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So bekommst du als Gründer deine Finanzen in den Griff

Finanzen

Du hast eine Geschäftsidee und willst diese in die Tat umsetzen? Das ist großartig. Leg´ los und zeige der Welt, worauf sie viel zu lange gewartet hat!

Wenig Lust hast du vermutlich, dich mit den finanziellen Grundlagen deiner Unternehmung zu beschäftigen. Ich will nicht behaupten, dass die Auseinandersetzung damit pure Freude ist. Es ist aber auch weniger unangenehm und kompliziert als du vielleicht vermutest.

Egal ob du dich als Selbständiger, Gründer, Unternehmer, Entrepreneur oder als Ich-Konzern bezeichnest, am Thema Geld kommst du auf Dauer nicht vorbei. Denn wer die finanziellen Aspekte seines Business ausblendet, bekommt früher oder später Probleme.

Geld und Moral

Nicht selten sind es bestimmte Glaubenssätze, die einer unvoreingenommenen Beschäftigung mit Geld im Wege stehen. Beliebte Beispiele sind:

  • “entweder man geht seiner Leidenschaft nach oder verdient viel Geld”
  • “entweder etwas ist Kunst oder es ist Kommerz”
  • “Arbeit ist entweder gemeinnützig oder profitorientiert”

Denkschablonen dieser Art bringen uns nicht weiter, denn es handelt sich um willkürliche Gegensätze, die mit der Realität nicht viel zu tun haben. Es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass man sehr wohl mit seiner Leidenschaft Geld verdienen kann, dass Künstler kommerziell erfolgreich sein können (ohne dass ihre Kunst dadurch schlechter würde) und dass Unternehmen gewinnorientiert arbeiten und gleichzeitig Bedürftige davon profitieren können.

Die Welt ist glücklicherweise bunt, warum also sollten wir uns darauf beschränken, sie schwarz-weiss zu sehen?

Mittel zum Zweck

Werfen wir einmal allen ideologischen und moralischen Ballast über Bord und betrachten Geld als das, was es im Kern ist: ein Tauschmittel, das zusätzlich die Funktion eines Wertspeichers erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger.

Es dient dazu, unsere unternehmerischen und privaten Ziele zu erreichen und ist damit lediglich Mittel zum Zweck. Und wenn wir es richtig anstellen, arbeiten nicht wir für das Geld, sondern das Geld arbeitet für uns.

So wichtig es ist, den Überblick über die Finanzen zu haben, so wenig hilfreich ist es, den Erfolg seiner Unternehmung allein am Geld zu messen. Gewinn ist selbstverständlich ein wichtiges Kriterium, aber nicht weniger wichtig sind “weiche” Faktoren wie Unabhängigkeit, Sinn, Erfüllung, Freude und Lebensqualität.

Warum wird dann immer alles am Geld gemessen?

Der Grund ist banal: weil es einfach ist. Geld ist leicht zählbar und befriedigt dazu das Bedürfnis, sich mit anderen zu vergleichen. Und da man weiche Faktoren nur schwer messen kann, konzentrieren sich bedauerlicherweise die meisten Unternehmer allein auf harte Fakten. Wir sollten versuchen, uns von dieser eindimensionalen Sichtweise zu befreien.

Passender Artikel:  Die drei größten finanziellen Hamsterräder und wie du ihnen entkommst

Nur vier Zahlen

Bei der Beschäftigung mit deinen Finanzen hältst du dich am Besten an das KISS-Prinzip (“keep it simple stupid”). Lass dir nicht einreden, dass das alles wer weiß wie kompliziert ist. Das ist es nicht.

Behalte einfach die folgenden vier Zahlen im Auge und du hast die Finanzen deiner Unternehmung jederzeit fest im Griff.

1. Einnahmen

Ohne Einnahmen hast du kein Business, sondern ein Hobby. Das heißt nicht, dass du vom ersten Tag an Geld verdienen musst. Aber langfristig kann kein Geschäftsmodell der Welt ohne Einnahmen funktionieren. Egal ob online oder offline.

Falls es dir unangenehm ist, für deine Dienstleistungen und Produkte Geld zu verlangen, denk immer daran: Verkaufen ist menschlich. Es gibt ein wunderbares Buch mit genau diesem Titel, das ich jedem empfehlen kann, der sich mit dem Verkaufen schwer tut.

Solange dein Angebot eine Win-Win-Situation darstellt, bei der sowohl du als auch deine Kunden profitieren, brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben. Hinzu kommt: du kannst anderen auf Dauer nur dann Gutes tun, wenn es auch dir gut geht. Dazu gehört selbstverständlich, dass du Geld verdienst.

