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Symptome des Alltags, die dir entsetzlich bekannt vorkommen werden

Alltag

Wenn du dich erstmal an Dinge gewöhnt hast, dann kommen dir die absurdesten Vorkommnisse normal vor. Der Wahn um Schönheit und Status ist ein gutes Beispiel dafür. Menschen investieren extrem viel Zeit und Geld, nehmen Entbehrungen und Schmerzen auf sich, um einer bestimmten Vorstellung zu entsprechen.

Armeen an Grafikern sind mit allen Photoshop-Tools dieser Welt bewaffnet, um schöne Menschen noch schöner, aber Schritt für Schritt unmenschlicher, weil unerreichbar zu machen. Und wir wissen das. Wir zucken die Achseln, nehmen es als Normalzustand hin und geben vor, davon nicht beeinflusst zu werden. Wir streben aber nach dem Abnormalen und finden es normal.

Solltest du dich am Wort „normal“ nun stoßen, dann möchte ich darauf hinweisen, dass das Wort nicht wertend, sondern im „normalen“ Kontext, wie es im Alltag eingesetzt wird, gemeint ist. Ich will hier keine tiefenphilosophische Diskussion über die Bedeutung und Wertung des Wortes „normal“ vom Zaun brechen, denn es sind ja Symptomen des Alltags.

Vor ein paar Jahrzehnten war „Stress“ noch ein exotischer Begriff. Heute normal. „Smog“ war in den 80er-Jahren ein Wort, das alle mit Angst erfüllt hat. Heute normal. Ähnlich gestaltet es sich mit Worten wie „Burn-out“, „Überstunden“ oder „Mitarbeitermotivation“. Irgendwann neu. Jetzt völlig normal. Vieles, was anfänglich absurd, ungewohnt, angsteinflößend und fremdartig oder sogar abstoßend ist, nimmt mit der Zeit Normalität an. Und wir nicken, akzeptieren und gehen zum Alltag über.

Ähnlich verhält es sich mit Phänomenen, die sich in deinem Leben breitmachen. Es sind Kleinigkeiten im Alltag, die sich irgendwann einschleichen, anfänglich kaum zu bemerken, aber sie rücken irgendwann in den Mittelpunkt deiner Wahrnehmung, sorgen für Unwohlsein und Unzufriedenheit. Aber da diese Phänomene bleiben, hartnäckig sich in deinen Alltag integrieren, werden sie irgendwann einmal normal. Und du denkst nicht mehr darüber nach.

Hier eine kleine Sammlung an Symptomen des Alltags, die dir entsetzlich bekannt vorkommen werden, eindeutige Zeichen für deinen persönlichen Hamsterrad-Effekt sind und die sehr viel dazu beitragen, dass sich ein latenter Dauerzustand des Unbehagens breitmacht, der dir aber „normal“ vorkommt.

Es wohnen zwei Seelen in deiner Brust

Du bist dauernd hin- und hergerissen zwischen deinem Job und deiner Familie bzw. deinen Freunden. Ein ständiges schlechtes Gewissen sitzt dir im Nacken. Während du wieder einmal länger in der Firma bleibst, um „noch schnell etwas fertig zu machen“, denkst du den berühmten Satz „Sollte ich nicht …“. Du weißt, dass deine Familie und deine Freunde gerade zurückstecken, weniger von dir haben und du Zeit, die wichtig ist, nicht mit ihnen verbringst. Und wenn du dich einmal früher aus der Firma loseisen kannst, um Zeit mit deinen Liebsten zu verbringen, bist du nicht ganz bei der Sache. Weil das gleiche „Sollte ich nicht …“ aufkommt und du dir den Kopf zerbrichst, was der Chef oder die Kollegen sagen und ob du als unloyal oder gar faul giltst.

Bist du in der Firma, denkst du an die Familie. Bist du bei der Familie, denkst du an die Firma. Ich denke, das sollte nicht normal sein.

