Warum es wichtig ist, dem Rhythmus der Jahreszeiten zu folgen

Jahreszeiten

Ich liebe den Herbst.Wenn die Blätter sich langsam verfärben und von den Bäumen fallen, Nebel die Sicht in die Ferne versperrt und sich bisher unsichtbare Spinnennetze durch die hohe Luftfeuchtigkeit zeigen. Ich gehe gern in den Wald und in dieser Jahreszeit besonders. Er riecht intensiv nach Pilzen und die Wege sind oftmals so schlammig, dass man sich mal so richtig schön einsauen kann.

Der Rhythmus der Natur

Bei meinen Waldspaziergängen bin ich immer wieder über die Veränderungen, die jetzt dort stattfinden, fasziniert. Gleichzeitig stimmt es mich nachdenklich. Die Natur folgt einem Rhythmus, der seit Anbeginn auf dieser Erde existiert. Ein Kommen und Gehen, ein Entstehen und Vergehen.

Immer wieder und immer wieder. Am Baum wird es mir am deutlichsten bewusst. Er scheint zu wissen, dass bald eine Zeit anbrechen wird, in der er nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann und sich deshalb auf das Wesentliche begrenzen muss, um am Leben zu bleiben. So zieht er sämtliche seiner Reserven ab und speichert sie in seinem Inneren.

Dies hat zur Folge, dass die Blätter nicht mehr mit genügend Nährstoffen versorgt werden, sich verfärben und abfallen. Der Baum nimmt also bewusst in Kauf, dass ein Teil von ihm sterben muss, damit er selbst überleben kann.

Er läßt einfach los, was nicht mehr dienlich ist. Ohne Kompromisse. Kein Blatt wird bevorzugt. Ausnahmslos alle Blätter werden abgeworfen.

Der Herbst – die Zeit des Loslassens

In diesem Moment beneide ich den Baum. Er folgt diesem Rhythmus in dem vollen Bewusstsein, dass aus seinem Rückzug und der Konzentration auf das Wesentliche bald wieder neues Leben entsteht.

Er hat keine Angst davor was passieren wird, wenn er keine Blätter mehr hat, wenn er sie alle losgelassen hat. Mir wird bewusst, wie schwer mir selbst das loslassen fällt, obwohl ich genau weiß, wie wichtig es ist.

Denn jedes Loslassen ist wie ein kleiner Tod. Es bedeutet das Ende von etwas. Und mit dem Ende stellt sich automatisch die Frage: Was kommt dann? Also klammere ich mich an Dinge, die mir nicht guttun – aus dem Bedürfnis nach Sicherheit heraus. Doch die gibt es nicht.

Und dann gibt es auch Situationen, in denen ich radikal alles von mir werfe, sehr zur Verwunderung meiner Umgebung. Das sind dann die Bauchentscheidungen, die es gilt zu verteidigen, auch wenn von allen Seiten Unverständnis herrscht.

Das Zauberwort heißt dann VERTRAUEN; in sich selbst und seine Entscheidungen. Solche Entscheidungen werden nämlich dann getroffen, wenn die eigenen „Blätter“ nur noch unnütz die letzten Kraftreserven verbrauchen.

Dann gilt es, die eigene Existenz zu sichern. Es stellt sich dann die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, alles loszulassen. Worauf sollen wir hören bzw. worauf sollen wir achten?

Der Mensch außerhalb des Rhythmus

Rhythmus Jahreszeiten
DanaTentis / Pixabay

Die Natur zeigt uns immer, was gerade notwendig ist. Es gibt Zeiten des Wachstums, der Fülle, der Ernte, des Rückzugs und der inneren Einkehr um dann aus dieser heraus wieder neu zu wachsen.

Immer genau im richtigen Moment, denn es ist eine Anpassung an die äußeren Bedingungen. Die Menschen in früheren Zeiten haben auch nach diesem Rhythmus gelebt. Heute sind es vielleicht noch die wenigen Naturvölker.

Passender Artikel:  Ein Artikel zum Einschlafen: 7 Prinzipien für erholsamen Schlaf

Wir „zivilisierten“ Menschen haben es dagegen vollkommen verlernt. Unsere gesamte Lebensweise ist so ausgerichtet, als gäbe es keine Unterschiede während der Jahreszeiten. Wir haben keinen Mangel an Lebensmitteln – so sind wir ganzjährig gut versorgt und brauchen kein Fasten einzuschieben um Nahrungsmittel zu sparen.

Die Ernährung brauchen wir auch nicht mehr nach den jahreszeitlich zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln auszurichten. So bekommen wir auch Erdbeeren im Winter und Tomaten und Gurken sogar ganzjährig (das diese den Begriff „Lebensmittel“ nicht verdienen, sei mal dahingestellt).

Die fehlende Helligkeit durch kürzer werdende Tage kompensieren wir einfach mit künstlichem Licht. Frieren brauchen wir nicht, ein Handgriff genügt und es ist sommerlich warm in unseren Wohnungen. Alles in allem müssen wir auf nichts verzichten.

