Die Komfortzonen Verschwörung – Warum du gar nicht raus musst

Komfortzone

Alles sagen dir: Du musst raus aus deine Komfortzone. Nur stimmt das wirklich? Der Artikel zeigt, dass du gar nicht aus der Komfortzone raus musst!

Verschwörungstheorien sind eine lustige Sache:

  • Wir waren nie am Mond. Stanley Kubrick hat die Mondlandung gedreht.
  • Die USA haben am 11. September die Twin-Towers selbst zerstört.
  • Eine geheime Weltregierung zieht im Hintergrund die Fäden und wir sind alle nur Marionetten.
  • Du musst deine Konfortzone verlassen, sonst wirst du niemals erfolgreich werden.

Ok, der letzte Satz taucht üblicherweise nicht bei den Conspiracy-Top-Ten auf YouTube auf.

Ich behaupte jetzt aber mal, dass dieses Komfortzonen-Dingsbums überdenkenswert ist.

Gelinde gesagt.

Warum ich das glaube?

Weil etwas nicht automatisch richtig und wahr wird, nur weil es viele unreflektiert nachplappern.

Woher kommt diese Komfortzonen-Sache eigentlich?

Gibt man Komfortzone in Google ein, so findet man hunderte, wenn nicht tausende Blogartikel zu diesem Thema.

Alle trompeten dir die gleichen Aussagen um die Ohren:

Du musst deine Komfortzone verlassen, nur so kannst du dich wirklich weiter entwickeln. Außerhalb der Komfortzone beginnt das wahre Leben.

 


Der Artikel zum hören:


OK, klingt mal ganz gut. Nur stimmt das auch?

Lustigerweise wird es da mit Argumenten dünn, denn es wird stets das gleiche behauptet, aber nicht untermauert, also mit Zahlen, Fakten oder wissenschaftlichen Studien.

Denn die gibt es nicht.

Die Komfortzone ist ein Modell, der – so schreibt sogar die Wikipedia – Populärpsychologie.

Heißt auf deutsch: Nicht wissenschaftlich belegt.

In Bereich der Persönlichkeitsentwicklung gibt es ganz viele solche Phänomene:

Jemand behauptet etwas vehement, andere finde die Gedanken grundsätzlich stimmig und wiederholen das solange und so oft, bis es ein in Stein gemeißeltes Gesetz ist.

Klingt super. Klingt weise. Wird schon stimmen. Plappern wir nach.

(Der Satz „Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst“ ist übrigens auch so ein Fall.)

Obwohl die Komfortzone fast 1 Million Ergebnisse auf Google liefert und der Begriff in kaum einem Persönlichkeitsentwicklungsseminar fehlern darf, ist es um die Literatur ebenso dünn bestellt, wie um die wissenschaftliche Fundiertheit.

Amazon.de liefert nur eine Handvoll deutschsprachige Bücher mit Komfortzone im Titel oder Untertitel.

Bei Amazon.com muss man nach der Eingabe des Wortes erstmal das Departmen „Books“ suchen, sonst liefert einem Amazon.com nur einen Luftdiffuser für Katzen (Kein Witz).

Der Wikipedia Eintrag auf englisch umfasst zu dem Thema nicht mal 300 Worte.

Und aufgekommen ist der Begriff erstmals in einem Management-Buch im Jahr 1995 um Mitarbeiter zu motivieren, besser und effizienter zu funktionieren. Also nix mit psychologischer Fundiertheit. Die Autorin ist Managerin.

Passender Artikel:  Achtsamkeit - Was soll das überhaupt bringen?

Wie kann es also dazu kommen, dass ein Begriff, der auf so tönernen Füßen steht, von fast 4.000 Menschen im Monat auf Google gesucht wird und den Anschein erweckt, ein güldenes Persönlichkeitsentwicklungskonzept zu sein?

Die Antwort ist: Ich habe keinen Plan. Oder doch?

Die Komfortzone hat etwas mit der christlichen Weltanschauung zu tun

Ui, jetzt begebe ich mich in heikles Terrain. Ich stelle jetzt mal eine wilde These auf.

