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Vom Kopfkino zum eigenen Buch II: So kommst du ins Schreiben

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Oh, da bist du wieder! Wie schön!
In Teil I haben wir versucht herauszufinden, wo du in Bezug auf dein Werk stehst und in welchem Zustand es sich befindet. Vielleicht bist du schon bereit, aus deiner Ausgangssituation eine Schreibsituation zu machen?

Wunderbar, denn jetzt werden wir klären, wie aus Gedanken und Ideen geschriebene Materie werden kann.

Nutze technische Hilfsmittel, um sie festzuhalten. Dein Smartphone, ein tragbares oder das in deinem Laptop integrierte Mikro sind leicht zu handhaben. Wie wäre es jedoch mal ganz altertümlich mit einem Diktiergerät? Vor allem im Falle einer Autobiografie bietet sich das an. Warum soll man Erinnerungen nicht mit der ihnen zeitlich entsprechenden Technik und ihrem ureigenen Sound verbinden? Mein Favorit wäre der Kassettenrekorder. Damit habe ich es tatsächlich noch nie versucht. Es kam mir gerade so ein. Erzähle deine Geschichte dir oder anderen und nimm dich dabei auf. Das betrifft jede neue Idee. Es ist ein Unterschied, ob du Gedankenblitze notierst oder aussprichst. Probiere es mal aus.

Schreiben bedeutet auch beschreiben.

Schildere, was du innerlich vor dir siehst. Welche Figuren erscheinen vor dir? Wie sehen sie aus? Höre deinen Figuren zu, schaue sie dir genau an und schreibe alles nieder, was sie dir über sich mitteilen. Wie sehen die Orte und Landschaften deiner Geschichte aus? Welche Details machen die Gegenstände aus, die in ihr auftauchen? Vertiefe dich schreibend und erzählend in deinen zukünftigen Roman, dein Drehbuch, deine Erzählungen.

Eine Vertiefung braucht es nicht nur beim Storytelling.

Falls es sich bei deinem Buchprojekt um ein Sachbuch handelt, sind Recherchen unabdinglich, insbesondere dann, wenn du deine Theorien für vollkommen revolutionär hältst. Informiere dich über dein Thema. Schaue, was es dazu auf dem Markt oder in der Forschung gibt. Du wirst dich wundern, wie alt deine Gedanken möglicherweise schon sein können. Das bedeutet auch, dass man für seine Fragestellung durchaus alle Zeitspannen (bis zur Antike) einkalkulieren sollte. Das Gleiche trifft auf verschiedene Kulturräume zu. Es kann sehr motivierend aber auch frustrierend sein, welche Gemeinsamkeiten man mit anderen Autoren teilt (Tipps zum Umgang mit beiden Gefühlssituationen folgen in anderen Artikeln dieser Serie). Beim Sachbuch dient die Recherche also nicht nur als solider Hintergrund für deine Fakten und Thesen, sondern auch dazu, möglichen Plagiatsvorwürfen vorzubeugen. Einen ganz wunderbaren Nutzen, den du aus der Lektüre von Fremdmaterial ziehen kannst, ist jedoch die Inspiration, es anders zu machen.
Während du also noch zu deinen Themen liest, ergänzt du schon dein eigenes Gedankenmaterial. Was würdest du weiter bzw. neu denken? Was hast du selbst anders erfahren oder beobachten können, und möchtest es jetzt in deinem Buch mit einer Leserschaft teilen?

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Stelle deinen Themen Fragen und baue mit deinen Antworten darauf auf. Wie lässt sich Thema x verarbeiten? Was verbinde ich damit? Wie könnte ich es über Figuren zur Sprache kommen lassen? Welche Kulisse bietet sich als geeigneter Hintergrund zu seiner Inszenierung? Ähnliches gilt für die Struktur deines Buches. Wie sieht der Handlungsverlauf aus? Wie baue ich meine These auf und aus und begleite meine Leser sicher bis zur Schlussfolgerung? Blitzen bereits die ersten Kapiteltitel auf?

Du wirst dich immer wieder neu orientieren und selbst verorten müssen, um den Überblick zu behalten. Ich bin ein Listen-Nerd und navigiere am liebsten mithilfe von Übersichten. Erstelle doch auch du den Index deines Buchprojekts mit seinen Figuren, Räumen, Zeiten, Motiven, Themen, Thesen, etc. All das gehört für mich zum Entstehungsprozess eines Buchprojekts.

Wie kommen wir nun ins eigentliche Schreiben, die Ausarbeitung?

Richte dir und deinem Schreiben einen Raum ein. Das kann in den eigenen vier Wänden, aber auch in der Öffentlichkeit (Café, Bahnhof, Bibliothek, etc.) oder im Freien sein. Nicht jeder tickt gleich. Folge deinen Bedürfnissen und den Bedingungen, die für ein fokussiertes und fließendes Arbeiten notwendig sind.

Schreiben hat keine Zeit, oder doch? Man kann behaupten, dass kreative/künstlerische Arbeit sich nicht auf Momente festlegen lässt, die uns passen, dass sie erst dann zur Entfaltung kommt, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wann uns die Muse küsst, bestimmen nicht wir, sondern die Göttin selbst? Ich behaupte: Nicht nur. Wenn du dich schon eingehender mit dem Schreiben oder dem Alltag von Schriftstellern beschäftigt hast, wirst auch du eine wiederkehrende Aussage bemerkt haben. Fast allen erfolgreichen Autoren ist eines gemeinsam: der Rhythmus und die Disziplin. Finde also deinen ganz eigenen Takt heraus.

