Schreiben mit Humor

schreiben - humor

Kommt ein Pferd in eine Bar. Fragt der Barkeeper: „Warum so ein langes Gesicht?“ Und? Hat es dein Humorzentrum getroffen?  Während sich die einen nach einem Witz biegen vor Lachen, ziehen die anderen bei demselben Gag  – ganz wie das Pferd – ein langes Gesicht. Humor ist schließlich etwas Subjektives. 

Was lustig ist, und warum? Und wie Humor in Texten wirkt, erfährst du in diesem Artikel.  

HUMOR IST…

…die Fähigkeit und Bereitschaft, gewisse Dinge heiter aufzunehmen oder auch gelassen auf sie zu reagieren, so definiert es der Duden. Oder ganz nach Joachim Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

WAS LUSTIG IST? UND WARUM?

Richtig, auch Humor ist Geschmacksache. Willst du deine Leser zum Lachen bringen oder zumindest ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern, ist „guter“ Humor gefragt. Guter Humor zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht zu offensichtlich ist. Braucht dein Publikum ein, zwei Sekunden, bis die Pointe angekommen ist, umso besser. Damit forderst du ihre Intelligenz heraus und es fühlt sich gut. Als Dankeschön schenken sie dir ihr Lachen. 

Im folgenden Humor-Werkzeugkasten findest du einige Tools mit denen du hier und da die Schreib-Schrauben einstellen und an  deinen humorvollen Geschichten feilen kannst. 

Übertreibung

Die Übertreibung, auch Hyperbel genannt, ist ein häufig gebrauchtes Stilmittel, nicht nur für humoristisches Schreiben. Du verwendest die Hyperbel, wenn du deine Äußerung besonders bestärken möchtest, oder einfacher gesagt: Indem du maßlos übertreibst. 

«Wie hört es sich an, wenn Chuck Norris angeln geht? – Du, du und du: Rauskommen!»

«Um auf dem Spielplatz nicht dauernd aufs Handy zu schauen, nehme ich jetzt immer ein Buch, meine Kamera, den Fahrplan, Kochbücher, eine Fachzeitschrift, den Nintendo, einen Stapel Postkarten, ein Fotoalbum, Reiseprospekte, die Agenda, das Telefonbuch und den Stadtplan mit».

Inkongruenz / Ereignisse passen nicht zusammen

In deiner Erzählung passt das eine nicht mit dem anderen zusammen. Wenn dann etwas völlig Paradoxes, Widersprüchliches passiert und du den Leser in seiner Auffassung überrascht, dann hast du dich der Inkongruenz als Stilmittel bedient. Hört sich komplizierter an als es ist. 

«Gott sagt zu König Ahab: „Wenn Du nicht ablässt von deinen Sünden, dann schicke ich dir eine große Dürre“ Darauf sagt Ahab: „Oj, eine kleine Dicke wäre mir lieber.“»


« „Steh auf , Junge , du musst zur Schule“ – „Ach nöö, ich hab keine Lust. Muss ich wirklich, Mutti?“ – „Ja, alle Lehrer müssen das!“

In die Irre führen

Schreiben mit Humor
LoggaWiggler / Pixabay

Brich die Erwartungen deines Publikums.  Ja, du hast Recht. Es ist schließlich die Aufgabe eines Witzes die Erwartung zu brechen. Bei dieser Methode ist damit gemeint, dass das Publikum deine Geschichte plausibel weiterdenkt bis du diesen Denkprozess abrupt, mit einem paradoxen oder einem doch schlüssigem Ende, zerreisst. 

« Ich habe heute Morgen meinen Chef gefragt, ob ich auch ein bisschen später zur Arbeit kommen darf.
Er hat gemeint „Träum weiter!“ Voll nett von ihm.»

« „Seid Ihr beiden Zwillinge?“ 
 „Nein, warum?“ 
„Weil euch eure Mami genau gleich angezogen hat.“ 
„Das reicht, Ihren Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“»

Die 3er-Regel

Auch eine beliebte Erzählform ist die 3er-Regel. Bei dieser Regel schilderst du eine Richtung mit zwei Ereignissen. Das Lesepublikum erwartet das dritte Ereignis ebenfalls in dieser Richtung. Doch so ist es nicht. Die Pointe liegt ganz woanders. Dadurch entsteht was anderes oder Neues und beim Publikum meist ein Lacher. 

«Eine Giraffe schwärmt einem Hasen vor, wie praktisch ein langer Hals ist: „Jedes Blatt, das ich esse kann ich genießen, denn es wandert ganz langsam meinen Hals hinunter, und jeden Schluck Wasser , den ich trinke wandert ganz langsam meinen Hals hinunter. Ach es ist so schön einen langen Hals zu haben , im Gegensatz zu dir.“ Darauf der Hase: „Schon mal gekotzt?“»

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»Ein Mann geht frühmorgens im Nebel aufs Eis, um zu angeln. Er will sich gerade ein Loch hacken, da hört er eine tiefe Stimme von oben: „Hier gibt es keine Fische!“ Er wundert sich, denkt, er habe das nur geträumt, und hackt weiter. Wieder kommt die Stimme: „Hier gibt es keine Fische!“  Diesmal ist er sich sicher, das war keine Einbildung! Und ganz zaghaft wendet er seinen Kopf gen Himmel und fragt: »Herr, bist du es?“ „Nein“, antwortet die Stimme, „ich bin der Sprecher des Eisstadions!“«

Wort- / Sprachspiel

Die Königsdisziplin. Das Spiel mit der Sprache versetzt dein Lesepublikum ins Staunen und bringt es zum Schmunzeln. Die Doppeldeutigkeit eines Wortes lädt dazu ein, die Komik in eine Geschichte zu bringen. 

