Middle-Ager und die Arbeitswelt von morgen

Middle Ager

Ich mag das Wort Middle-Ager weil es genau das beschreibt, wo du (?) und ich uns gerade befinden. In der Mitte des Lebens! Und doch bedeutet es so viel mehr. In diesem Lebensabschnitt verändert sich nicht nur der Körper. Es stehen auch oftmals große berufliche und private Veränderungen an. Altes wird losgelassen. Neues kann entstehen. Das bisherige Leben wird hinterfragt und viele Middle-Ager fangen nochmal von vorne an. Sie möchten beruflich neue Wege gehen oder denken daran sich selbstständig zu machen, mit dem was sie gerne tun. Andere hingegen müssen sich durch Arbeitslosigkeit neu orientieren. 

Middle-Ager sind schon sehr lange im Berufsleben aktiv und haben sich an die Strukturen der Arbeitswelt gewöhnt (8 Stunden Tag). Es wurde vorgegeben was wir wann, wo und wie erledigen sollen. Für unsere berufliche Laufbahn haben wir eine jede Menge Ausbildungen/Weiterbildungen absolviert. Wir wussten welche Voraussetzungen wir benötigen, um beruflich voranzukommen. 

Meist waren wir sehr lange in einem Beruf tätig und für viele meiner Generation stand vor allem in jungen Jahren, das Geldverdienen im Vordergrund. Die Sinnhaftigkeit oder Erfüllung einer Tätigkeit hat sich oftmals nicht gestellt. Wichtig war es, den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Das gilt natürlich nicht für Alle aber bei mir war es definitiv so. Eingeschlagene Wege wurden meist ein Leben lang bis zur wohlverdienten Pensionierung weiterverfolgt. Und viele befanden sich im Hamsterrad und haben den Ausstieg nicht geschafft. Chronischer Stress, zu wenig Zeit für sich und seine Lieben, Schlafprobleme, Antriebslosigkeit usw. haben viele an ihre psychischen und physischen Grenzen gebracht.

Wir haben Familien gegründet, Eigenheime erworben oder vielleicht selbst Häuser gebaut und unsere Kinder groß gezogen. Sehr viele von uns haben Krisen, Schicksalsschläge und sämtliche Herausforderungen des Lebens so gut wie möglich gemeistert. Wir sind im Laufe der Jahre gelassener geworden und ruhen in unserer Mitte. 

MIddle Ager
rawpixel / Pixabay

Und nun befinden wir uns in einer Zeit des Umbruchs in der Arbeitswelt

Die voranschreitende Digitalisierung macht auch vor uns Middle-Agern nicht Halt. Berufsbilder  verändern sich, ganze Branchen verschwinden und wir stehen vor einem großen Berg an Fragen. Können wir mit der enormen Beschleunigung in der Arbeitswelt mithalten? Wie können wir uns auf diese digitale Welt vorbereiten? Welche Weiterbildung ist sinnvoll und die wichtigste aller Fragen: Was werden wir in Zukunft beruflich machen? Denn eines steht fest. Für die wohlverdiente Pensionierung sind wir noch zu jung. Das heißt, wir dürfen noch viele Jahre arbeiten und das hoffentlich in allerbester Gesundheit. Das gilt für Arbeitnehmer und Selbstständige gleichermaßen. Denn der digitale Wandel verändert unser aller Leben.

Sollte man den Vorherhersagen verschiedenster Experten Glauben schenken, so haben wir nun erstmals die Möglichkeit bzw. das Privileg uns die Frage stellen zu können, was wir wirklich beruflich machen wollen. Wie der Job der Zukunft für uns aussehen soll. Nein, dieses Mal geht es nicht um den Lebenslauf sondern um uns! Um unsere berufliche Erfüllung und das ist für viele unbekanntes Terrain. Wir haben uns nach Einzug des Internets Schritt für Schritt an neue Arbeitsweisen gewöhnt, haben sehr viel dazu gelernt und uns weitergebildet.

Nun stehen wir vor einer komplett neuen Situation. Denn jetzt müssen/dürfen wir uns neu orientieren in einer Welt die sich immer schneller zu drehen scheint. In der es vermutlich keine festen Strukturen mehr geben wird. In einer sich veränderten Welt voller Möglichkeiten, die uns auch ganz schön überfordern kann. Nun müssen wir lernen, wie wir uns in der neuen Arbeitswelt zurechtfinden können. Da kann es schon passieren, dass man nicht mehr weiß, was als nächster Schritt zu tun ist. In dieser Orientierungslosigkeit breitet sich verständlicherweise Unsicherheit aus. Aber die Entwicklung geht ja noch weiter. Wie sehr sich die Arbeitswelt von morgen verändern wird, ist noch unklar. Auch Experten wissen nicht genau, wo die Reise hingehen wird.

Passender Artikel:  Was hat eine Igitt-Wörter-Liste mit Elektrozäunen zu tun?

