Tagebuch 2.0: Warum wir auch im 21. Jahrhundert zu Papier und Stift greifen sollten

Tagebuch

Wir alle kennen es: Das gute altbewährte Tagebuch.

Selbst wenn Du Dich nicht zu denjenigen zählst, die ein solches Buch in ihrer Kindheit geschrieben haben oder auch jetzt noch schreiben, so weißt Du sicher, warum es andere tun: Festhalten von Gedanken, Wünschen, Bedürfnissen, Erlebnissen oder Geheimnissen.

Das Tagebuch ist also eine Art imaginärer Zuhörer oder die analoge externe Festplatte Deines Gehirns. In der Vergangenheit wurde das Tagebuchschreiben durch die rasante Digitalisierung etwas in den Hintergrund gedrängt und zeitweise sogar als altmodisch angesehen.

Doch gerade dieser unaufhaltbare technische Fortschritt ist es, der nun das Schreiben mit Stift und Papier wieder aufleben lässt. Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit rufen regelrecht nach Achtsamkeit, Entspannung und gelegentlichem Abmelden aus der digitalen Welt.

Ein modernes Tagebuch bietet nicht nur die Hilfestellung, um im Moment zu leben, sondern integriert auch Zielplanungen und deren Auswertung.

Mit Tagebuch 2.0 sind also im Folgenden derartige Tagebuchstrukturen gemeint, die neben dem Verarbeitungsprozess auch planerische Aspekte beinhalten. Das Tagebuch 2.0 – ein Update des klassischen Tagebuches

Mein erster Kontakt mit dem Tagebuchschreiben

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Free-Photos / Pixabay

Zugegebenermaßen sah ich lange die Notwendigkeit für das Notieren meiner Gedanken, bis ich im Studium einen Kurs für Auftrittstraining und mentale Stärke besuchte.

Als selbstkritischer und perfektionistischer Mensch stieß bei mir die vorgestellte Methode des Erfolgsjournals auf großes Interesse.

Das Erfolgsjournal: letztlich ein simples Notizbuch, in das regelmäßig am Tagesende positive Erfolge, Erlebnisse und erreichte Ziele zusammengefasst werden und somit eine positive Grundeinstellung entwickelt werden soll.

Erstaunlich, wie simpel sich Gedanken lenken lassen. Völlig begeistert von den schnellen Erfolgen probierte ich weitere Formen solcher Journale für Bereiche wie Beruf, Wünsche, Ziele, Ideen, Gedanken etc. aus.


Da aber das gleichzeitige Führen von gut sieben Büchern mehr zum Stress wurde, entschied ich mich, mein ganz persönliches Buch zu gestalten und alle Bedürfnisse in einem zu vereinen.

Auch wenn der Inhalt dieser Bücher eine große Rolle spielt, so ist das Schreiben per Hand schon ein erster Schritt zur Besinnung auf sich selbst und zur individuellen Selbstreflexion.

Warum handschriftlich Notieren?

  • Verbesserung/Training von Koordination und Feinmotorik
  • Förderung von Wortschatz, Kreativität und Textverständnis
  • Weiterentwicklung der Persönlichkeit
    Erforschen von Bedürfnissen und Wünschen
  • Geistige Fitness durch Stimulation bestimmter Hirnareale
  • Allgemeine Fähigkeit zur Strukturierung und Organisation

Schreiben per Hand ist eine Art Selbstcoaching und Anpassung an den individuellen Lebensrhythmus und das eigene Zeitempfinden.

Hast Du Dich also erst einmal für das handschriftliche Schreiben entschieden, so sind der Inhalt und die Gestaltung nur noch ein weiterer Ausdruck Deiner Bedürfnisse.

Möglicher Inhalt

Es hat sich bewährt, an den Anfang des Buches eine allgemeine Auswertung bisher erreichter Ziele und Wünsche zu setzen.

