Ein Plot zum Pläne planen – oder was ich als Autor fürs Leben gelernt habe

Plot

Es ist Sonntag Abend und ich sitze am Schreibtisch und denke darüber nach, was ich in den letzen beiden Tagen geschafft habe. Mein kritisches Ich zieht die Brauen zusammen und meckert, wie immer: „Das hätte aber wesentlich mehr sein können.“

Zum Glück weiß ich als Autor, dass man einem Antagonisten immer einen Protagonisten gegenüberstellen soll, der mindestens genau so stark ist. Also stupse ich meinen innere Protagonistin an, damit sie eine Lanze für mich bricht, mich motiviert und mich optimistisch in die nächste Woche schauen lässt. Und ich erwarte etwas, wie: „Das Wochenende hatte aber auch nur 48 Stunden und daran gemessen hast du gut was erreicht.“

Das sagt mein innerer Optimist aber nicht. „Guck doch auf deinen Plot!“ höre ich stattdessen.

Mein Plot, denke ich und ziehe den Zettel aus meinem Kalender, den ich mir letzte Woche in analoger Form erstellt habe. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich die Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe, angehen soll. Aber ich weiß, dass ich als Autor ein gutes Instrument kenne, das mir beim Planen hilft. Ein Instrument, das in der Lage ist, aus einem schüchternen Mädchen eine Heldin zu machen. Und zwar so, dass mir jeder diese Geschichte auch anstandslos abnimmt. Man muss es eben einfach nur richtig machen. Dabei hilft einem Autor ein Plot.

Was ist ein Plot? Wie funktioniert er?

Ein Plot ist ein Instrument für Autoren, das ihnen hilft, einen Roman von Anfang bis zum Ende durchzuplanen. Ein Roman verflicht verschiedene Handlungsstränge und sorgt im besten Fall dafür, dass Spannungsbögen entwickelt werden und Nebengeschichten ein ordentliches Ende erhalten. Ich bin damit in der Lage, mehrere Bälle in der Luft zu halten, diverse Fakten nicht zu oft in meinem Text aufzuführen oder ganz zu vergessen und damit den Leser zu verwirren oder zu langweilen. Ein Plot enthält eine Timeline und sorgt dafür dass Geschehnisse in der richtigen Reihenfolge passieren und nicht die Wirkung vor der Ursache steht. Und – und das ist wirklich wichtig – es gibt immer Platz für ein kreatives Element.

Zusammengefasst befähigt ein Plot dazu, komplexe Probleme in kleine erfassbare Häppchen einzuteilen, mit denen man einzelne Kapitel oder sogar einzelne Szenen so durchplanen kann, dass sie spannend bleiben.

Kann ich das auf meine Situation anwenden?

Und wenn das für einen Roman klappt, habe ich mir gedacht, warum sollte es dann nicht für einen Abschnitt in meinem Leben gelten. Zum Beispiel den Abschnitt, in dem ich mir vorgenommen habe, endlich aus dem Hamsterrad auszusteigen. Der Zeitpunkt ist optimal, denn mein Leben ist ohnehin gerade in einer Phase beschleunigter Veränderung. Die Kinder sind aus dem Haus und aus der Stadt und ich habe genug Platz und Zeit, jemand zu sein, der ich vorher noch nicht war. Also setze ich das als Ausgangssituation in meinen Plot. Am Ende meiner Entwicklung soll dann stehen, dass ich endlich Zeit für die Dinge habe, die ich mir so lange nicht gestattet habe.

Am besten wäre es natürlich, wenn ich das spätestens in einer Woche genauso hinbekomme. Aber durch meinen Plot wird ziemlich deutlich, das ich eine ganze Menge ändern muss, um das zu schaffen. Und schließlich kann ich nicht heute so sein und morgen jemand völlig anderer. Ich schaffe mir also diverse Kästchen, in denen ich die nötigen Änderungen notiere.

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„Laaaangweiliiiig“, meckert mein Antagonist. Hätte mich auch gewundert, wenn der mal was anderes sagt. Also male ich mir kleine Spannungsbögen und markiere sie an der höchsten Stelle. Das müsste dann also vorerst das Wochenende sein – lege ich fest. Ich notiere Dinge, die ich spannend finde, die mir Spaß machen und die mich motivieren.

