Wie Du mit der Veränderung von Menschen umgehst

Veränderungen von Menschen

Da ich online als Trauerbegleiterin sichtbar bin, darf ich immer wieder neue Menschen kennenlernen, welche mit ihren Fragen an mich herantreten. Da ich denke, dass dieser Gedanke einige Menschen umtreibt, möchte ich in diesem Artikel gerne näher darauf eingehen.

«Wie gehe ich damit um, wenn sich ein Mensch durch eine Krankheit so stark verändert, dass ich die geliebte Person bereits vor dem Tod verliere?»

Der Auslöser für diesen Text ist ein Vater, welcher sich durch Parkinson nach und nach verändert. Aus diesem Grund sind die unten aufgeführten Beispiele auf die Vaterfigur bezogen. Selbstverständlich sind sie allgemeingültig.

Sie verlieren ebenfalls keine Bedeutung, wenn ein Mensch sich aus freien Stücken verändert. Dies geschieht beispielsweise durch die bewusste Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Bekannte Verhaltensmuster zu verändern, kann für das Umfeld teilweise befremdlich wirken und verdrängte Befürchtungen aufzeigen. Wie so oft, hilft auch hier gegenseitiges Verständnis.

Die Akzeptanz, dass sich alles stets in Veränderung befindet, bringt neue gemeinsame Chancen.

Alles neu und doch bekannt

Du kennst vielleicht aus eigener direkter oder indirekter Betroffenheit selbst Situationen, in denen nahestehende Personen mit Schicksalsschlägen konfrontiert werden: Der Mann einer Freundin ist an Demenz erkrankt.

Ein Bekannter bekam kurz nach seiner Rente die Krebsdiagnose. Deine ehemalige Ausbilderin rief beim letzten Zusammentreffen unzusammenhängende Sätze über den Bahnhofsvorplatz.

Viele Krankheiten verändern das Verhalten von Menschen, welche wir seit Jahren zu kennen glauben. Lange habe ich mich vor dem Schreiben dieses Artikels gedrückt, denn meine persönliche Betroffenheit kommt hier ebenfalls an die Oberfläche.

Meine Mama hatte während meiner Jugend schwere depressive Phasen. Diese wurden irgendwann von psychotischen Zuständen, vergleichbar mit einer Schizophrenie, abgelöst.

In dieser Zeit war sie weder sich selbst, noch verhielt sie sich mir gegenüber wie eine Mutter. Somit ist mir dieses Phänomen bestens bekannt und die Komplexität sehr vertraut.

Doch auch andere Krankheiten lassen bekannte Wesenszüge verschwinden. Nebst psychischen Erkrankungen weisen leider viele weitere Erkrankungen steigende Zahlen auf.

Sei dies Krebs, begleitet von wesensverändernden Schmerzen. Tumore, welche auf das zentrale Nervensystem drücken. Bekannte Autoimmunerkrankungen oder ihnen im Verlauf ähnliche, so wie eben Parkinson.

Oft sind es auch Wirkung und Nebenwirkung eingenommener Medikamente, welche eine Persönlichkeitsveränderung hervorrufen.

Wie gehst Du also damit um, wenn Du Dich nach und nach von einem Menschen verabschiedest?

Raum für Erinnerungen schaffen

Veränderung von Menschen
StockSnap / Pixabay

Erinnerungen sind das wertvollste Gut Deines Lebens. Diese festzuhalten und aufzubereiten, ist unendlich kostbarer Bestandteil des Alltags.

Vielleicht ist es Dir sogar möglich, mit Deinem Vater neue Erinnerungen zu schaffen oder bestehende in einer passenden Form nochmals zu erleben.

Dies gelingt zum Beispiel bei der Gestaltung eines Fotoalbums, welches ganz klassisch mit Schere, Leim und dickem Buch oder aber etwas moderner als Onlineversion gestaltet werden kann.

Diese Tätigkeit kann mit der ganzen Familie zusammen erlebt werden. Vielleicht nutzt ihr sie sogar als neues Ritual?

Gemeinsame Erinnerungsstücke überall dort zu verteilen, wo sich Dein Papa aufhält, kann sehr wirkungsvoll sein. So wird auch er immer wieder an Erlebnisse erinnert, welche sein Herz berühren.

Es wird nämlich angenommen, dass tiefe Herzens-Verbindungen selbst dann gespürt werden, wenn sich im Aussen vieles verändert hat.

Einen zusätzlichen Tipp für Deine Arbeit mit Erinnerungen findest Du ganz unten im Text.

Gefühle zulassen

Die Krankheit, welche sich ungefragt in Dein Leben schlich, macht wütend. Wut hat durchaus positive Eigenschaften, wenn diese auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich und in unserer Gesellschaft eher aberkannt werden.

Negativer Aspekt ist jedoch, dass sie gerne dort deponiert wird, wo sie unnötigen Schaden anrichtet. Dein Vater ist krank. Er hat sich diese Situation genau so wenig ausgesucht wie Du.

