Vom Kopfkino zu eigenen Geschichten schreiben – Der erste Schritt

Geschichten schreiben

Es flimmert und flirrt, es rattert und knattert, es wispert und murmelt. Dein Gehirn, der großartigste Regisseur, versorgt dich mit einem Unterhaltungsprogramm vom Feinsten. Ganz großes Kopfkino! Daraus muss ein Buch werden!

Wenn du zu denjenigen angehenden Autoren gehörst, die viele Ideen aber noch kaum geschriebenes Material besitzen, oder die vielleicht gar nicht wissen, dass sie Autoren sein können, wird dir vielleicht mein “Blitz-Coaching” ein paar Anregungen geben, wie man sich auf das eigene Werk einlassen und vorbereiten kann. Teil I widmet sich dem Urknall deines Projekts. In welchem Teil deines Schreibkosmos bewegst du dich gerade? Was kann dir als Orientierungspunkt im All der Ideen dienen?

Nimm dir jetzt erst mal ein wenig Zeit, um die Koordinaten auszuloten. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn du ein konkretes Ziel – das geschriebene Werk – vor Augen hast.

Wo befindet sich dein Text?

Wächst er in dir, als Papierwust in Schubladen, oder verteilt er sich auf zahlreiche Files quer über deine Festplatte? Ich persönlich liebe das Notieren in Skriptbücher, besonders dann, wenn sie schön gestaltet sind. Die Arbeit mit Bleistift und Papier hat etwas Ursprüngliches. Allerdings muss ich das so entstandene Material übertragen. Auf diese Art des Schreibens könnte ich jedoch niemals verzichten.

Wie ist der Zustand des Materials?

Beginnt dein Projekt mit einer Ansammlung von Ideen oder kannst du bereits mit den ersten Entwürfen arbeiten? Du entwickelst seit Langem eine Geschichte, trägst sie in dir, kennst ihren Verlauf und die Figuren, die in ihr erscheinen? Ist es sogar deine eigene Geschichte oder die eines anderen, die erzählt werden möchte? Spürst du, dass deine Theorie außergewöhnlich und für andere hilfreich ist oder möchtest du deine Erfahrungen anderen als Buch zugänglich machen? Die Form ist egal. Entscheidend ist, dass etwas da ist. Der Zustand kann lediglich darüber entscheiden, wie umfangreich die Umsetzung ausfällt.

So wie es keine falsche Form gibt, gibt es meiner Meinung nach auch keinen falschen Zeitpunkt mit dem Schreiben zu beginnen. Es lohnt sich jedoch, sich über die Lebenssituation klar zu werden, in die dein geschriebenes Werk hineingeboren wird. Sie kann über Herangehensweisen, Willensstärke, Intensität und somit über den Entstehungsprozess entscheiden. Wenn du es zulässt, kann das Schreiben durch alles, was im Leben passiert bereichert werden.
Welchem Lebensrhythmus folgst du? Wie geschmeidig lässt sich dein Schreibprojekt in den Alltag integrieren? Solltest du deine Gewohnheiten dafür ändern? Manche brauchen mehr Ruhe, mehr Freiheit. Andere Bücher, Stücke oder Filmskripte entstehen im größten Trubel.

StockSnap / Pixabay

Welche Erfahrung hast du mit dem Schreiben gemacht?

Eine nicht existierende Schreiberfahrung (ich setze Schreiberfahrung nicht gleich mit Veröffentlichung und Berufserfahrung!) sollte dich keineswegs davon abhalten, dein Projekt umzusetzen. Vielleicht gehst du die Sache sogar experimenteller oder entspannter an als diejenigen, die durch bestimmte Herangehensweisen und Textformen geprägt sind. Erprobe deine eigenen Systeme. Glaube mir, auch viele Erfahrene und Berufsschriftsteller erfinden sich immer wieder neu.

Welches Gefühl verbindest du mit deinem Schreibprojekt, welche Haltung nimmst du ihm gegenüber ein?

Ist dir schon bewusst, dass es sich um ein Projekt handelt? Das ist eigentlich der wichtigste Punkt, den man reflektieren sollte, bevor man ins Tun kommt, denn er entscheidet mit über den Weg und das Ergebnis. Nur wenn du deine Haltung identifiziert hast, kannst du an deinen individuellen Lösungen arbeiten, um mögliche Ängste und Zweifel zu überwinden.
Ist es die Strukturlosigkeit, das vermeintliche Chaos der tausend Ideen, die dich davon abhalten, loszulegen? Dann fange mit den kleinen Tipps an, die ich dir hier und in Teil II geben werde.
Weißt du nicht, wie du das, was in dir schlummert, ausdrücken sollst, aber du willst und musst erzählen? Wenn es sich wie eine wunderbare Aufgabe, ein magischer Drang anfühlt, dann lass dich von niemandem davon abhalten, es zu tun. Wenn du dafür Hilfe brauchst, sei es, um den Einstieg oder die richtige Sprache zu finden, nimm sie dir. Ich und viele andere sehen in dieser Aufgabe eine wunderbare Herausforderung.

