Roman schreiben? Ein praktischer Einblick

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Ich möchte euch gerne erzählen, wie ich zur Schriftstellerin wurde. Alles begann am 31. August 2012, denn an diesem Tag drückten meine Chefs mir völlig überraschend eine Kündigung in die  Hand. „Aus betrieblichen Gründen“, wie es hieß, und an meiner Leistung kann es wirklich nicht gelegen haben, aber ich hatte keine Sekunde damit gerechnet.

Dieses überraschende Ereignis brachte mich dazu, wieder mit dem Schreiben zu beginnen, wie ich es als Jugendliche getan hatte. Meine Laune verbesserte sich mit jedem Wort, das ich schrieb, und ich hatte eine sinnvolle Tätigkeit, der ich nachgehen konnte. Roman veröffentlichen war der Plan. Aber was unterscheidet meine ersten Gehversuche von denen anderer Hobbyautoren, sodass ich später tatsächlich mehrere tausend Bücher verkaufte?

Ich erlernte das Handwerk

Ich bin ein Mensch, der sich gerne in eine Materie einarbeitet, so auch in das Schreibhandwerk. Ich begann, Schreibratgeber zu lesen und mich im Internet über die Theorie des Romanschreibens zu informieren. Ich lernte beispielsweise, dass eine gute Geschichte aus Konflikten besteht, die kaum lösbar scheinen, oder dass man inhaltlich so spät wie möglich in die Geschichte einsteigen sollte. Zu Beginn eines Buches Mitleid mit der Hauptperson zu erregen, ist ein oft genutztes Stilmittel, sogar bei Harry Potter (wer hatte nicht Mitleid mit dem Jungen, der von seiner fiesen Familie in einen Schrank gesperrt wurde?).

Parallel dazu schrieb ich meinen Roman. Am Ende überarbeitete ich mein Manuskript mit den neuen Erkenntnissen aus den Ratgebern und gab es Freunden zum Lesen. Sie waren begeistert! Ich beschloss, es zu Verlagen zu schicken, allerdings gab ich bereits beim zweiten Versuch auf, denn es dauerte mir zu lange, auf die Antwort zu warten. Im Internet las ich, dass es die Möglichkeit gibt, selbst ein Buch zu veröffentlichen, ohne Verlag und ohne Kosten (jedenfalls entstehen keine Kosten für das Hochladen – ich gehe später darauf ein). Ich arbeitete mich auch in diese Materie ein: Roman veröffentlichen ohne Verlag?

Kombination aus Amazon und Distributor

Zuerst muss ich sagen: Finger weg von allen Anbietern, die vor einer Veröffentlichung Geld sehen wollen! Es gibt unzählige Dienstleister, die sich als Verlag ausgeben und ganz begeistert vom eingesandten Manuskript sind, der Autor muss aber teilweise mehrere tausend Euro bezahlen, damit es gedruckt wird. Lasst es sein, das ist rausgeschmissenes Geld! Mehr Infos findest du hier.

Es gibt generell drei Möglichkeiten, sein Buch im Internet als eBook anzubieten

Direkt über Amazon, über einen Zwischenhändler (Distributor) oder über einen eigenen Onlineshop. Ich persönlich empfehle eine Kombination, nämlich den Weg über einen Distributor, da das Buch so in vielen Shops online ist (unter anderem auch Thalia, Weltbild, Kobo, buch.de und so weiter), und gleichzeitig separat über Amazon. Da die meisten Distributoren nicht exklusiv sind, kann man sein Buch gesondert dort einstellen und die restlichen Shops über den Distributor beliefern lassen. Die beiden führenden Anbieter sind hier neobooks und BookRix. Mit dieser Methode bekommt man als Autor das Maximum an Tantiemen heraus, die immerhin bis zu 70 % des Nettoerlöses beinhalten (bei Verlagen bekommt man für eBooks zwischen 20 und 30 %, wenn man unbekannt ist). Achtung: Nettoerlös ist nicht gleich der Nettopreis! Es gehen noch Mehrwertsteuer (bei Amazon 3 % wegen Sitz in Luxemburg) und andere Abgaben ab. Mehr Infos hier. 

