Schluss mit Selbstaufopferung: Ab heute nehme ich mich wichtig!

Selbstaufopferung

Kannst du dich noch an das Märchen „Die Sterntaler“ von den Gebrüdern Grimm erinnern? Es handelt von einem armen Waisenmädchen, das für ihre selbstlosen Taten vom Himmel mit herabfallenden Goldtalern belohnt wird. Was für eine wunderschöne Vorstellung.

Und was für eine katastrophale Botschaft.

Denn im echten Leben hagelt es keine Goldtaler. Wer ständig gibt, seine Bedürfnisse stets hintenanstellt und allem mehr Bedeutung beimisst als der eigenen Gesundheit und dem eigenen Wohlergehen, handelt sich damit höchstens Krankheit, Depressionen oder ein Burnout ein.

Natürlich wissen wir alle, was uns das Märchen sagen möchte: Sei gut zu deinen Mitmenschen und hilfsbereit. Und daran ist nichts verkehrt. Nur, warum können wir nicht gleichsam gut zu uns selbst sein und behutsam mit den eigenen Ressourcen umgehen?

Ist es egoistisch, gut für sich selbst zu sorgen?

Wieso glauben wir, dass es uns zu schlechten Menschen macht, wenn wir auf unser Wohlergehen achten? Bedeutet gut für uns selbst zu sorgen denn notgedrungen, dass wir schlecht zu anderen sind?
Ein Egoist ist jemand, der nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist und handelt, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Ist das bei Selbstfürsorge der Fall?

  • Wenn du deine Bedürfnisse wichtig nimmst, trittst du die Bedürfnisse der anderen dann gleich mit Füßen?
  • Wenn du eine Verabredung absagst, weil du zu erschöpft bist, fügst du anderen damit willentlich Schaden zu?
  • Und wenn du dich entscheidest, deinen eigenen Weg zu verfolgen, statt die Erwartungen anderer zu erfüllen, bereicherst du dich damit auf ihre Kosten?

Ja, fürsorglich mit dir umzugehen kann zuweilen bedeuten Verabredungen abzusagen, Anfragen zu verneinen und Erwartungen zu enttäuschen. Aber was ist die Alternative? Dass du dich selbst enttäuschst?

Inwiefern wird dadurch mehr Gerechtigkeit erlangt?

Selbstfürsorge heißt nicht, dich auf einen goldenen Scheffel zu stellen. Es bedeutet dich – neben anderen Menschen – auch wichtig zu nehmen.

Und das bedeutet dafür Sorge zu tragen, dass du gesund und glücklich bist. Denn nur so kannst du diese Welt bereichern und für deine Mitmenschen ein guter Freund und verlässlicher Helfer in der Not sein.

Selbstaufopferung
jplenio / Pixabay

Mit Selbstfürsorge zu mehr Menschlichkeit

Bestimmt hast du schon einmal den folgenden Satz gehört:

„Nur, wenn es dir selbst gut geht kannst du anderen helfen!“

Und wenn du ganz ehrlich bist, dann weißt du auch, dass dieser Satz wahr ist. Du brauchst dich doch nur mal zu fragen, wann du eher bereit bist einem Nachbarn auszuhelfen: Wenn du krank, erschöpft und traurig bist oder wenn dein Leben gut läuft und du dich rundum wohlfühlst?

Du kennst das doch aus dem Flugzeug: Erst musst du dir selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, um sicherzustellen, dass du bei Bewusstsein bleibst. Dann kannst du dich um andere Passagiere kümmern.

Denn wenn du immer erst für andere da bist, riskierst du, selbst ohnmächtig zu werden und dann kannst du niemandem mehr eine Hilfe sein.

Ein fürsorglicher Umgang mit dir selbst ist die Voraussetzung dafür anderen zu helfen.
Aber nicht nur das. Selbstfürsorge ist das Fundament eines glücklichen und gelingenden Lebens. Wenn du gut für dich selbst sorgst, profitiert davon deine psychische und physische Gesundheit. Du wirst mehr Lebensqualität erfahren, Beziehungen auf Augenhöhe führen, ein stabileres Selbstwertgefühl haben und deine volle Kraft in diese Welt einbringen können.

