Was Stress in deinem Gehirn anrichtet.

Stress Gehirn

Hast du schon einmal Menschen erlebt, die lange Zeit unter Stress standen und hast du so was gedacht wie: „Ich erkenne den kaum wieder“ oder „Ich kenne sie so nicht?“

Es ist bekannt, dass Dauerstress der allgemeinen Gesundheit schadet. Ich habe erschreckend viele Menschen in meinem Umfeld, die schon einmal in einen Burnout geraten sind. Bis hin zu Unfähigkeit die Beine zu bewegen, Depression und Organversagen. Stress ist ein Faktor dafür.

Aber kann Stress tatsächlich die Physiologie des Gehirns verändern? Die Wissenschaft sagt ja.

Böser Stress also? Immer langsam.

Stress ist eine natürliche körperliche Reaktion

Und zwar auf psychische oder körperliche Belastungen. Sie dient dazu, in vermuteten oder realen Gefahrensituationen kurzfristig die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Meinem Bruder half die als Kind mir zu entkommen, wenn er mir Süssigkeiten geklaut hatte.

Treten Belastungssituationen nur selten auf, ist Stress nicht gesundheitsschädlich. Dauerstress dagegen hat negative Auswirkungen auf nahezu alle Organsysteme. Stress ist Mitverursacher der häufigsten und teuersten Erkrankungen in Deutschland.

Stress ist einfach eine (Überlebens-) Reaktion

Wie schädlich er letztendlich ist, hängt von seiner Intensität, Dauer und Behandlung ab. Und davon welcher Stresstyp du bist. Du kannst dir hier kostenlos einen Stresstypen-Test herunterladen.

Stress nimmt eine Vielzahl von Formen an

Manche Stressbelastung ist das Ergebnis eines einzigen, kurzfristigen Ereignisses – zum Beispiel ein Streit mit einem geliebten Menschen. Anderer Stress entsteht durch immer wiederkehrende Bedingungen, wie z.B. die Bewältigung einer langfristigen Krankheit oder eines anspruchsvollen Jobs.

Wenn wiederkehrende Bedingungen Stress verursachen, der sowohl intensiv als auch über einen langen Zeitraum hinweg anhaltend ist, kann man ihn als “chronischen” oder “toxischen” Stress bezeichnen.

Während jeder Stress physiologische Reaktionen auslöst, ist chronischer Stress besonders problematisch, da er die Funktion des Körpers und des Gehirns erheblich beeinträchtigen kann.

Studien ergaben, dass Frauen durchweg mit mehr Stress zu kämpfen haben als Männer.

Mütter sind gestresster als Manager laut einer Studie der TK.

Millennials und die Generation X haben mit mehr Stress zu kämpfen als die Babyboomer (das waren die zwischen ca. 1955 und 1965).

Und diejenigen, die mit Diskriminierung aufgrund von Merkmalen wie Rasse, Behindertenstatus oder LGBT-Identifikation konfrontiert sind, haben mit mehr Stress zu kämpfen als Menschen, die nicht regelmäßig mit solchen gesellschaftlichen Vorurteilen konfrontiert sind.

Physiologische Auswirkungen von Stress auf das Gehirn

Gehirn
024-657-834 / Pixabay

Stress ist eine Kettenreaktion. Wenn jemand ein stressiges Ereignis erlebt, sendet die Amygdala, ein Bereich des Gehirns, der zur emotionalen Verarbeitung beiträgt, ein Notsignal an den Hypothalamus.

Dieser Bereich des Gehirns funktioniert wie eine Kommandozentrale, die über das Nervensystem mit dem Rest des Körpers kommuniziert, so dass die Person die Energie hat, um zu kämpfen oder zu fliehen.

Diese “Kampf-oder-Flucht-Reaktion” ist verantwortlich für die äußerlichen körperlichen Reaktionen, die die meisten Menschen mit Stress verbinden, wie z.B. erhöhte Herzfrequenz, gesteigerte Sinne, eine tiefere Sauerstoffaufnahme und den Adrenalinschub.

Schließlich wird ein Hormon namens Cortisol freigesetzt, das dabei hilft, die bei der Reaktion verlorene Energie wiederherzustellen. Wenn das stressige Ereignis vorbei ist, sinkt der Cortisolspiegel und der Körper kehrt in den Normalzustand zurück.

Auswirkungen von chronischem Stress auf das Gehirn

Während Stress an sich nicht unbedingt problematisch ist, kann der Aufbau von Cortisol im Gehirn langfristige Auswirkungen haben. So kann chronischer Stress zu gesundheitlichen Problemen führen.

Die Funktionen von Cortisol sind Teil des natürlichen Prozesses des Körpers. In Maßen ist das Hormon völlig normal und gesund. Seine Funktionen sind vielfältig.

Neben der Wiederherstellung des Gleichgewichts im Körper nach einem Stressereignis hilft Cortisol auch bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels in den Zellen und hat einen Nutzwert im Hippocampus, wo Erinnerungen gespeichert und verarbeitet werden.

Aber wenn chronischer Stress auftritt, produziert der Körper mehr Cortisol, als er freisetzen kann.

Dann können Cortisol und Stress zu Problemen führen.

Dauerstress beeinträchtigt die Hirnfunktion auf vielfältige Weise

Ein hoher Cortisolspiegel kann die Fähigkeit des Gehirns, richtig zu funktionieren, verschlechtern.

