Wenn der Tod zu Besuch kommt

Tod

Löst der Tod in Dir Gefühle aus, welche Du nur schwer in Worte fassen kannst? Willst Du Dich vielleicht gar nicht damit beschäftigen, dass Du einmal stirbst?

Was nach dem Tod kommt beinhaltet so viele Unsicherheitsfaktoren wie sonst kein Reiseziel. Wenn Du im Leben eine Reise planst, bist Du Dir gewohnt, Erfahrungsberichte zu erhalten. Du informierst Dich im Vorfeld, wie es vor Ort aussieht, welches Essen besonders empfehlenswert ist, wie die Sprache klingt oder wo es den schönsten Strand gibt. In der Regel gibt es dazu Fotobeweise, früher als Diashow – heute live auf Social Media.

Wie exotisch Dein Reiseziel sein mag, irgendjemand in Deinem Umfeld wird jemanden kennen, der von einem anderen gehört hat, der da war. Sogar für den Mond gibt es bereits Möglichkeiten… Zur Not kannst Du auf die große Welt des Internets ausweichen und Dir so viele Reiseblogs durchlesen, bis Du bereits glaubst, schon selbst da gewesen zu sein.

Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung? Unmöglich.

Nur bei der Reise, die Du mit Garantie eines Tages unternehmen wirst, fehlen die Erlebnistagebücher. Ja, es gibt sie, die Menschen mit Nahtoderlebnissen. Meist berichten sie offen über ihre Erinnerungen, welche verständlicherweise das gesamte Leben verändern. Einen Haken haben diese Berichte für Deine Vorstellungskraft aber: Die Reise wurde frühzeitig beendet, das große Finale der Reise – quasi das «Captains-Dinner» – fiel nämlich aus. Die Betroffenen traten die Reise zwar an, kamen aber vor der Ankunft wieder zurück.

Ein weiteres feines Detail, welches Deine Reiseplanung erschwert: Der Tod liegt komplett außerhalb Deiner Vorstellungskraft. Ob Du willst oder nicht, du wirst diese Reise eines Tages antreten und sterben und weißt heute noch nicht, was Dich da erwartet. Für uns Menschen, welche gerne aktiv das Ruder in der Hand halten, ein Ding der Unvorstellbarkeit. Aber unser Sein ist nun mal auf dem Sterbe- und Geburtsprozess aufgebaut. Unser Leben ist ein Kreislauf, da es ohne Tod kein Leben gibt.

Doch was kommt danach?

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Lebt etwas von Dir woanders weiter?

Fragen über Fragen, auf die Du einfach keine befriedigende Antwort findest?

An meinem 33. Geburtstag fragte mich mein Großvater, sagenhafte 95 Jahre alt und bewundernswert fit, ob ich an den Himmel glaube. Damit gemeint hat er, ob ich denke, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. In welchem wir weiterleben können, ohne für unsere Versäumnisse auf Erden bestraft zu werden. Als Sahnehäubchen auf der Torte stellt er sich, wie wohl so viele Menschen, vor seine bereits verstorbenen Lieben wiederzusehen. Recht daran glauben kann er jedoch nicht. Unser Verstand ist mächtig. Was unsere Vorstellungskraft übersteigt, existiert oft nicht. Wird als Glauben betitelt und steht auf wackligem Boden.

Da ich mich mit diesen Fragen sehr oft und bereits seit längerem auseinandersetze, sollte sie für mich einfach zu beantworten sein. Irgendwie fällt es mir dennoch immer etwas schwer, die passende Antwort zu finden. Denn, obwohl ich als Sterbe- und Trauerbegleiterin arbeite, bin ich eine recht „normale“ Frau, die ihre Erfahrung vom Tod noch vor sich hat. Daher weiss ich final ebenso wenig wie Du, was Dich, mich, uns alle, nach dem Sterben erwartet.

Wie kann ich mir da sicher sein?