Ich werde übrigens im Laufe meiner Serie zum Schreiben und der Magie der Sprache auf viele dieser Punkte detaillierter eingehen.

Hast du deine Ausgangssituation etwas klarer definieren können?

Ich kann nur empfehlen, dich auch während des Schreibprozesses immer mal wieder auf diese Art zu erden.
Es ist gnadenlos leicht, sich in den „Irrungen, Wirrungen” des Kopfkinos zu verlieren oder sich durch äußere Einflüsse ablenken zu lassen. Es ist jedoch ebenso leicht, mit Hilfe ein paar nützlicher Methoden aus den Windungen des Labyrinths heraus zu gelangen und Meilensteine am Wegesrand zu setzen.

Passender Artikel:  Die Angst vor dem Schreiben - Wie wir sie demaskieren und überwinden können

Eine dieser Methoden, dich selbst zu verorten, ist die Suche nach Schlüsselwörtern oder Kernwörtern. Meditiere dich in dein Projekt hinein. Gehe dabei vor, ohne dir selbst Grenzen zu setzen oder zu zensieren, und lasse die Wörter/Begriffe an dir vorbeifliegen. Fange all die Wörter ein, die sich anfühlen, als machten sie die Essenz deiner Geschichte/Idee aus. Bist du jemand, der zu Erkenntnissen gelangt, wenn er Gedanken laut ausspricht und Ideen entwickelt? Dann erzähle einer Person deines Vertrauens von deinem Projekt. Mit allen, bei denen ich diese Methode bisher angewandt habe, durfte ich einen Aha-Effekt erleben.

Wenn die Fülle an Material, das dir vorliegt, dich erdrückt, dann ist der erste Schritt ein geschriebenes Werk daraus zu machen, sie zu akzeptieren. Am Anfang wirst du noch alles mitnehmen wollen, was du sagen möchtest. Lass das zu. Pack jeden noch so unbedeutend wirkenden Einfall, jeden skurrilen Satz in deine Entwürfe. Später wirst du entweder selbst sehen, wo die Grenzen deines Textes liegen oder ein Lektor kann dir dabei helfen. Was du geschrieben hast, muss nicht, aber kann wertvolles Futter für dein nächstes Projekt sein.

Finde den roten Faden, der sich durch deine Aufzeichnungen zieht.

Erkennst du ein Muster, eine Logik? Visualisiere ihn. Was hier extrem hilfreich sein kann, ist ein Konzept.
Neben dem intuitiven, freien, nimmt das strategische (ich nenne es auch „konzeptuelles”) Schreiben einen großen Teil meiner Arbeit ein. Beschreibe möglichst genau, was du vor dir siehst und einbinden/umsetzen möchtest (Figuren, Orte, Erzählperspektiven, Strukturen, Themen, etc.). Diese Methode des Ordnens ist für mich gleichzeitig Fluch und Segen, denn das Ausfeilen meines Konzepts hält mich oft vom eigentlichen Schreiben ab. Mein Buch ist für mich jedoch so auch eine Art Forschungsprojekt geworden, indem ich mit Herangehensweisen experimentiere und neue Wege finde, mit Sprache zu arbeiten. Ich bin aber mit dieser Herangehensweise nicht alleine. Diesem Thema werde ich mich daher noch ausführlicher in einem anderen Artikel widmen.

…und noch eine letzte Suche, auf die ich dich bis zum nächsten Teil gerne schicken möchte. Finde oder erfinde dein Genre. Roman, Kurzgeschichte, Gedichtsammlung, Drama, Drehbuch, Songtext, Biografie, Sachbuch, etc. Wozu passen deine Szenen und Akteure? In welcher Form könnte ihre Stimme zur Entfaltung kommen und deiner Leserschaft zugänglich gemacht werden? Gerade heute, wo es (fast) alles im Übermaß gibt und du so viele Medien hast, um dich auszudrücken, musst du nicht klassisch bleiben. Sei mutig und erfinde deine eigene Textgestalt. Auch bei den klassischen literarischen Formen heißt es, nicht konform zu gehen. Warum sollten sich die Leser oder Verlage nicht über dein gewisses Etwas freuen!?!

Wenn du wissen möchtest, was man tun kann, um aus der Gedankenwelt geschriebene Materie zu machen und ins eigentliche Schreiben zu kommen, dann erwarte ich dich hier Anfang August zu Teil II. Außerdem: Jede Erfahrung, Herangehensweise oder Frage ist es wert, unter schreibenden Rebellen geteilt zu werden. Lass uns doch einfach mal testen, welche literarischen Genres das Kommentarfeld hergibt.

Bis dahin wünsche ich dir eine genussvolle Reise durch den Kosmos deines Schreibens.

Ein Artikel von Nadine Stelzer

Artikel von

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

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