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Das „Flipperkugel“-Phänomen und wie du aus der tägliche Tretmühle raus kommst

Tretmühle

Unsere Tage und Wochen vergehen wie im Flug. In der tägliche Tretmühle bist du oftmals wirklich sehr beschäftigt hinterherzukommen. Und du kennst das: Du nimmst dir viele Dinge vor, planst, hoffst, freust dich etc. und dann geht sich vieles davon einfach zeitlich nicht aus. Es ist einfach zu viel los in deinem Leben. Und wieder einmal trifft der Vergleich mit der Flipperkugel zu. In deinem Alltag wirst du von einer Seite zur anderen geschleudert und bist nur damit beschäftigt, mit zwei kleinen Hebeln die Flipperkugel daran zu hindern, nicht aus dem Spiel zu fallen. Damit du nicht von vorne beginnen musst.

Und manchmal kommen dir die zwei kleinen Hebel wirklich, wirklich klein vor. Nur, wie kommt es zu diesem Spiel? Wie kommt es zum Phänomen „Flipperkugel“? Ein Phänomen, das für mich ein Symbol ist für Fremdbestimmt-Sein, Verantwortung-Abgeben und Die-Dinge-nicht-selbst-in-die-Hand-Nehmen.

Zuerst eine Vermutung von mir: Mit diesem Artikel werde ich ein paar Leser verlieren, die vermutlich erbost von dem einen oder anderen Satz, der noch kommt, einen Kommentar schreiben oder sich aus dem Newsletter austragen werden. Das ist nicht meine Intention oder Absicht, aber es ist bereits der erste Punkt des Flipperkugel-Phänomens:


Tretmühle 1: Nicht die Wahrheit erkennen

Den Tatsachen ins Auge zu blicken und sie anzunehmen, so wie sie sind, gehört zu den schwierigsten Dingen im Leben. Woran du erkennst, dass du das nicht tust? Ganz einfach: Sobald dich jemand mit der Nase darauf stößt, kommen folgende Antworten:

  • Darüber will ich jetzt nicht reden.
  • Das ist gerade kein guter Zeitpunkt für dieses Thema.
  • Ich bin in meinem wohlverdienten Wochenende und da möchte ich mich damit nicht beschäftigen.

Du hast das schon das eine oder andere Mal gehört oder vielleicht sogar selbst gesagt? Dann mache dir eines klar: Egal ob im Hamsterrad oder nicht, es braucht den Mut, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Akzeptiere ALLES, wie es in genau diesem Moment ist. Sieh dir die Situation genau an. Schonungslos und ohne rosa Brille. Nur wenn du die Situation ehrlich annimmst, wie sie ist, kannst du sie verändern. Oder hast du schon jemals gehört, dass man im beruflichen Kontext große Veränderungsprojekte etc. angeht, ohne die Ausgangslage genau zu kennen? Ohne Status quo? Ohne sogenannten „Kassasturz“?

Ich sage es, wie es für mich ist: Akzeptierst du nicht die Tatsachen, machst dir nicht klar, wie die momentane Lage in deinem Alltag ist, kannst du nichts daran verändern.

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Tretmühle 2: Die Zügel nicht selbst in der Hand haben

Es ist unglaublich spannend, wie voll unser Leben mit Dingen ist, die dir die Zügel aus den Händen nehmen. Dir fällt das nicht mal auf, weil es „immer so war“ und daher machst du auch keinerlei Anstalten, dir die Zügel zurückzuholen. Ein paar Beispiele:

Der Staat kümmert sich weitestgehend um alles: Kindergarten, Schule, Ausbildung, Krankenversicherungen, Pension, Krankenhäuser, Gewerbeordnungen, Regeln, Gesetze, Richtlinen, Verordnungen etc. Wir sind von Anfang an nicht daran gewöhnt, uns diesbezüglich um uns selbst zu kümmern. Es wird uns vorgeschrieben: Schulpflicht, Plichtmitgliedschaft für Selbständige, Sozialversicherung & Steuer werden automatisch vom Gehalt abgezogen und vieles mehr. Es ist so nett, weil wir uns um nichts kümmern müssen. Ich sage nicht, dass all diese infrastrukturellen Errungenschaften nicht gut und sinnvoll sind. Aber sie erziehen uns zum Zurücklehnen. Sie bringen uns nicht dazu, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Sie machen uns passiv. Wir lassen es mit uns geschehen und fühlen die Ohnmacht nicht mal.

