Das Schicksal klingelt nicht

Schicksal

Am liebsten schreibe ich meine romantischen Liebesgeschichten in Cafés. Dort treffen sich Leute, die sich gerade kennengelernt haben, die schon lange zusammen sind und auch Leute, die sich gerade getrennt haben. Und die ihren Kummer bei anderen loswerden müssen. Man wird dort also sehr oft Zeuge interessanter Unterhaltungen über die Liebe. Aber leider hört man manchmal auch solche Sätze: „Irgendwo hat das Schicksal sicher auch für dich diesen einen besonderen Menschen.“ Da möchte ich so gern die Kappe auf meinen Stift drücken, mich hinüber drehen und sagen: „Leute, das Schicksal klingelt nicht.“

Vielleicht in einem Buch, oder in einem Film, aber dann ist es meist auch ein Krimi oder ein Thriller und keine romantische Komödie.

Wer wirklich klingelt

Im normalen Leben klingelt der dicke Nachbar, weil ihn seine Frau verlassen hat und er dir einen Knopf an die Wange quatschen will (Angeblich ist ihm schon wieder das Mehl ausgegangen, aber der Typ müsste eine Bäckerei haben, wenn er so viel davon braucht). Und die Postfrau klingelt, die sich nie überreden lässt, auf einen Kaffee reinzukommen, weil sie noch das ganze Auto voller Post für andere Leute hat.

Aber es klingt eben viel romantischer, wenn das Schicksal irgendwo mit einem Partner aufwartet. Wenn man Mr. oder Mrs. Right genau dann findet, wenn man gerade gar nicht danach sucht. Kurz, wenn man sich nicht darum bemühen muss.

Wer auf zehn Partnerbörsen aktiv ist, jedes Wochenende diverse Discotheken abklappert und  sich auf Speeddating-Partys herum treibt, wirkt doch eher verzweifelt als glamourös. Aber um den richtigen Partner zu finden, sollte man so viele Menschen kennenlernen, wie möglich. Denn wer sich nicht trifft, der lernt sich nicht kennen. Und das ist dann Schicksal.

Liebe und Lotto haben nichts gemeinsam

Überhaut ist eine Liebe zu finden und eine Beziehung aufrecht zu erhalten eher, wie 20 Kilogramm abzunehmen und den Jojo-Effekt zu vermeiden, als mal eben auf einem Lottoschein 6 Kreuzchen zu machen. Und dann abzuwarten, ob wir der eine Glückliche von 140 Millionen sind, der den Jackpot geknackt hat.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns einfach mit dem ersten besten 3er zufrieden geben, den wir bekommen und dann einfach weiter spielen.

Komischerweise haben wir in fast allen Bereichen des Lebens begriffen, dass man sich einbringen muss, um tolle Ergebnisse zu erzielen. Nur in der Liebe hoffen und vertrauen wir weiterhin auf ein „mysteriöses“ Schicksal. Da ist man dann nicht mehr „der Schmied seines eigenen Glückes“. Da heißt es plötzlich, dass man die Liebe nur findet, wenn man sie gerade nicht sucht.

Was passieren könnte

 Tatsächlich denke ich, dass man nur Zeit für die Liebe hat, wenn man nicht zu sehr mit seinen eigenen Bedürfnissen beschäftigt ist. Wenn man einen Partner sucht, der 101 Wünsche erfüllen soll, bleibt einem kaum eine Möglichkeit, einem Menschen wach und interessiert zu begegnen. Ist es schwierig, den Geschichten zuzuhören, die der andere zu erzählen hat. Auf die Impulse zu achten, die der andere in unserem Leben setzen kann. Zu erkennen, wie jemand anderes unseren Horizont erweitert und unser Leben bereichert. Auch wenn er nicht die Ansprüche erfüllt, die wir für eine Partnerschaft für unerlässlich halten.

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Schicksal
mploscar / Pixabay

Die besten Liebesgeschichten

Die schönsten Liebesgeschichten im Leben, wie im Roman, sind die, in denen zwei Menschen mit den Widrigkeiten des Lebens oder miteinander gerungen haben. Sie haben Probleme miteinander gelöst. Abenteuer miteinander bestanden. Sich kennen gelernt und Freundschaft geschlossen. Bis sie ehrlich sagen können, dass sie zueinander gehören.

Denn falls das Schicksal wirklich klingelt, dann würde sich das Ganze in etwa so lesen: Vor der Tür stand ein junger Mann in zerrissenen Jeans mit einem sexy Dreitagebart, der sagte: „Ich bin für dich bestimmt.“ Sie fiel ihm in die Arme und sie lebten glücklich, bis an ihr Lebensende.

Das ist nicht nur langweilig, sondern auch ein bisschen gruselig. Ich persönlich würde den Prinzen direkt in die Flucht schlagen. Oder mich schlapp lachen.

Dabei bin ich auf gar keinen Fall eine Expertin in Sachen Liebe. Und trotzdem habe ich vor einigen Jahren den Menschen gefunden, mit dem ich für den Rest meines Lebens zusammen sein will. Im Rückblick betrachtet, war es gar nicht so kompliziert. Ich habe die Augen aufgehalten, mir Gelegenheiten gesucht und jede Menge Leute kennen gelernt. Ich habe vieles unternommen, was ich alleine niemals gemacht hätte. Ich habe mich überraschen lassen und bin überrascht worden. Vieles hat mir Spaß gemacht. Und manche Dinge habe ich unter dem Punkt Erfahrungen abgelegt. Aber das ist okay. Auf jedem Weg gibt es steinige Abschnitte.

