Wann und warum wir gerne Risiken eingehen

Risiko

Obwohl der Mensch – und insbesondere auch der deutsche Mensch – ein konstantes Sicherheitsbedürfnis hat, liebt er es auch, immer wieder Risiken einzugehen. Gibt man jemandem 50€ in die Hand und nimmt ihm 30€ wieder weg, so spielt er in der Regel um das Geld, statt sich mit den 20€ zufrieden zu geben. Und das mit völligem Bewusstsein um den möglichen Verlust. Doch wir gehen auch Risiken ein, wenn wir nichts Materielles zu gewinnen haben. Wir springen an Gummiseilen von Brücken oder Beschleunigen auf stark befahrenen Straßen gefährlich hoch. Aber warum eigentlich? Und welche Faktoren beeinflussen unsere Bereitschaft Risiken einzugehen?

Die Hormone

Egal, ob wir von Adrenalin-Junkies sprechen, die sich auf den reinen Nervenkitzel einlassen oder von Risiko-Planern, die nichts dem Zufall überlassen und sogar Risiken gerne im Griff haben – Alle, die Risiken eingehen, haben eins gemeinsam: Sie suchen ein Gefühl, dass durch bestimmte Hormone ausgelöst wird. 

Typische Hormone, die zur Lust am Risiko führen, weil sie durch das Spiel mit ebenjenem ausgeschüttet werden, sind die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin sowie der Botenstoff Dopamin. Während die beiden Adrenalinhormone dafür sorgen, dass der Körper in Alarmbereitschaft gerät, erzeugt Dopamin das Gefühl von Freude und Glück in uns. Beides zusammen bringt den ultimativen Kick.

Ein Extremsportler etwa, der das Risiko eingeht, sich bei der Ausübung seines Sports zu verletzen oder der gar sein Leben aufs Spiel setzt, sucht immer mehr nach dem Alarmzustand, in dem der Puls schneller geht, der Blutdruck steigt und die Atemfrequenz zunimmt. Er braucht diesen Stress – um sich lebendig zu fühlen oder sich vielleicht sogar des Risikos, das er gerade eingeht, stets bewusst zu sein und seinen Körper zur weiteren Hormonausschüttung zu animieren. Und das Dopamin sorgt währenddessen dafür, dass er sich bei alldem auch noch so richtig gut und glücklich fühlt.

Dieser Moment, den vor allem Extremsportler, aber auch andere, die ein Risiko eingehen, oft verspüren, wird allgemein häufig als „Flow“ bezeichnet. Es ist ein Moment (der sich mitunter auf mehrere Minuten erstrecken kann), in dem die Zeit gefühlt stehen bleibt, bzw. der über das Jetzt hinausreicht. Dass viele nach solchen Momenten fast süchtig werden ist verständlich. Denn es sind nun einmal Momente des absoluten Glücks.

Unterschiedliche Typen: High- und Low Sensation Seekers

Manche Menschen lieben das Risiko mehr, andere lieben es weniger. Doch was genau unterscheidet die Menschen mit Drang zum Leben am Limit von jenen, die es lieber sicher, stabil und begrenzt haben? 

Studien haben gezeigt, dass ein Unterschied im sogenannten Orientierungsreflex besteht. Menschen, die weniger dazu neigen, sich freiwillig starken Reizen auszusetzen, stieg die Herzfrequenz, als die Forscher sie in einem Experiment mit einem Geräusch in moderater Lautstärke konfrontierten. Bei Risikosuchern senkte sich die Herzfrequenz stattdessen. Diese Reflexe lassen Rückschlüsse darauf zu, wie stark das Interesse eines Menschen ausgeprägt ist, welches ein neues Objekt in der Wahrnehmung hervorruft.

Und daran wiederum lässt sich ablesen, dass sowohl Hirn als auch Nervensystem von Risikosuchenden ganz einfach eine geringere Reizempfindlichkeit haben. Die Forscher konnten sogar nicht nur Unterschiede in verschiedenen Regionen des Gehirns – dem Cortex – von High- und Low Sensation Seekers feststellen. Sie erkannten auch, dass die beiden Typen auf biochemischer Ebene unterschiedlich funktionieren. Diejenigen, die immer wieder gerne Grenzen überschreiten und auf der Suche nach Kicks oder dem Flow sind, haben schlichtweg einen niedrigen Spiegel des Enzyms, welches Dopamin freisetzt. Sie müssen deshalb immer wieder Risiken eingehen und sich stärkeren Reizen aussetzen, damit sie gleichstarke Glücksgefühle entwickeln können, wie die anderen.

Erfolgschancen und Geld

Es gibt diverse Faktoren, die unsere Bereitschaft beeinflussen, Risiken einzugehen. Selbst jene, die ein hohes Reizlevel haben und nicht ständig nach Kicks suchen müssen, lassen sich zum Risiko verleiten, wenn die Weichen richtig stehen.

Besonders hoch ist die Bereitschaft, ein gewisses Risiko einzugehen, scheinbar, wenn die Chance auf Erfolg und wenn Geld im Spiel sind. Am besten gehen diese beiden Faktoren Hand in Hand, wie etwa beim Glücksspiel oder bei (Sport-)Wetten, die in die gleiche Kategorie fallen. 