2. Ausgaben

Behalte deine Kosten im Auge und bewahre jede Rechnung auf. Wirf nicht nur alles auf einen Stapel, sondern hefte die Belege von Zeit zu Zeit ab und erfasse deine Ausgaben an einem zentralen Ort. Dazu reicht im Grunde eine Excel-Tabelle, aber du kannst auch eine spezielle Buchhaltungssoftware benutzen oder gar einen Buchhaltungsservice in Anspruch nehmen. Das Sammeln der Rechnungen kann dir allerdings niemand abnehmen.

Ganz wichtig: sowohl die geschäftlichen Einnahmen als auch die Ausgaben sollten über ein und dasselbe Konto laufen. Trenne unbedingt deine privaten von den geschäftlichen Finanzen. Das heißt, du benötigst du neben deinem Privatkonto noch ein separates Geschäftskonto.

Vergiss nicht, dass auch Steuern Ausgaben sind. Weil die Dinge an dieser Stelle schnell unübersichtlich werden können und Finanzbehörden erfahrungsgemäß keinen “Anfänger-Bonus” einräumen, solltest du rechtzeitig einen Steuerberater hinzuziehen. Auf der Basis von solidem Halbwissen sollte man hier keinen übermäßigen Ehrgeiz an den Tag legen und versuchen, auf Teufel komm raus alles selbst zu regeln.

3. Bilanz

Es könnte nicht simpler sein: Gewinn = Einnahmen minus Ausgaben.
Um zu wissen, wie sich dein Business entwickelt, betrachtest du die Einnahmen in Relation zu den Ausgaben. Am Besten machst du dies in regelmäßigen Abständen, z.B. einmal im Monat für den vergangenen oder vorvergangenen Monat.

Auch wenn du einen Buchhaltungsservice beauftragt hast, solltest du jederzeit einen Überblick über das aktuelle Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben haben. Begnüge dich nicht damit, von deinem Buchhaltungsservice rückwirkend quartalsweise oder in noch größeren Abständen über deine finanzielle Situation aufgeklärt zu werden. Du willst auf ungünstige Entwicklungen reagieren können, bevor es zu spät ist, oder?

Passender Artikel:  Glück oder Geld? Du kannst beides haben!

Was tun mit dem Gewinn?

Nimm nicht einfach Geld in beliebiger Höhe vom Geschäftskonto, wenn dir danach ist. Besser du zahlst dir regelmäßig selbst ein Gehalt aus, auch wenn es anfangs nur der symbolische Euro im Monat ist. Laufen die Geschäfte besser, kannst du dir problemlos eine Gehaltserhöhung genehmigen. Du könntest dir natürlich jeden Monat den vollen Gewinn auszahlen, aber wie sieht es dann mit Investitionen für dein Business aus? Woher kommt beispielsweise das Geld für einen neuen Computer, falls der alte sich überraschend verabschiedet?

4. Risikopuffer

Jede Unternehmung macht irgendwann einmal eine Durststrecke durch. Ein unerwarteter Rückgang der Einnahmen kann viele Gründe haben, sollte dich aber nicht völlig unvorbereitet treffen. Auch Krankheitsphasen solltest du auf dem Schirm haben, da sie dich als Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Unternehmen viel eher in Schwierigkeiten bringen können als einen Betrieb mit vielen Leuten.

Vergiss nicht, Urlaubs- bzw. Erholungszeiten einzukalkulieren. Soviel Spaß dir dein Business heute macht, sorge dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt. Dafür ist ein wenig Abstand von Zeit zu Zeit notwendig.

Schaffe dir für all diese Fälle einen finanziellen Puffer, indem du regelmäßig Rücklagen bildest, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto. Damit erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, langfristig erfolgreich zu sein mit deiner Unternehmung, selbst wenn es zwischendurch mal zu Turbulenzen kommt.

In diesem Sinne: Guten Flug!

Ein Gastartikel von Holger Grethe

12 Comments on “So bekommst du als Gründer deine Finanzen in den Griff

Markus
1. September 2013 um 19:31

Toller Artikel!

Ich denke die Artikel könnte noch mehr Menschen helfen, wenn der Autor ausführlicher auf das Thema Steuerabgaben eingegangen wäre.
Meiner Erfahrung nach lauert in der Mehrwertsteuer. und der Gewinnsteuer eine große Gefahr! Der Rechnungssteller könnte auf die Idee kommen, dass er mehr Geld besitzt als er in Wirklichkeit hat. Auch ein Kontostand mit einer Summe im Plus bedeutet nicht, dass der Kontoinhaber nicht tatsächlich verschuldet ist. Die Gefahr ist, dass er Geld ausgibt, das er gar nicht hat. Wenn dann noch in Zukunft die Geschäfte schlecht laufen, dann wird er eine schwere Zeit haben, die er sich vielleicht so nicht gewünscht hat.