Das Verlassen der Komfortzone ist für uns eine Überwindung. Es bedeutet im übertragenen Sinne für jeden, der das tut, das Empfinden von Schmerzen.

Die Aussage „Du kannst dich nur weiter entwickeln, wenn du deine Komfortzone verlässt“ bedeutet auf deutsch:

Ohne Schmerzen keine Weiterentwicklung.

Ehrlich?

Will uns die Persönlichkeitsentwicklung wirklich dieses Glaubenssatz einprogrammieren?

Oder hat es damit zu tun, dass wir in der christilichen Weltanschauung, den Schmerz als Mittel zu Erlösung sehen?

Das Symbol der christlichen Religion ist ein Kreuz, eigentlich ein leidender, Schmerzen empfindender Mensch, der an ein Kreuz genagelt ist.

Bereits als Kind lernen wir, dass wir nur erlöst sind, weil vorher jemand für uns gelitten hat.

Auf deutsch: Erlösung wird nur durch Leid möglich.

Ein ebenso toller Glaubenssatz.

Zusammengefasst enspringt meinem Gehirn jetzt tatsächlich die Annahme, dass unser mit westlicher Weltanschauung programmierter Autopilot – also das Unterbewusstsein – den Schmerz, das Leiden als serienmäßige Ausstattung für Weiterentwicklung = Erlösung sieht.

Finde ich gelinde gesagt, Scheiße.

 

Komfortzone verlassen

Warum wir glauben, dass nur große Sprünge (unter Schmerz) Weiterentwicklung bedeuten

Unser Gehirn merkt sich ja nix.

Also im Vergleich zu den unglaublich vielen Eindrücken und Informationen, die Tag für Tag auf uns einprasseln, bleibt ja realtiv wenig hängen.

Somit bleibt auch kaum etwas von der Tatsache hängen, dass du und ich uns täglich weiterentwickeln.

Wir merken uns nur die großen Sprünge. Also die Sprünge, die durch das vermeintliche Verlassen der Komfortzone zustande gekommen sind.

Das hat wiederum stark mit unserer Erlebnis-Junkie-Gesellschaft zu tun.

Normales und Unscheinbares bekommt keine Likes.

Nur die Dinge, die uns den „Vogel raushauen“ bleiben in Erinnerung. (So sagt die Peak-End-Regel von Daniel Kahneman – die ist wissenschatftlich belegt)

Das ist traurig, denn wenn du und ich besser erkennen würden, dass das was du heute kannst und bist, nicht durch das Verlassen der Komfortzone entstanden ist, sondern durch Prozesse die täglich, stündlich und minütlich stattfinden, dann wüssten wir unsere kleinen Leistungen auch besser zu schätzen.

Du bräuchtest kein Leiden-Komfortzonen-Verlassen-Ding.

Du könntest erkennen, dass du super bist und noch superer wirst, ohne dich absichtlich Schmerzen auszusetzen.

Passender Artikel:  10000 Schritte täglich - 100 Tage - Ein motivierender Erfahrungsbericht

Eines ist klar:

Auch ich habe in meinem Leben einige Momente erlebt, wo ich meine Komfortzone verlassen habe und einen großen Sprung gemacht habe.

Was mich nur einfach furchtbar anfuckt ist die dogmatische Wiederholung, die rund um die Komfortzone verbreitet wird.

Mich ärgert, dass ich jahrelang diesen doofen Glaubenssatz auf den Leim gegangen bin.

Mich ärgert, dass ich dadurch jahrelang nicht zu schätzen wusste, was ich alles erreicht habe, ohne, dass ich mich dabei unwohl fühlen musste.

Und mich ärgert, dass so viele dieses Konzept nachplappern und sich damit nicht klar machen, welche falschen und giftigen Glaubenssätze sie dadurch in die Köpfen ihrer Leser pflanzen.

Nein, der dumme Komfortzonen-Glaubenssatz ist keine Verschwörung der Illuminati oder der „Prieure de Persönlichkeitsentwicklung“.

Aber ja, du kannst dich ganz gut, langsam, gemütlich und ruhig weiterentwickeln und deine wahren Ziele erreichen.