Ich könnte jetzt sehr viel darüber schreiben, wie man am besten ein Buch schreibt, aber das haben bereits andere vor mir getan. Jedem angehenden Schriftsteller rate ich dringend, sich wenigstens ein einziges Buch über das Schreibhandwerk durchzulesen. Für den Anfang empfehle ich „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ vom James N. Frey, „Bessere! Romane! Schreiben!“ von Stephan Waldscheidt, „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von Alexander Steele oder „Vier Seiten für ein Hallelujah“ von Hans Peter Roentgen.

Ein Lektorat ist ein Muss!

Hat man mit dem neuen Wissen den Roman umgeschrieben (und das kann in der Tat eine harte, langwierige und nervenaufreibende Arbeit sein), stellt sich die Frage, wie ernst man es mit seinem Roman meint. Wer tatsächlich den Wunsch hat, das Beste aus seiner Geschichte rauszuholen, seine Schreibfähigkeiten zu verbessern und mit dem Roman oder Sachbuch ein bisschen (oder auch viel) Geld zu verdienen, sollte nicht an einem Lektor/einer Lektorin sparen! (Ja, es gibt sehr erfolgreiche Autoren, die keine Lektoren haben, aber das ist die Ausnahme. Beim ersten Buch würde ich immer einen beauftragen, um von Beginn an gute Qualität zu liefern). Es gibt hier diverse Preisspannen, die von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro reichen. Durchforstet hierzu das Internet, fragt andere Selfpublisher nach ihren Lektoren und lasst euch ein paar Seiten probelektorieren, um die Angebote vergleichen zu können. Ihr werdet erstaunt sein, wie Lektoren eure Texte veredeln können!

Ein Kleid muss her

Wenn ihr nicht zufällig Grafikdesigner seid, lasst andere ein Cover erstellen, die es besser können. Das Cover ist der erste Eindruck und soll einen Leser, der die Regale entlangscrollt, dazu bringen, alle anderen Cover daneben und drumherum zu ignorieren und genau euer Buch anzuklicken. Achtet vor allem darauf, dass das Cover auch als kleines Vorschaubild gut aussieht.

Jetzt wird es ernst!

Habt ihr euren Text zusammen mit dem Lektor überarbeitet und ein Cover vom Designer erhalten, registriert euch auf der Seite des Distributoren und auf der Seite von Amazons KDP. Je nach Anbieter ladet ihr dort entweder eine Word-Datei hoch oder folgt den Anweisungen der Seite. Für KDP gibt es gratis eine Anleitung, aber der Kindle-Shop hat auch viele weitere Ratgeber. Die Kindle-Bücher lassen sich übrigens auch ohne Probleme auf dem PC lesen – einfach die entsprechende kostenlose Software installieren, die auf der Seite des eBooks angeboten wird.

Wenn ihr den Schritten gefolgt seid, gebt den passenden Preis, den Klappentext und weitere Informationen ein und klickt auf „veröffentlichen“. Es kann bis zu zwei Tagen dauern, ehe das Buch offiziell im Amazon-Shop angezeigt wird, über den Distributoren kann es auch ein paar Tage länger dauern. Im Regelfall sind ein bis zwei Tage realistisch.

Alles fertig, und jetzt?

Wenn euer Buch erschienen ist, könnt ihr euch nicht einfach zurücklehnen, denn jetzt geht es darum, möglichst viele Leser zu finden. Welche Tricks ihr dabei anwenden könnt, verrate ich euch in einem später erscheinenden Artikel.

Wie viel kostet es, ein Buch herauszubringen?

Laut einer aktuellen Umfrage der Selfpublisher-Bibel  investiert man im Durchschnitt 261 Euro für ein Buch, dabei sind vor allen Dingen Marketing, Cover und Korrektorat abgedeckt. Mit Lektorat liegt man im Schnitt meiner eigenen Erfahrung nach bei ungefähr 600 Euro Investitionskosten pro Buch – die sich aber schnell amortisieren, wenn man sich mit der Materie beschäftigt und ein paar Marketingtricks anwendet.

In einem anderen Beitrag gehe ich darauf ein, welche Marketingstrategien sinnvoll sind, um erfolgreich zu starten.

Übrigens: Detailliertere Informationen zum Thema „Roman veröffentlichen“ erhaltet ihr auf meinem Blog www.annikabuehnemann.de unter „Für Autoren“ > „Ein Buch veröffentlichen“. Wer mit dem Gedanken spielt, vom Schreiben einmal leben zu wollen, dem empfehle ich www.vomschreibenleben.de

Viel Erfolg!