Antworten
Dennis Sievers
14. August 2013 um 2:02

Hallo Holger,

So simpel und leicht es sich liest, ist es dennoch für mich als starter sehr informativ und hilfreich.

Ich muss darauf auch sehr stark achten.

Danke dafür!

Beste Grüße,
Dennis

Antworten
Vladislav Melnik
12. August 2013 um 15:08

Hi Holger,

danke für den Beitrag!

To Sell Is Human liegt auch schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. Wird mal Zeit, dass ich’s mir bestelle!

Ich habe auch „ziemlich nette“ Erfahrungen mit dem Finanzamt und der Krankenkasse gemacht. Nie wieder. (Den Anfänger-Bonus hätte ich gerne in Anspruch genommen! :D)

Antworten
Jens
10. August 2013 um 22:44

Hallo Holger,

besten Dank für Deine Zusammenfassung.

Ich würde die Thematik noch weiter komprimieren: Unterm Strich sollte ne schwarze Zahl stehen und ein gefüllter Sparstrumpf für schlechte Zeiten im Schrank liegen 😉

Weiterhin frohes Schaffen,
Jens

Antworten
Holger
21. August 2013 um 16:45

So kann man es auch sagen. 🙂

Antworten
Holger
9. August 2013 um 15:00

Vielen Dank für die netten Kommentare!

Ich bin noch den Link für das Buch schuldig, das ich im Artikel erwähnt habe. Es ist von Daniel Pink und heißt To Sell Is Human: The Surprising Truth About Motivating Others

Antworten
Dominik
9. August 2013 um 13:04

Das Buch „Verkaufen ist menschlich“ von Daniel Pink habe ich bei Amazon nur in der englischen Fassung „To Sell Is Human“ gefunden. Bei Audible ist es als Hörbuch erhältlich. (Wo) gibt es das Buch in deutscher Sprache?

Antworten
Holger
9. August 2013 um 15:03

Soweit ich weiß, gibt es das Buch nur auf Englisch. Lässt sich aber gut lesen…

Antworten
Christoph
9. August 2013 um 12:50

Hallo Holger,

klasse Artikel. Es ist wirklich relativ einfach, eine Übersicht über seine Finanzen zu gewinnen. Man muss es nur tun und regelmäßig die Belege abheften und dokumentieren 🙂

Zu Frage 2 habe ich eine Frage:

Du schreibst
„Ganz wichtig: sowohl die geschäftlichen Einnahmen als auch die Ausgaben sollten über ein und dasselbe Konto laufen. Trenne unbedingt deine privaten von den geschäftlichen Finanzen. Das heißt, du benötigst du neben deinem Privatkonto noch ein separates Geschäftskonto.“

Vielleicht hast du nur das Wort „nicht“ vergessen, oder? Sonst wäre das ein Widerspruch.

1) Ein Konto für Privat und Business
oder

2) Zwei Konten, jeweils 1 für Privat und 1 für Business.

Kannst ja mal schreiben, wie es gemeint war. Freu mich auf deine Antwort.

Gruß
Christoph Teege
http://www.Teege-Training.de

Antworten
Holger
9. August 2013 um 14:56

Ich würde unbedingt zu zwei getrennten Konten raten, also EIN Privatkonto und EIN Geschäftskonto.

Auf jedem Konto hat man jeweils zwei Geldströme (Einnahmen und Ausgaben). Packt man das alles auf ein gemeinsames Konto, wird es verständlicherweise schnell unübersichtlich…

Antworten
Stephan Wießler
9. August 2013 um 12:16

So simpel das auch ist, tun sich genug Menschen schwer damit. Gerade mit dem Beobachten des Geldflusses.

Ich durfte diese Lektion selbst lernen. Ich habe mich jahrelang darum herum gewindet, um am Ende doch festzustellen, dass ich es lernen muss.

Und wenn Du Dich erstmal daran gewöhnt ist es, ist es ziemlich einfach.

Danke für den klaren Artikel.

Grüße,

Stephan Wießler

Antworten
Andy
9. August 2013 um 11:07

Hallo,

wirklich sehr schön zusammengefasst das ganze Thema!
Meist sind es auch gerade die Leute die sagen dass Geld etwas schlechtes ist, welche selber (fast) keines davon haben.
Danke auch für die 4 Zahlen der Finanzen, somit wird es alles viel einfacher.

Gruss

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Holger Grethe

Holger Grethe

Holger Grethe bloggt und podcastet über private Finanzen und unterstützt Menschen dabei, erfolgreich Vermögen in Eigenregie zu bilden. Wenn du auf einfache und gelassene Weise mehr aus deinem Geld machen willst, schau doch mal auf zendepot.de vorbei.

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