Der Konflikt zwischen Verspannung und Entspannung

Seit Jahren spürst du Verspannung im Nackenbereich. Es zwickt dort und da. Was dich anfänglich noch genervt hat oder dich mit Sorgen erfüllt hat, gehört jetzt einfach dazu. Denn ein wenig verspannt sind wir doch heutzutage alle. Dein Nacken und Rücken tun nun mal weh. Normal eben. Natürlich nimmst du dir hie und da Zeit für Entspannung. Und da sollte sich aber dann die Entspannung schnell einstellen. Ein Wellnesswochende, eine Massage oder ein Sprung ins Yoga-Studio sollte schon reichen.

Ich denke, Verspannungen sind nicht normal. Und Entspannung auf Knopfdruck auch nicht.

Passender Artikel:  Morgen ist Montag? 11 Tipps, die den Montag zu einem guten Tag machen.

Ich habe doch keine Zeit

Es gehört zu unserem Alltag dazu, dass wir, während wir A tun, mit dem Kopf bereits bei B sind. Es geht immer und überall um den nächsten Schritt, um das Danach, um das „Und was kommt dann?“ Was uns somit einen völligen Normalzustand suggeriert, nämlich dass nie Zeit ist, weil „es immer etwas zu tun gibt“. (Sagt uns sogar ein Werbeslogan – Danke für das Brainwashing, lieber Texter). Der Satz „Ich habe keine Zeit“ ist vermutlich in unserer westlichen Welt der am häufigsten gesagte.

Sorry, aber auch wenn ihn Tag für Tag Millionen Menschen sagen, ist er trotzdem noch immer nicht normal.

Das habe ich mir verdient

Du arbeitest viel. Du arbeitest hart. Du nimmst Herausforderungen an. Beißt dich durch, leistest Übermenschliches. Erledigst Projekte in viel kürzerer Zeit, sparst Budgets ein, wächst über dich hinaus und bist bereit, wirklich alles zu tun für den Job, den du doch im Großen und Ganzen gut findest. Und wenn du dann Erfolg hattest, dann kannst du dir auch etwas gönnen. Denn alles, was wir dann noch haben, ist uns etwas zu kaufen. Du kaufst dir etwas, um dich zu belohnen, um Frust loszuwerden, um auf andere Gedanken zu kommen, um Befriedigung in welcher Form auch immer zu erlangen.

Frust- oder Lustshoppen ist nicht normal. Weil der Effekt nur kurz anhält und du dann bald die nächste Dröhnung brauchst.

Die Flipperkugel

Du kannst dich sicher erinnern, früher mal geflippert zu haben. Wie du fasziniert warst, dass diese Kugel pfeilschnell von einer Ecke zur anderen geschossen wird und du selbst keinerlei Einfluss darauf hast, wo die Kugel sich in den nächsten Sekunden aufhalten wird. Es sind viele Faktoren, die auf die Kugel einwirken, die sie von A nach B schleudern. Und lediglich zwei kleine Hebel hast du, um die Kugel im Spiel zu halten. Es wird suggeriert, dass du mit diesen kleinen Hebeln das Spiel steuerst. Aber in Wahrheit steuert der Flipperautomat das Spiel und nicht die Hebel. Es könnte sein, dass du jetzt Parallelen zu deinem Leben erkannt hast. Diese Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufällig.

Es ist nicht normal, wie eine Flipperkugel fremdbestimmt in seinem Leben herumgeschossen zu werden und kaum Einfluss darauf zu haben, wohin es geht.

Das Labyrinth

Vielleicht warst du schon mal in einem Entertainment-Park in einem Labyrinth. Viele Wege ausprobiert, keinen Ausweg gefunden. Oft gedacht: Aber das ist es jetzt, und dann doch akzeptiert, dass es keinen Weg aus der Situation gibt. Liegt aber daran, dass du immer nur das Labyrinth aus deinen Augen gesehen hast und nicht von oben drauf schauen konntest. Unser Leben verläuft ähnlich und oft akzeptieren wir die Ausweglosigkeit.