Eine ähnliche Funktion übernimmt die Religion. Egal welche. Wir bedanken uns bei Gott für die Dinge, die er uns schenkt, oder beten für etwas, was wir haben wollen. Hier geht es um nichts anderes als um Passiv-Sein. Ich möchte nicht die Kraft und Energie in Frage stellen, die Religion vielen Menschen Tag für Tag gibt, schon gar nicht die zutiefst positiven Werte und Intentionen, die dahinter stehen. Ich persönliche fühle mich nur ein wenig unwohl, wenn alles, was ich erreicht habe, oder alles, was ich erreichen will, von einer höheren Instanz abhängig sein soll.

Tretmühle 3: Von unerfüllten Erwartungen

Sehen wir den Tatsachen mal ins Auge. Die Menschen um dich herum „funktionieren“ meistens nicht so, wie du es dir wünschst. Sie denken und handeln anders als du. Das führt dazu, dass du meistens nicht einfach so das bekommst, was du dir wünschst. Besonders stark trifft dich das bei Menschen, die dir nahe stehen:

„Das musst du doch wissen! Du kennst mich doch!“, ist ein Satz, der in diesem Kontext oft fällt.

Ich halte es anderen Menschen gegenüber für sehr unfair, etwas zu erwarten und es nicht auszusprechen. Auch hier merken wir irgendwie, dass wir lieber passiv sind. Lieber nichts sagen und sich nachher beschweren, als den Mut aufbringen, aktiv Erwartung zu äußern oder etwas einzufordern. Die Flipperkugel hat es nicht so mit Eigeninitiative.

Tretmühle 4: Von der Schuld des anderen

Manchmal geht in unserem Alltag etwas gehörig schief. Egal ob beruflich, persönlich oder privat. Die Dinge laufen aus dem Ruder oder enden sogar in einem ordentlichen Fiasko. Und hier greift auf der Stelle der Flipperkugel-Effekt souverän ein. Du suchst auf der Stelle nach Schuldigen. Wir sind dann sofort unglaublich gut darin, die ersten drei Phänomene einzusetzen, kunstvoll zu kombinieren und aus den Bausteinen „Wahrheit nicht sehen wollen“, „Nicht gewohnt sein, die Zügel selbst in der Hand zu halten“ und „Unausgesprochene Erwartungen“ eine stattliche Schuldzuweisungsmauer zu errichten. Der Chef ist schuld. Der Staat. Die Gesellschaft. Der Partner. Der Kollege. Die Eltern.

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Eines geradeheraus gesagt:

NEIN, ES SIND NICHT DIE ANDEREN SCHULD, DASS BEI DIR ETWAS NICHT RUND LÄUFT.


Und weil die Flipperkugel in dieser Situation auch nicht die Zeit hat innezuhalten und „Stop“ zu drücken, geht es einfach weiter. Fremdbestimmt. Denn der Weg ist leicht. Du kennst ihn von Kindesbeinen an.

Natürlich verlange ich nicht, dass dieser Artikel das Steuer rumreißt. So funktioniert Veränderung nicht. Sie funktioniert im Kleinen. Sie funktioniert aber vor allem nur dann, wenn du beim Punkt 1 beginnst. Unter uns: Du brauchst es niemandem zu verraten, dass du das „Anti-Flipperkugel-Wellness-Programm“ mit dem heutigen Tag für dich startest. Die anderen Flipperkugeln würden es vielleicht auch gar nicht verstehen.

Mach es nicht für die anderen. Mache es für dich selbst. Und, ganz wichtig:

7 Comments on “Das „Flipperkugel“-Phänomen und wie du aus der tägliche Tretmühle raus kommst

Claudia Petschull
10. Januar 2016 um 1:36

Hihihi… „Es geht sich nicht aus…“
Ich liebe diese österreichische Lingo <3 <3 <3

Bis bald

Claudia

Antworten
Birgit
25. September 2014 um 13:43

Danke Markus, du brings es immer so genial auf den Punkt:

SCHULD sind IMMER die Anderen.