Wenn du also bemerkst, dass Du wütend bist, besuche Deinen Vater vielleicht etwas weniger als sonst. In dieser Zeit hilfst Du ihm mehr, wenn du etwas unternimmst, was Dir guttut.

Gib Deiner Wut ihren Raum. Vielleicht gehst Du spazieren oder absolvierst eine Runde Kickboxen. Wonach immer Dir der Kopf steht: Du reduzierst damit die Gefahr durch deine Wut emotionale Verletzungen zuzufügen.

Das Gleiche gilt für Momente der Traurigkeit. Trauerphasen treten nicht zwingend erst nach einem Verlust auf. Wenn Du traurig bist, dann lass es zu. Es gibt jeden Grund, so zu fühlen.

Denn auch wenn Dein Papa weiterlebt, stirbt dennoch ein Teil von ihm. Diesen Verlust bewusst anzunehmen, hilft Dir bei der Verarbeitung des Geschehenen.

Vergissmeinnicht

Veränderung von Menschen
EvgeniT / Pixabay

Dies gilt für alles. Deine Gefühle, Deine Intuition und Deine Wahrnehmung. Lass Dir von niemandem einreden, dass Du etwas falsch interpretierst.

Wenn Du Deine eigene Wahrheit spürst, gewähre ihr Raum. Niemand kennt Deine persönliche Sicht auf die Geschehnisse besser als du. Daher musst Du Dich für Deine Ansichten weder rechtfertigen noch für Deine Entscheidungen erklären.

Für einen gesunden Umgang empfiehlt sich, Dich und Deine eigenen persönlichen Bedürfnisse nicht zu vergessen.

Plane aktiv Deine Pausen ein und versuche sie einzuhalten. Es hilft niemandem, wenn Du versuchst, übermenschliche Leistungen zu erbringen. Irgendwann wird sogar Deine Energie verbraucht sein.

Den grossen Zusammenbruch kann dann jedoch keiner auffangen, sodass er zu einer grossen zusätzlichen Belastung führen würde.

Versuche also stets ganz ehrlich mit Deinen Kräften umzugehen und fordere rechtzeitig konkrete Hilfe an. Dein Körper und Geist sind tatsächlich zu Höchstleistungen fähig.

Jedoch hat jeder Akku seine Ladezeiten, sonst macht er schlapp. Sei also zu Dir selbst nicht strenger als zu Deinem Smartphone. In der Regel freut sich Dein Umfeld über Unterstützungsmöglichkeiten.

Helfen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Doch nur wo dies zugelassen wird, können Wunder geschehen.

Abschied und Neuanfang

Es ist ein Balanceakt. Durch die Krankheit Deines Vaters verlierst Du ihn zu einem gewissen Teil. Was ihn bisher ausmachte, wird sich langsam verabschieden. Versuche Deinen Abschied mit Ritualen zu unterstützen.

Gleichzeitig hilfst du damit der neuen Persönlichkeit Deines Vaters. Wenn sich Verhaltensweisen verabschieden, kommen oftmals neue dazu. Diese zu akzeptieren, kann schwerfallen.

Der Mensch hat gerne Einfluss, doch hier wird dieser durch die Krankheit genommen. Versuche die Wünsche, Selbstbestimmung und Veränderung Deines Vaters anzunehmen.

Du darfst neue Erlebnisse bewusst wahrnehmen und entstehenden Gefühlen ihren Raum gewähren.

Wenn Du es schaffst, mit möglichst wenig Vergleichen oder Bewertungen vorzugehen, ermöglichst Du neue Erinnerungen, welche später ebenfalls sehr wertvoll sind.

Transparenz

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cocoparisienne / Pixabay

Oftmals sind wir so stark durch unser eigenes Gedankenkarussell eingenommen, dass wir schlicht vergessen, die direkt betroffene Person miteinzubeziehen.

Dies erachte ich jedoch als essenziell. Mit Schweigen verhinderst Du keine zusätzlichen Belastungen.

Im Gegenteil: So gut du deinen Papa kennst, wird er wahrscheinlich auch Dich kennen.

Somit bemerkt er bestimmt sofort, wenn Du ihm etwas verschweigst.

Das Ding ist jedoch: Wo Geheimnisse sind, entsteht es Raum für Spekulationen.

Diese beheimaten meist unnötige und destruktive Gedanken und Gefühle. Gedanken schaffen jedoch in Kürze neue Realitäten. Durch klärende Gespräche können solche Gefahren gebannt und das gegenseitige Verständnis intensiviert werden.

Perspektivenwechsel

Dein Vater und Du erhaltet nebst all den erschwerenden Aspekten ein kleines Geschenk. Nämlich die Chance, Euch besser kennenlernen, erinnern und bewusster Abschied nehmen zu dürfen.

Klar, diesen Umstand kannst Du kaum jeden Tag aus dieser Perspektive betrachten. Es hilft jedoch, wenn Du den Gedanken zulässt und Deinen Fokus nicht nur darauf richtest, was du alles verlierst.

