Was hat eine Igitt-Wörter-Liste mit Elektrozäunen zu tun?

Zaun

Hä? Was ist das denn für eine Überschrift?

Die Frage ist absolut berechtigt.

Lass mich das kurz erklären: Sicher kennst du diese Tage, an denen dir alles zu viel ist! Zu viel Job, zu viel Familie, zu viele Sorgen, zu viele Hamsterräder. Und vor allem viel zu viele Verpflichtungen.

Als Antistresstrainerin® höre ich täglich unendlich viele Varianten von „zu-viel-Geschichten“ und habe meine Ohren gut trainiert. Dadurch kommt die LebensDolmetscherin® in mir voll zum Einsatz, denn die gesprochenen oder geschriebenen Worte sind für mich Schiebetüren, durch die ich hinter all die verbalen Aussagen schlüpfen kann. Dadurch erkenne ich viel schneller die essentiellen Hintergrund-Themen, die nicht immer deutlich zum Ausdruck gebracht werden (können).

Die Art,

  • wie etwas ausgesprochen wird, oder
  • wie häufig oder automatisiert ein Wort verwendet wird, und
  • wie tiefgreifend ein Wort ist, wenn wir es in seinem eigentlichen Sinn verstehen,

wird durch exaktes Hin- statt Zuhören zum General-Schlüssel für Lösungen.

Aus all den vielen gesprochenen Wörtern, Geschichten und Aussagen habe ich im Lauf der Jahre 2 inspirierende Wortlisten erstellt.

In der einen Wortliste sammle ich alle – wie ich sie nenne – Igitt-Wörter und in der andere Liste bewahre ich die sogenannten Königinnen-Wörter auf.

Bist du damit einverstanden, wenn ich dir zuerst ein paar Igitt-Wörter vorstelle?

Igitt-Liste
PublicDomainPictures / Pixabay

OK, dann lass mich erzählen. Keine Sorge, wir stampfen jetzt nicht in den Tümpel irgendwelcher Ferkeleien.

Es wäre zwar naheliegend, zu glauben, dass es sich bei Igitt-Wörtern um die Wörter handelt, bei denen uns früher unsere Eltern gedroht haben, dass sie uns – wenn wir nur noch einmal das Wort XY aussprechen – den Mund mit Seife auswaschen. (Du hattest solche Eltern nicht, ja wie geil…upps… ist das denn!)

Igitt-Wörtern, so könnte man meinen, wären auch die Wörter, die so „unerhört“ sind, dass man sie gar nicht hören, geschweige denn aussprechen weill, weil sich das einfach nicht „gehört“.

Meine Igitt-Wörter sind ganz „normale“ Wörter, die uns ständig aus dem Mund fallen ohne, sie zu hinterfragen. Igitt-Wörter sind genau die Wörter, die auf unserer Gedanken-Wiese (scheinbar) gelangweilt herumliegen, wie wiederkäuende Kühe.

Beginnen wir mit dem Wort

Vielleicht.

Wie oft passiert es dir, dass dir ein vielleicht herausrutscht, obwohl du genau spürst, dass jetzt ein klares NEIN einfach nur grandios wäre. Ein vielleicht ist so rutschig wie ein Kuhfladen, dass jegliche Chance auf ein gestandenes Nein im Nirwana verschwindet. Dabei warnt dich ein vielleicht schon eindeutig mit seinen Wortbausteinen viel und leicht vor, dass dir da eindeutig etwas zu viel werden könnte und alles andere als leicht zu erledigen ist.

Wort 2 auf meiner Igitt-Liste ist das Wort

Muss!

Hast du schon einmal eine Strichliste gemacht, wie oft und bei welchen Gelegenheiten du tagtäglich das Wort muss verwendest?  Ich muss noch dies, ich muss noch jenes, ich muss erst mal fragen, ich muss schon lange… usw.

Wenn meine Klienten aus den Kuhfladen ihres Müssens aussteigen wollen, (die ihnen ohnehin schon lange stinken, grins) gebe ich ihnen u.a. folgende „Beruhigungs-Droge“ für ihre Dauer-Muss: Das Wort Muse. Herrlich, wenn mit dieser Wortklauberei aus einem muss eine Muse entsteht. Probiere das doch gleich mal aus und lass dich von der Muse küssen, wenn du dein muss öfter durch den Satz „Wenn ich die Muse habe, dann…!“ austauschst.

