Close

Wir müssen nicht immer perfekt sein!

perfekt

Sicher kennst Du auch diese Momente, in denen Dich der Gedanke quält, nicht Dein Optimum geben zu können oder gegeben zu haben. Du willst die 100 %, und dennoch fühlst Du Dich schlecht, weil Du das Gefühl hast, dass es nur 80% waren, und Du es gerne perfekt gemacht hättest.

Die Folge ist Selbstanalyse und -kritik:

Hatte ich zu wenig Vorbereitungszeit?
War die Vorbereitung nicht effektiv genug?
War ich nervös und aufgeregt?
Fehlen mir nötiges Können und die Fähigkeiten?

Bei extremem Streben nach Perfektionismus können sogar bereits im Vorfeld Selbstzweifel entstehen, die sogar Versagensängste hervorrufen. Gerade in der heutigen Zeit führen steigender Leistungsdruck und hohe Erwartungen im Beruflichen wie auch im Privaten immer öfter zu Unzufriedenheit, Erschöpfung, bis hin zu Burnout-Erkrankungen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieser Artikel sich an diejenigen richtet, die das Gefühl haben, mit blockierendem oder motivierendem Perfektionismus selbst umgehen zu können. Wenn Du Dich in Stresssituationen machtlos und ausgeliefert fühlst und es Dich ernsthaft seelisch und mental belastet, solltest Du darüber nachdenken professionelle Hilfe zu erfragen.

Was ist überhaupt Perfektionismus?

Grundlegend kann Perfektionismus in zwei Bereiche gegliedert werden:
Auf der einen Seite beinhaltet die Definition das Streben nach Vollkommenheit und auf der anderen die übertriebene Fehlervermeidung bis hin zur Angst vor Fehlern und dem Beurteiltwerden.

Die Psychologen Paul L. Hewitt und Gordon L. Flett unterscheiden:

 

Selbstorientierter Perfektionismus 

Man setzt sich selbst hohe oder zu hohe Standards.

Sozial vorgeschriebener Perfektionismus

Man empfindet hohe Standards von anderen vorgeschrieben.

Fremdorientierter Perfektionismus

Man erwartet von anderen hohe Standards.

Perfektionismus kann also verschiedene Facetten annehmen, weshalb er in extremen Fällen nicht nur positiv und als treibende Kraft anzusehen ist, sondern auch als hemmender und belastender Faktor, der die eigene Leistung blockiert.

Demnach ist der individuelle Standpunkt zum Thema „Perfektionismus“ immer davon abhängig, was wir selbst für uns als perfekt definieren oder gelernt haben zu definieren. Vereinfacht können wir in 3 Typen unterteilen:

Typ 1 sieht Perfektionismus im positiven Sinne als treibende Kraft zum Erreichen und Optimieren der Ziele. Er hinterfragt, wie er Leistungen optimieren kann oder in speziellen Situationen hätte besser machen können.

Typ 2 fühlt sich durch übermäßigen Perfektionismus mit Selbstzweifel, Nervosität oder den Ängsten, nicht die erwartete Leistung zu erbringen, blockiert. Während im ersten Fall Leistungsoptimierung durch Aufbau und Verbesserung von Fähigkeiten im Vordergrund stehen, ist es hier eher der Abbau von Blockaden zum Erreichen des Ziels.

Typ 3 ist der Extremfall, der regelrecht von Versagensängsten blockiert ist und – wie bereits erwähnt – über professionellen Rat nachdenken sollte.

Passender Artikel:  10 Dinge, wie du es dir im Juni gut gehen lässt.

Egal, zu welchem Typ des Perfektionisten Du Dich zählen würdest, die Gemeinsamkeit besteht darin, dass wir unsere individuellen Voraussetzungen und möglichen Ziele in ein ausgewogenes Verhältnis stellen sollten und auch unsere individuellen Stärken und Schwächen realistisch einschätzen können.