Eure Annika

Ein Gastartikel von Annika Bühnemann

Artikel von

Annika Bühnemann

Annika Bühnemann

Einen Kaffee, einen Stift und ein Notizbuch - mehr braucht Annika Bühnemann (Jahrgang 1987) nicht, um glücklich zu sein. Da ein Notizbuch allein aber nicht die Miete bezahlt, hat die Lebensoptimistin zunächst Business Administration studiert und einen "ordentlichen" Beruf ergriffen, bevor sie zum Schreiben kam. Mit ihren lustigen Liebesgeschichten will sie anderen Frauen Mut machen, Träume umzusetzen und für das eigene Glück zu kämpfen. Ihr neues Buch"Traummänner und andere Hirngespinste" ist soeben erschienen.

19 Antworten

  1. Hola Annika!!!!

    Ich habe ein Roman als Manuskript geschrieben aber mit meine Herkunft ist nicht einfach ein Lektor oder jemand der dir hilf finden.

    1. Hallo Perez, vielleicht bräuchtest du jemanden, der mit dir im ersten Schritt das Buch oberflächlich auf Grammatik durchgeht. Mein Tipp: Auf Facebook nach Lektoren suchen, zB in FB-Gruppen, die sich mit dem Schreiben beschäftigen. Darüber findest du bestimmt Menschen, die dir helfen damit! Wenn du damit weiterhin Probleme hast, schreib mir doch mal auf [email protected]

      Liebe Grüße

      Annika

  2. Hi!

    Ich sitze auch grade an meinem ersten Roman. In der Aufzählung der Bücher kann ich noch Elisabeth George „Wort für Wort“ anführen. Für Leute, die gerne strukturiert arbeiten ist ihr Buch hilfreich. Zumal es sich bei Frau George wirklich um jemanden handelt, der Belletristik verkauft hat.

    Im Bezug auf Ziele setzen und diese auch durchhalten, emfpehle ich den Blog von Mark Maslow (www.marathonfitness.de), auch wenn der Schwerpunkt dort auf Sport und Ernährung liegt, konnte ich viel über Motivation und Ziele dort lernen.

    Zu guter letzt kann ich noch jedem emfpehlen einen Blick auf die Homepage von Andreas Eschenbach zu werfen. Hier hat ein erfolgreicher Autor einfach frei Schnauze ein paar Tipps von sich gegeben.

    Ich hoffe, mein Weg zum Selfpublisher wird auch ein erfolgreicher werden ich wünsche allen viel Gutes auf Ihrem Weg dorthin.

    1. Hallo Mirko, vielen Dank für die ganzen Links! Gerade auf der Seite von Andreas Eschbach kann man sehr schöne Tipps zum Überarbeiten seines Manuskriptes bekommen. Werde ich mir selbst auf jeden Fall auch mal anschauen.

      Ich wünsche dir auch sehr viel Erfolg auf deinem Weg!

      Viele Grüße!

      Annika

  3. Sehr informativer, inspirierender Artikel! Danke dafür. Auch in mir wächst ein Buch – oder zwei, oder drei. Ganz ähnlich wie Annika schrieb ich schon als kleines Mädchen für mein Leben gern, doch das Leben schickte mich auf einige Umwege. Doch nun bin ich als Redakteurin und Texterin wieder bei meinen Ursprüngen angekommen und sitze an meinem Erstlingswerk. Einfach herrlich, es fühlt sich plötzlich alles rund an. Nur Mut, wenn nicht jetzt, wann dann?

    1. Hallo Renate, das klingt super! Erst gestern habe ich ein Buch beendet, indem sogar zu Umwegen geraten wurde. Du hast also alles richtig gemacht 😉 Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Buch! Du hast recht: Wenn nicht jetzt, wann dann?

  4. Liebe Annika,

    Schon seit einiger Zeit denke ich über Selfpublishing nach, dein Artikel gibt mir wieder mal einen ordentlichen Schubs, danke dafür! Ich bin schon auf deine weiteren Beiträge gespannt!

    Einen Schreibratgeber möchte ich noch ergänzen: Elizabeth George, Wort für Wort. Ein hervorragendes Buch darüber, wie man gute Figuren aufbaut.

    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Hallo Barbara, danke für den Tipp! Werd es mir mal zu Gemüte führen. Ich kann auch noch Lajos Egri empfehlen und „The Writers Journey“ soll auch sehr gut sein, ist aber auf Englisch.