Jetzt kommt endlich der Elektrozaun zum Einsatz: Das kurze knappe, und dennoch mit einer langen Lebensdauer bewaffnete Wort

Aber!

Dieses unscheinbare Wörtchen aber, ist wie ein Elektrozaun an einer Kuhweide. Du stößt dich dran, bekommst eine gewischt, nicht wirklich gefährlich oder schmerzhaft und doch traust du dich an dieser Stelle keinen Schritt mehr weiter. Ein aber hält dich im Bereich des „immer-gleich-Denkens“ und nimmt dir jegliche Chance, über den Tellerrand (oder den Begrenzungs-Zaun) in die Freiheit zu blicken. Ein aber hält dich dauerhaft und nachhaltig davon ab, einen Schritt über deine Grenzen hinauszudenken. Gibt es ein schlimmeres Igitt-Wort? Ja, denn schlimmer geht immer: Und das ist das Wort

Niemals!

Dieses Wort ist im Gegensatz zu einem Elektrozaun ein regelrechter Elektroschocker. Und der tut weh. Richtig weh. Denn mit einem niemals wirst du nicht nur abgebremst, sondern K.O. geschlagen. Ein niemals hält dich nicht außerhalb eines Zaunes, sondern sperrt dich für immer hinter Schloß und Riegel. Meine Empfehlung: Streiche das Wort niemals am besten ein für alle Mal aus deinem Vokabular.

Ein Igitt-Wort lege ich noch oben drauf, weil ich gerade an einem Blogartikel über die allzeit erwünschte Traumfigur schreibe (Ich und Traumfigur! Fast hätte ich gesagt: Niemals schreibe ich über solche Hirn-Knoten): Weil das Wort niemals jedoch auf meine Igitt-Liste steht, habe ich es mir sofort anders überlegt. Ab 16.10.2019 kannst du meinen Blog-Artikel über die Traumfigur und was ich darüber denke, auf meiner Website in meiner Blog-Kolumne nachlesen.

Apropos niemals und Traumfigur. Da gibt es noch ein Wort, das ich schon lange als Igitt-Wort gelistet habe:

Diät!

Ich habe vor kurzem mal an einem Zeitungskiosk nur so aus Spaß das Wort Diät gezählt. Halleluja, die Zahl hat mich fast umgehauen. Ein einziger Kiosk und 79x das Wort Diät. Gleich ge- und verfolgt von Vegan und LowCarb. Ganz ehrlich, das sind nicht nur absolut heimtückische Elektrozäune, sondern kiloweise Stacheldraht-Gefängnis-Zäune, an die auch noch Verbots-Schilder angenagelt wurden.

Passender Artikel:  Wie wir den großen Manipulator in unserem Leben erkennen und was wir tun können

Bestimmt fallen dir noch mehr Igitt-Wörter ein. Vielleicht magst du sie uns im Kommentar erzählen? Es ist klug, dir eine eigene Igitt-Wörter-Liste anzulegen, wenn du nach Freiheit suchst.

Wenn du wissen möchtest, was eine noch klügere Liste ist, dann lies weiter.

Denn noch klüger ist es, eine Königinnen-Wörter-Liste zu erstellen. (Natürlich darfst du sie auch die Königs-Wörter-Liste nennen! Sofern du dabei das Wort Königs-Disziplin nicht erwähnst. Disziplin verbinde ich immer mit dem Begriff Disziplinar-Strafe. = 2 Igitt-Wörter.)

Was ist eine Königs-/Königinnen-Wörter-Liste?