Zu glauben, dass es keinen Ausweg gibt, ist nicht normal. Die Sichtweise zu verändern momentan vielleicht für dich auch nicht. Aber zielführend.

Die Kontrolllüge

Keine Ahnung, woher es kommt, aber irgendwie haben wir im Hinterkopf, dass es wichtig ist, stets alles im Griff zu haben. Du musst stets „Herr der Lage“ sein. Bei allem, was wir tun, streben wir danach, die Fäden in der Hand zu haben. Auch was andere Menschen betrifft, sollte ihr Verhalten unseren Erwartung entsprechen. „Kontrolle abgeben“ und „Vertrauen haben“ stellt für nahezu jeden Menschen heutzutage eine Hürde dar. Und es fällt dir auf, aber du versuchst es zu ignorieren. Je mehr du die Kontrolle über dein Leben und alles andere haben willst, umso mehr wird dir klar, dass du sie nicht hast.

Die Kontrolle zu haben ist nicht normal. Es ist nicht möglich. Es ist eine Lüge.

Ich muss mal so richtig ausschlafen

Morgens wachst du auf und du bist schon müde, bevor du noch aufgestanden bist. Die Gedanken an das, was heute vor dir liegt, machen dich im Bett bleischwer. Und den ganzen Tag über fühlst du eine Müdigkeit und Erschöpftheit, die mittlerweile ein Teil von dir geworden ist. Du kannst dich gar nicht mehr so richtig erinnern, wie es war, damals, als du dich noch wirklich ausruhen konntest. Du denkst dir aber immer wieder „Ich muss einfach nur richtig ausschlafen und dann geht das wieder.“ Das nächste Wochenende oder gar der nächste Urlaub wird das schon wieder hinbiegen. Du entdeckst aber, dass das Aufladen der Batterien nicht so reibungslos funktioniert und die Dauermüdigkeit bleibt.

Passender Artikel:  Lifestyle Business aufbauen: Wie dein Traumurlaub dir dabei hilft.

Sich immer müde zu fühlen ist nicht normal. Auch wenn du es gar nicht mehr anders kennst.

Der Challenge-Marathon

In jedem Augenblick deines Lebens hast du das Gefühl, dich beweisen zu müssen. Egal ob beruflich oder privat, du bist im Dauerduell mit deinen Mitmenschen, musst zeigen, wer du bist, was du kannst, was du erreicht hast und dass du besser bist als die anderen. Auch die Freizeit ist geprägt vom Resultat: Das Fitness-Studio soll ein Sixpack liefern, das Solarium coole Bräune, der Urlaub soll mit schönen Fotos deinen Status auf Facebook heben und vieles mehr. Du tust nichts mehr, nur weil du es tun willst, sondern weil es ein Resultat bringen soll. Und weil du besser sein willst als der „Nachbar“. Es strengt dich an, aber du kannst nicht anders.

Tag für Tag im Wettbewerb mit anderen zu stehen ist nicht normal. Du musst nicht immer und überall als Sieger, Erster, Bester hervorgehen.

Die Fehler-Phobie

Das Wort „Fehler“ schwebt wie ein Damokles-Schwert über deinem Kopf herum. Stets bist du bemüht, alles richtig zu machen, möchtest nicht, dass dich andere auf Unzulänglichkeiten hinweisen oder gar dich dabei ertappen, etwas falsch zu machen. Dein Handeln ist gelenkt von Fehler-Vermeidung. Dass Fehler nur Feedback sind, wie es noch nicht funktioniert und dass du nur durch Fehler lernst, ignorierst du. Fehler machen ist falsch, macht dich schwach, lässt dich lächerlich und unprofessionell erscheinen. Daher ist vieles in deinem Tun nicht vom „Erreichen von etwas“ geprägt, sondern durch „Vermeiden von Fehlern“.