Mein Job macht mich so unglücklich

Als ich neulich im Café saß, unterhielten sich am Nebentisch zwei Frauen. „Meine Arbeit macht mich fertig“, sagte die eine und die andere antwortete: „Irgendwo wird das Schicksal auch für dich die Arbeit haben, die dich glücklich macht.“ Da hätte ich gern die Kappe auf meinen Stift gedrückt, mich hinüber gedreht und gesagt: „Leute, das Schicksal klingelt nicht.“

Denn mit der Arbeit ist es, wie mit der Liebe. Keine Business-Idee und keine Kunden kommen, um an deiner Tür zu klingeln. Auf Chancen darf man nicht warten. Man muss sie suchen, und sie festhalten, wenn man sie an einem Zipfel zu fassen bekommt. Dann muss man sie hegen und pflegen. Man muss ihnen seinen persönlichen Stempel aufdrücken und daran arbeiten.

Vielleicht muss man manchmal ein wenig länger suchen und ein wenig mehr einstecken, als man möchte. Aber die besten Geschichten sind die, in denen man gekämpft hat, über sich hinaus gewachsen ist. Dann kann man das Ergebnis auch mehr schätzen, als wenn es einem buchstäblich in den Schoß fällt.

Das Schicksal klingelt nicht an der Tür. So etwas passiert nur im Märchen. Und selbst dort hat die Sache einen Haken. Denn dann ist der Prinz ein Frosch. Und der Arbeitgeber will plötzlich, dass man aus Stroh Gold spinnt. Und das kann nie im Leben gut gehen.

Fang an und mach was

Wenn ihr also etwas erreichen wollt – sei es, eine Liebe zu finden, oder einen Traumjob – wartet nicht. Macht euch auf den Weg. Haltet die Augen offen und euren Geist wach. Engagiert euch und hängt euch voll rein.

Ach ja, und dann kommt ins Café und erzählt mir eure Geschichten.

Ein Artikel von Miriam Hoff.

Artikel von

Mirjam Hoff

Mirjam Hoff

Mirjam Hoff ist ausgebildete Betonwerkerin hat als Sekretärin, Projektassistentin, Qualitätsmanager, Tutor und in vielen anderen Berufen gearbeitet. Nach einige Jahre, die sie in den USA verbracht hat, wendete sie sich dem Schreiben zu. Sie hat inzwischen 4 Bücher veröffentlicht. Ihre Themen sind Balance und die Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen. Dafür findet sie in ihrer Arbeit als Autor viele Impulse.

Eine Antwort

  1. Das mit dem Cafe ist eine ideale Strategie, um eines Tages auf die Liebe des Lebens zu treffen. Im Cafe kann man so viele Dinge tun. Man kann zum Beispiel:

    Menschen beobachten
    Menschen zuhören
    Zeitung lesen
    Sich verabreden
    Über das Leben nachdenken

    Cafes wirken zeitlos in ihrer Geschichte und haben auch etwas Geheimnisvolles an sich. Ich glaube, dass wir lernen müssen, gewisse Dinge loszulassen. Einfach mal herzugehen, um zu sagen, ich werfe emotionalen Ballast ab. Wir Menschen warten viel zu sehr auf bessere Zeiten anstatt das wir hergehen und schauen, wo wir etwas ändern und verbessern können.
    Wir schauen Fernsehen, wir essen ungesunde Nahrung, wir haben Kontakt zu Menschen, die uns nicht guttun. Wir machen mehrere Dinge gleichzeitig. Unser Gehirn ist gestresst und unser Körper verkrampft.

    Eine Liste kann Abhilfe schaffen:
    Wenn wir mal hergehen und alles aufschreiben, was und so einfällt (egal was), dann beginnen wir damit, unsere Gedanken zu ordnen.

    Liste sortieren:
    Danach sortieren wir nach positiv und negativ. Die Dinge, die uns zusagen, notieren wir in der Spalte „positiv“ und die Dinge, die uns nicht zusagen, in der Spalte „negativ“.

    Wenn wir mal in uns hineinfühlen, dann werden wir sofort spüren, was sich stimmig anfühlt und was nicht. Wichtig ist zu prüfen, was wir wollen und das finden wir heraus, in dem wir uns nach innen wenden.

    Wenn wir diese Tipps berücksichtigen, können wir schon vieles damit erreichen. Ein Cafe ist ein idealer Ort, wo sich Dinge ideal aus der Beobachterperspektive sehen lassen. Im NLP gibt es dazu auch einige Techniken, die mit der Beobachterperspektive (META) arbeiten, wodurch sich auch Gefühle beeinflussen lassen. Im Internet gibt es genug kostenloses Material.

    Wenn wir lernen, auf uns selbst zu hören und Meinungen anderer Menschen nicht persönlich nehmen, ist im Leben schon einiges geschafft. Oft denkt man auch mehr an andere als an sich selbst. Mit Achtsamkeit kann diesbezüglich viel erreich werden.

    Der Artikel von Markus ist ideal geschrieben und bringt unserer Kreativität so richtig ins Laufen. Er ist sehr gut geschrieben und ich finde, dass er wertvoll ist.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Mirjam Hoff

Mirjam Hoff

Mirjam Hoff ist ausgebildete Betonwerkerin hat als Sekretärin, Projektassistentin, Qualitätsmanager, Tutor und in vielen anderen Berufen gearbeitet. Nach einige Jahre, die sie in den USA verbracht hat, wendete sie sich dem Schreiben zu. Sie hat inzwischen 4 Bücher veröffentlicht. Ihre Themen sind Balance und die Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen. Dafür findet sie in ihrer Arbeit als Autor viele Impulse.

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