Wie dein innerer Kritiker deine größten Stärken gegen dich verwenden kann

innerer Kritiker


Wie dein innerer Kritiker deine größten Stärken gegen dich verwenden kann erfährst du in diese Artikel.

Hat du dich schon einmal gefragt, welche Voraussetzungen du mitbringen musst, um dich erfolgreich aus dem beruflichen Hamsterrad zu lösen und selbstbestimmt zu arbeiten? 

Oh, da gibt es viele Faktoren. Aber einige werden ganz häufig genannt: Freude am Netzwerken, Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit, hohe Perfektion und Kreativität.

Das, was die Erfolgsfaktoren für dein Business sind, sind allerdings auch die Erfolgsfaktoren für deinen inneren Saboteur. Denn genau diese Stärken, die du hast, kann er einsetzen und gegen dich verwenden. 

Wie das geht? Das verrate ich dir hier.

1. Innerer Kritiker – Social Skills und Empathie

Wenn du ein gutes Einfühlungsvermögen mitbringst, kannst du dich in deine Kunden hineindenken und erspürst, was diese brauchen. Und wenn du gut auf Menschen zugehen kannst, werden sich sowohl dein Netzwerk wie auch dein Kundenkreis schnell vergrößern.

Super für dein Business. 

Und super für deinen Saboteur. Denn dieses clevere Kerlchen nutzt deinen hohen Bekanntenkreis und dein Mitgefühl aus, um dich von deinen Projekten abzulenken.

Stell dir vor, du willst endlich einmal ein neues Produkt für deine Website entwickeln. Dafür brauchst du Zeit. Nicht nur hin und wieder einmal ein oder zwei Stunden, sondern wirklich mehrere Tage am Stück, um dich auch richtig hineindenken zu können. Du hast dir diese Zeit extra freigeschaufelt aber genau dann kommen gleich mehrere Ereignisse: Deine beste Freundin hat Liebeskummer, deine gebrechliche Mutter ist gestürzt und muss zu mehreren Arztbesuchen begleitet werden, ein Bekannter meldet sich mit einer Bitte. Und zusätzlich fragt deine alleinerziehende Schwester, ob sie ihre Kinder mal bei dir unterbringen kann, da sie einen ganz wichtigen Termin hat und die Tagesmutter krank geworden ist.

Je größer dein Freundeskreis und je enger du mit diesen verbunden bist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du immer wieder mal um Hilfe gebeten wirst.

Du kannst natürlich dann darauf verweisen, dass du ebenfalls einen sehr wichtigen Termin (mit dir selbst und deinem neuen Produkt) hast, wenn da nicht deine Empathie wäre. 

Denn du kannst dich sehr gut hineinfühlen in die verzweifelte Schwester, die hilfsbedürftige Mutter, den ratsuchenden Bekannten und die liebeskranke Freundin. Und dann fällt es so unglaublich schwer, die eigenen Bedürfnisse an erster Stelle zu setzen.

Und das nutzt dein Saboteur skrupellos aus.

Immer dann, wenn du eine unliebsame Aufgabe vor dir hast, oder etwas beginnen möchtest, an dem du tief in deinem Inneren zweifelst, schlägt er zu. Er lauert förmlich auf solche Gelegenheiten und appelliert an dein Pflichtbewusstsein und deine Empathie, um dich von deinem ursprünglichen Vorhaben abzuhalten.

  • „Das geht doch schnell!“
  • „M. würde das gleiche für dich tun“
  • „Was bist du nur für eine schlechte Tochter/ein undankbarer Freund/ein Egoist“

Mit solchen Einflüsterungen sorgt er dafür, dass du deine Prioritäten falsch setzt, weg von deinem Business. Und füttert damit eine geheime Angst, die besonders empathische Menschen haben: die Angst, nicht mehr gemocht zu werden und im Grunde genommen sehr egoistisch zu sein.

Was kannst du nun dagegen tun?

Achte mal gut darauf, ob immer dann etwas Wichtiges dazwischenkommt, wenn du dir gerade Zeit für dein Projekt freigeschaufelt hast. Wenn das einmal geschieht, kann es Zufall sein, wenn es aber immer wieder passiert, dann ist das nicht Schicksal, sondern vielmehr dein Saboteur.

