Vom Scheitern und Weitermachen. Was es mit den Stehaufmännchen auf sich hat.

Stehaufmaennchen

Scheitern tut weh. Ganz egal ob im Privatleben oder Berufsumfeld. Wir alle kennen die Erfahrung, dass irgendetwas misslungen ist. Nicht so funktioniert hat, wie wir es uns vorgestellt haben. Im beruflichen Kontext zu scheitern kann zu einer großen psych. Belastung werden. Ganz besonders wenn Träume zerplatzen, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes droht, wenn es zu Sinn- und Identitätskrisen kommt oder sogar ganze Existenzen auf dem Spiel stehen.

Mit dem Scheitern gehen viele Gefühle einher u.a. Scham, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Selbstzweifel und Schuld. Und auch wenn im Moment der Niederlage vielleicht das Verständnis dazu fehlt, wesentlich ist es wie wir mit dem Scheitern umgehen. Ob wir daraus lernen und es in Zukunft besser machen bzw. anderes machen werden.

In unserer Gesellschaft wird scheitern nicht so gerne gesehen. Erfolg, Leistung, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Disziplin usw. JA! Aber Misserfolg? Nein! Den darf es nicht geben. Zu gerne wird mit dem Finger auf jemand gezeigt, dem etwas misslingt. Um nicht zu den Verlierern gehören zu müssen, nehmen Menschen oft sehr viel in Kauf.

Beruflich erfolgreiche Menschen sind (meist) sehr beliebt und haben viele Freunde. Gerne sonnt man sich in deren Licht und vermeidet jene, die in irgendeiner Art und Weise gescheitert sind. Oftmals ohne die Hintergründe zu kennen. Bei Misserfolgen fühlt man sich schnell einsam. Denn viele dieser Freunde sind dann auch wieder weg.

Was bei erfolgreichen Menschen teilweise übersehen wird ist, dass auch ihre Karrieren nicht immer geradlinig und ohne Stolpersteine nach oben geführt haben. Auch sie waren bestimmt nicht immer dort, wo sie jetzt sind und vor Niederlagen bleiben auch sie nicht verschont.

„Unser größter Ruhm ist nicht, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehehen“. (Nelson Mandela)

Dann sind da jene wie du (vielleicht?) und ich, die sich beruflich neu orientieren wollen. Die sich selbstständig machen wollen, mit dem was sie gerne tun. Und plötzlich ist sie da… die Angst vor dem Scheitern die manche davon abhält, neue Wege zu gehen.

Dazu gesellen sich noch gute Zusprüche von außen wie „Du bist aber sehr mutig. Ich hätte Angst vor dem Scheitern“, „Du traust dich aber was! Gerade jetzt wo sich so viel in der Arbeitswelt verändert“, „Ich würde das nicht machen! Was ist wenn es daneben geht?“ usw. Diese gut gemeinten Ratschläge verstärken die Angst vor Fehlschlägen noch mehr.

Aber kann man sich vor dem Scheitern wirklich drücken? Ist es möglich Niederlagen zu vermeiden? Ich glaube nicht! Ich bin überzeugt, dass wir alle immer unser Bestes geben aber Fehler passieren nun mal. Niemand von uns ist perfekt! Schlimmer als zu scheitern wäre für mich, es erst gar nicht versucht zu haben!

Auch ich hatte schon mehrmals Niederlagen in meinem Leben zu überwinden und diese Achterbahn der Gefühle ist mir gut bekannt. Ich habe mich geschämt und mir Vorwürfe gemacht. Ich war verzweifelt und hatte Angst. Ich war mutlos und voller Selbstzweifel. Ich fühlte mich als Opfer der Umstände und gab mir selbst die Schuld. Einige Dinge hätte ich mir gerne erspart aber im Nachhinein betrachtet, haben sie mich auch stärker gemacht. Ich habe aus diesen Niederlagen gelernt und mich weiterentwickelt.

Aber was hat es nun mit diesen Stehaufmännchen auf sich? Was machen sie anders?

Du kennst sicher jemanden, den/die man so bezeichnen könnte. Vielleicht bist du ja selbst eines? Als Stehaufmännchen werden jene Personen benannt, die nach einer Niederlage scheinbar mühelos wieder aufstehen. Und damit meine ich keineswegs Gleichgültigkeit oder das Nicht wahrhaben wollen von Fehlschlägen. Manche sind schneller wieder auf den Beinen und manche brauchen ein bisschen länger. Aber sie stehen wieder auf und machen weiter.

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Stehaufmännchen sind widerstandsfähiger. Sie besitzen die Fähigkeit Krisen leichter zu bewältigen und greifen auf persönliche und soziale Ressourcen zurück. Das sind gute, vertrauensvolle Beziehungen und die Gabe, ihre inneren Kraftquellen jederzeit anzapfen zu können. Sie erkennen und akzeptieren Dinge, die nicht zu verändern sind und wenden sich den Lösungen zu. Die gute Nachricht… Das kann man lernen!

