Warum dein Traumberuf dich bald unglücklich macht

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Ich habe meinen Traumberuf erlernt. Ich bin Designerin und ich habe damit einen guten Job in einem deutschen Verlag gefunden. Klingt cool?

War es auch.

Zuerst.

Ich mochte meine Arbeit im Verlag: Magazine und Bücher layouten ist eine Fertigkeit, die nicht jeder Grafiker beherrscht, aber ich kann es und ich durfte es sogar jeden Tag machen. Als ich ins Berufsleben einstieg, war ich euphorisch: Endlich eigenes Geld – und das ganz bequem jeden Monat aufs Konto. Was will man mehr?

Ja, was will man mehr? – Einiges! Das merkte ich relativ schnell. Ich wurde in meiner Anstellung so unglücklich, dass ich selbst überrascht war. Und das trotz des vermeintlichen Traumberufs.

Ich bin mittlerweile seit einem Jahr selbstständig. Und nicht nur selbstständig, sondern auch glücklich. Und deswegen erzähle ich dir jetzt, welche festgefahrenen Denkmuster ich persönlich aufgeben musste, um endlich zu tun, was mir wirklich Freude macht: Mein eigenes Business!

Das böse Erwachen

Mit den ach so tollen Perspektiven und Aufstiegschancen locken viele Unternehmen, aber letztlich will trotzdem keiner einen Angestellten, der selber mitdenkt und Vorschläge macht. Oder der es wagt, neben der Arbeit auch noch Freizeit und Familie zu wollen. Bloß nicht! Solche Leute sind viel zu anstrengend.

Einstempeln um 8 Uhr, ausstempeln um 17 Uhr. Jeden Tag bis zur Rente? Nein danke. Mein Job war nur, zu funktionieren und bitte bloß nicht mitzudenken. Nach dem Motto: “Sei ein fleißiges Bienchen und frag brav nach dem nächsten Auftrag, wenn du fertig bist.” Gehirn einfach morgens am Eingang abgeben und dann nur noch Aufträge abklappern.

Diese Suppe an Durchschnittlichkeit hat mich richtig gelähmt. Hinzu kam, dass jeder im Unternehmen wusste, dass es bergab geht und dass man mit reinem Traditionsdenken nicht mehr lange am Markt bestehen kann. Mit Volldampf in den Abgrund und alle sehen zu – das war mein Gefühl, wenn ich an meine Arbeitsstelle dachte.

Jeden Tag wurde ich unzufriedener mit meiner Lebenssituation. Das war nicht das Leben, das ich die nächsten 30-40 Jahre führen wollte! Ich wollte mir meine Arbeitszeiten und meine Kunden aussuchen, mitdenken und selbst vorgeben, wo die Reise hingeht! Einfach eine neue Arbeitsstelle zu suchen, war also schonmal keine Option.

Irgendwann gesellten sich zu diesen zermürbenden Gedanken morgendliche Bauchschmerzen und der Wunsch, endlich mal krank zu werden, um nicht jeden Tag zur Arbeit zu müssen. Meine Unzufriedenheit war irgendwann so groß, dass meine Leistung darunter litt.

Ich hatte innerlich so weit abgeschaltet, dass ich gar keine Lust mehr hatte, mein Bestes zu geben. Der Unterschied zwischen durchschnittlicher und hervorragender Arbeit schien doch eh keinen zu interessieren.

Vom Traumberuf zum Traumjob – 3 Jahre lang umdenken lernen

Arbeit macht Freude und motiviert, wenn sie unter den richtigen Bedingungen stattfindet. Der Wunsch nach Freiheit ist ja auch nicht der Ruf nach weniger Arbeit, im Gegenteil:

Niemand will den ganzen Tag nur Cocktails schlürfend in der Hängematte liegen.

Zumindest nicht sein ganzes Leben lang! Jeder sucht nach einer sinnvollen Tätigkeit. Genau diese Freude an einer sinnvollen Tätigkeit kam mir aber komplett abhanden.

Die Entscheidung zu treffen, selbstständig zu werden, war leicht. Sie umzusetzen hingegen weniger. Den Entschluss in die Tat umzusetzen, hat mich drei Jahre gekostet. Immer wieder drehte ich mich im Kreis und stellte mir dieselben Fragen:

  • “Was möchte ich für meinen Wunsch opfern?”
  • “Bin ich wirklich gut genug?”
  • “Soll ich auf einen sicheren Arbeitsplatz verzichten?”
  • “Was ist, wenn das Geld nicht reicht?”

Mit solchen Blockaden kann man sich ewig vormachen, dass es keine gute Idee ist, etwas zu riskieren. Aber wenn ich eines in meinem ersten Jahr als Selbstständige gelernt habe, dann: Es gibt weder den richtigen Zeitpunkt noch die optimalen Umstände!