Frage dich dann mal ernsthaft, ob das andere Anliegen wirklich und unbedingt sofort und ausschließlich durch dich gelöst werden muss. Überlege, ob du anders priorisieren kannst („Ich kümmere mich in zwei Tagen darum, erst muss ich…“) oder ob du es anderweitig lösen kannst („Könnte dir nicht der nette Nachbar dabei helfen?“)

Du musst nicht immer springen und ständig Gewehr bei Fuß stehen. Das will dir nur der Saboteur einreden.

Innerer Kritiker
RyanMcGuire / Pixabay

2. Innerer Kritiker – Gewissenhaftigkeit und Perfektion

Und noch eine weitere Charakterstärke macht sich der kleine Widerling zunutze: Deine Genauigkeit. Diese ist ja im Grunde genommen sehr wichtig, denn dadurch kannst du wirklich hochwertige Leistungen bringen, die deine Kunden überzeugen. Aber wie alles, hat dein Bedürfnis nach einer hohen Qualität einen Nachteil: Du brauchst dafür Zeit, viel Zeit sogar. 

Dein kleiner Saboteur wird dies gegen dich verwenden. Zum einen kann er dafür sorgen, dich vom Wesentlichen abzuhalten, indem du viel zu viel Zeit für Nebensächlichkeiten verschwendest. Angenommen, du möchtest einen Gastartikel schreiben. Wenn du zu dem Thema erst einmal ein zweihundertseitiges Sachbuch durcharbeiten möchtest, um auch wirklich perfekt über das Thema Bescheid zu wissen, dann wirst du vermutlich auch übernächste Woche noch nicht mit dem eigentlichen Schreiben begonnen haben.

Zum anderen hindert dich dein Perfektionismus daran, Dinge fertig zu stellen. Ganz oft habe ich es erlebt, dass Menschen Fristen haben verstreichen lassen oder Produkte nie zu Ende gebracht haben, weil sie trotz einer herausragenden Leistung immer noch etwas gefunden haben, was sie noch verbessern könnten.

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Gerade dann, wenn du noch am Anfang stehst und bisher noch wenig positives Feedback bekommen hast, wird dein Saboteur dich an deinem Qualitätsanspruch packen:

  • „Was, wenn ich mich damit blamiere?“
  • „Wenn ich das nicht perfekt mache, wird man merken, dass ich noch ein blutiger Anfänger bin“
  • „Eigentlich bin ich ja noch gar nicht der Experte, für den mich alle halten“

Und mit diesen Gedanken treibt er dich dazu, immer und immer wieder dein Produkt oder deine Dienstleistung zu überarbeiten und dadurch nie fertig zu werden. Er nutzt dabei deine Selbstzweifel und die Angst, nicht gut genug zu sein, hemmungslos aus. 

Wie bekommst du deinen Perfektionismus in den Griff?

Mach dir immer wieder deutlich: 80% sind besser als 0%

Natürlich willst du deine Kunden mit guter Leistung überzeugen. Aber wenn du versuchst, alle Schwächen auszumerzen und alle Fehler zu vermeiden, wirst du nie fertig. 

Halte dich vielmehr an die 80:20-Regel: 80% sind völlig ausreichend. Wenn du dagegen 100% anstrebst, wird dein Projekt vermutlich nie fertig werden. Und das wäre richtig schade. 

Daher: Beweise Mut zur Lücke und mach die Erfahrung, dass du auch mit einer sehr guten (wenn auch nicht perfekten) Leistung andere überzeugen kannst

innerer Kritiker bremst Kreativität
ivanovgood / Pixabay

3. Innerer Kritiker – Kreativität

Eine der wichtigsten Stärken, die du für eine Selbständigkeit mitbringen solltest, ist deine Kreativität. Dadurch erst kannst du dich aus der Menge herausheben und etwas Einzigartiges anbieten. 

Leider aber ist auch dein Saboteur sehr kreativ. Nicht nur darin, dass er jede Menge Ablenkungsmanöver und Ausreden für dich erfinden kann. Er nutzt auch deine Kreativität gegen dich.

