So misslingt deine Gründung – eine Anleitung in 6 Schritten

Wir zeigen dir heute in 6 Schritten, wie du dir als glückloser Unternehmer einen Namen machen kannst und jede nachhaltige Entwicklung deiner Gründung schon im Keim erstickst. Mit Erfolgsgarantie (und einer Extraportion Ironie)!

Auf kurzfristigen Erfolg setzen

Deine Vorbilder sind Leute wie die Samwer-Brüder oder die Trivago-Gründer, die mit dem Verkauf ihrer Start-ups binnen kürzester Zeit Millionen gemacht haben? Du gründest also eigentlich nur, um deine Firma so schnell wie möglich zu verkaufen und den Rest deines Lebens in der Hängematte zu verbringen? Deine Exit-Strategie ist das einzig wirklich Durchdachte an deinem Businessplan? Sehr gut! Wer ausschließlich an den schnellen Erfolg denkt und sich um langfristige Kundenbeziehungen einen feuchten Kehricht schert, der kann eigentlich schon mal einen Termin mit dem Insolvenzverwalter ausmachen.

Immer wieder frisches Geld reinpumpen

Wenn du möglichst eindrucksvoll Schiffbruch erleiden möchtest, ist es außerdem ratsam, immer wieder neues Kapital zu beschaffen, um deine Rechnungen zu bezahlen. So kannst du ruckzuck dein Unternehmen aufblasen und völlig übertriebene Strukturen schaffen, die sich niemals selbst tragen werden. Sorge einfach dafür, dass die Zahl der Mitarbeiter und der Firmenwagen schneller steigt, als die Umsätze, und spare nicht an deinem Reisekostenetat.

Lean-Start-up ist für Weicheier, die unbedingt Erfolg haben wollen! Wer garantiert scheitern will, sollte auf keinen Fall seine Zeit damit verschwenden, über Einsparpotenziale und schlanke Strukturen nachzudenken.

Bloß nicht auf die Kunden hören

Die Pleite wird vollends unausweichlich, wenn du dich blind in dein Produkt verliebst und unbeirrbar daran festhältst – auch wenn deine Kunden eigentlich etwas anderes wollen. Mach es wie unzählige gescheiterte Unternehmer vor dir: Ignoriere die Bedürfnisse deiner Kunden zu 100% und lass dich niemals von den Reaktionen deiner Zielgruppe irritieren.

Leider gehen immer noch zu viele Gründer ergebnisoffen und flexibel an die Angebotsentwicklung heran. Sie führen sogar Interviews mit ihrer Zielgruppe, um alles über den Kundennutzen zu erfahren! Dadurch machen sie sich das Scheitern nur unnötig schwer. Diesen Fehler machst du nicht! Höre nicht auf deine Kunden, sondern zieh dein Ding durch!

Nur noch für die Firma leben

Keinesfalls unterschätzen solltest du die Auswirkungen der Work-Life-Balance auf den (Miss-) Erfolg deiner Gründung. Du solltest in diesem Punkt unbedingt darauf achten, dein Privatleben von Anfang an komplett deinem Unternehmen unterzuordnen! Wenn dich am Wochenende niemand mehr anruft, wenn du regelmäßige Mahlzeiten nur noch von früher kennst und dein Blutdruck von Woche zu Woche steigt, bist du auf dem richtigen Weg. Das alles sind sichere Zeichen dafür, dass du in kurzer Zeit nicht nur deine Gesundheit, sondern auch dein Unternehmen ruinierst.

Nur, wer langfristig Erfolg haben will, hört auf die Signale seines Körpers, schaltet einen Gang zurück und sorgt für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben.