Bei Wetten ist es besonders deutlich, doch Gleiches trifft auch auf anderes Glücksspiel zu: Das Risiko besteht darin, auf ein Ereignis in der Zukunft zu setzen, das sich nicht ganz genau voraussehen, sondern nur abschätzen lässt. Die Ungewissheit, in welcher ein Gewinn in Form von Erfolg gegen einen Mitwettenden oder Mitspieler oder gar in Form von echtem Geld in Aussicht steht, aber eben auch ein Verlust möglich ist, erzeugt den Reiz, dem viele Menschen hin und wieder nicht widerstehen können.

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Ob es ein Fußballspieler ist, der unbedingt ein Tor für sein Team schießen muss, beziehungsweise will oder ein Fan auf der Tribüne, der für seinen Verein fiebert und diesen anfeuert – in beiden Fällen schüttet der Körper im Angesicht der Ungewissheit Dopamin aus. Kommt es zum erwarteten Erfolg, ist die Dopaminausschüttung noch größer. Und sorgt dafür, sich nach diesem Gefühl erneut zu sehnen.

Und hat der Fan schließlich auch noch um Geld gewettet, erreicht seine Hormonausschüttung den absoluten Höhepunkt. Denn dem Körper wird damit signalisiert, dass ein bestimmter Einsatz auf dem Spiel steht, der verteidigt werden muss. Und sei dies nur in Form von stärkerem Applaus und Unterstützung der eigenen Mannschaft, um dieser die Kraft zu verleihen, den Sieg einzufahren. Das Spiel um Geld kann also durchaus die Stimmung heben. Allerdings sollte natürlich ein gesunder Umgang mit den Finanzen die Grundlage sein, da das Glück sonst nur von kurzer Dauer bleibt.

Risiko
GregMontani / Pixabay

Von Stimulation und Impulsivität

Risiken gehen besonders gerne diejenigen ein, die nach starken Reizen suchen. Das hatten wir schon. Diese Reize sind oft ungesunder Natur – Jedenfalls im Sinne der eigenen, körperlichen und geistigen Gesundheit. So bringen sich Extremsportler nicht selten regelmäßig in Lebensgefahr. Andere Sensation Seeker feiern gerne ständig wilde Partys und nehmen viele Drogen und fügen damit ihrem Körper mitunter irreparable Schäden zu. Und andere wiederum müssen ständig spontan Treffen absagen und sich auf neue (möglicherweise sexuelle) Abenteuer begeben, die ihnen in den Sinn kommen und gefährden damit ein gesundes Sozial-, Beziehungs- oder auch Berufsleben. Ihnen allen ist gemein, dass die Gefühlslage zwischen Hoffen und Bangen, Gelingen und Misslingen sie am meisten und befriedigendsten stimuliert.

Und hier kommt auch ein weiterer Faktor ins Spiel, den Risikosuchende gemeinsam haben: Sie sind oft impulsiv. Sie sind so sehr auf die mögliche sofortige Belohnung fokussiert, dass alle negativen Folgen, die ein bestimmtes Risikoverhalten mit sich bringt, in den Hintergrund rücken. Um sich ein Glücksgefühl in der Gegenwart zu verschaffen, tun sie riskante Dinge – und bereuen diese später mitunter auch. 

Sie geben etwa für Dinge viel Geld aus, die sie gar nicht bräuchten oder fahren Auto, obwohl sie dafür deutlich zu viel Alkohol im Blut haben. Impulsive Risikosuchende dafür zu verurteilen wäre unangebracht, denn ihr Verhalten ist nun einmal auch biochemischer Natur. Außerdem kann ihre Impulsivität auch dazu führen, dass sie selbstlose Taten begehen und beispielsweise spontan für einen anderen Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen. Denn sie handeln nun einmal impulsiv und gehen nicht erst alle möglichen Konsequenzen durch, die etwa ein Sprung auf die Gleise, um einen Fremden von dort wegzuziehen, mit sich bringen könnte.

Gewissen? Nein, Danke!

Eine wiederum etwas problematischer Eigenschaft vieler risikofroher Menschen, die wir abschließend nennen möchten, ist, dass ihre Gewissenhaftigkeit oftmals nicht sehr stark ausgeprägt ist. Anders als jene, die fast schon instinktiv selbstlos handeln, herrscht unter ihnen eine Art „Get-rich-quick“-Mentalität. 

Das lange Arbeiten auf ein Ziel hin sehen diese Risikosuchenden als zu zeitaufwendig und zu energieraubend an. Stattdessen wird eher ein Risiko auf sich genommen, um damit womöglich das gleiche Ergebnis mit deutlich weniger Arbeit zu erreichen. 

Schon in der Schule oder an der Universität lassen sich solche Menschen häufig dadurch erkennen, dass sie es nicht für nötig erachten, sich auf wichtige Prüfungen früh genug vorzubereiten. Sie lernen vielleicht nur eine Nacht davor oder setzen darauf, bei anderen abschreiben zu können – auf die Gefahr hin, entdeckt zu werden und durch die Prüfung zu fallen. 

Eine höhere Bereitschaft Risiken einzugehen sollte also weder abschätzig betrachtet, noch hochgelobt werden. Sie kommt unterschiedlich ausgeprägten Persönlichkeiten zu und sie kann der Gemeinschaft zugutekommen. Sie kann den Einzelnen allerdings auch zu einer mitunter gefährdeten oder gar für andere nicht ungefährlichen Person machen. Als Ausrede genutzt werden sollte sie dennoch nicht, denn am Ende entscheidet sie nicht alleine über das Handeln. Eine Willensentscheidung schließt immer noch andere, kompliziertere innere Prozesse mit ein. 

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

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Ja, das passt natürlich ;-)

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