Vielleicht kennst auch du die folgende Situation: Du hast eine genialgute Idee. Voller Begeisterung stürzt du dich darauf. Du beginnst an deiner Website zu basteln und diese mit Content zu füllen. Jetzt müsstest du vor allem eins: dranbleiben und regelmäßig weitere Beiträge schreiben. Denn erst mit der Zeit werden sich nach und nach Kunden einstellen. 

Doch plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Dein Kopf spuckt jede Menge toller Ideen aus. Eine vielversprechender als die andere. Du hast das Gefühl, dass eine davon dir endlich den Durchbruch bringen könnte. Nur haben die ganzen Ideen einen Nachteil: Sie haben nicht sehr viel mit deiner ursprünglichen Geschäftsidee zu tun. 

Und nun befindest du dich in einer Zwickmühle: Bleibst du an deinem ursprünglichen Plan dran, hinter dem du vielleicht nicht mehr so richtig stehst? Oder verfolgst du deine neue Spur?

Dann kommen oft solche Gedanken in deinen Kopf:

  • „Als ich mit dem ursprünglichen Plan begonnen habe, war ich noch sehr naiv. Jetzt weiß ich viel mehr und kann es besser machen“
  • „Das Neue passt so viel besser zu mir“
  • „Wie soll ich jetzt etwas verfolgen, wenn ich doch nicht mehr richtig an den Erfolg glauben kann und sowieso keinen Spaß mehr daran habe?“

Ganz viele entscheiden sich dann dafür, der neuen Idee zu folgen und gehen dabei dem kleinen Saboteur auf den Leim. Denn er ist es, der sie dazu verleitet, ihr ursprüngliches Projekt aufzugeben. 

Ich kenne gleich mehrere Menschen, die viele Jahre damit zugebracht haben, immer neue Projekte zu beginnen, aber kein einziges davon zu Ende gebracht haben.

Und wieder einmal steckt dahinter eine geheime Angst: nämlich die, dass deine Geschäftsidee vielleicht nicht funktionieren könnte. Indem du immer wieder etwas Neues beginnst, musst du dich nie der Gefahr aussetzen, dass du dein Produkt oder deine Dienstleistung fertig ausgearbeitet anbietest, und keiner es haben will.

Was hilft dagegen?

Bleib dran! 

Mit diesem Rat möchte ich dir nicht empfehlen, dass du stur an deiner ursprünglichen Idee festhalten sollst. Denn oft ist es ja so, dass du beim Tun Erfahrungen sammelst und nachjustieren musst. Ich kenne einige, mich eingeschlossen, die erst im zweiten oder dritten Anlauf wirklich wussten, wie ihr Business aussehen soll.

Korrigiere also ruhig ein bisschen die Richtung, wenn du etwas mehr Erfahrung gesammelt hast. Aber mach nicht alle 3 Monate eine komplette Kehrtwendung.

Und frage dich bei jeder Kurskorrektur, ob du gerade etwas vermeidest oder ob die neue Idee bei genauem Licht betrachtet wirklich so viel besser ist als die ursprüngliche.

Natürlich hat dein kleines Sabotage-Monster noch viele Möglichkeiten, dich in deinen Selbständigkeits-Plänen zu behindern, aber wenn dir diese drei Mechanismen bewusst sind, hast du schon einmal viel Selbstsabotage-Potential im Griff.

Damit dein Business Schwung aufnehmen kann und du endlich raus kommst aus dem Hamsterrad!

Artikel von

Michaela Muthig

Michaela Muthig

Dr. Michaela Muthig ist Fachärztin, Psychotherapeutin und Buchautorin ("Der kleine Saboteur in uns", erschienen im dtv-Verlag). Als Coach hilft sie Menschen dabei, die eigenen Stolperfallen zu erkennen und zu beseitigen. Auf ihrer Website findest du zahlreiche Tipps zum Umgang mit dem inneren Saboteur: coaching-azur.de

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Michaela Muthig

Michaela Muthig

Dr. Michaela Muthig ist Fachärztin, Psychotherapeutin und Buchautorin ("Der kleine Saboteur in uns", erschienen im dtv-Verlag). Als Coach hilft sie Menschen dabei, die eigenen Stolperfallen zu erkennen und zu beseitigen. Auf ihrer Website findest du zahlreiche Tipps zum Umgang mit dem inneren Saboteur: coaching-azur.de

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

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