Mit dem Businessplan das Scheitern vorbereiten

Am sichersten ist es natürlich, schon vor der Gründung die Weichen so zu stellen, dass ein Scheitern unausweichlich wird. Dein Businessplan ist dafür das perfekte Instrument. Fülle ihn 1.) mit einer Reihe von unrealistischen und völlig ungeprüften Annahmen über das Verhalten deiner Kunden oder die zu erwartenden Erträge. Rechne 2.) deine Umsätze schön, bis am Ende ein so dickes Plus in der Tabelle steht, dass sogar Onkel Dagobert vor Freude weinen würde. Und beschreibe 3.) auf mehreren Seiten dein Produkt möglichst langatmig und bis ins kleinste Detail, und spar dir dafür jede fundierte Aussage über deine Zielgruppe und ihre Nöte. Dann hast du die wichtigsten Zutaten für ein Unternehmen zusammen, das unter Garantie nicht lange Bestand haben wird.

Mit Freunden gründen

Kommen wir nun zu deinem Gründungsteam. Unser ultimativer Rat: Hol dir alle deine Kumpels ins Boot und besetze die wichtigsten Positionen in deinem Unternehmen ausschließlich nach Sympathie. Kompetenz sollte in dieser Frage überhaupt keine Rolle spielen. So stellst du sicher, dass eine Fehlentscheidung die nächste jagt, der Streit kein Ende nimmt und mithin der Tod eures Start-ups nicht lange auf sich warten lässt.

Als ambitionierter Hasardeur weißt du natürlich, dass Teams, die sich in ihren Fachkompetenzen perfekt ergänzen und darüber hinaus grundlegende Werte teilen, dafür bekannt sind, reibungslos zusammenzuarbeiten und auch schwierige Situationen zu meistern. Nicht ohne Grund gilt heute die Zusammensetzung des Gründungsteams unter Experten sogar als die wichtigste Säule des Erfolgs! Das kannst du dir zunutze machen, ganz nach dem Motto: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

Alle Beteiligten im Unklaren lassen

Noch ein letzter, todsicherer Tipp: Mach dir im Vorfeld bloß keine Gedanken über so überflüssiges Zeugs wie Strategien, Meilensteine oder Ziele – oder rede zumindest nicht darüber. Je größer die Unklarheit über die nächsten Schritte, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich in fruchtlosen Diskussionen aufzureiben. Wenn zudem die Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt sind, steht handfesten Konflikten nichts mehr im Wege – ideale Voraussetzungen, um jedes noch so aufstrebende Unternehmen an den Abgrund zu führen.

Auch für die Kommunikation mit deiner Bank gilt übrigens: weniger ist mehr. Lass deine Geldgeber möglichst lange darüber im Ungewissen, wie sich deine Geschäfte entwickeln. Sobald sich irgendwo unerwartete Löcher auftun, widme das geliehene Geld ungefragt um. Das sorgt für nachhaltig zerrütte Beziehungen und du kannst auf diese Weise mit wenig Aufwand jede Menge Sand ins Getriebe schütten. Denn eine von Misstrauen geprägtes Verhältnis zur Bank ist das Beste, was dir passieren kann, wenn du als Unternehmer stranden willst!

Natürlich gibt es noch unzählige weitere Tipps, die dir das Scheitern erleichtern. Aber aus unserer langjährigen Erfahrung in der Beratung von Gründern und Unternehmern wissen wir, dass die hier genannten sechs Schritte am sichersten zum Ziel führen und zugleich äußerst beliebt sind. Die meisten Pleitiers haben mindestens eine, häufiger aber eine Kombination aus mehreren der vorgeschlagenen Maßnahmen ergriffen, um ihr Unternehmen gegen die Wand zu fahren.

Jan Evers

Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Er hat jahrelange Erfahrung im Entwickeln von Lösungen für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer. Seine Expertise fließt in die Entwicklung des Gründungstools SmartBusinessPlan ein, womit das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtert werden.


Facebook: https://de-de.facebook.com/SmartBusinessPlan


Twitter: https://twitter.com/smartBPlan

19 Shares
Teilen19
Pin
+1
Twittern