Schreiben kann nicht nur eine Kunst sein. Es ist vor allem ein Handwerk. Dafür solltest du deine Schreibmuskeln trainieren. Freies Schreiben (intuitives Schreiben) ist für mich eine geniale Methode. Die Bewegung, der Prozess und die Routine werden trainiert. Ob auf Papier, der Schreibmaschine oder dem Computer, praktiziere es möglichst täglich. Setze dir ein Mindestmaß an Wörtern oder Seiten. Schreibe alles nieder, was in deinem Kopf brummkreiselt, was um dich herum passiert. Lass es fließen. Ich persönlich verteile meine handschriftlich geschriebenen Seiten auf mehrere Phasen am Tag und bestimmte Situationen.

Folge deiner Intuition und folge allen Verlockungen.

Vergiss bitte einmal all das, was du als Pflicht empfindest. Was das sein kann, werden wir uns in meinem kommenden Artikel über Schreibblockaden genauer ansehen. Vorerst soll es reichen, die Dinge nicht zu tun, die sich nach „Müssen” anfühlen und all dem nachzugeben, was dich innerlich anspricht, wonach dir ist, was etwas in dir zum Klingen bringt.

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Genieße die Erfahrungen, das neu Entstehende, die Entdeckungen. Sei ein verspieltes Kätzchen/Katerchen.

Konditioniere dich mental.

Um sich voll auf das Schreiben einlassen zu können, braucht es nicht nur ein genussvolles Erleben deines Schaffens, sondern auch Stärke und Willenskraft. Dein Projekt kann inhaltlich und durch die äußeren Umstände emotional hohe Ansprüche an dich stellen. Es wird nicht jeden Tag strömen wie ein Wasserfall. Aus dem Rauschen wird ein Plätschern. Wenn du nicht willst, dass die Quelle versiegt, wenn du in deiner Kraft bleiben willst, greife auf alles zurück, was dich körperlich und geistig stärkt. Meditation und Bewegung helfen dir auch beim Schreiben. Lass dein Projekt immer mal wieder ruhen, dann wirst du sehen, welche spannenden Dinge nach einer Pause passieren können.

Lasse dich inspirieren! Jede Form von Lektüre, aber auch andere Kunstformen wie Musik, Film, Fotografie oder Natur und Feldforschung bringen deine Vorstellungskraft zum Glühen.

…und weil ich bei diesem letzten Ausruf und Aufruf an Rudi Carrell denken musste und es einfach stimmt: „Lass dich überraschen!” Bleibe immer offen für Wendungen im Kurs deines Buch- oder Schreibprojekts. Wunder passieren, wenn du es am wenigsten erwartest.

Fortsetzung folgt… Das nächste Mal erforschen wir die Angst vor dem Schreiben und wie man ihr die Stirn bieten kann. Sehen wir uns wieder?

Ein Artikel von Nadine Stelzer

Artikel von

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

2 Comments on “Vom Kopfkino zum eigenen Buch II: So kommst du ins Schreiben

Christian Schmidt
12. August 2019 um 21:29

Vielen Dank für den super Artikel. Deine Arbeit ist wirklich sehr genau!
Offensichtlich, weißst du genau, was du machst 🙂
Ich finde es klasse, dass du deinen Lesern vorbereitest, wie man im Internet Geld verdient.
Deine Worte sind sehr motivierend und ich glaube, dass du dem ein oder anderen da draußen damit sehr weitergeholfen hast.
Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen glauben sie bräuchten eigene Produkte, um Geld im Internet zu verdienen. Gut, dass du deinen Lesern Möglichkeiten erklärst wie es auch ohne Produkt geht und zwar mit Affiliate Marketing, Amazonprodukten oder Digitale Produkte

Leider hab ich auch die Erfahrung gemacht, dass den meisten Menschen die Kenntisse fehlen etwas eigenes zu starten. Es fehlt Ihnen aber oft auch an finanziellen Wissen, sodass sie das Geld aus dem Fenster schleudern, statt es klug zu Investieren.
Ich habe hierzu kürzlich einen Blogartikel gelesen in dem ich eine weitere Möglichkeit darlege: https://swagbucks-tricks.jimdofree.com/
Wenn man dein vermitteltes wissen mit den Grundregeln des Geldes kombiniert, dann ist man seinem finanziellen Erfolg schon einen großen Schritt näher gekommen.

Ich danke dir für dein Wissen!
Christian Schmidt

Antworten
Michel
12. August 2019 um 14:37

Wieder mal ein toller Artikel über das Schreiben.

Ich stelle für mich fest, dass ich am besten schreiben kann, wenn ich dabei Musik höre.

Da bin ich dann in so einer Mischwelt. Zum einen spüre ich die Musik und schwelge auch öfter mal in Erinnerungen oder so. Und zum anderen bin ich komplett im Schreibprozess drin.

Das ist total abgefahren.

Danke für den inspirierenden Artikel.

Lieben Gruß, Michel

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

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