Wann hast du zuletzt gestaunt?

staunen

Vor ein paar Tagen saß ich an der Ostsee, auf einem Campignstuhl und schaute auf das Meer hinaus. Am späten Nachmittag war am Strand nicht mehr viel los. Es kehrte Ruhe ein. Einatmen und ausatmen. Es sind diese Momente, wenn gerade nichts mehr zu tun ist. Ja, richtig, nichts. Kein Buch, das man lesen könnte, keine Unterhaltung, die gerade noch geführt werden sollte. Ich ließ meinen Blick über die Bucht schweifen. Eine Segelschule mit kleinen Optimisten drehte ihre Runden. Die zarten Wellen brachen sich am Strand.

Auf einmal überkam mich ein Gefühl des Staunens. Ich dachte mir: Wow, ist das schön.

Es war ein Augenblick, den man gerne in sich aufsaugen möchte. Ich wusste sofort, darüber möchte ich meinen nächsten Artikel schreiben.

Staunen ist eine Emotion beim Erleben von Unerwartetem, sagt zumindest Wikipedia.

Natürlich könnte ich es mir leicht machen. Ich wohne in den Bergen und komme ans Meer, es ist eine ungewohnte Umgebung. Klar, dass man da schon mal staunt.

Es ist zwar einfach, hat aber nichts mit den äußeren Umständen zu tun. Ich denke, es ist viel mehr die Fähigkeit, sich auf Gefühle einzulassen und dadurch auch verletzlich zu sein. Denn das eine funktioniert ohne das andere nicht.

Kleine Kinder lernen täglich viele neue Dinge kennen. Für sie ist alles irgendwie unerwartet. Sie geben sich dem Beobachten eines kleinen Käfers hin, als ob es das größte Wunder wäre.

Kannst du dich entspannen?

In der Kneipp-Lebensordung geht es um das Bemühen eines ausgewogenen Seelenlebens. Es ist das Fundament, damit wir gesund sind und bleiben. Nicht nur unsere Ernährung ist heute oft ziemlich einseitig. Auch die geistige Wissenszufuhr ist meistens wenig abwechslungsreich.  Sie ist nicht mehr unerwartet. Wie könnte man da staunen?

Alles im Leben braucht Ausgleich. Anspannung und Entspannung. Anstrengung und Erholung. Aktivität und Passivität. Die Fülle an Informationen, die wir Tag für Tag bekommen trägt nicht dazu bei, dass wir uns entspannen.

Die Entspannungsreaktion wird vom Parasympathikus des vegetativen Nervensystems gesteuert. Dieses autonome System können wir willentlich nur indirekt beeinflussen.  Erholung entsteht, wenn die Muskelspannung abnimmt und die Atmung sich verlangsamt. Zur Ruhe kommen wir, indem wir die Aufmerksamkeit auf etwas Beruhigendes lenken. Dafür eignet sich eine reizarme und sichere Umgebung.

Jeder von uns ist unterschiedlich. Es gibt nicht die eine Methode, die für alle gilt. Entspannung ist individuell.

Staunen
RyanMcGuire / Pixabay

Hast du Lust für eine kleine Übung?

  • Du brauchst ungefähr 10 – 20 Minuten Zeit und eine ungestörte Umgebung.
  • Bring dich in eine angenehme Körperhaltung. Das kann im Sitzen oder Liegen sein. Du kannst deine Augen schließen.
  • Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem, ohne etwas zu verändern. Geh gedanklich mit deinem Atem mit. Beobachte den Rhythmus, und werde mit den ruhigen, regelmäßigen Strömen vertraut.
  • Während dein Atem weiterfließt, spür deinen Körper Stück für Stück. Beginne bei deinen Füßen und Beinen. Wandere mit deiner Aufmerksamkeit weiter deinen Rücken hinauf, zu den Händen und Armen. Nimm deine Schultern wahr, deinen Kopf, Gesicht, Hals, Brustkorb und Bauch. Spür in dich hinein und tu nichts.
  • Der jetzige Zustand ist die erste Stufe der Entspannung. Lass dich nun stufenweise tiefer in eine angenehme Ruhe sinken, indem du langsam bis 7 zählst.
  • Bei 7 lässt du in deiner Vorstellung ein Bild vollständiger Gelöstheit entstehen. Genieße, wie wohl du dich dabei fühlst.
  • Abschließend lässt du die Erfahrung nochmal auf dich wirken. Beende die Übung ganz bewusst. Bewege deine Arme und Füße und atme einige Male kräftig aus und ein. Wenn deine Augen geschlossen sind, öffne sie wieder.
Passender Artikel:  Stressabbau - 10 hilfreiche Alltagstipps von Startrainer Christian Bischoff