Irren ist menschlich. Fehler machen bringt dich weiter. Aus Erfolgen lernt man nicht. So zu tun, als könne man keine Fehler machen, ist nicht normal.

Ich spreche Zynismus mit sarkastischem Dialekt

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass sich in deiner Sprache Formulierungen eingeschlichen haben, die andere Menschen verletzen können? Oder bist du jemand, der gerne Witze über andere reißt, um dann zu sagen „Das habe ich doch nicht böse gemeint“? Kann es sein, dass du für einen guten Joke auch mal andere schlecht dastehen lässt? Oder du neigst dazu, alles ins Lächerliche zu ziehen, dich darüber lustig zu machen und als Ausgangsbasis eine zynsiche Grundhaltung gegenüber deinen Mitmenschen einzunehmen? Und kann es sein, dass es dir gar nicht auffällt, sondern dass du eher stolz bist auf die Art und Weise, wie dein „cooler“ Sarkasmus auf die anderen wirkt?

Zynisch zu sein ist nicht normal. Sarkastisch zu sein auch nicht. Menschen respektvoll zu behandeln und wertzuschätzen ist der bessere Weg.

Obwohl schon längere Zeit aus den Klauen des Hamsterrades befreit, erkenne ich das eine oder andere Symptom noch immer in meinem Alltag. Ich will somit hier nicht altklug und mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt laufen und der Weisheit letzer Schluss sein. Ich möchte dir die Augen öffnen und deine Wahrnehmung schärfen, was „normal“ ist und was uns heutzutage einfach nur mehr „normal“ erscheint. Wenn du in deinem Alltag weitere Hamsterrad-Effekt-Symptome entdeckt hast, dann teile diese mit uns in den Kommentaren.

22 Comments on “Symptome des Alltags, die dir entsetzlich bekannt vorkommen werden

Melanie
27. August 2018 um 12:43

Ich möchte auch nicht mehr fremdbestimmt wie eine Flipperkugel jeden Tag durch den Alltag geschossen werden und versuche mir nun ein zweites Standbein und vielleicht in naher Zukunft eine Selbstständigkeit mit meinem Yoga & Lifestyle Blog aufzubauen. Genau zu diesem Thema habe ich Rahmen einer Blogparade einen Artikel herausgebracht. Aber lies selbst:

Selbstbestimmtes Arbeiten – Im Wandel der Arbeitswelt
https://www.ganzwunderbar.com/wandel-der-arbeitswelt/

Ganzwunderbare Grüße
Melanie

Antworten
Monika
17. August 2016 um 13:46

Lieber Markus, ich hätte zu den ganzen Punkten, die du aufführst noch eine Ergänzung. Ich empfinde es auch nicht mehr normal, wenn jemand ständig, d.h. selbst im Urlaub oder auch in der Nacht ohne Pause, zumindest telefonisch erreichbar sein muss. Es ist m.E. völlig egal, ob für die eigene Familie, Freunde, den Job oder ….. Keine Pausen mehr zu machen, nie Zeit ganz allein zu verbringen, sich nicht einmal mehr langweilen zu dürfen, gehört auch dazu.
Ich danke dir von Herzen für deine Artikel, die mich immer wieder auf charmante Weise daran erinnern, bewusst bei mir selbst zu bleiben.