Und zwar ohne Selbstgeißelung. Und ohne selbst- oder fremdauferlegten Leistungsdruck.

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

8 Antworten

  1. Lieber Markus!

    Was für ein super Artikel! Der Begriff „Komfort“ sollte ja per definitionem mit Behaglichkeit etwas zu tun haben, in der Komfortzone sollte sich einer eigentlich wohl fühlen. Und hier liegt meiner Meinung nach der grosse Irrtum. Viele MEINEN sie befänden sich in einer Komfortzone, realisieren aber erst, nachdem sie daraus herauskatapultiert wurden, dass es sich bloss um eine tägliche Lüge und Selbstbestrafung handelte, die mit dem eigentlichen Komfortbegriff herzlich wenig gemeinsam hatte, noch nicht mal Sicherheit (welche auch zum Gefühl der Behaglichkeit gehört) war gewährleistet. Komfortzone bedeutet doch für die meisten ganz einfach das (momentane) Überleben im Hamsterradsystem inklusive der damit einhergehenden Gewohnheiten.

    Die Sache mit dem Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen man sich am meisten umgibt, war mir schon immer sehr suspekt. Ob diese fünf Leute einem inspirieren, wird dabei vollkommen ausser Acht gelassen. So kann einer, den man nur einmal im Jahr sieht, der einen aber sowas von inspiriert, einflussreicher sein, als jemand, mit dem man tagtäglich abhängt. Ausser Acht gelassen wird auch die Möglichkeit, dass man sich auf virtuelle Art brutal fest inspirieren lassen kann, da braucht man den Menschen dahinter noch nicht mal persönlich zu kennen!

    Mit fröhlichen Grüssen

    Arletta

  2. Hallo,

    danke für diesen Artikel. Nachdem ich ihn gelesen habe, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es letztendlich eine Sache der Persönlichkeit bzw. des Charakters ist, ob ein Mensch in einer Komfortzone gut entwickelt oder ob er diese verlassen muss. Dies muss man im Rahmen der Beratung immer bedenken.

    Folglich steht man in dem Spannungsfeld immer eine individuelle Lösung zu suchen und zu finden. Wichtig ist, dass die betreffende Person das von ihr angestrebte Ziel erreicht.

  3. Hallo Markus,
    megacooler Artikel! Genauso ist es!
    Ich muss gestehen, dass ich eine gewisse Zeit diesen Scheiß auch geglaubt habe. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass die meisten dieser Gurus und Coaches, die einen auffordern, die Komfortzone zu verlassen, auch gleich einen konkreten (meist sehr kostspieligen) Weg anbieten.
    Auf deine Idee mit der christlichen Begründung und dem Hang zum Leiden bin ich noch nicht gekommen, hört sich aber im ersten Moment logisch an.
    Nicht umsonst ist es nach wie vor so, dass jemand der für seinen 8-Stunden-Tag 10 Stunden benötigt und sich dabei quält mehr bewundert wird als jemand, der clever ist und seinen 8-Stunden-Tag in 6 Stunden erledigt.
    You made my day!

  4. Hallo Markus,

    radikale Ansicht, typisch Markus halt 😉

    Ich kann dir nur bedingt zustimmen. Für mich und so wie ich mit dem Thema Komfortzonenerweiterung in Berührung gekommen bin, betrachte ich auch die kleinen „unscheinbaren“ Entwicklungen im Alltag (die im Moment, in dem sie passieren sehr wohl bewusst stattfinden und wenn ich damit ein bestimmtes Entwicklungsziel verfolge auch bewusst wahrgenommen werden als solche) genauso als Ausdehnung meiner Komfortzone. Innerhalb meiner Komfortzone kann ich Meisterschaft erreichen in den Dingen, die ich bereits gut kann. Das ist wertvoll und wichtig. Und für all diejenigen, denen das nicht reicht, geht es außerhalb der Komfortzone weiter. Und das ist fein so. Ich genieße es sehr, nicht nur an meine persönlichen Grenzen, sondern auch darüber hinaus zu gehen. Allerdings hat alles seine Zeit.