Mit der Einstellung bin ich stets fein raus und kann mir auch noch selber leid tun. Zu der Einsicht, dass es nicht immer die Anderen sind, bin ich schon gekommen. Nun übe ich, immer öfter, selber für meine Bedürfnisse, Wünsche und Ziele einzustehen. Nicht immer ganz leicht, frau ‚gewöhnt‘ sich mit der Zeit an den Widerstand.

Vielen Dank für diesen treffenden Artikel und bitte bitte weiter so!

Lass es auch dir gut gehen …. 😉

Birgit

Antworten
Alina
23. September 2014 um 23:40

Hi Markus,

du sprichst mir aus der Seele. Dieses passive „ich hab das nicht in der Hand“ „das liegt nicht in meiner Macht“ oder „was kann ich schon tun?“ nervt!

Die Menschen, die wirklich etwas Großes erreicht haben, die denken nicht so. Das sind Macher, die der Meinung sind, dass alles irgendwie geht, man muss nur den Weg finden.

Passiv sein, ein Mensch sein mit dem alles passiert ist leicht. Aber ein Mensch zu werden und zu sein, der aktiv ist und der etwas schafft, dazu gehören Mut, Wissen und Durchhaltevermögen.

Liebe Grüße,
Alina

Antworten
Sybille+Johann
23. September 2014 um 11:41

Das ist ein Punkt, der mich genau anspricht. Ich merke seit kurzem BEWUSST, dass ich es selbst bin, die sich aushebelt, die die Schuld im Außen sucht, von wegen „ich würd ja, wenn man mich ließe…“. Klar gibt es Pflichten, aber es gibt auch die Zeiten, wo es nur auf mich selbst ankommt, ins Handeln zu kommen. Und dann ertappe ich mich, wie ich nicht konsequent genug bin… Und das ist die größte Herausforderung im Selbständigen-Dasein: sich selbst in den Hintern treten und disziplinieren, etwas zu TUN. Je mehr mir das bewusst wird, desto eher kann ich auch planen und umsetzen.
LG
Sybille

Antworten
Birgit
22. September 2014 um 16:56

hallo markus!

wieder ein sehr guter, treffender und ehrlicher artikel von dir.
auch ich kenne diese anflüge von bequemlichkeit, keine eigenverantwortung übernehmen zu wollen, weil es halt auch so einfach ist, die schuld abzugeben. da bin ich „fein raus“.

auf der anderen seite ist es jedoch sooooo viel befriedigender, das leben selbst in die hand zu nehmen, den ehrlichen blick zu wagen, alles anzunehmen , wie es ist und von diesem punkt aus weiterzumachen.

du mach bitte auch weiter so!

liebe grüße, birgit

Antworten
Christina
22. September 2014 um 16:10

Hallo Markus,

danke für diesen ehrlichen Artikel.

Du sprichst die Themen Bewusstheit und Eigenverantwortung an. Das geht schon ans Eingemachte, ist nicht für jeden was, doch Du hast sicherlich die richtigen Leser dafür, eben Menschen, die sich wirklich verändern wollen! 🙂

Punkt 3 finde ich auch persönlich besonders spannend. Meine Tochter kommt in 2 Jahren in die Schule und die Verlockung, einfach den konformen Weg zu gehen, ist schon groß, weil eben bequem. Und das ist ja nur eine von vielen kleinen oder größeren Entscheidungen. Danke für die Erinnerung.

Liebe Grüße
Christina

Antworten
Silvia+Heimburger
22. September 2014 um 12:52

Hallo Markus,

find ich so gut deinen Artikel heute – ja es bedarf einer klaren Entscheidung wenn ich Veränderung in meinem Leben möchte. Und natürlich, dass wir uns nicht länger als Opfer von irgendwelchen Umständen sehen. Verantwortung für uns selbst übernehmen – und das tut richtig gut – aber es ist auch Übungssache finde ich. Denn eben das was wir so lange im Leben erfahren haben, was wir auch zugelassen haben, die ganzen Glaubenssätze – all das können wir für uns neu definieren. Was ich durchaus auch sehr spannend finde, ich habe eben auch einen ähnlichen Artikel geschrieben zum Thema: Ist das Leben ein Würfelspiel?

Ich habe es auf jeden Fall schon lange gestartet – mein „Anti-Flipperkugel-Wellness-Programm“ 🙂

Grüße
Silvia

Antworten

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

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