Suche dir die Form, bei der du am besten „runter“ kommen kannst. Find, was für dich passt und trainiere mit Freude. Wenn du neu mit Entspannungsübungen anfängst, ist das am Anfang sicher ungewohnt und es kann auch sein, dass du dich etwas unwohl dabei fühlst. Mit der Zeit kommst du in deine Mitte. Angereichert mit echten Gefühlen bekommt deine Gedankenwelt mehr Qualität.

Wann hast du dich zuletzt gefühlt?

Ich weiß, Gefühle werden eher den Frauen zugeschrieben. Wir wurden noch mit Aussagen erzogen, wie „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ oder „bis zum Heiraten wird wieder alles gut“. Im Klartext, hör auf so wehleidig zu sein, das macht man nicht. Ich behaupte mal, Männer leiden bzw. fühlen nach Innen. Wenn ich allerdings nichts zeige, kann es schon passieren, dass ich vergesse, wie fühlen ist.

Beim Kneippen, gehen ich mit meinen Teilnehmern unter anderem barfuß über die Wiese. Ich frage immer in die Runde, wie fühlt sich das Gras unter deinen Füßen an. Die meisten sind jahrelang nicht mehr ohne Schuhe über eine Blumenwiese gelaufen und oft fangen sie bei diesem Gefühl an zu lachen. Vor ein paar Wochen meinte eine Dame: ich habe immer Angst auf eine Wespe zu treten.

Ich fragte sie dann, wie oft im Alltag sie sich von ihren Ängsten leiten lassen würde. Leben hat etwas mit Vertrauen zu tun. Wenn wir uns nicht sicher fühlen und darauf vertrauen, dass wir Situationen meistern können, lassen wir auch keine Gefühle zu.

Wir sind nicht fähig Emotionen, wie ein unerwartetes Staunen zu fühlen.

Es ist höchste Zeit, dass wir unseren Standpunkt verändern und das Hamsterrad der immer gleichen Gewohnheiten verlassen. Fang an mit deiner Seele zu baumeln. Lass Gefühle zu und freue dich staunend daran, was dir dein Tag an Unerwartetem bringt.

Artikel von

Gabi Rieser

Gabi Rieser

Du bist mir wichtig. Ich möchte dich mit meinem Lachen einladen, mehr Leichtigkeit zu leben. Fast 30 Jahre habe ich als Sportartikelhändler, Aktiven verkauft, was sie in den Kitzbüheler Alpen brauchten. Vor 15 Jahren bin ich über Sebastian Kneipp und seine Lebensordnung gestolpert. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Mittlerweile mache Persönlichkeitstrainings, am liebsten in der Natur. Direkt, aber immer herzlich zeige ich Menschen wie sie die Kraft der Berge auch zu Hause nutzen können.

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Ja, das passt natürlich ;-)

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Gabi Rieser

Gabi Rieser

Du bist mir wichtig. Ich möchte dich mit meinem Lachen einladen, mehr Leichtigkeit zu leben. Fast 30 Jahre habe ich als Sportartikelhändler, Aktiven verkauft, was sie in den Kitzbüheler Alpen brauchten. Vor 15 Jahren bin ich über Sebastian Kneipp und seine Lebensordnung gestolpert. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Mittlerweile mache Persönlichkeitstrainings, am liebsten in der Natur. Direkt, aber immer herzlich zeige ich Menschen wie sie die Kraft der Berge auch zu Hause nutzen können.

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