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Schneller ins Tun kommen: die Grübelphase ausschalten

Grübelphase

Der genialste Werbespruch, den ich kenne, ist das „Just do it“ von Nike. Denn dieses – salopp übersetzte – „Machs einfach!“ spart die Grübelphase aus. Anstatt zu hadern, hinauszuzögern und Ausreden zu finden geht es schlicht darum, es zu tun.

Wir schaffen mehr im Leben, wenn wir die nutzlose Grübelphase unter den Tisch fallen lassen.

Hä? Aber denken ist doch gut!

Klar! Und damit keine Missverständnisse entstehen, erkläre ich mal lieber genauer, was ich meine.

Wann immer wir irgendwas gerne tun würden, springt unser Gehirn an.  Je mehr Un-Wörter wir mit unserem Vorhaben verbinden, desto negativer wird die Denkerei.

Un-Wörter heißt:

  • Ich bin unsicher.
  • Ich halte mein Ziel für unwahrscheinlich.
  • Das, was ich vorhabe, ist unmöglich.
  • Es wird unerfreulich für mich enden.
  • Die Sache ist unbequem.

Beispiele kennen Sie genug:

  • Da will jemand gerne in einer völlig anderen Branche arbeiten, rechnet sich aber keine Chancen aus.
  • Der Sprung in die Selbstständigkeit erscheint viel zu riesig.
  • Sie möchten gerne ein Buch schreiben, aber gehen davon aus, eh keinen Verlag zu finden.
  • Sie beten jemanden aus der Ferne an, trauen sich aber nicht, den ersten Schritt zu machen aus Angst, ausgelacht zu werden.
  • Sie nehmen sich vor, gesünder zu essen, das Rauchen aufzuhören oder mehr Sport zu treiben, aber dann müssten Sie ja bla, bla und bla.

Kennen wir doch alle.

Genau das meine ich mit Grübelphase. Dieses Schwarzmalen, Angst verstärken und Sich-den-Wind-aus-den-Segeln-nehmen hilft uns nicht. Es ist Zeitverschwendung und Selbstsabotage. (Das wäre so ähnlich, wie wenn du zu allem immer Ja sagst, also einfach zu nett bist)

Jeder tut‘s.

… und doch ist es völlig menschlich. Wir möchten uns vor unguten Erfahrungen schützen. Wir wollen weder enttäuscht, noch auf die Nase fallen. Doch durch diese schädliche Grübelphase schaden wir uns doppelt und dreifach. Es geht nämlich nicht nur um das aktuelle Vorhaben, das wir vor uns herschieben. Es geht um sehr viel mehr.

Wenn Sie die nette Nachbarin oder den attraktiven Mann aus dem Coffeeshop nicht ansprechen, dann überzeugen Sie sich in der Grübelphase gerne davon, dass „man“ Ihnen sicher einen Korb geben wird. Die einen betonieren in ihrem Kopf, dass sie sicher rot werden oder stammeln und sich bis auf die Knochen blamieren. Die anderen gehen davon aus, ganz bestimmt ausgelacht zu werden oder denken von sich, „nicht in der gleichen Liga zu sein“.

Solche Gedanken haben eine viel weitreichendere Auswirkung. Sie setzen sich fest. Wir überzeugen uns systematisch davon, dass wir soundso sind, das und das nie können oder etwas nicht wert sind.

Passender Artikel:  Durchhaltevermögen - Warum Wille wichtiger ist als Talent.

Hier kommt das „Just do it“ ins Spiel

Ich habe für mich selbst die Erfahrung gemacht, dass ich schneller ins Tun komme, wenn ich diese „Just do it“-Mentalität fest integriere. Damit ist nicht gemeint, unbedacht seinen Job zu kündigen, nach Neuseeland auszuwandern oder jetzt sofort auf dem Gehsteig einige fremde Männer anzusprechen.

Vielmehr geht es einfach darum, die nicht hilfreiche Grübelphase auszuschalten.

Bei mir funktionieren diese fünf Prinzipien, die ich je nach Situation einsetze:

1. „Just do it“ (mit der Variante: „Brings hinter dich“) 

Wenn ich mich dabei ertappe, etwas herauszuschieben, schneide ich mir sofort die Grübelei ab: Soll ich draußen Sport machen, aber wenn es regnet … oder wenn ich … Schluss. Machs einfach!