Ab heute nehme ich mich wichtig!

Es ist an der Zeit, dass wir endlich zu mehr Gleichberechtigung finden:

„Du bist wichtig. Ja! Aber ich bin es auch!“

Doch wie kann das im Alltag gelingen?
Wenn wir an Selbstfürsorge denken, tauchen meist Bilder von entspannenden Schaumbädern, von Kerzen und Pralinen auf. Sicher, das ist eine Möglichkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun.

Nur, Selbstfürsorge kann so viel mehr als Pflege und Genuss bedeuten.
Wenn du regelmäßig deine Grenzen überschreitest, dich von deinem Partner respektlos behandeln lässt und einer Arbeit nachgehst, die deine Prinzipien mit Füßen tritt, dann wird ein Schaumbad daran herzlich wenig ändern.
Es ist auch ein Zeichen von Selbstfürsorge für dich einzustehen oder dich von Menschen zu lösen, die dir nicht guttun. Fürsorglich mit dir umzugehen bedeutet deine Bedürfnisse zu erkennen und wichtig zu nehmen. Es kann heißen, dir eine Arbeit zu suchen, die mit deinen Werten übereinstimmt, verstaubte Glaubenssätze abzulegen, Ansprüche zu reduzieren, Frieden mit deinen Emotionen zu schließen und dein persönliches Glück zu verfolgen.

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Wie macht dich Hobby und Beruf glücklich?

Wie kannst du es also schaffen, dich von nun an wichtig zu nehmen? Hier sind fünf Vorschläge, die du noch heute umsetzen kannst:

1. Überprüfe deine Ansprüche

Gehörst du zu den Menschen, die es immer allen recht machen wollen? Oder versuchst du immer alles so gründlich wie möglich zu machen und ist es dein Ziel nicht nur gut, sondern perfekt zu sein? Vielleicht glaubst du auch, dass du alles alleine machen musst, dass du stets stark sein und dir keine Schwäche erlauben darfst. Gehe diesen Überzeugungen auf den Grund. Denn solange sie dein Handeln bestimmen, wirst du dich weiter erschöpfen, statt deine Ressourcen sinnvoll einzuteilen. Hier erfährst du, welche Antreiber dich leiten und was du gegen sie unternehmen kannst.

2. Lerne, Grenzen zu setzen

  • „Dir macht es doch sicher nichts aus, meine Katze zu hüten?“
  • „Kannst du die Tante im Krankenhaus besuchen? Du wohnst doch am nächsten dran“
  • „Ich weiß, du hast schon Feierabend. Aber kannst du mir noch schnell bei diesem Projekt helfen?“.

Wer nicht in der Lage ist „Nein“ zu sagen, wird sich immer weiter erschöpfen. Und nicht nur das: Die Menschen im Umfeld gewöhnen sich daran, wer immerzu „Ja“ sagt und so wird schon bald jede unliebsame Aufgabe an dir hängen bleiben (oder ist das schon jetzt der Fall?). Ein wichtiger Teil von Selbstfürsorge ist es, Grenzen zu setzen. Nein zu sagen, wenn wir etwas nicht tun wollen oder leisten können. Für uns einzustehen.

Kurzfristig handeln wir uns damit womöglich enttäuschte Blicke oder kritische Worte ein. Langfristig verdienen wir uns damit aber den Respekt unserer Mitmenschen (und den von uns selbst). Das Nein-Sagen lässt sich üben. Lege dir doch jetzt gleich ein paar passende Sätze zurecht, die du beim nächsten Mal benutzen kannst.

3. Entdecke deine Bedürfnisse

Wer sich immer nur um andere kümmert, vergisst über kurz oder lang, was er selbst braucht und will. Es ist wichtig, damit wieder in Kontakt zu kommen.