Igitt-Liste
Pexels / Pixabay

Königswörter sind Wörter, die dir Kraft geben und dich ausdehnen. Es sind die Wörter, die Grenzen sprengen und deine Gedanken wachsen lassen. Wörter, die Lösungen sichtbar machen. Jeder von uns kennt die königlichen Wörter wie Achtsamkeit, Stille, Berufung, Dankbarkeit. Da ich dir anfangs versprochen habe, dass ich über die Worte schreiben will, die sich ganz unauffällig in unserem Wortschatz vergnügen, lassen wir die gerade genannten Begriffe mal außen vor und schauen auf meine Liste:

Eines meiner Lieblingswörter auf meiner Königinnen-Liste ist:

Interessant.

Versuche doch mal, in einer kritischen Situation das Wort interessant einzubauen. Du glaubst gar nicht, wie nahe du dann der Befreiung bist.

Beispiel gefällig? Liebend gerne:

Jemand ärgert dich maßlos. Nun kannst du toben, dich verteidigen, dich auf einen Streit einlassen. Wenn dir das gut tut, bitte. Es gibt noch eine andere Variante, die viel (ent)spannender ist. Gib deinem „Gegner“ ein Kontra, mit dem er eher nicht rechnet und sag ihm/ihr: „Das ist ja interessant, wie du das siehst“.  Das nimmt jedem heiklen Gespräch sofort die Schärfe und legt weich federnde Mooskissen auf das Schlachtfeld.

Noch ein anderes Beispiel? Gerne!

Du bekommst Angst vor deiner eigenen Courage. Statt nun sofort den Rückzug anzutreten, könntest du einfach nur feststellen: Wow, das ist ja interessant, wie mutig ich denken kann! Spürst du, dass du dabei den weiten Raum deiner inneren Größe betrittst?

Noch ein Beispiel:

Jemand beleidigt dich. Bislang kennen wir 2 Möglichkeiten. Entweder zu ziehst dich beleidigt zurück oder du holst aus zum Rundumschlag. Lösung? Kaputte Nasen oder kaputte Herzen. Dabei könntest du auch sagen: „das ist ja interessant, wie du dich ausdrückst.“ Ich verspreche dir, mit dieser Antwort rechnet dein Gegenüber nicht! Eins zu Null für dich!

Mit dem Wort interessant holst du dir in jedem Fall ein kurzes „Time-out“ und kannst dich neuen Gedanken und Lösungen öffnen.

Jetzt das nächste Königinnen-Wort:

Einfach.

Ich liebe es, in unserer verkopften Zeit die Einfachheit zurückzuholen. Mit dem Wort einfach kannst du alle Schubladen der Gedanken-Konstrukte zuzuschieben und nur „ein Fach“ nach dem anderen öffnen. So stellst du einer aktuellen Reiz-Überflutung  einfach den Strom ab und gewinnst Zeit für das nächste einfache Wort:

Noch.

Richtig eingesetzt, kann dieses Wort zu einem absoluten Grenzöffner werden. Wenn es dir gelingt, dein Mindset mit diesem Wort auszutricksen, hast du einen Schlüssel in der Hand, mit dem du alle begrenzenden Elektrozäune aus deinen „ich schaffe es nicht, ich kann das mir nicht leisten, ich glaube nicht, dass… augenblicklich entschärfen kannst.

Wie das geht?  Baue das klitzekleine Wörtchen noch in deine Zweifel-Karussells ein. Ich schaffe es noch nicht, ich kann es mir noch nicht leisten, ich glaube es noch nicht, dass….

Spürst du was dabei passiert? Es fühlt sich an, als würdest du  in denunaufhaltsamen „Strom“ deiner Zweifel einen Wackelkontakt einbauen, der dir eine neue Möglichkeits-Variante aufzeigt, vielleicht doch noch an dich und deine Träume zu glauben.

Habe ich dir mit meinen Beispielen Lust gemacht, deine eigenen Listen anzulegen?

Igitt-Liste
TeroVesalainen / Pixabay

Dann mach deinen Kopf weit auf und höre genau hin, was du hörst und vor allem, was und wie du denkst. Erweitere deine Listen stetig um eigene Wörter, die dir guttun, oder dich befreien. Erfinde Wörter, die dir Bilder in den Kopf zaubern. Es muss nicht die Kuhweide sein, die dich inspiriert. Wecke den Erfinder in dir. Dein Gehirn freut sich, wenn nicht nur die rationale, sondern auch die kreative Hälfte zu Wort kommt.