Oder ein unangenehmer Anruf steht an und ich merke, dass ich mich in meinen Ärger reinsteigere … lieber erst noch Kaffee machen und … Nein: „Brings hinter dich!“

2. „Gitte, kannst du die Zeit zurückdrehen?“

Manchmal ist die Grübelphase an etwas gekoppelt, was zuvor geschehen ist: ein Fehler, eine ungute Entscheidung oder eine Konfrontation, bei der man sprachlos war. Dann ist man gefangen im Hätte-würde-wäre-wenn.

Sobald ich merke, dass ich rückblickend hadere, stoppe ich mich, indem ich laut zu mir sage: „Gitte, kannst du die Zeit zurückdrehen?“ – „Nein.“

Ja, ich sage es laut, ich spreche mich mit Namen an und ich antworte mir! Denn das hat mehr Wirkung: durch den Namen und das Auf-die-Ohren-bekommen reiße ich mich richtig ins Hier und Jetzt zurück. Außerdem muss ich darüber lachen, dass ich Selbstgespräche führe.

Humor macht jede noch so angespannte Situation locker
und lässt einen besser denken.

Sind andere anwesend, geht das natürlich auch in Gedanken. Aber sprechen Sie sich richtig an. Nicht einfach sagen „jaja, ich weiß, dass man das jetzt nicht ungeschehen machen kann“, das hat eine ganz andere Wirkung.

3. „Du hast schon ganz andere Dinge geschafft!“ 

Wir alle haben zahlreiche Erlebnisse, wo wir etwas mit Bravour gemeistert haben. Oft wissen wir sehr genau, wie viel Schiss wir davor hatten. Und dann lief es alles wunderbar. Es nützt, sich daran zu erinnern, und zwar möglichst konkret an dieses eine bestimmte Erlebnis.

Manchmal kann man sich auch mit anderen vergleichen und so sein Rückgrat stärken: „Wenn der das kann, kann ichs auch!“

Mein Lieblingszitat ist übrigens von Terry Pratchett aus einem der Scheibenwelt-Romane: „Klar kann ich das! Ich habs nur noch nie gemacht.“

4. „Und dann und dann und dann“ in heilloser Übertreibung

Wer dazu neigt, in negative Gedankenspiralen zu kommen, was alles Schlimmes passieren könnte, kann sich aus diesem Teufelskreis rausholen, indem er maßlos übertreibt: „Wenn ich den Chef um mehr Geld frage, wird er rumschreien und mir kündigen wollen. Wahrscheinlich beißt er mit den Kopf ab, und der rollt dann durchs Büro. Dann finde ich erst recht keine Stelle woanders, wer stelle schon jemanden ohne Kopf ein …“

Passender Artikel:  Niemals aufgeben: Wie du beendest, was du beginnst!

Wenn Sie schon negativ denken, dann bitte so abstrus wie möglich!

Damit man Spekulationen nicht mit Tatsachen verwechselt, hilft es enorm, sich die Absurdität vor Augen zu führen. Außerdem muss man irgendwann lachen, und Humor … Sie wissen schon!

5. „Wie könnte es gehen?“

Ist die Grübelei gebannt, ist das Wichtigste der Fokus darauf, wie es gehen könnte. Vergeuden wir keine Zeit damit, was alles schief gehen wird und warum es eh nicht geht. Richten wir doch lieber unseren Ideenreichtum darauf, wie wir das, was wir gerne möchten, auch erreichen können.

Durchaus kritisch, aber immer konstruktiv:

[konstruktiv] aufbauend, einfallsreich, ermutigend, förderlich, lohnend,

nutzbringend, produktiv, schöpferisch, wegweisend, wirksam

Das Schöne ist, dass man auf diese Weise eine MACHS EINFACH!-Mentalität einübt. Anstatt Zeit und Energie mit Grübeleien zu vergeuden, kommt man ins Tun. Auch wenn „das Tun“ mitunter die Entscheidung ist, etwas (momentan) nicht zu tun.