Indem Du erkennst, was gerade vor sich geht, könnt ihr diese Situation gemeinsam meistern.

Im Endeffekt gelten diese Beispiele oben für jede Situation, nicht nur bei Krankheit. Auch wenn eine Person bereits gestorben ist oder noch komplett gesund bei Dir weilt.

Sich bewusst zu werden, wie unendlich kostbar diese Momente sind, erfüllt mit grosser Dankbarkeit. Das Geschenk von Liebe wiegt auf, was die Zukunft bringt.

Darum bleibt am Ende des Tages diese Liebe allumfassend gültig. Zeige Deinen Mitmenschen, was Du für sie empfindest. Solange, oft und ehrlich Du kannst.

Unabhängig der Weihnachtszeit oder anderen Faktoren wie Stress, Streit und Befürchtungen.

Zusätzliche Empfehlungen:

*Werbung, da Namensnennung (ohne Auftrag)

Für den Umgang mit Erinnerungen empfehle ich gerne den Online-Workshop von Laura Schröer, Trauerrednerin aus Freiburg i. Br.

Im Workshop wird sich gemeinsam erinnert, Ruhe gefunden und sich neu ausgerichtet. Aktuell mit ganz viel Licht und Glitzer für die Adventszeit. Ihr Angebot wird in Zukunft ausgebaut. Für individuelle Anfragen ist sie offen und freut sich über Deine Kontaktanfrage.

Spannende Hintergründe zu Deiner Intuition liefert Dir der Blogbeitrag von Natascha Zimmermann.

Alles Liebe.
Sabrina

Artikel von

Sabrina Steiner

Sabrina Steiner

Meine langjährige Laufbahn im Schweizer Gesundheitswesen brachte mich nach unzähligen Jahren endgültig an meine persönlichen Grenzen. Denn meine persönlichen Werte stimmen absolut nicht mit den Grundsätzen der gesundheitspolitischen Ansätze im Umgang mit Krankheit überein. Klar ergriff ich im Hintergrund Massnahmen, um andere Ansätze leben zu können. So habe ich mich bereits vor Jahren als Bachblütenberaterin ausbilden lassen. Bei eigenen Symptomen griff ich stets dankbar und teilweise auch ergänzend zur Schulmedizin auf andere Möglichkeiten zurück. Aber ich blieb meinem Hamsterrad treu und wurde nach «Ausbruchsversuchen» immer wieder rückfällig. Als 2015 ganz plötzlich meine Mutter verstarb und ich nur ein Jahr darauf meinen Schwiegervater nach kurzer schwerer Krankheit bei seinen letzten Wochen auf Erden begleiten durfte, wurde mir die Endgültigkeit unseres Lebens bewusst. Die Konsequenz war meine Kündigung, denn das Leben ist zu kurz und einzigartig für schlechte Kompromisse. Meine Zeit und Ressourcen nutze ich nun, um Synergien zwischen Menschen und Wissen zu nutzen, das gesellschaftliche Tabuthema Tod zu durchbrechen, Menschen in Zeiten von Verlusten zu unterstützen sowie die Endlichkeit unseres Lebens in ein anderes Licht zu rücken. Damit das Bewusstsein für ein gesundes Leben in einer gemeinsamen Gesellschaft immer grösseren Anklang findet.

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Sabrina Steiner

Meine langjährige Laufbahn im Schweizer Gesundheitswesen brachte mich nach unzähligen Jahren endgültig an meine persönlichen Grenzen. Denn meine persönlichen Werte stimmen absolut nicht mit den Grundsätzen der gesundheitspolitischen Ansätze im Umgang mit Krankheit überein. Klar ergriff ich im Hintergrund Massnahmen, um andere Ansätze leben zu können. So habe ich mich bereits vor Jahren als Bachblütenberaterin ausbilden lassen. Bei eigenen Symptomen griff ich stets dankbar und teilweise auch ergänzend zur Schulmedizin auf andere Möglichkeiten zurück. Aber ich blieb meinem Hamsterrad treu und wurde nach «Ausbruchsversuchen» immer wieder rückfällig. Als 2015 ganz plötzlich meine Mutter verstarb und ich nur ein Jahr darauf meinen Schwiegervater nach kurzer schwerer Krankheit bei seinen letzten Wochen auf Erden begleiten durfte, wurde mir die Endgültigkeit unseres Lebens bewusst. Die Konsequenz war meine Kündigung, denn das Leben ist zu kurz und einzigartig für schlechte Kompromisse. Meine Zeit und Ressourcen nutze ich nun, um Synergien zwischen Menschen und Wissen zu nutzen, das gesellschaftliche Tabuthema Tod zu durchbrechen, Menschen in Zeiten von Verlusten zu unterstützen sowie die Endlichkeit unseres Lebens in ein anderes Licht zu rücken. Damit das Bewusstsein für ein gesundes Leben in einer gemeinsamen Gesellschaft immer grösseren Anklang findet.

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

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