Hiermit sollen in Form einer Liste der Ist- und der Sollzustand aufgeführt werden, um Deine Lebensausrichtung und Bedürfnisse zu erkennen.

Diese Listen behandeln zum Bespiel die Bereiche Beruf, Familie, Gesundheit, Hobby, Interessen, Finanzen und Persönlichkeit.

Das Bedürfnis zu solchen Auflistungen kann immer wiederkehren, was ein Zeichen für Neusortierung ist und somit ein Indiz für die Weiterentwicklung.

Tagesplanungen und Vorhaben können nun ganz einfach in eine abendliche Schreibroutine integriert werden. Vorab sollte allerdings der jeweils vergangene Tag betrachtet und erreichte Ziele, Erfolge und Erlebnisse in Erinnerung gerufen werden.

Für diese Ausrichtung auf Positives eignet sich eben die schon erwähnte Methode des Erfolgsjournals.

Frust und negative Gedanken sind in dem Tagebuch 2.0 selbstverständlich auch erlaubt, allerdings in Verbindung mit z.B. positiven Affirmationen, um positive Lebensausrichtung unter dem Aspekt des Selbstcoachings zu fördern.

Passender Artikel:  Symptome des Alltags, die dir entsetzlich bekannt vorkommen werden

Nach dem Rückblick/Logbuch, dem Kernstück des Tagebuches , sollte in die Zukunft geblickt und Vorhaben für Folgetage geplant werden.

Auch wenn Du noch nicht verarbeitete Gedanken am Abend niederschreibst, ist nachgewiesen, dass unser Gehirn auch im Schlaf verarbeitet, weshalb wir nach dem Aufstehen mit einer Morgenroutine ein kurzes Reset unserer Gedankenwelt durchführen können. Das Schreiben von sogenannten Morgenseiten ist eine

Technik, hat meditativen Charakter und den Fokus auf das Flow-Gefühl.

Unter Vorgabe einer bestimmten Seitenzahl oder eines Zeitraumes werden alle Gedanken wie auch ablenkende Sinneseindrücke im Fließtext niedergeschrieben.

Letztlich erhältst Du eine 1:1-Kopie Deiner Gedanken ohne Regeln und ohne richtig oder falsch. Zum Thema Morgenseiten kann ich Dir an dieser Stelle das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron empfehlen.

Stellt sich noch die Frage, wie mit To-dos umzugehen ist: Wenn Du sie nicht zwingend digital benötigst, können diese auf ein extra Papier geschrieben werden und dienen zugleich als Lesezeichen für Dein Buch. Halte Dir außerdem Platz für kreative Ideen und Notizen in Deinem Tagebuch frei.

Material und Gestaltung

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rawpixel / Pixabay

Lege Wert auf hochwertiges Material. Der Kauf eines Buches in einer Papeterie kann übrigens schon zu einer kleinen Entspannungszeremonie werden.

Bei der Frage, ob Blankoseiten oder liniertes Papier, rate ich – solltest du Dich nicht entscheiden können – zu gepunktetem Papier als Kompromiss.

Es ermöglicht freie Zeichnungen und Bilder, bietet aber genügend Orientierung für geradliniges Schreiben. Das Format des Buches sollte nicht kleiner als A5 sein.

Im Idealfall wird ein hochwertiges Schreibgerät, z.B. ein Füller, verwendet, da er das Gefühl von Wertigkeit und Selbstachtung unterstreicht. Andere Stiftarten, Marker und Post-its machen bei der optischen Gestaltung ein solches Buch noch individueller und persönlicher.

Wenn Du mehr zum Thema Gestaltung der Planungseinheiten erhalten möchtest, wäre die Bulletjournal-Methode von Ryder Carroll zu empfehlen – ein ausgeklügeltes und effizientes System zum individuellen Planen.

Schreibstiel und -struktur

Der Schreibprozess soll offen und flexibel sein, weshalb man sich auch nicht auf Stichpunkte oder nur Fließtext festlegen sollte.