Ein Gastartikel von Gitte Härter

16 Comments on “Schneller ins Tun kommen: die Grübelphase ausschalten

Andreas
19. Dezember 2015 um 19:31

Ich bin auch so ein arger Grübler. Doch mein Problem ist, dass ich nicht so sehr grüble, OB und WANN und WIE ich etwas machen soll, und welche Konsequenzen das haben könnte, sondern viel mehr, WAS ich machen soll.
Mir wird oft gesagt, ich müsse doch dies oder jenes tun, oder ich solle mir halt einfach überlegen, was ich gerne machen will und dies dann einfach tun, solle mir meiner Wünsche und Ziele bewusst werden, doch schon dies bereitet mir immense Probleme … es fällt mir einfach nichts ein, und ich fühle mich zu etwas gedrängt, was ich gar nicht will.
Ein triviales Beispiel ist Sport: Ich solle mich mehr bewegen, das täte mir gut. Mag ja sein. Doch solange es nicht aus mir selbst kommt, solange ich das Gefühl habe, da will mir jemand Ratschläge geben, die zwar im allgemeinen stimmen mögen, aber gar nicht zu mir passen, bzw. die gar nicht meine eigenen Bedürfnisse treffen, fühle ich mich eher blockiert als motiviert. Blockiert, weil unverstanden.
So ähnlich ging’s mir gerade mit diesem Artikel — entschuldigen Sie bitte diese kritischen Worte, aber das kann ja sein, dass man nicht jedermann’s Blockaden mit ein paar einfachen Prinzipien beseitigen kann. Ich kenne genügend Leute, denen diese vermutlich helfen dürften. Weiß nicht, warum ich mich da nicht getroffen fühle; bin vielleicht einfach zu widerspenstig. Oder es könnte eine Altersfrage sein … vor 30 Jahren fühlte ich mich auch noch unternehmungslustiger; da hätte mich das vermutlich auch ein bisschen auf Trab bringen können. Heute frustriert mich das mehr, weil es mir zeigt, wie viel Kraft und Lebensenergie ich gelassen habe. Aber das ist vielleicht einfach so … ein Zeichen der Zeit, über das man nicht allzu traurig sein sollte und dies auch nicht braucht. Ein jegliches hat seine Zeit … Lebensfreude und Tatendurst haben ihre Zeit, und irgendwann eben auch einmal das Nachdenken über das, was war und ist und sein wird…

Antworten
Thomas
23. November 2014 um 21:46

Liebe Gitte,

großartig der Tipp: „Gitte, kannst du die Zeit zurückdrehen?“

Den werde ich bestimmt übernehmen.

Gruß
Thomas

Antworten
Musik Jogger
7. Dezember 2013 um 15:25

Hallo Gitte!
Danke für den Post.

Im Endeffekt ist man selbst immer sein größter Gegner. Und wenn man ehrlich ist, die eigenen Misserfolge sind immer auf einen selbst zurückzuführen. Wenn man sich dies einmal eingesteht, kann man Verantwortung für sein Leben übernehmen.

Und Dinge angehen.

LG
Sebastian

Antworten
Norbert :-)
27. Oktober 2013 um 12:42

Hallo Gitte,

danke für diesen Artikel. Habe ich heute / eben gelesen – und wohl genau jetzt gebraucht. Habe mich gerade etwas „fest-gedacht“. Und das, obwohl ich viele dieser Tipps eigentlich (!) bereits selbst praktiziere…

Dann drücke ich jetzt schnell auf „Kommentar abschicken“ und widme mich sofort und aktiv der beiden Themen, bei denen ich mich gerade „fest-gedacht“ habe.

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert 🙂

Antworten
Philipp
2. September 2013 um 10:51

„Just do it“ ist für mich der beste Ratschlag den ich bisher gehört habe. Besonders beim Schritt in die Selbstständigkeit.

Ich kenne soviele Menschen die sehr talentiert und hungrig sind, aber über Planungsphase nicht hinweg kommen, da sie glauben, dass zum Start alles perfekt sein muss. Was für ein Blödsinn.