„Perfektionismus“ kann der größte Feind und zugleich der beste Motor für Deine Leistungssteigerung sein – vorausgesetzt, er wird mit positiven Emotionen verknüpft.
Das heißt, Du hast Spaß daran, das Perfekte erreichen zu wollen und kannst gleichzeitig auch mit Rückschlägen umgehen.

Wir müssen lernen zu riskieren und Fehler machen zu dürfen.

Errare humanum est!


Irren ist menschlich und gehört dazu.

Überspitzt könnte man sagen, dass wir nur dann wissen können, was perfekt ist, wenn wir das Nicht-Perfekte kennen.

Was ist das Perfekte?

In den meisten Fällen geben uns unsere eigenen Gedanken, Erfahrungen, das soziale Umfeld und die Erziehung vor, was wir als perfekt definieren, was wir gerne können würden, wie wir gerne sein würden, was wir erreichen wollen und welche Wünsche wir haben. Wir streben nach einem Idealzustand und vergessen dabei oft zu hinterfragen, wie realistisch unser Erstreben ist.

Da – wie schon eingangs gesagt – das Erreichen des Zieles auch von individuellen Voraussetzungen abhängig ist, schlage ich vor, dass wir die Bezeichnung perfekt durch Optimum ersetzen. Warum, zeigt allein der Vergleich der Definitionen im Duden:

Optimum: unter den gegebenen Voraussetzungen, im Hinblick auf ein Ziel höchstes erreichbares Maß,

höchster erreichbarer Wert

perfekt: frei von Mängeln, vollkommen

Die Methode, Wörter oder bestimmte Gedanken durch andere zu ersetzen, ist bekannt, einfach, und wenn Du sie regelmäßig praktizierst, wirklich effektiv. Probiere es aus und ersetze perfekt durch optimal.

Wie können wir nun möglichst optimal die negativen Aspekte des Perfektionismus eliminieren und zum Optimum gelangen?

Die Antwort lautet: Zielplanung! Das Erreichen eines realistischen Zieles kann uns das Gefühl von 100% geben. Dieses Empfinden gilt es zu stärken, was eben eine gute Planungsstruktur voraussetzt.

Perfekt

QuinceMedia / Pixabay

Der Soll-Zustand = Ziel

Am Anfang sollte natürlich immer das Ziel stehen. Je genauer wir es definieren, umso genauer können wir die späteren Arbeitsschritte gliedern und uns systematisch in kleinen Stufen an das Optimum herantasten. Vergiss nicht, dass auch erreichte Zwischenergebnisse 100 % Erfolg darstellen können. Das Endergebnis soll die Summe aus vielen kleinen „optimalen“ Zwischenschritten sein, vorausgesetzt, dass wir realistisch unsere jeweiligen Fähigkeiten und Defizite einschätzen können.

Hier könnte Dir zum Beispiel eine Bewertungsskala von 1 bis 10 oder in Prozentangaben helfen.

Der Ist-Zustand = aktueller Stand

Der Ist-Zustand stellt immer die Arbeitsgrundlage dar, auf der das Erreichen des Ziels basiert. Nachdem wir uns überlegt haben, aus welchen Teilbereichen unser Ziel besteht, können wir uns überlegen, welche Fähigkeiten/Material etc. hierfür vorausgesetzt werden und was hiervon bereits vorhanden ist.

Passender Artikel:  Sich selbst belügen: 3 Konsequenzen, wie du dir selbst damit schadest

Haben wir diesen Ist-Zustand genauer definiert, kann sich auch unser Einschätzungsvermögen, inwieweit unser Ziel erreichbar ist, entwickeln.

Das Zeitmanagement

Wenn Du Dich bereits mit Zielplanung auseinandergesetzt hast, sollte dieser Punkt kein Problem sein. Er ist das wichtigste Element auf dem Weg zum optimalen Ergebnis. Denn nichts ist schlimmer als eine Arbeitsphase, in der Dich negativer Zeitdruck stresst oder gar blockiert. Sicher wirst Du nicht für alle Aufgaben die Zeit haben, die Du gerne hättest. Wichtig ist aber immer, sich das Gefühl zu geben, die Zeit optimal genutzt zu haben.