„Geh mal wandern“, stand auf meinem Plot, „und gib mal Geld aus, für etwas, was du dir sonst nie leisten würdest. Was du aber gern haben würdest.“ Das eine steht natürlich dafür, mal ein finanzielles Risiko einzugehen und das andere dafür, dass ich meine Gedanken sammeln kann, um meinen Plot für die nächste Woche zu verfeinern.

„Siehst du“, sage ich meinem kritischen Ich, „ich hab alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe.“

Was ich als Autor fürs Leben gelernt habe
Pexels / Pixabay

Was mir ein Plot bringt?

Ich weiß, was du jetzt sagen willst, genau wie mein Kritiker: Das das doch echt nicht viel war!

Aber es war eben das, was ich mir vorgenommen habe. Es hat mir Spaß gemacht und war ein Schritt in die richtige Richtung. Ich will aus dem Hamsterrad. Und ein Grund, warum ich das will, ist dass ich mir immer zu viel Druck mache. Zu viel auf einmal will und damit grundsätzlich scheitern muss. Aber in einem Roman, wie im wahren Leben kann man eben nicht, alle Aktion in ein einziges Kapitel quetschen oder gar in eine Szene. Denn sonst wird die Geschichte unglaubwürdig. Man muss einen Schritt nach anderen machen, man muss die Veränderungen verarbeiten und erkennen, was die kleine Veränderung mit einem anstellt. Damit man sich an die nächste Veränderung wagen kann. Vielleicht muss man seine nächsten Schritte neu definieren, damit die Geschichte spannend bleibt und man auch weiterhin Spaß daran hat.

Ich weiß jetzt nicht nur, was mein nächster Schritt ist. Ich weiß auch, dass ich nicht bis zum Ende der nächsten Woche damit warten kann. Das wäre einfach Laaaangweiliiig. Ein Roman braucht Timing, damit er funktioniert. Das braucht mein Leben auch.

Mein Plot sorgt dafür, dass ich – falls ich auf Umwege gerate – wieder zurück finde zu meinem Plan, denn ich habe mein Ziel (oder das Ende meines Romans) so sorgfältig formuliert, wie möglich.

Worauf ich achten muss?

Natürlich gibt es ein paar Unterschiede, zwischen einem Plot für einen Roman und einem Plot für mein Leben. Denn um wirklich erfolgreich zu sein, reicht es nicht aus, die Dinge einfach nur aufzuschreiben. Ich muss etwas tun. Und ich muss mir bewusst sein, dass ich nicht alle Fehler vermeiden kann. Aber ich muss mir auch bewusst sein, dass ich meinen Plot anpassen kann. Das ich das Tempo und die Spannungsbögen ändern kann.

„Halt“, sagt mein innerer Optimist, „am wichtigsten ist doch, dass du Spaß an dem Prozess hast, oder?“ Ich nicke und höre meinen inneren Kritiker, wie er sachlich anmerkt, „Klar, dass ist völlig richtig.“

Hey, warte mal? Ich kann mich nicht erinnern, wann wir uns zum letzten Mal alle drei einig waren.

Ein Artikel von Mirjam Hoff

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Mirjam Hoff

Mirjam Hoff

Mirjam Hoff ist ausgebildete Betonwerkerin hat als Sekretärin, Projektassistentin, Qualitätsmanager, Tutor und in vielen anderen Berufen gearbeitet. Nach einige Jahre, die sie in den USA verbracht hat, wendete sie sich dem Schreiben zu. Sie hat inzwischen 4 Bücher veröffentlicht. Ihre Themen sind Balance und die Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen. Dafür findet sie in ihrer Arbeit als Autor viele Impulse.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Mirjam Hoff

Mirjam Hoff

Mirjam Hoff ist ausgebildete Betonwerkerin hat als Sekretärin, Projektassistentin, Qualitätsmanager, Tutor und in vielen anderen Berufen gearbeitet. Nach einige Jahre, die sie in den USA verbracht hat, wendete sie sich dem Schreiben zu. Sie hat inzwischen 4 Bücher veröffentlicht. Ihre Themen sind Balance und die Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen. Dafür findet sie in ihrer Arbeit als Autor viele Impulse.

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