Mein eigener Blog ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber ich habe ihn einfach mal gestartet und schaue was passiert.Ich versuche ihn jeden Tag zu verbessern und mit der Zeit wird er auch immer besser. Just do it. 😉

Antworten
markus cerenak
3. September 2013 um 7:12

hi philipp
genau diese mentalität ist der richtige weg: go for it, and fix the problems on the way. bez bloggen (tipps, strategien etc.) kannst du ja hier vorbei schauen, startet in kürze: http://www.bloggen.co

Antworten
Birgit
29. Juli 2013 um 21:39

danke- man ertappt sich doch immer wieder……..
ein guter tipp eines freundes: wenn es nur 2min dauert, mach es sofort!
liebe grüße, birgit

Antworten
Gitte Härter
29. Juli 2013 um 21:18

Hallo Dennis, Laura und Diana,

ja genau: wir müssen uns einfach immer selbst ertappen … und am besten drüber schmunzeln! Bringt eh nichts, rumzuhadern, wenn man mal wieder doch in die Grübel- oder Schiebe-Falle geraten ist. Passiert halt. Einfach wieder auf Schiene bringen … 😉

Herzliche Grüße
Gitte

PS @Martin: Danke fürs „pingbacken“ und den schönen Verweis.

Antworten
Diana Bazelak
29. Juli 2013 um 14:45

Just do it!
Manchmal kann es so einfach sein.
Danke für diese tollen Anregungen.
Am besten gefällt mir Punkt 4: Übertreiben bis der Arzt kommt….

Grüße an alle,
Diana

Antworten
Laura Geisbuesch
28. Juli 2013 um 23:10

Toller Beitrag! Ich musste schmunzeln, weil ich mich an einigen Stellen wiedererkannt habe.

JUST DO IT 🙂

LG Laura Geisbuesch

Antworten
Dennis Sievers
28. Juli 2013 um 14:57

Hallo Gitte,

herzlichen Dank erstmal für die tollen Anregungen.

Ich muss immer wieder darüber lachen, wenn ich solche Artikel lese, weil man dann merkt „Scheiße, genau das mach ich ja auch, warum merk ich das nur nicht selbst?“. Danke für die Tipps, die sind Gold wert.

Beste Grüße,
Dennis

Antworten
Gitte Härter
26. Juli 2013 um 17:53

Hallo zusammen,

herzlichen Dank für das schöne Feedback. Ich freue mich, dass Ihr was mit den Anstößen anfangen könnt.

Einen schönen Abend
Gitte

Antworten
Markus
26. Juli 2013 um 16:52

Ganz toller Text, der den Nagel auf den Kopf trifft. Ich werde von jetzt an versuchen Sachen die sowieso erledigt werden müssen nach dieser Methode zu erledigen. Man fühlt sich einfach schlecht wenn man die unerledigten Dinge vor sich her schiebt und es wird nicht besser im Gegenteil. Irgendwann eskaliert es weil man zu lange gewartet hat.

Antworten
Nikki
26. Juli 2013 um 15:16

Tolles Thema. Ich erledige die schlimmsten Aufgaben auch immer zu Anfang des Tages um den restlichen Tag mit den schönen Dingen zu verbringen.
Diese „Just-do-it“ Sichtweise ist sehr hilfreich, gerade für diejenigen, die ein wenig faul sind oder Angst haben, es einfach zu machen.

Antworten
sabine
26. Juli 2013 um 11:13

ich verfolge gitte schon lange, auch ihre texte auf schreibnudel sind ein hammer 🙂 auch hier wieder – just do it, fängt bei kleinen dingen an wie zb diesen blog zu kommentieren …
zu „just do it – brings hinter dich“ hab ich auch von einem meiner mentoren gelernt: die mühsamste/ungeliebteste aufgabe immer als 2tes am tag machen. quasi 1 zum aufwärmen und dann gleich ran an die scheiß-aufgabe (sorry, aber ist doch so), die dir seit tagen im magen liegt. wenn die erledigt ist, ist deine ausstrahlung für den rest des tages eine andere … ich halt mich seit dem dran und es hilft wirklich 😉

Antworten
Dima
26. Juli 2013 um 9:42

Das ist Bombastisch!
Leicht anzuwenden und bekommt großartige Ergebnisse!

DANKE!!

PS Interessant wäre noch, zu jedem der 5 Punkte ein echtes Beispiel aus Deinem Leben!

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Gitte Härter

Gitte Härter

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