«Unterhalten sich zwei Kerzen: „Ist Wasser eigentlich gefährlich?“ 
„Davon kannst du ausgehen.“»

«„Was kostet die Angel?“
„19,99 €“
„Das ist aber günstig. Wo ist der Haken?“
„Es gibt keinen Haken.“»

WIE WIRKT HUMOR IM TEXT?

Schreiben mit Humor
RobinHiggins / Pixabay

Ich lehn mich mal aus dem Fenster und behaupte: „Jeder mag Lustiges.“ Und jeder weiß: Lachen ist gesund. Ergo sorgst du mit deinen heiteren Texten für die Gesundheit deines Publikums. 

Zudem gibt es weitere Vorteile komisch zu schreiben: 

Auflockern des Textes

Eine Pointe in ein nicht so spannendes Kapitel einzubauen bringt Abwechslung hinein und lockert den Inhalt auf. 

Hohes Lesevergnügen 

Alles was Spaß macht, geht viel einfacher, auch lesen. Und wenn der Leser dabei noch was zu lachen hat, umso besser. Er wird gespannt weiterlesen und sich auf den nächsten Gag freuen.

Sympathiegewinn beim Leserpublikum

Nicht nur der Artikel, auch der Texter gewinnt Sympathiepunkte. Wie im wahren Leben sind einem humorvolle Menschen sympathischer als humorlose. 

Leser gewinnen

Humor verbindet. Dosierst du deine Pointen richtig, überraschst du dein Publikum in positiver Weise und es wird weitere Beiträge von dir mit Freude lesen. 

SCHLUSS MIT LUSTIG

Humor im Text ist toll aber bitte nur, wenn’s passt. Nicht in jedem Beitrag muss ein Witz untergebracht werden. Im Gegenteil, es gibt Texte, da hat Humor nichts zu suchen, wie z B. juristische, medizinische, wissenschaftliche oder technische. Und nichts macht einen Artikel unprofessioneller als eine falsch gesetzte Pointe. Wenn du dir nicht sicher bist, ob das Geschriebene witzig ist, ist es ratsam, es zu streichen. 

Das heißt, wenn du nicht gerade ein Comedy-Programm schreibst, achte penibel genau darauf wo und wann du Humor einsetzt. Zu viel Lustiges überfrachtet den Inhalt, der Leser wird abgelenkt und wichtige Botschaften laufen Gefahr unterzugehen. 

Zu guter Letzt: Humor kann auch Gefühle verletzen. Witze über Stereotypen, Herkunft oder Äußerlichkeiten bestimmter Menschen finden viele lustig – für die Betroffenen ist es meist verletzend.

An dieser Stelle sei besser die Spaß-Bremse, so nimmt dich dein Publikum ernst – ohne dass der Spaß verloren geht. 

Alles Liebe 

Gerlinde

Ein Artikel von Gerlinde Gaub

Artikel von

Gerlinde Gaub

Gerlinde Gaub

Nach über 20 Jahren in der IT-Branche verließ Gerlinde das Hamsterrad und folgte ihrem Herzen. Schreiben, klopfte ihr Herz. Sie erfüllte sich diesen Traum mit einer Ausbildung zur Drehbuchautorin. Seither verfasst sie Artikel, Beiträge und Texte für ihre Kunden, arbeitet als Texterin mit Agenturen zusammen und schreibt an ihren eigenen Werken. Kreativität, und die Herausforderung, etwas zu erarbeiten um emotionale Reaktionen zu wecken - genau das ist es, das Gerlinde begeistert. Besondere Wege und das Zwischenmenschliche faszinieren sie. Ihr Interesse gilt allem, was Menschen unterhält, begeistert, ermutigt und ihnen hilft, Horizonte zu öffnen und sich weiter zu entwickeln.

Eine Antwort

  1. Hallo Gerlinde!
    Ich würde auch gern mehr Humor in meinen Texten einarbeiten, ich weiß aber das ich einen ziemlich schwarzen Humor habe, der eigentlich nur im engen Freundeskreis gut ankommt.
    Ich finde es sehr schwer eine gute Balance mit Stil und Intelligenz zu finden.
    Aber ich werde mich mit deinen Ausführungen daran machen, mehr Lächeln unter den Lesern zu erzeugen. Ich liebe das ja auch.

    Grüße, Jessica

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Gerlinde Gaub

Nach über 20 Jahren in der IT-Branche verließ Gerlinde das Hamsterrad und folgte ihrem Herzen. Schreiben, klopfte ihr Herz. Sie erfüllte sich diesen Traum mit einer Ausbildung zur Drehbuchautorin. Seither verfasst sie Artikel, Beiträge und Texte für ihre Kunden, arbeitet als Texterin mit Agenturen zusammen und schreibt an ihren eigenen Werken. Kreativität, und die Herausforderung, etwas zu erarbeiten um emotionale Reaktionen zu wecken - genau das ist es, das Gerlinde begeistert. Besondere Wege und das Zwischenmenschliche faszinieren sie. Ihr Interesse gilt allem, was Menschen unterhält, begeistert, ermutigt und ihnen hilft, Horizonte zu öffnen und sich weiter zu entwickeln.

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