Hier noch kurz einige meiner Eigenkreationen als Inspiration:

Firlefanz-Konfettibombe nenne ich das Gefühl, wenn ich vor lauter Ideen „vorlaut“ einen bunten Sprühregen über meine staunende Mitarbeiterin ergieße.

Bauchgefühl-Spaghetti nenne ich etwas, das sich noch nicht richtig sortiert hat, weil ständig mein Hirn dazwischen flutscht und alles besser wissen will.

Liebesfülle-Anzeiger ist ein Synonym für meine Waage. Ich gebe zu, ich bringe ziemlich viel Liebe auf die Waage. Wahrscheinlich spreche ich deshalb lieber von einfach, als von leicht.

Gedanken-Kondome kommen zum Einsatz, wenn ich mich selbst begrenze oder nicht aus meiner Haut kann und/oder mich „um des lieben Friedens Willen“ zurücknehme. (Wobei ich gerade merke, dass dieses Verhüterli zwischenzeitlich dank meiner Listen das Verfallsdatum erreicht hat.)

Lakritze-Treffen, nenne ich lästige Aufgaben, die ich so wenig mag, wie Lakritze.

Jetzt bist du dran! Ich bin schon mega gespannt auf deine Eigenkreationen. Und bitte!!!

Mach’s dir einfacher. Weil du wichtig bist!

Herzlichst

Deine Silke

Artikel von

Silke Steigerwald

Silke Steigerwald

Silke, die empathische LebensDolmetscherin®, übersetzt auf unnachahmliche Weise, wie dein Leben „tickt“ und wie du es wieder zu DEINEM Leben machst. Die Expertin für alltagstauglich umsetzbare Lösungen in Stress- und Krisenzeiten arbeitet seit 20 Jahren als Dipl.liz.Antistresstrainerin® und Seminarleiterin. Ihr Statement: Komprimierte, intensive Wochenend-Auszeiten sind weitaus effektiver als termin-aufwändige Einzel-Coachings. Als Vollblut-Trainerin setze ich seit vielen Jahren auf  kreative, persönliche „Live-Trainings“, immer auf Augenhöhe mit meinen Klienten. Silke ist verheiratet und Mutter von 2 erwachsenen Töchtern

2 Antworten

  1. Hallo liebe Frauke,

    Ich danke DIR für deine wertvolle Rückmeldung. Yeah, genau darum geht es. Die Dinge/Situationen/Reaktionen „einfach“ mal interessant zu finden.
    Ich persönlich finde das auch sehr wohltuend. Wie schön, wenn es so prompt funktioniert.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    Silke

  2. Liebe Silke,

    Danke für Deine wunderbaren Listen (sind ja zwei, gell).

    Ich glaube, Du hast mir (schon vor einiger Zeit) mal die Anregung gegeben, das Wörtchen „interessant“ aktiver zu benutzen. Als bekennende Neugiernase hab ich das natürlich ausprobiert … und folgendes festgestellt: wenn ich „interessant“ sage (oder denke), will mein Gehirn sofort wissen, WAS denn jetzt bitte grad interessant ist? Und schwups – ist die Aufmerksamkeit weg vom Ärger. SEHR wohltuend <3

    Danke für diesen wunderbaren Impuls !
    Liebe Grüße, Frauke

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Silke Steigerwald

Silke Steigerwald

Silke, die empathische LebensDolmetscherin®, übersetzt auf unnachahmliche Weise, wie dein Leben „tickt“ und wie du es wieder zu DEINEM Leben machst. Die Expertin für alltagstauglich umsetzbare Lösungen in Stress- und Krisenzeiten arbeitet seit 20 Jahren als Dipl.liz.Antistresstrainerin® und Seminarleiterin. Ihr Statement: Komprimierte, intensive Wochenend-Auszeiten sind weitaus effektiver als termin-aufwändige Einzel-Coachings. Als Vollblut-Trainerin setze ich seit vielen Jahren auf  kreative, persönliche „Live-Trainings“, immer auf Augenhöhe mit meinen Klienten. Silke ist verheiratet und Mutter von 2 erwachsenen Töchtern

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