  • „Was brauche ich gerade?“
  • „Wonach sehne ich mich?“
  • „Was würde mir guttun?“

Das sind die Fragen, die dich deinen Bedürfnissen näher bringen. Deine Aufgabe ist es zuzuhören und das Gelernte in die Tat umsetzen. Denn Bedürfnisse können von Person zu Person und von Situation zu Situation unterschiedlich sein. Vielleicht sehnst du dich nach Entspannung und Ruhe. Vielleicht vermisst du die Leichtigkeit in deinem Leben und das Lachen. Vielleicht brauchst du wieder mehr Abenteuer, eine neue Herausforderung, Zeit für dich, Kontakt zu deinen Mitmenschen, einen kreativen Output oder mehr Unabhängigkeit?

Nur du allein weißt, wonach du dich sehnst. Finde es heraus und dann suche nach Wegen, dir diese Bedürfnisse zu erfüllen.

4. Nimm dir Zeit für dich

Subjektiv haben wir eigentlich nie genug Zeit. Am allerwenigsten Zeit für uns selbst. Doch gerade die ist wichtig, wenn wir unsere Bedürfnisse erfüllen und stärker mit uns in Kontakt kommen wollen. Überleg einmal, ob du dir jeden Tag ein kleines Zeitfenster freihalten kannst, indem es nur um dich geht. Schon 15 Minuten können einen gewaltigen Unterschied bewirken.
In dieser Zeit kannst du die Beine hochlegen und ein Buch lesen, einem Hobby nachgehen, dich selbst besser kennenlernen (vielleicht übers Tagebuchschreiben?), dich kreativ ausleben oder das oft zitierte Schaumbad nehmen.

5. Entwickle ein positives Selbstbild

Selbstfürsorge und Selbstliebe gehen Hand in Hand. Je mehr du dich um deine Bedürfnisse kümmerst, desto positiver wird dein Bild von dir selbst. Und je mehr du dich annimmst, desto mehr wirst du für dich selbst sorgen wollen.
An der Basis jeder Selbstfürsorge steht daher ein freundlicher und respektvoller Umgang mit dir selbst. Nur, wenn du wahrhaft erkennst, dass du genauso liebenswürdig und wertvoll bist wie deine Mitmenschen, wirst du deine Bedürfnisse genauso respektieren wie ihre. Darum werde dir selbst dein bester Freund.

Wie dir das gelingen kann und was es bedeutet auf allen Ebenen gut für dich zu sorgen, erfährst du in meinem neuen Buch, den Amazon-Bestseller: „Gib dir die Liebe, die du verdienst!“.

Es gibt kaum etwas wichtigeres als gut für dich selbst zu sorgen. Darum fang hier und heute an, dich wichtig zu nehmen. Du bist ein wunderbarer Mensch und du verdienst es, glücklich zu sein.

Alles Liebe, Deine Katharina

Artikel von

Katharina Tempel

Katharina Tempel

unterstützt als Autorin und Online-Coach Menschen dabei glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen. Die Expertin für Positive Psychologie schrieb ihre Doktorarbeit über Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens. Ihre Website www.gluecksdetektiv.de und ihr YouTube Kanal gehören zu den größten und erfolgreichsten deutschsprachigen Angeboten rund ums Glück. Gerade ist ihr erstes Buch: „Gib dir die Liebe, die du verdienst“ im GU-Verlag erschienen.

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Katharina Tempel

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unterstützt als Autorin und Online-Coach Menschen dabei glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen. Die Expertin für Positive Psychologie schrieb ihre Doktorarbeit über Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens. Ihre Website www.gluecksdetektiv.de und ihr YouTube Kanal gehören zu den größten und erfolgreichsten deutschsprachigen Angeboten rund ums Glück. Gerade ist ihr erstes Buch: „Gib dir die Liebe, die du verdienst“ im GU-Verlag erschienen.

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