Chronischer Stress kann die Synapsenregulation stören, was zum Verlust der Geselligkeit und zur Vermeidung von Interaktionen mit anderen führt, das belegen Studien.

Stress kann Gehirnzellen abtöten und sogar die Größe des Gehirns reduzieren.

Chronischer Stress hat eine schrumpfende Wirkung auf den präfrontalen Kortex, den Bereich des Gehirns, der für Gedächtnis und Lernen zuständig ist.

Eine hohe Stressbelastung lässt Areale des Gehirns schrumpfen oder anwachsen.

Während Stress den präfrontalen Kortex schrumpfen lassen kann, kann er die Größe der Amygdala erhöhen, was das Gehirn für Stress empfänglicher machen kann.

“Man glaubt, dass Cortisol einen Dominoeffekt erzeugt, der die Wege zwischen Hippocampus und Amygdala auf eine Art und Weise fest verdrahtet, die einen Teufelskreis schaffen könnte, indem es ein Gehirn schafft, das prädisponiert ist, sich in einem konstanten Kampf- oder Fluchtzustand zu befinden”, schreibt Christopher Bergland in Psychology Today.

Auswirkungen von Stress auf den Körper

Körper
Engin_Akyurt / Pixabay

Chronischer Stress führt nicht nur zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Funktion.

Er kann auch zu anderen bedeutenden Problemen führen, wie z.B. einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes. Auch andere Systeme des Körpers funktionieren nicht mehr richtig, einschließlich der Verdauungs-, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsstrukturen.

Toxischer Stress kann das Immunsystem des Körpers beeinträchtigen und bereits bestehende Krankheiten verschlimmern.

Die Plastizität und das Gehirn: Das Heilungssystem des Körpers

Neuroplastizität bezeichnet die Art und Weise, wie sich die Nervenbahnen im Gehirn neu bilden können.

Es stimmt, dass diese Bahnen – wie die zwischen Hippocampus und Amygdala – durch ständige Stresseinwirkung stark geschädigt werden können, aber diese Veränderungen sind nicht unbedingt dauerhaft.

Während sich Stress negativ auf das Gehirn auswirken kann, können sich Gehirn und Körper erholen.

Vor allem junge Erwachsene können sich von den Auswirkungen von Stress erholen, haben Wissenschaftler herausgefunden.

Das Alter hat einen direkten Zusammenhang mit der Reversibilität stressbedingter Schäden.

Für ältere Erwachsene ist es viel schwieriger, die Nervenbahnen wiederherzustellen oder neue zu schaffen als für jüngere.

Das heißt nicht, dass für ältere Erwachsene alle Hoffnung verloren ist

PNAS weist darauf hin, dass “Interventionen” oder Aktivitäten, die die Abnutzung des Gehirns durch Stress bekämpfen, unabhängig vom Alter wirksam sind.

Interventionen, zu denen Aktivitäten wie regelmäßige Bewegung, Sozialisierung und das Finden von Lebensinhalt gehören, ermöglichen Plastizität.

Hier kannst du nachlesen, welche Faktoren zu Stress beitragen – z. B. der falsche Beruf – und was du tun kannst um zu verhindern, dass du in einen Burnout gerätst.

Eine Anekdote zum Schluss: Als ich meine Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin und Stress Präventionstrainerin machte, hatte ich eines Tages vergessen den Wecker zu stellen. Ich raste ohne Frühstück und ungeschminkt über die Autobahn, bekam Durst, hielt an einer Tankstelle, rannte rein und suchte völlig gestresst nach Wasser. Dann stürzte ich mit Schnappatmung an die Kasse, hinter der eine gemütliche Dame stand.

“Junge Frau, wo wollen sie denn in dem Tempo hin. Jetzt beruhigen sie sich erst Mal.”

ich starrte sie an, und japste: “Zur Achtsamkeitstrainer Ausbildung”.

Wir brachen beide in Gelächter aus und ich fuhr völlig entspannt weiter. Die Welt ging nicht unter weil ich 15 Min. zu spät war.

Den meisten Stress machen wir uns selbst.

Artikel von

Jeanette

Jeanette

Ich bin Jeanette – Business Coach & Aufbruch Komplizin. Ich helfe Frauen wie dir, deinen Traumberuf zu finden und dein besonderes Talent in die Welt zu bringen, das so, nur du hast. Kurz: das Leben zu bekommen, das du verdienst. Du bekommst bei mir: 1. Selbsterkenntnis: Um zu wissen, was du wirklich willst, 2. Mut: Um dein Ziel auch zu erreichen, 3. Einen Handlungsplan: Um zu wissen, wie du dort hin kommst. www.jeanettebouffier.de Jeanette ist Systemischer Business Coach, ILP Coach, MindBody & Burnout Prävention Coach. Ihr Motto: Dein Leben. Deine Regeln.

Eine Antwort

  1. Als ehemaliger Küchenchef weiß ich nur zu gut, was Stress ist. Wenn dir die Sache aus dem Ruder läuft, hilft oft nur noch, das Chaos seinen Lauf nehmen zu lassen. Du trittst einen Schritt zurück und atmest einmal tief durch… und sagst deinen Leuten, dass es ein Problem gibt. “Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?” ist immer eine gute Frage, die erstaulich gut funktioniert. Sie hält uns vor Augen, wie klein unsere Probleme in Wirklichkeit sind.

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Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

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