Antworten
Markus
17. August 2016 um 18:46

Hi Monika
Ja, kann ich deine Ergänzungen nur zu 100% unterstreichen! Danke!
Lass es dir gut gehen!
M

Antworten
Numerologica
3. November 2015 um 8:15

Hallo Markus, ich habe jetzt Deinen Blog von hinten angefangen und lese jeden Tag eine Seite, also vier bis fünf Beiträge pro Tag. Das ist inzwischen ein Morgenritual. Ich hoffe, dass weiter vorne noch etwas kommt über den Umgang mit Fehlern. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wenn jemand, meist ein Kunde einen Fehler entdeckt, dann ist mir das peinlich, da ich ja so in der Öffentlichkeit stehe mit meinen Lehrfilmen. Dann gibt es da so was ganz Komisches: Bei manchen Kritikern finde ich die Kritik total toll und ich erfahre super Resonanz, wenn ich mich bei denen bedanke. Bei anderen nervt es mich, weil ich das Gefühl haben, die meckern nur und es ärgert mich dann auch, weil man im Bildungsbereich wirklich nicht viel Geld bezahlt, aber man will dann die Welt dafür haben.

Ich hoffe, dass in den 21 Seiten, die ich noch nicht gelesen habe noch mehr über das Thema Fehler steht, besonders, wenn man von einem Kunden im Mecker- und Anspruchston darauf hingewiesen wird, wie man damit gelassen umgeht und aus der Zitrone, die man bekommen hat, Zitronenmarmelade macht.

Ansonsten, vielen Dank für diesen tollen Blog, den ich sehr gerne lese und wo kein Ratschlag ein Schlag ist.

Antworten
Andrea St,
2. August 2014 um 20:12

Hallo Markus,

ja da ist viel wahres dran. Geschmunzelt habe ich bei der Flipperkugel. Sehr schöne Metapher. In meiner Welt eng verknüpft mit Kontroll-Lust-Zwang-Wahn. Die Übergänge sind da fließend.

Menschen sind absolut unlogisch handelnde anerkennungssüchtige Wesen. Auf der einen Seite wollen wir NORMal sein, aber für Normalität gibt es keine Regeln. NORMEN (wie Uniformen oder Schubladen in die wir nicht passen) sind uns aber zu eng, wir sind ja lieber individuell normal. Suche den Fehler im rechten Bild. ^^

Etwas beschämt war ich beim Sarkasmus. Ich war immer Stolz darauf mit Worten so spielen zu können. Da bekamen andere ihr Fett weg, aber auch ich selbst. Das ist dann Selbstironie. Oder einfach nur ein Schlag ins eigene Gesicht.

Gute Denk- oder besser: Handel-Anstöße. Danke!
Sonnigen Gruß aus Hamburg
Andrea

Antworten
Thomas Groth
30. Juli 2014 um 21:11

Zu das hab ich mir verdient und Callenge mal einTip (wenn das ok. ist)
Neil Boorman „Good bye, Logo“. das Buch rückte für mich schon vieles in neues Licht.
Sonst Marcus wie immer super Artikel, mein Problem nach wie vor die „nichts, nada“-Sache mit dem Handeln.

Antworten
Anja
6. Mai 2014 um 13:19

Hi,
ich bin noch relativ neu hier und bin begeistert! 🙂

was mir immer wieder auffällt daß viele Handlungen/Tätigkeiten im Hamsterrad nur deshalb ausgeführt werden weil man nicht will das die Kollegen oder der Chef schlecht über einen denkt oder sonst irgendwas negatives über einen denkt. Das fängt schon an bei „ich bin heute – am Montag – krank aber muss mich auf Arbeit schleppen weil sonst alle denken das ich mir ein langes Wochenende mache“ und geht in die Perfektionissmuss-Richtung.

Wenn man sich das mal bewusst macht erkennt man diese Denkweise doch es is schwer da rauszukommen und umzudenken da auch das ja mittlerweile „normal“ ist..

Antworten
Saskia
4. Mai 2014 um 14:27

sowas von immer wieder toll diese zeilen zu lesen.. thx for that
lg aus wien

Antworten
Göran Nitsche
27. April 2014 um 6:10

Hallo Markus,

eine Vielzahl wahrer Worte, gelassen nieder geschrieben. Ich denke, eine Blitzumfrage würde noch ein paar weitere Dinge ans Tageslicht befördern.