Welche Anforderungen werden nun an die Beschäftigten der Zukunft gestellt? Einige Beispiele:

Erwerbstätige Damen und Herren müssen digital fit sein/oder werden und sollen sich immer wieder rasch an geänderte Anforderungen in der Berufswelt anpassen können. Lebenslanges Lernen soll Standard sein. Diesen Punkt begrüße ich. Mit dem Ausruhen auf den Erfolgen vergangener Zeiten wird es vorbei sein. Beschäftigte sollen Flexibilität, Kenntnisse über die neuesten Technologien und Belastbarkeit besitzen. Um nur einige Erfordernisse zu benennen. Berufserfahrungen sind immer gut und willkommen aber sie beziehen sich auf die Vergangenheit und die werden morgen schon veraltet sein. Eine komplett neue Arbeitswelt die sich da auftut. Für dich und für mich.

Zukunftsforscher Harry Gatterer hat in einem „News“  Interview 2018 (Österr. Zeitschrift) u.a. folgendes zum Thema Zukunft der Arbeit gesagt. Und er ist wahrlich nicht der Einzige der es auch so sieht:

Zur Frage was er jungen Menschen raten würde: „Sie sollen auf Berufe setzen, die auf Empathie basieren. Die das Zwischenmenschliche hervor streichen. Denn sie werden in Zukunft gefragt sein.  Hingegen seien technische oder bürokratische Abläufe viel eher in Gefahr, abgeschafft bzw. von einem Computer übernommen zu werden. Dass vor allem zwischenmenschliche Arbeit bestehen bleiben wird, ist auch eine gute Nachricht für ältere Menschen, die nach einem neuen Beruf Ausschau halten müssen. Ältere schaffen vielleicht den Eintritt in den hochtechnologischen Bereich nicht mehr. Aber Weisheit ist schwer zu erlangen. Die kann man nicht einfach irgendwo herunterladen.“ Und weiters meint er „Wir sind noch überfordert damit, was die Technologie mit Berufen machen wird. Natürlich wird es auch Tätigkeiten geben, die nicht mehr gebraucht werden. Schmerzfrei wird es nicht gehen. Es wird Verlierer geben, aber nicht in der großen Wucht, wie man jetzt befürchtet“.

Was kann das nun für uns Middle-Ager bedeuten?

Wir können die alten Berufsbilder nicht mehr zurückholen, das berufliche Umfeld nicht verändern. Das ist einfach so und das müssen wir akzeptieren. Unser Wissen ist begrenzt und im digitalen Zeitalter können wir mit den Maschinen nicht mehr mithalten. (auch wenn sie so wie Roboter Pepper, liebe große Kulleraugen haben!) Deshalb scheint es sinnvoll sich auf die Kernkompetenzen des Menschen zu konzentrieren. Auf das, was uns Menschen eben ausmacht. Was dich und mich auszeichnet. Das wären unter anderem: Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit andere zu motivieren, Konfliktmanagement, Teamfähigkeit, Kreativität, Problemlösefähigkeit, Zuhören können usw. Ich denke diese Liste ließe sich um viele Kompetenzen erweitern. Wahrscheinlich würden auch dir einige Dinge einfallen, die nur wir können und Computer niemals lernen werden. (nehme ich mal an…)


Wir haben jetzt die Chance unsere Erfahrungen, ob beruflich oder privat in einen „neuen“ Beruf umzuwandeln. Du und ich, wir beide haben schon sehr viel erlebt. Wir haben gute und schwere Zeiten durchstanden und sind aus Krisen und Schicksalsschlägen gestärkt hervorgegangen. 

Ich denke jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt um neu zu starten. Gehen wir gemeinsam den Weg Richtung Zukunft. Wir Middle-Ager haben sehr viel zu bieten. Machen wir was daraus und lassen wir es der Welt wissen!

Artikel von

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus beendete 2018 nach fast zwei Jahrzehnten ihre selbständige Tätigkeit in der Reisebranche. Nun befasst sie sich mit den Auswirkungen der voranschreitenden Digitalisierung auf Alltag- und Arbeitsleben und den Umgang mit Veränderung. Vor 12 Jahren war sie selbst von einem Burnout betroffen und hat damals alles verloren, was ihr wichtig war. Wie sie aus diesen beiden einschneidenden Erlebnissen wieder Kraft und Mut für den Neubeginn fand, möchte sie nun gerne weitergeben. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam Richtung Zukunft“.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Silvia Ninaus

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus beendete 2018 nach fast zwei Jahrzehnten ihre selbständige Tätigkeit in der Reisebranche. Nun befasst sie sich mit den Auswirkungen der voranschreitenden Digitalisierung auf Alltag- und Arbeitsleben und den Umgang mit Veränderung. Vor 12 Jahren war sie selbst von einem Burnout betroffen und hat damals alles verloren, was ihr wichtig war. Wie sie aus diesen beiden einschneidenden Erlebnissen wieder Kraft und Mut für den Neubeginn fand, möchte sie nun gerne weitergeben. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam Richtung Zukunft“.

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