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Veränderung – Warum dein Hirn lieber ins Sofakissen pupst

Veränderung

Ich vergleiche dich wirklich ungern mit einem Wildschwein aber es muss sein. Es dient wirklich nur Demonstrationszwecken.

An Säugetieren kann man sehen, dass die Gehirne höherer Lebewesen neuroplastisch, sprich lern-und anpassungsfähig sind. Der natürliche Lebensraum von Wildschweinen zum Beispiel wird immer weniger, sie ziehen in die Städte. Das könnten sie nicht tun, wenn ihr Hirn fest verdrahtet wäre. Mit einem gehirn, das sich verändern kann sind sie aber anpassungsfähig. In einem Stall würden sie zwar nach einer Weile immer noch so aussehen wie Wildschweine aber würden sich wie Stallschweine verhalten.
Das tun sie dann aber weil sie es müssen. Nicht weil sie es wollen. Das Hirn will außer Fauenzen nämlich selten irgend etwas tun.

Das ist jetzt eine schöne Überleitung zu dir.

Denn du erfährst in diesem Artikel:

  • Warum uns Veränderung so schwer fällt.
  • Warum sie deinem Gehirn nicht gefällt.
  • Woran das evolutionsbiologisch liegt.
  • Was unsere Muster und Steuerungsprogramme damit zu tun haben
  • Was du tun kannst um trotzdem etwas zu verändern.

Endlich mehr Sport machen, abnehmen, ein Ehrenamt übernehmen, mehr eigenen Regeln machen, mutiger sein, das Herzensprojekt endlich anfangen.

Was ist von deinen guten Vorsätzen vom letzten Jahr übriggeblieben? Nicht viel vermute ich.

Dass uns Veränderung so schwerfällt, liegt an einer evolutionsbiologischen Kuriosität.

Ich meine unser Gehirn. Auf der einen Seite ist es ein unfassbar komplexer Supercomputer, der die Menschheit zu kulturellen und technischen Höchstleistungen befähigt hat. Unser Antrieb ist Neugier und wir streben nach Entwicklung. Auf der anderen Seite hat es sich seit der Steinzeit so gut wie gar nicht weiterentwickelt, so dass es mit den Konsequenzen dieser Entwicklung nicht klarkommt.

Noch paradoxer: Auf der einen Seite ist es neuroplastisch, d. h. es kann sich bis ins hohe Alter verändern.
Es will nur leider nicht. Und das liegt einerseits an einem simplen physikalischen Gesetz und andererseits an dem Job, den es hat.

Die Kernkompetenz deines Gehirnes ist „Abhängen“.

Sein Job ist es nicht dafür zu sorgen, dass du glücklich bist, regelmäßig Yoga machst oder die pünktlich die Steuer. Seine Aufgabe ist es, dich am Leben zu erhalten (was ja tatsächlich eine Grundvoraussetzung ist, um zum Yoga zu gehen). Das macht es, indem es Schrecken Szenarien bastelt und sich Sorgen macht, was alles passieren könnte.

Veränderung ist unbekanntes Terrain und bedeutet potenzielle Gefahr für das Überleben- zumindest war das in der Steinzeit so – also schrillen sofort die Alarmglocken, wenn du etwas verändern willst.
Wenn es das am Tag schafft, ist es ungemein stolz.

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Dein Gehirn holt sich eine Tüte Chips und fläzt sich auf die Couch.

Kommst du also um die Ecke und sagst, „Du, Hirn, ich würde gerne nächstes Jahr mal mutigere Entscheidungen treffen, im Privatleben und vor allem im Job, mein Leben verändern. Wie schaut es aus damit?“ Dann wird es weiter Netflix glotzen und zur Antwort ins Sofakissen pupsen.

Wieso?

Der Grund ist noch absurder als die anderen: Obwohl du den ganzen Tag Gedankenchaos im Kopf hast – von denen übrigens 90% immer die gleichen sind – und dann auch noch negative, ist dein Gehirn nicht wirklich zum komplexen Denken gemacht. Jedenfalls ist es kein Fan davon. Komplexe Probleme versucht es immer auf möglichst einfache, verdauliche Häppchen herunter zu brechen.

Dein Hirn will schnell reagieren und liebt schnelle Lösungen.

Was noch vor wenigen hundert Jahren auch noch überlebenstechnisch gesehen Sinn machte. Im Gegensatz zu heute war es überwiegend mit direkten Überlebensproblemen beschäftigt. Die waren meist simpel. Wer ist der Feind? Erschlägt der mich oder bin ich schneller?