Ich kann dir in allen Punkten verschiedenste eigene Erlebnisse schildern und weiß, dass ich selbst als nur ~20% Fehler-Phobiker nur allzu häufig in fast jede dieser Alltags-Normalitäten in mehr oder weniger großen Abständen dann doch wieder rein tappe.

Das Wissen oder eher das Bewusstsein dieser Unvollkommenheit (die ja schon biblisch begründet ist) hilft aber, mit etwas Abstand zerschmissenes Porzellan wieder zu kitten.

Zur Frage der Normalität von Menschen schwebt mir vor dem geistigen Auge auch stets das Buch „Jeder ist normal, bis du ihn kennenlernst“ von John Ortberg.

Man kann das vortrefflich abwandeln nach: „Alles ist normal, bis du deswegen auf die Fresse geflogen bist“ (hmm, den Buchtitel muss ich mir sichern…) und wäre nah dran an der Quintessenz deiner Worte.

Liebe Grüße,

Göran

Antworten
Markus Cerenak
7. Mai 2014 um 10:32

danke für den tipp, göran!
Lass es dir gut gehen!
m

Antworten
Beate
26. April 2014 um 15:14

zum Thema Stress habe ich gerade etwas sehr interessantes gelesen bei Ella Kensington alias Bodo Deletz, der es wiederum in einem Newsletter eines Seminarveransstalters im Frankfurter Raum gelesen hat:

„- Wieviel Stress haben Sie im letzten Jahr erfahren? Viel, mittel, wenig?

– Glauben Sie, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet?

Diese Fragen haben in einer amerikanischen Studie 30.000 Erwachsene beantwortet. Vielleicht werden auch Sie über das Ergebnis staunen, das ich Ihnen hier vorstellen möchte. Man hat in den öffentlichen Registern geforscht, wer von diesen Personen gestorben ist.

Jene, die angaben viel Stress erlebt zu haben, hatten ein um 43% erhöhtes Risiko zu sterben. Aber das traf nur auf Personen zu, die der Überzeugung waren, Stress sei schädlich für ihre Gesundheit. Alle anderen, die diese Ansicht nicht teilten, hatten interessanterweise das geringste Sterberisiko, sogar weniger als jene, die angaben, sie hätten nur wenig Stress im letzten Jahr!

Es wird noch spannender: Menschen, die angaben, sie nehmen sich Zeit, um für Andere zu sorgen, zeigten keinerlei stressbedingten Anstieg beim Sterberisiko. Sich für andere einsetzen, erhöht sogar unsere Resilienz gegenüber Stress! Wie Sie positive Emotionen, Optimismus und Resilienz nähren und zu einem erfüllten Leben finden können, dazu finden Sie in unserem Programm viele Angebote!

Aus dem Newsletter April 2014 von Brita C. Dahlberg, Frankfurter Ring“

Die anderen „Normalitäten kenne ich auch, manche konnte ich bereits entlarven und abstellen, bei einigen ertappe ich mich immer wieder und das eine oder andere merke ich oft gar nicht. V.a. der Zynismus und Sarkasmus wird mir erst nach und nach bewusst, oft tut mir das dann hinterher leid, aber dann ist es schon raus.
Achtsamkeit in jedem Augenblick wird mir daher immer wichtiger.

Danke für die schöne Aufstellung.

Antworten
Markus Cerenak
7. Mai 2014 um 10:33

super ergänzung, beate
lg m

Antworten
Knut
25. April 2014 um 23:32

Interessanter Blogpost . . . Insbesondere die „Fehler-Phobie“ hat mich gerade sehr nachdenklich gemacht. Danke für die Inspiration zum Umdenken.

Antworten
Birgit
25. April 2014 um 22:18

Danke!

