches und RTherapeuten.

Dieser Artikel wurde am 16. Mrz 2018 aktualisiert.

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