Verzicht als Teil des Lebens

Doch warum werden so viele Menschen gerade in dieser Jahreszeit depressiv? Liegt es nur an dem tristen Wetter und dem fehlenden Tageslicht? Oder kann es nicht sein, dass es einfach eine ganz natürliche Erscheinung ist, weil sich Körper und Seele einfach nach Rückzug sehnen, so wie es ein Baum zu dieser Jahreszeit auch tut? Gehört Verzicht nicht auch zum Leben dazu

Unsere Gesellschaft ist jedoch nicht auf Verzicht ausgerichtet. Ganz im Gegenteil. Verzicht bedeutet Mangel und Leere. Und davor haben viele Menschen Angst.

Der eigenen inneren Leere zu begegnen ist ein schmerzhafter Prozess, denn sie ist ein Zeichen dafür, dass wir den Zugang zu uns selbst verloren haben und unser inneres Licht verloschen ist. Dieses Licht ist unser innerer Motor, unser Kompass, der uns unseren Weg durch das Leben weist.

Doch wenn wir nicht darauf achten, seine Impulse missachten und uns zu sehr von äußeren Einflüssen verführen lassen, verliert es seine Strahlkraft. Dann werden wir zu lebenden Zombies und sind leicht manipulierbar und irgendwann wird unsere Seele kapitulieren.

Ein Teil des Rhythmus werden

Daher sollten wir diese Zeitqualität dafür nutzen zu schauen, was wir wirklich in unserem Leben brauchen oder worauf wir verzichten können. Wir können ein Date mit uns selbst vereinbaren, um uns (endlich wieder) kennenzulernen.

Und wir können in die Natur gehen. Denn sie zeigt uns ganz genau, was wir brauchen und worauf es wirklich ankommt.

Jetzt ist die Zeit, wo es nicht darum geht, zu schaffen, zu denken, zu analysieren und zu handeln. Es geht eher darum, alles fließen zu lassen, in sich zu lauschen, seiner Intuition zu vertrauen und sich zu verwöhnen – am besten mit einer Tasse Tee bei Kerzenlicht und entspannender Musik!

In diesem Sinne – Lebe lieber außergewöhnlich!

Deine Steffi

Artikel von

Steffi Emmelmann-Kupke

Steffi Emmelmann-Kupke

Als naturheilkundlich tätige Tierärztin habe ich schnell festgestellt, dass zu einem ganzheitlichen Ansatz auch der Tierbesitzer gehört. Häufig stellt dieser sogar eine Heilblockade dar. Also lag es nahe, mich auch mit der menschlichen Seite zu beschäftigen und so wurde ich schließlich Heilpraktikerin für Psychotherapie. Mittlerweile bin ich mehr lehrend tätig und beschäftige mich auf meiner Seite www.raumzurwandlung.de mit Veränderungen, Transformation, Psychosomatik und Selfleadership.

Eine Antwort

  1. Liebe Steffi,

    wow – ein sehr berührender Artikel, vielen Dank! Ich bin der volle Frühlingsmensch und liebe es, wenn alles aufwacht, die Luft rein und klar und vieles am Start ist. Gleichzeitig verspüre ich auch immer wieder ein wenig Unruhe und Stress, weil es natürlich mehr Möglichkeiten im Freien gibt, als in der dunkleren Jahreszeit.

    Der Herbst war für mich immer schlimm, einerseits der Abschied von den für mich schöneren Jahreszeiten, andererseits die Dunkelheit und der Nebel. Du beschreibst den „kleinen Tod“ und so fühlte es sich für mich manchmal an. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass diese Jahreszeiten unglaublich toll sind.

    Du hast das Loslassen und die Genialität der Natur so wunderbar und treffend beschrieben und als das dürfen wir es sehen bzw. die Möglichkeit nutzen. Ruhe genießen, innehalten, reflektieren, dass würde sehr vielen gut tun und die Welt ein Stück verändern. Aber es kann ja auch ein Einzelner damit beginnen … 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Steffi Emmelmann-Kupke

Steffi Emmelmann-Kupke

Als naturheilkundlich tätige Tierärztin habe ich schnell festgestellt, dass zu einem ganzheitlichen Ansatz auch der Tierbesitzer gehört. Häufig stellt dieser sogar eine Heilblockade dar. Also lag es nahe, mich auch mit der menschlichen Seite zu beschäftigen und so wurde ich schließlich Heilpraktikerin für Psychotherapie. Mittlerweile bin ich mehr lehrend tätig und beschäftige mich auf meiner Seite www.raumzurwandlung.de mit Veränderungen, Transformation, Psychosomatik und Selfleadership.

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

Markus Cerenak hat gemeinsam mit seinen Lesern die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad angezettelt. Wenn auch du in einem Hamsterrad sitzt und raus willst, dann klicke unten auf den Button!

STORYTELLing im online business

Teilen
Pin
Twittern
WhatsApp