Antworten
Copyright Media Solutions
25. April 2014 um 20:13

Es ist absolut nichts falsches mit solchen Begriffen normal umzugehen bzw. sie als „normal“ anzusehen. Denn sie sind nun einmal auch ein großer Bestandteil in unserer Gesellschaft, leider wohlgemerkt!

Ich stimme dir in einigen Punkten in deinem Artikel wirklich zu! Klasse Artikel wieder einmal.

Antworten
Anja
25. April 2014 um 18:09

Hallo Markus,

tolle Punkte und so wahr!

Aus dem „Ich habe keine Zeit“ ist bei mir schon lange ein „Ich nehme mir keine Zeit“ geworden.

Eins kenne und höre ich jedoch immer und immer wieder. Noch dieses Projekt und dann bestimmt arbeite ich wieder weniger … Im kommenden Jahr wird alles anders, da steht die Arbeit nicht mehr so im Vordergrund … Da ist halt gerade dieser wichtige Termin und bis dahin, aber danach …

Immer wieder wird das eigene Leben zugunsten „fremdgesteuerter“ Ideen und Projekte verschoben, eine tatsächliche Veränderung findet nicht statt. Und „normal“ ist das ebenfalls nicht.

Viele Grüße aus Berlin,
Anja

Antworten
Sophie Appl
25. April 2014 um 14:23

Hallo Markus,

ich liebe deinen Blog. Ich bin aus dem Hamsterrad ausgestiegen und kämpfe um meine Leidenschaft. Wenn es hart ist und ich manchmal zweifle und deine Blogposts lese, wird mir schlagartig wieder bewusst, dass alles okay so ist wie es ist. Ich weiß nicht genau, wie alles ausgehen wird. Aber ich bin frei und weiß, dass ich diese „Normalität des Arbeitslebens“ auf keinen Fall wieder haben will. Ich will positiv sein in einem ungesunden System. Muss doch möglich sein 🙂

Liebe Grüße, Sophie

Antworten
JonaMo
25. April 2014 um 11:56

Lieber Markus,
für diesen Artikel möchte ich dir einfach nur Danke sagen! Er ist ein toller Bewusstseinsöffner und regt sehr zum Nachdenken an.

Auch mir ist dabei einiges bewusster geworden. Ja, es ist tatsächlich so, dass wir vieles als normal bezeichnen und einfach hinnehmen anstatt es zu ändern. Denn wer fühlt sich mit diesen Normalitäten schon wohl? Die meisten Menschen vermutlich nicht. Und trotzdem tun wir es weiterhin.

Du hattest mal einen guten Tipp geschrieben, sich Zettel neben den PC zu hängen. Mein wichtigster ist seitdem: „Wofür tue ich das? Wohin bringt es mich?“ Das hat bereits vieles verändert und mir die Augen für Gewohnheiten geöffnet. Danke auch im nachhinein nochmal dafür!

Ein lieber Gruß von JonaMo

Antworten
Holger
25. April 2014 um 10:55

Hallo Markus,

erstmal ein großes DANKE an dich! Finde deine Artikel und Podcasts immer wieder sehr inspirierend.
Natürlich gebührt auch ein großer Dank an deinen „Geschäftspartner“ (ich weiß, er mag das Wort nicht, aber du nutzt es normalerweise… oder besser üblicherweise) Jakob, der immer dafür sorgt, dass die Technik passt!

Über den aktuellen Fall denke ich auch sehr häufig nach und komme immer wieder zu dem Schluss, dass das Wort „Normal“ die Eigenschaften des Wortes „Üblich“ übernommen hat, was aber keineswegs dazu führen sollte, dass das Übliche zur Normalität werden muss oder soll.

Ich versuche aus diesem Grund seit einiger Zeit alle Situationen und Eigenheiten in der Art zu hinterfragen, ob es nun eben normal oder doch nur üblich ist. So schaffe ich es tagtäglich den von dir genannten Wechsel der Sichtweise zu schaffen und zu erkennen, dass man doch so einiges an der „Normalität“ ändern kann, also immer ein Ausweg aus dem Labyrinth vorhanden ist.