Stichpunkte eignen sich für das Auswerten und Aufzählen erzielter Erfolge oder Affirmationen.

Genauso bergen sie aber die Gefahr, zu viel Geradlinigkeit zu unterstützen und hemmen unter Umständen die gewollte Persönlichkeitsentwicklung innerhalb des Tagebuches. Ebenso gilt dies für das Schönschreiben.

Niedergeschriebene Gedankenströme oder Verarbeitung von Situationen müssen nicht noch einmal gelesen werden, weshalb das äußere Erscheinungsbild zweitrangig ist.

Anders verhält sich dies beim Aufführen von Erfolgen, Glücksmomenten etc. Da es Sinn macht, sich positive Aspekte immer wieder vor Augen zu führen und darin quer zu lesen, solltest Du Wert auf ein sauberes Schriftbild legen.

Im Allgemeinen hat das Schönschreiben auch eine beruhigende Wirkung.

Die einzelnen Bereiche, die Dein Buch enthalten soll, kannst Du entweder in der gleichen Abfolge immer wiederkehrend eintragen, oder Du entscheidest Dich dafür, das Buch beidseitig zu beschreiben.

In diesem Fall werden beispielsweise alle planerischen und stichpunktartigen Auswertungen von vorne eingetragen, und der Fließtext wird von der letzten Seite durch Wenden des Buches begonnen.

Zeitpunkt des Schreibens

Der Zeitraum, in dem Du schreibst, sollte sich zu einer Regelmäßigkeit und zu einem Ritual entwickeln.

Natürlich ist der Zeitpunkt auch vom Inhalt abhängig, da wir am Abend auf den Tag zurückblicken können, während wir bei einem morgendlichen Schreibritual zum Beispiel Träume verarbeiten oder uns noch einmal vor dem Start in den Tag unserer Gedanken entleeren können.

Idealerweise wird das Tagebuch ein Begleiter im Alltag, mit dem Du Deinen persönlichen Tag beginnst und beschließt.

Je ehrlicher und offener Du selbst zu Dir bist und darüber schreibst, umso mehr Wahrheiten und Antworten wirst Du auch über Dich erfahren können.

„In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser hineinzuschreiben meinte.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Artikel von

Johannes Potzel

Johannes Potzel

Johannes Potzel, geb. 19.07.1989 in Bayreuth, absolvierte den künstlerischen und pädagogischen Diplomstudiengang mit Hauptfach Trompete an der Hochschule für Musik Würzburg. Aktuell ist er als stellvertretender Solotrompeter bei der Neuen Philharmonie Westfalen beschäftigt. Neben musikalischen Engagements in u. a. Opern- und Sinfonieorchestern ist Johannes Potzel seit 2006 Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland e. V.. Vor allem die Bühnenerfahrung als Musiker und Zauberkünstler bildeten bereits in jungen Jahren den Auslöser für die Faszination der Arbeit in den Bereichen TV und Film. So sammelt er aktuell Erfahrung bei Showformaten und als Darsteller vor der Kamera.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Johannes Potzel

Johannes Potzel

Johannes Potzel, geb. 19.07.1989 in Bayreuth, absolvierte den künstlerischen und pädagogischen Diplomstudiengang mit Hauptfach Trompete an der Hochschule für Musik Würzburg. Aktuell ist er als stellvertretender Solotrompeter bei der Neuen Philharmonie Westfalen beschäftigt. Neben musikalischen Engagements in u. a. Opern- und Sinfonieorchestern ist Johannes Potzel seit 2006 Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland e. V.. Vor allem die Bühnenerfahrung als Musiker und Zauberkünstler bildeten bereits in jungen Jahren den Auslöser für die Faszination der Arbeit in den Bereichen TV und Film. So sammelt er aktuell Erfahrung bei Showformaten und als Darsteller vor der Kamera.

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