Stehaufmännchen
Alexas_Fotos / Pixabay

Wie aktiviere ich das Stehaufmännchen in mir?

Mir ist bewusst, dass es einfach seine Zeit braucht um negative Gefühle zu verarbeiten. In manchen Situationen verändert sich die Welt von heute auf morgen. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. (Jobverlust usw.) Damit muss man erst einmal zurechtkommen. Ich habe gelernt meine Gefühle anzunehmen und sie zuzulassen. Ich schlucke nichts mehr hinunter oder versuche gar sie zu betäuben. Das habe ich vor meinem Burnout viel zu lange gemacht. Wenn ich weinen muss, dann lasse ich meinen Tränen freien Lauf. Wenn ich wütend bin, lasse ich die Wut raus. Das alles passiert natürlich in einem geschützten Rahmen.

Ich versuche so gut wie möglich, nicht in die Opferrolle zu fallen. Natürlich gibt es Situationen, wo man sich als Opfer der Umstände fühlt. Das etwas im Außen passiert, das nicht beeinflussbar ist. Aber wichtig ist es, nicht als Opfer in einer schwierigen Situation zu verharren. Schuldzuweisungen sollten hinterfragt werden. Denn, solange man dem anderen die Schuld am eigenen Leid gibt, fällt es sehr schwer Lösungen zu finden. Man kommt einfach nicht ins Handeln, fühlt sich schwach und hilflos.

Durch Fragen reflektiere ich das Geschehene. Was habe ich übersehen bzw. nicht sehen wollen? Habe ich Warnsignale ignoriert? Welchen Beitrag habe ich dazu geleistet? Wo hätte ich anderes reagieren, etwas anders machen können? Diese Fragen und die darauf folgenden Antworten sind wichtig, um es in Zukunft besser machen zu können.

Meine Aufmerksamkeit lenke ich bewusst auf positive Dinge. Ich hole herausfordernde Situationen in mein Gedächtnis zurück, die ich gut gemeistert habe und denke an Erfolge, die ich schon erzielen konnte. Und mögen diese Erfolge auch noch so klein sein. Das bedeutet nicht, dass ich mit einer rosaroten Brille durchs Leben laufe. Aber so wie es Niederlagen im Leben gibt, sind da eben auch die Lichtblicke und auf die fokussiere ich mich.

Ich mache Dinge die mir gut tun. Das kann ein Spaziergang sein, eine Wanderung oder kleine Skitour gemeinsam mit meinem Gatten, eine Zumba Stunde (die mir immer gut tut) oder Musik, die mich wieder motiviert. „Sich regen bringt Segen“ und ja, dass kann ich absolut bestätigen!

Achtsamkeit mir selbst gegenüber ist auch ein sehr wichtiger Bestandteil meines seelischen Gleichgewichts. Ich verbringe gerne Zeit mit mir selbst und dabei wird es mir auch nicht langweilig. Ich gönne mir regelmäßig Ruhe und Stille und hole so Kraft aus meinem Inneren. Für einige eignet sich hier gut Meditation, ich sitze meist still da und beobachte die Natur. Mit einer Tasse Kaffee! Auch eine Art Meditation. 😉

Was ich dir zum Schluss noch gerne mitgeben möchte…

Nach einem Misserfolg ist es nicht immer einfach an sich selbst und an eine bessere Zukunft zu glauben. Der Schmerz muss erst verarbeitet werden und das Zurechtfinden in der neuen Situation ist auch keine leichte Aufgabe. Aber denke bitte daran, dass du aus dir selbst immer Kraft schöpfen kannst und ein Neuanfang möglich ist!

Ein Artikel von Silvia Ninaus

Artikel von

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus beendete 2018 nach fast zwei Jahrzehnten ihre selbständige Tätigkeit in der Reisebranche. Nun befasst sie sich mit den Auswirkungen der voranschreitenden Digitalisierung auf Alltag- und Arbeitsleben und den Umgang mit Veränderung. Vor 12 Jahren war sie selbst von einem Burnout betroffen und hat damals alles verloren, was ihr wichtig war. Wie sie aus diesen beiden einschneidenden Erlebnissen wieder Kraft und Mut für den Neubeginn fand, möchte sie nun gerne weitergeben. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam Richtung Zukunft“.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Silvia Ninaus

Silvia Ninaus

Silvia Ninaus beendete 2018 nach fast zwei Jahrzehnten ihre selbständige Tätigkeit in der Reisebranche. Nun befasst sie sich mit den Auswirkungen der voranschreitenden Digitalisierung auf Alltag- und Arbeitsleben und den Umgang mit Veränderung. Vor 12 Jahren war sie selbst von einem Burnout betroffen und hat damals alles verloren, was ihr wichtig war. Wie sie aus diesen beiden einschneidenden Erlebnissen wieder Kraft und Mut für den Neubeginn fand, möchte sie nun gerne weitergeben. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam Richtung Zukunft“.

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