      SP ist so eine tolle Möglichkeit, die „Gatekeeper“ (Verlage) zu umgehen. Leider landet so natürlich auch viel Müll im Internet, aber die Branche entwickelt sich ständig weiter. Dank des „Blicks ins Buch“ wurde ich bisher auch vor Enttäuschungen bewahrt. Wenn du spezielle Fragen hast, immer her damit.

      Viele Grüße
      Annika

  5. Sehr wohltuend dein Artikel, Annika. Viele tolle Tipps und so richtig bodenständig 🙂 Ich wurde dadurch wieder erinnert, dass bei mir auch so ein Projekt in meinen Dateien schlummert. Vielleicht ist es jetzt Zeit?
    Auf jeden Fall bin ich auf den nächsten Artikel von dir gespannt.
    Herzliche Grüße
    Silvia

    1. Hallo Silvia,
      ob jetzt die richtige Zeit ist, wirst du merken, wenn du dich damit beschäftigst 🙂 Ich hab auch noch Dinger auf der Festplatte, die es vielleicht zwar nie zum Buch schaffen werden, aber wichtig ist erstmal, überhaupt anzufangen.

      Viele Grüße
      Annika

  6. Hallo Annika,

    vielen Dank für den tollen und informativen Artikel
    kann auch nur sagen, perfektes Timing, der Artikel hat mich gefunden!

    ichbin auch gerade in einer Umorientierungsphase und habe auch schon damit geliebäugelt, ein Buch zu schreiben
    heute ist ja eine online-Veröffentlich einfach möglich

    ich habe auch schon als Kind geschrieben und in den letzten Monaten meinen Spaß daran wieder entdeckt

    lg Bettina

    1. Hallo Bettina!
      Vielen Dank, ich freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Ein Buch zu schreiben ist ja ein Traum vieler Leute – lass es nicht bei diesem Traum, sondern setze ihn um! Es ist einfacher als je zuvor. Wenn du erstmal anfängst, dich damit zu beschäftigen, kommst du nicht mehr los 🙂
      Ganz viel Erfolg dabei! Wenn du Starthilfe brauchst, sag Bescheid.
      Viele Grüße
      Annika

  7. Das Timing passt mal wieder perfekt.

    Zum einen haben mir schon viele Leute gesagt, ich sollte doch endlich ein Buch schreiben über meinen Job und mein Leben – oder gar beides. Und dann hab‘ ich mir das Buch für die Ferien aufs Kindle geladen.

    Merci für die wie immer super Tipps.

    Gruss aus der Schweiz
    Mylène Alt

    1. Hallo Mylène (was für ein wunderschöner Name!),
      ich freue mich, dass ich dich motivieren konnte. Viel Spaß schonmal mit dem Buch – und gaaanz viel Erfolg mit dem Buchprojekt. Du wirst sehen, es macht wirklich viel Spaß und die Autoren helfen sich gerne untereinander. Wenn du Fragen hast, kannst du mich jederzeit kontaktieren!
      Viele Grüße

      Annika

  8. Liebe Annika,
    das ist ein toller Artikel mit dem Du sicherlich jedem angehenden Autor Mut gemacht hast. Ich habe selbst aktuell mein 3. Buch herausgebracht und mich lange über die verschiedenen Wege der Veröffentlichung im Internet informiert. Die Möglichkeiten sind heute so einfach und vielfältig geworden, dass es einfach nur den Mut und die Disziplin zur Umsetzung braucht. O.K. zugegeben ein wenig Begabung sollte auch dabei sein. Jetzt bin ich schon auf Deinen nächsten Artikel gespannt.
    Inspirierende Grüße
    Ulrike

    1. Hallo Ulrike, danke für den lieben Kommentar 🙂 Hast du auch den Weg übers Selfpublishing gewählt oder bist du über einen Verlag gegangen? Ich wünsche dir auf jeden Fall natürlich den „großen Durchbruch“ und weiterhin ganz viel Spaß beim Schreiben.
      Ein bisschen Begabung sollte schon vorhanden sein, das stimmt 😉 Aber vieles kann man wirklich erlernen! Es ist wie in jedem anderen „normalen“ Handwerksberuf: Ein bisschen Talent, das nötige Hintergrundwissen und eine Menge Fleiß.
      Viele Grüße,
      Annika

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