    Was irgendwie bedenklich ist, und da gebe ich dir recht, ist dieser mittlerweile trendy gewordene Leistungswahnsinn rund um die persönliche Weiterentwicklung (Erweiterung der Komfortzone). Das empfinde ich als besorgniserregend. Und dieser Druck kommt ziemlich eindeutig aus der beruflichen leistungsorientierten Ecke. Hier profitieren als vor allem auch andere mit ihren eigennützigen Interessen von unserer persönlichen Entwicklung. Muss jeder für sich wissen, ob er da mitspielen will.

    Danke jedenfalls für den erfrischend andersdenkenden Artikel.

    Servus aus Wien
    Susi

  5. Lieber Markus,

    du sprichst mir total aus dem Herzen! VIELEN DANK, dass du das mal aufklärst, dass es dafür keine vernünftige wissenschaftliche Begründung gibt. Ich habe diesen Spruch mit der Komfortzone immer als anmaßend und übergriffig empfunden. WER als anderer mensch will MIR denn sagen, dass ich a) in einer Komfortzone bin, und b) dass sie etwas Schlechtes ist, und c) dass ich sie verlassen MUSS?!

    Denn genau: Ich entwickele mich jeden Tag, Entwicklung ist ein enormer Antrieb. Sprich ich habe jeden Tag meine Herausforderungen. Und wenn ich mich bei all den Herausforderungen, die ich bewältige, dann auch mal in meiner Komfortzone befinde, dann habe ich mir das auch mal verdient! Denn an sich will ich doch genau dort hin. Da, wo es nicht immer “weh” tut. Dann will ich nicht gleich wieder schlecht fühlen müssen, weil ich mich gerade gut fühle.

    Ich will damit nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die genau durch diesen Spruch auch wachgerüttelt werden können. Also vielleicht Couch Potatoes, die jammern und wenig Aktivität entwickeln…? Wobei die wahrscheinlich erstmal andere Probleme lösen müssen, und das mit der Komfortzone da erstmal womöglich noch mehr Widerstände als bei mir hervorrufen könnte. Was dann wieder meine Idee nährt, dass das mit der Komfortzone in jedem Fall ein Sch.-Begriff bleibt. Von mir aus könnte man sagen “Entwicklungsimpulse wahrnehmen” – okay, nicht für jeden plakativ genug -, oder irgendeinen anderen POSITIVEN Begriff wählen, aber “Komfortzone verlassen müssen” klingt doch nach einem einzigen Vorwurf. Von daher kann ich deiner Idee der im schlechteren Sinne christlich geprägten Grundlage gut folgen. Interessante und für mich durchaus schlüssige Erklärung.

    Jedenfalls ENDLICH mal jemand, der dieses idiotische Nachplappern zum Thema macht! Danke, danke, danke dafür !!

    Lieben Gruß,
    Heike

  6. Was für Wahre Worte! Von dieser Seite habe ich die Komfortzone noch gar nicht betrachtet, aber im Nachhinein stimme ich dir voll und ganz zu!
    Dieser Satz ist genial: „…, denn wenn du und ich besser erkennen würden, dass das was du heute kannst und bist, nicht durch das Verlassen der Komfortzone entstanden ist, sondern durch Prozesse die täglich, stündlich und minütlich stattfinden, dann wüssten wir unsere kleinen Leistungen auch besser zu schätzen.“
    Genial! Endlich ist Entwicklung ohne Leiden möglich!

  7. Oh ja, lieber Markus,

    dieses Nachgeplapper findet sich überall. Einer hat es mal gesagt, dann plappern alle es nach. Das gilt in jedem Gewerbe. Ob jetzt wie bei dir oder wie mir in der Pharmazie.

    Was das Verlassen der Komfortzone angeht, so habe ich damit auch ziemlich gehadert (als ich Videos machen wollte) weil es mir einfach unangenehm war. Doch dann hab ich beschlossen es einfach sein zu lassen.
    Und jetzt nach etwa einem Jahr geht es fast von alleine 😉

    Übrigens, ich liebe deine Artikel, denn sie sind wirklich immer sehr inspirierend. Besonders gut gefällt mir dein „Prieure de Persönlichkeitsentwicklung“. 😉

    Herzliche Grüße
    Barbara

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Markus Cerenak

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