Sonnige Grüße
Holger

Antworten
Michaela
25. April 2014 um 10:42

Lieber Markus,
beim Lesend deines Artikels ist mir viel bekannt vorgekommen. Die ständige Müdigkeit, die ich gar nicht mehr weg bringen konnte, weil ich mich in meinem Job aufgerieben und trotzdem nicht genügt habe. Ich habe vor kurzem meinen Job aufgegeben und versuche nun wieder meine innere Ruhe zu finden.
Dass Stress ein „normales“ Wort in unserem Alltag geworden ist, nervt mich schon sei langem. Ich persönlich mach mir keinen Stress und habe auch keinen. Dieses Wort verwende ich so gut wie nie und lehne es auch ab, wenn es jemand im Zusammenhang mit mir verwendet.
Entspannung – genau das gleiche. Warum kann ich nicht entspannt arbeiten. Warum gibt es Entspannung nur in der Freizeit? Warum ist es meist nur entspannend nichts zu tun oder sich entspannen zu lassen?
Mein nächster Schritt – meinen Weg, durchs Labyrinth weitergehen, bis ich draußen angelangt bin. Bis dahin Alles Liebe! Michaela

Antworten
Martina Wald/jedentagzeichnen
25. April 2014 um 10:01

Großartig erkannt und zusammengefasst.

Antworten
Ruppert
25. April 2014 um 9:58

Gestern einen Blogpost mit 7 Denkfehlern in Sport und Training geschrieben. Eigentlich wollte ich noch einen Punkt 8 mit aufnehmen: Die Fehler Phobie! Die leider viele Menschen so sehr im Griff hat, dass diese sich nichtmal trauen, ein (Trainings-)Ziel zu formulieren und es anzugreifen. Denn man könnte ja was falsch machen, oder scheitern. Weltuntergang, vor allem wenn es jemand mitbekäme!
Führte für meinen Post dann doch deutlich zu weit. Von dir, Markus, hier sehr schön auf den Punkt gebracht.

Ansonsten denke ich, dass „Die Flipperkugel“ und „Die Kontrolllüge“ zusammenhängen. Forscher aus der positiven Psychologie wissen, dass Kontrollstreben an sich etwas normales ist, weil es uns Sicherheit gibt und glücklich macht. Natürlich ist das Leben als Ganzes nicht kontrollierbar, da hast du völlig Recht (ich verstehe, warum du die Idee philosophisch ablehnst). Aber eben dieser fiese Flipper-Effekt, der uns so machtlos dastehen lässt, führt vielleicht dazu, dass manch einer kompensatorisch besessen davon ist, bestimmte Teilbereiche, Beziehungen, andere Menschen zu kontrollieren.

Die „gesunde“ Empfehlung dieser Forscher? Einen kleinen Kreis der Kontrolle aufbauen. In Dingen, die man WIRKLICH realistisch kontrollieren kann. Wirklich kleine Brötchen backen. Das kann mit einem aufgeräumten Schreibtisch und einem ordentlichen Ablagesystem anfangen. Und von dort ausgehend den Kreis langsam vergrößern.

Es geht nur darum, dass das Gefühl, zumindest kleine Teilbereiche im Griff zu haben, eine starke „Glücksdividende“ abwirft. Vielleicht zumindest eine Idee für alle Flipperkugeln da draußen 🙂

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Markus Cerenak

Markus Cerenak

Markus Cerenak hat die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad ins Leben gerufen. Er möchte mit dieser Webseite Menschen unterstützen ihre Leidenschaft im Leben zu finden. Das zu tun, was sie lieben und nicht eine Sekunde davon als Arbeit empfinden. Und dir helfen alle Hamsterräder endgültig aus deinem Leben rauszukicken!

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