Eine Rückschau ins Hamsterrad: Ein steiniger, aber lohnender Weg

Zuletzt aktualisiert am 27. Januar 2022 von Markus Cerenak

Ich war tatsächlich dort: Ich habe mich tagtäglich abgestrampelt und dachte, ich wäre auf dem Weg die Karriereleiter hinauf – hatte den Blick stur nach vorne gerichtet, habe extrem viel geleistet und wusste raffiniert genau, wie ich anderen gefallen konnte.

Schließlich hatte ich meine gesamte berufliche Laufbahn darauf ausgerichtet, wo ich jetzt gerade war: Matura, abgeschlossenes Psychologiestudium in Mindestzeit, Fokus auf Wirtschaftspsychologie (dort waren die Taffen unterwegs), mehr Praktika in diesem Bereich, als notwendig gewesen wären, und das Ziel, eine Managementkarriere aus dem Lehrbuch in einem möglichst großen Unternehmen einzuschlagen.

Et voilà, da war ich nun, in meinem persönlich geschaffenen, beruflichen Hamsterrad.

Und eigentlich hätte ich glücklich bzw. innerlich zufrieden sein sollen…

Zufrieden mit mir selbst und sehr zufrieden durch das viele Lob und die bewundernden und stolzen Blicke von außen, wenn ich von meiner Tätigkeit in einem der größten und wichtigsten Ministerien überhaupt berichtete.

Das typische „Schulterklopfen“ schien ich tatsächlich irgendwie zu brauchen.

Was passieren musste, damit ich aufgeweckt wurde

Schleichend aber doch machte sich ein Gefühl der Leere in mir breit. Ich saß in meinem Einzelbüro, blickte aus dem Fenster und sehnte mich nach … ganz genau konnte ich es noch nicht in Worte fassen, aber es war so etwas wie der Ruf nach Freiheit.

Und es wurde schlimmer. Jeden Morgen grüßte das Murmeltier und es fiel mir schwerer und schwerer, mich morgens aus dem Bett zu schleppen. Mittlerweile war ich chronisch verschnupft und fragte mich, wo meine ganze Energie geblieben war.

Und ich begann mir erstmals die so essenziellen Fragen zu stellen:

Entspricht das, was du hier tust, eigentlich deinem wensentlichen Kern?

Das, was dich als Menschen ausmacht?

Deinen ureigenen Stärken?

Ist es das, was du wirklich willst?

Wo ist das Strahlen in deinen Augen hin verschwunden?

Und wann hast du dich das letzte Mal so richtig glücklich gefühlt?

Puhh … und dann versuchte ich mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig zufrieden und innerlich ausgeglichen war. Und mit Erschrecken stellte ich fest, dass das schon einige Zeit zurücklag.

Was ich getan habe, um wieder eine Zielgerade vor mir zu sehen

Ich habe Distanz zum Hamsterrad gewonnen

Ich habe 10 Tage an einem Persönlichkeitsentwicklungs-Seminar teilgenommen, habe meine Wahrnehmung dadurch extrem geschärft und durfte erkennen, dass die Welt außerhalb meines Hamsterrades ziemlich bunt und lebendig sein kann.

Ich habe mich auf eine Reise in meine Vergangenheit begeben

Ich bin metaphorisch auf meiner Zeitlinie zurück in die Vergangenheit bis zu meiner Kindheit gegangen und habe mich gefragt, in welchen Momenten ich so richtig bei mir und glücklich war. Dabei stellte sich heraus, dass eines meiner wesentlichen Talente darin liegt, kreativ und schauspielerisch tätig zu sein.

Außerdem habe ich mich gefragt, mit welchen Themen Menschen bei mir um Rat gesucht hatten, und immer wieder poppte das Thema zwischenmenschliche Beziehungen auf.

Ich habe wieder auf mein GESPÜR geachtet

Eines wusste ich: Wenn ich diesen inneren Widerstand, der sich in mir entwickelt hatte, weiterhin ignorieren würde, kann und wird das böse Folgen habe. Außerdem, wozu Gefühle verdrängen?

Sie sind doch der wichtigste Wegweiser, den das Leben für uns parat hält.

Ich habe begonnen, mir etwas Eigenes zu erschaffen

Nachdem ich mir bei einem Experten objektives Feedback von außen geholt hatte (das war freilich Markus, dessen Blog ich 2-mal pro Woche sehnlichst erwartete), habe ich meinen psychologischen Blog Stück für Stück aufgebaut. Und plötzlich verspürte ich wieder ungemeine Lebensenergie in mir.

Ich habe gekündigt

Dann stand ich vor dem größten Schritt überhaupt. Ich wusste:

Jetzt oder nie ist es an der Zeit, all in zu gehen.

Nachdem mein Paralleldasein als Bloggerin und in meinem 40h-Bürojob einfach zu viel wurde und mein Blog samt Anfragen rasend schnell zu wachsen begann, habe ich es tatsächlich getan und gekündigt.

Ich wollte mich voll und ganz auf die eine Sache in meinem Leben konzentrieren und meine Energie nicht ständig teilen müssen.

Womit ich danach NICHT gerechnet hatte

Ich möchte die Gelegenheit hier nutzen, um mit den verzerrten Vorstellungen, die ich von meiner Selbstständigkeit und von meinem persönlichen „Lifestyle“ hatte, aufzuräumen.

Die Gefahr, dass der eigene Lifestyle dann wieder zu einem Hamsterrad wird, ist nämlich gar nicht so gering.

Wir können nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn wir den möglichen Konsequenzen einer Veränderung in die Augen schauen! Bestenfalls von Beginn an!