Wer darauf wartet, wird im Hamsterrad alt und grau!

Ich versuchte Schritt für Schritt meine negativen Glaubenssätze loszuwerden und suchte mir Vorbilder unter den erfolgreichen Online Marketern. Das ist ein wichtiger Tipp:

Such dir keinen Rat bei Freunden und Verwandten! Sie blockieren dich nur, weil sie dieselben Ängste haben wie du. Suche nach Personen, die den gleichen Weg schon gegangen sind.

Aber mir fehlte immer noch etwas der Mut, den entscheidenden Schritt zu gehen. Ich mochte meine Kollegen im Verlag und da war immer eine Stimme, die zu mir sagte:

  • Ach komm, reiß dich zusammen, andere Menschen haben Spaß an diesem Job!
  • Sei doch mal dankbar für das, was du hast!
  • Und außerdem ist es doch viel sicherer, jeden Monat ein festes Gehalt zu bekommen, oder?

Es klingt schon fast wie eine dumme Ausrede: Erlaube dir bloß nicht, etwas zu riskieren – so schlimm ist die derzeitige Situation doch auch wieder nicht.

Apropos finanzielle Sicherheit: Wer sagt denn, dass es keinen Weg zurück mehr gibt? Ja, niemand! Ich brauchte etwas, woran ich mich klammern konnte und überlegte mir für den “Notfall” eine Exit-Strategie.

Und ganz ehrlich: Hier im deutschsprachigen Raum kann uns doch fast nichts passieren. Unser Sozialsystem ist so stark ausgebaut, dass hier jeder Netz und doppelten Boden unter den Füßen hat. Wer hier fällt, der fällt einigermaßen weich! Nicht, dass es so kommen sollte, aber es hat mich zumindest beruhigt.

Ein Testlauf im Kleinen

Ich reduzierte meine Arbeitszeit von Vollzeit auf Teilzeit. Das war ein guter Start, um langsam umzudenken und eine neue Lebensgrundlage zu schaffen.

Ich löste mich gedanklich von der Abhängigkeit eines festen Gehalts und überlegte mir stattdessen, auf welche Extras ich verzichten konnte, um im Gegenzug die Freiheit zu besitzen, mein eigenes Business aufzubauen.

Mein Mann ist übrigens schon selbstständig gewesen, als wir geheiratet haben. Das Gute liegt so nah, heißt es doch immer. Während ich nur noch in Teilzeit beschäftigt war, konnten wir uns daran gewöhnen, zusammenzuarbeiten.

Im Februar 2014 war es dann soweit: Meine Kündigung lag auf dem Tisch der Geschäftsführung.

Hat ja gar nicht wehgetan!

Rückblickend muss ich sogar zugeben: Ich hätte noch viel eher kündigen können. Warum?

1. Ich bedeutete meiner Firma gar nichts! Du hältst dich selbst für wichtig und unersetzlich, aber das bist du gar nicht. Ich war wirklich erstaunt darüber, wie schnell ich abserviert wurde, als die Kündigung erstmal ausgesprochen war. Fazit: Loyalität einer Firma gegenüber ist einen Dreck wert! Dafür deine eigenen Ziele zu opfern, ist Irrsinn.

2. Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht! Du wirst nur älter und unglücklicher, das war's.

3. Du brauchst viel weniger zum Leben, als du denkst. Sich vorübergehend einzuschränken tut nicht so sehr weh, wie für immer in einem Job festzuhängen, den man nicht mag.

Wer sich an einen bestimmten Kontostand am Ende des Monats gewöhnt, verbaut sich die echten Chancen im Leben. Nämlich die, die zu mehr Lebensqualität führen.

Was ich jetzt tue:

Inzwischen leiten mein Mann und ich eine gemeinsame Agentur für Unternehmensstrategie und visuelle Kommunikation. Das ist klasse, weil wir endlich mehr Zeit miteinander verbringen können. Wir können uns außerdem gegenseitig motivieren und wir arbeiten für ein gemeinsames Ziel.

Das gibt mir auch den Raum, mich um mein eigenes Projekt zu kümmern: Vanilla Mind. Ein Blog für selbstständige Frauen, die lernen möchten, sich besser zu verkaufen und in Verhandlungen ihren Mann zu stehen.


Ein Gastartikel von Melina Royer

Melina Royer, ist Creative Director und hat etliche Jahre lang artig versucht, eine vorbildliche Angestellte zu sein. Hat nicht geklappt: Ein 9-to-5-Job war einfach nicht das Wahre.

Jetzt ist sie Freelancer und für die Kreativkonzepte von mittelständischen Unternehmen verantwortlich.

Mit Vanilla Mind hat sie ein Online-Business gestartet, das selbstständigen Frauen hilft, positive Glaubenssätze und mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

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