Kaufe ich noch ein Schwein für den Winter oder nicht?

Es war weniger damit beschäftigt Konzerne zu steuern, Weltraumstationen zu entwicklen oder mit dem indischen Helpcenter zu diskutieren, warum das Smartphone update nicht funktioniert, wärend du nebenher eine Präsentation fertig machst.

Daher kommt auch zu Lösungsversuchen, die langfristig keinen Sinn machen und schwarz/weiß Denken. Es ist schön einfach, schnell erledigt und kostet wenig Energie.

Klimawandel?  Scheiß drauf.

Denn dein Gehirn meint dazu: „Ja, das ist schon schrecklich und wohl auch tödlich. Aber das ist mir zu komplex. Lass mich irgendwas Einfaches lösen, das ich überblicken kann und wenig Energie kostet. Ich habe es: Plastiktüten abschaffen und Papiertüten einführen. Macht keinen Sinn aber beruhigt. Danach könnte ich auch das Bücherregal nach Farben sortieren. Das hilft nicht aber beeindruckt Onkel Herbert.“ Damit sind wir bei dem physikalischen Gesetz.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik.

Lebende Systeme sind alle gezwungen, eine innere Ordnung so zu entwickeln, dass der erforderliche Energieverbrauch so gering wie möglich bleibt um sie am Laufen zu halten. Gelingt ihnen das nicht, gehen sie zugrunde und die Energie verteilt sich wieder im Universum.

Leider verbraucht unser Hirn – auch wenn es absolut nichts tut – schon 20% der gesamten Energie, die der Körper zur Verfügung hat (Das erklärt einige Mitmenschen).

Denken verbraucht lebensgefährlich viel Energie.

Der Verbrauch steigt dramatisch an, sobald wir anfangen zu denken, ein Problem lösen müssen, Konflikte haben oder etwas Neues lernen sollen. Das führt zu Erschöpfungsgefühlen, die unangenehm sind.

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Das funktioniert prima durch Verdrängung, Ablenkung, Betäubung, durch Weghören und Wegschauen,
durch Abschalten, Verleugnen oder andere Formen von Selbstberuhigung.

Wie verändere ich mein Leben unter den Umständen?

Die Antwort wird dir nicht gefallen. Der Schmerz über den völligen Zusammenbruch eines Lebenstraumes und des dazugehörigen Selbstbildes erzeugt – mit Glück – genug Leidensdruck um Vorstellungen und Überzeugungen zu erkennen und nach einer neuen, umfassenderen und tragfähigeren Lösung zu suchen. So schreibt es Gerald Hüther in seinem Buch „Würde“.

Mit Konsequenz und Effizienz ins Unglück.

Solange es aber noch so aussieht, als könnten sie so weitermachen wie bisher und die Betäubung Strategien noch funktionieren: „Ach so schlimm ist es ja nicht immer, den anderen geht es ja auch so“, versuchen die meisten ihre bis dahin verfolgte Vorstellungen dann nur noch effektiver und noch konsequenter umzusetzen.

Bis der Druck im Kessel richtig steigt.

Dann kennen wir immer noch keine andere Lösung aber sehen langsam ein, dass wir jemanden – z. B. einen Coach brauchen – der uns hilft die Veränderung zu schaffen. Klienten kommen immer zu mir, wenn sie völlig am Ende sind. Kaum jemand kommt vorher.

Wie sähe dein Leben aus, wenn du mutiger wärest?
Wenn du wüsstest, wo deine Angst her kommt und wie du mit ihr umgehen kannst?
Wenn du es schaffen könntest, dein Gehirn auszutricksen?
Willst du mal einen Blick riskieren?

Dann hole dir die Übung: Visionsreise und die dazu gehörigen Action Writing Fragen.

Ein Artikel von Jeanette Bouffier

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Jeannette Bouffier

Jeannette Bouffier

Jeannette Bouffier ist Mut-Coach & Ausbruch-Komplizin. Jeanne unterstützt dich dabei den Mut zu finden, deine Freiheit zu schaffen und nach deinen Regeln zu leben und zu arbeiten. Fühlst du dich gefangen in deinem Leben oder Job? Scheiterst immer wieder an den gleichen Dingen? Willst etwas verändern und dein Potenzial voll nutzen? 
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