Meine Beziehung wurde auf eine harte Probe gestellt

Da sich mein Partner zwei Wochen vor mir selbstständig gemacht hatte, kam es bei uns beiden zu einer ziemlich rasanten Umstellung. Nur, dass er weiterhin von 9 to 5 arbeitete und sich meine Arbeitszeiten nach hinten, teilweise bis spät in die Nacht verschoben.

Als Bloggerin ist es mein Ziel, erreichbar und präsent zu sein. Das bedeutet, dass es auch Posts, Anfragen und Kommentare am Wochenende gibt. Somit sind mein Laptop und mein Smartphone ständiger Begleiter, egal wo wir gerade sind. Wir waren sozusagen sehr oft zu dritt!

Es hat einige Zeit gedauert, bis sich ein gegenseitiges Verständnis für die neuen Lebensumstände entwickelt hat und ich keine unterschwelligen Vorwürfe bekam, wenn ich schon wieder auf Facebook oder in anderen Social-Media-Kanälen, sogar an unserem heiligen Wochenende, „herumklickte.“

Ich musste rauen Gegenwind aus meinem Umfeld aushalten

Die Menschen, dir mir am nächsten stehen, und von denen ich mir einfach naturgemäß Unterstützung wünschte, verstanden einfach nicht, wie ich einen sicheren 40h-Job aufgeben konnte, um etwas zu tun, dessen Umfang sie einfach nicht verstehen konnten.

Es hat mich viel Kraft gekostet zu erklären, was ich ab jetzt tue, und nicht Gefahr zu laufen, mich ständig zu rechtfertigen.

Mein Konsumverhalten hat sich komplett verändert

Ich habe noch nie so sparsam gelebt wie im letzen Jahr! Es gab keinen Sommerurlaub in dem Sinn, auswärts essen war gestrichen, kein Shoppen (außer E-Kurse und technisches Equipment), kein Kino, keine Konzerte etc. Ich habe buchstäblich jeden Cent umgedreht.

Doch es ist nicht so schlimm, denn mittlerweile brauche ich mich selbst nicht für Zeit zu belohnen, die ich anstatt zu arbeiten lieber woanders verbracht hätte.

Ich war mit meinem Zeitmanagement komplett überfordert

Plötzlich war der ganze Tag zu meiner freien Gestaltung verfügbar. Mit so viel Freiheit konnte ich allerdings nach jahrelanger Struktur, in der ich gelebt hatte, nicht gut umgehen. Ich habe mich ständig verzettelt, habe mir Dates mit Freunden ausgemacht – um sie anschließend wieder abzusagen -, hatte das Gefühl nicht weiterzukommen, hatte einen komplett verschobenen Rhythmus etc. …

Meine Gefühle sind mit mir Achterbahn gefahren

Obwohl ich Psycholgin bin, wurde mein Emotionsmanagement tagtäglich getestet. Natürlicherweise kamen Zukunftsängste in mir hoch und ich begann noch mehr zu arbeiten, um alles richtig zu machen. Und am besten alles auf einmal.

  • „Was passiert, wenn mein Plan nicht aufgeht?“
  • „War es die richtige Entscheidung, gleich komplett zu kündigen?“
  • „Vielleicht brauche ich doch die Sicherheit und Struktur eines 9-to-5-Jobs?!“

Und trotz allem geht es mir gut – ja, ich würde beinahe sagen, besser als je zuvor. Ich möchte dich mit diesem Artikel keinesfalls desillusionieren, im Gegenteil. Ich möchte ein realistisches Bild davon zeichnen, was passiert, wenn du dein Hamsterrad verlässt und beginnst, deiner Leidenschaft zu folgen.

Mittlerweile habe ich mein Zeitmanagement fest im Griff: An dieser Stelle vielen Dank an Thomas Mangold, aus dessen Podcast, den ich morgens beim gemütlichen Frühstückscafé zuhause genieße, ich extrem viel zum effizienten Leben und Arbeiten lernen konnte.

Ich bin zutiefst dankbar dafür, dass ich jeden Tag mit Tätigkeiten füllen darf, die mir auch nach 9 Monaten Bloggerdasein noch total viel Freude bereiten, und die meiner kreativen Persönlichkeit entsprechen.

Ich habe meinen Beruf sozusagen selbst erfunden.

Ich habe das Gefühl, nie auszulernen, und es stimmt, ich empfinde die Arbeit nicht mehr als Arbeit.

Ich fühle mich dadurch erfüllt, dass ich Menschen dabei unterstütze, viel Gespür für sich selbst zu entwickeln und wirklich erfüllende Beziehungen zu leben.

Das macht so viel Sinn für mich.

Ich darf inzwischen mit Menschen arbeiten, die ich durchaus als meine Traumzielgruppe beschreiben kann, und die mich auch ausreichend dafür bezahlen.

Und auch mein Partner und ich ziehen mittlerweile ganz fest an einem Strang.

Ich bin zuversichtlich, dass ich ab dem Frühjahr 2015 auch finanziell komplett auf eigenen Beinen stehen kann – nicht alleine durchs Bloggen.

Doch mein Blog ist mein virtuelles Zuhause und für mich der bedeutsame Dreh- und Angelpunkt, aus dem sich alles andere ergibt.

Ich freue mich über deinen Kommentar: Wo stehst du gerade, und wohin führt dich deine Zielgerade?

Sei bei dir – bleib bei dir

Michaela

Ein Gastartikel von Michaela Forstik

Lass es dir gut gehen!

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P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ehrlichkeit das Leben einfach macht.

Damit es sich auch andere gut gehen lassen
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