Gerade wenn wir auf bestimmte Ziele hinarbeiten, sollten wir vorausblickend handeln.

Welche Gesamtzeit steht mir zur Verfügung?
Welche Bereiche sind zu bearbeiten?
Wie viel Zeit bleibt mir für jeden der Abschnitte?

Vergiss nicht, dass Erholungsphasen ebenso wichtig und mit einzuplanen sind!

Was sind Deine eigenen 100 Prozent?

Menschen haben unterschiedliche Stärken und auch nicht die gleichen Leistungsmaxima .
Um Deinen individuellen Umgang mit dem Streben nach einem Optimalergebnis zu finden, solltest Du Dir erst einmal in entsprechenden Bereichen klar werden, wie Du Deinen aktuellen Stand selbst einschätzt.

Was sind meine Fähigkeiten?
Welche Bereiche können verbessert werden?
Wie kann ich nebenher an der Verbesserung arbeiten?

Du solltest Dir ein Verständnis für die Grundlagen Deiner Fähigkeiten schaffen, um so Dein eigenes Gefühl für das Optimum zu entwickeln. Natürlich ist auch diese Vorgehensweise ein langer Lernprozess, der sich aber mit der Zeit automatisieren wird.

Unser Ziel soll es vor allem sein, das Gehirn darauf zu konditionieren, dass gerade Zwischenschritte wichtige Ziele sind. Sei Dir dessen immer bewusst und führe am besten ein Tagebuch, in dem Du Deine erreichten Ziele und Etappen notierst und Deine Leistung in Prozent subjektiv bewertest.

Sei ehrlich zu Dir und akzeptiere Deinen Drang zum Streben nach dem Optimum.

Mach Dir diese treibende Kraft zunutze.

Wenn Dich allerdings die negativen Gedanken stören, blättere in Deinem Tagebuch, das Dir zeigt, was Du alles schon perfekt – nein, optimal geschafft hast!

Ein Artikel von Johannes Potzel

Artikel von

Johannes Potzel

Johannes Potzel

Johannes Potzel, geb. 19.07.1989 in Bayreuth, absolvierte den künstlerischen und pädagogischen Diplomstudiengang mit Hauptfach Trompete an der Hochschule für Musik Würzburg. Aktuell ist er als stellvertretender Solotrompeter bei der Neuen Philharmonie Westfalen beschäftigt. Neben musikalischen Engagements in u. a. Opern- und Sinfonieorchestern ist Johannes Potzel seit 2006 Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland e. V.. Vor allem die Bühnenerfahrung als Musiker und Zauberkünstler bildeten bereits in jungen Jahren den Auslöser für die Faszination der Arbeit in den Bereichen TV und Film. So sammelt er aktuell Erfahrung bei Showformaten und als Darsteller vor der Kamera.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Johannes Potzel

Johannes Potzel

Johannes Potzel, geb. 19.07.1989 in Bayreuth, absolvierte den künstlerischen und pädagogischen Diplomstudiengang mit Hauptfach Trompete an der Hochschule für Musik Würzburg. Aktuell ist er als stellvertretender Solotrompeter bei der Neuen Philharmonie Westfalen beschäftigt. Neben musikalischen Engagements in u. a. Opern- und Sinfonieorchestern ist Johannes Potzel seit 2006 Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland e. V.. Vor allem die Bühnenerfahrung als Musiker und Zauberkünstler bildeten bereits in jungen Jahren den Auslöser für die Faszination der Arbeit in den Bereichen TV und Film. So sammelt er aktuell Erfahrung bei Showformaten und als Darsteller vor der Kamera.

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

Markus Cerenak hat gemeinsam mit seinen Lesern die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad angezettelt. Wenn auch du in einem Hamsterrad sitzt und raus willst, dann klicke unten auf den Button!

STORYTELLing im online business

Teilen
Pin
Twittern
WhatsApp