Tod
FelixMittermeier / Pixabay

Was ich weitergeben kann, ist mein Wissen des Sterbeprozesses vor, während und nach dem Einsetzen des Todes. Meine Erlebnisse beeinflussen meine Sicherheit, dass es ein IRGENDWAS nach dem Tod gibt. In meiner Wahrheit bestehen wir aus Energie. Unser Körper ist einfach eine Hülle, den wir zu Lebzeiten benötigen, um hier leben zu können. Danach erscheint es mir jedoch sehr logisch, dass die Energie sich ein neues Plätzchen sucht. Denn «in Luft auflösen» ist keine Option, also verwandelt sie sich wohl einfach auf uns unbekannte Art und Weise. Mit Deiner Weiterentwicklung beschäftigst Du Dich bereits, da Du Dich auf Markus Blog befindest. In meiner Wahrheit ist Sterben ebenfalls eine Weiterentwicklung. Diese Vorstellung hilft mir, mit möglichen Ängsten umzugehen. Die Angst vor dem Tod ist es nämlich in der Regel, welche davon abhält, uns mit der unausweichlichen Thematik bereits zu Lebzeiten auseinanderzusetzen.

Setzt Du Dich mit dem Tod auseinander?

Diese Frage habe ich meinem Umfeld in den letzten Wochen vermehrt gestellt. Mehr als die Hälfte der Befragten hat diese Frage bejaht. Als ich näher nachfragte, stellte sich heraus, dass damit hauptsächlich die Angst vor dem Tod nahestehender Menschen gemeint war.

Passender Artikel:  Das ertragreichste und gleichzeitig sicherste Investment, das du heutzutage tätigen kannst

Doch wieso ist das so?

Eine Freundin von mir, erklärt es sich damit, dass wir uns als Individuum vielleicht zu wenig «wichtig» nehmen. Ein spannender Aspekt, womit ich mich gerne in den kommenden Wochen auseinandersetzen möchte. Es ist natürlich schlicht möglich, dass der eigene Tod einfach keine Rolle spielt. Weil es dann für Dich hier vorbei ist. Was aber wirklich kommt, wirst Du erst erfahren, wenn es soweit ist. Schwieriger wird es für Deine Angehörigen, welche einen von Herzen geliebten, wertvollen Menschen verlieren.

Die Tatsache, dass mein Tod vielleicht nichtig ist, hindert mich nicht daran, wissen zu wollen wie ich meine letzten Momente erleben möchte. Daher richte ich mein Leben nach dieser Frage aus und versuche meine Zeit auf dem Sterbebett bewusst wahrnehmen zu können. Diesen Umstand kann ich natürlich nicht wirklich beeinflussen, das ist mir klar. Aber wenn es so weit ist, dann will ich in Ruhe von meinen Liebsten Abschied nehmen und in Frieden gehen. Administrationsaufgaben habe ich bereits zu Lebzeiten mehr als gewünscht erledigt. Daher möchte ich mich auf meinem Sterbebett kaum mit diesen Themen beschäftigen müssen und regle zu Lebzeiten alle Notwendigkeiten und Wünsche für danach.

Doch was kommt nun nach dem Tod?

Für mich lebt die Energie in unserer Natur weiter. Der Regen, der leise an Dein Fenster klopft, wenn Du nachts nicht schlafen kannst. Oder die Blumen, welche allen Stürmen trotzen und selbst die heißesten Sommer überstehen.

Um meinen Glauben zu untermauern, bekam ich vor Kurzem wieder einmal einen Beleg geliefert.  Die Dekoration auf dem Geburtstagspaket, welches mir meine Großeltern überreichten. Es waren fünf kleine, zarte Rosen mit den Worten «ein Geschenk Deiner Mutter».

Nun, aufmerksame Leser bemerken den Fehler natürlich sofort, denn meine Mutter ist tot. Der Rosenstock war eines ihrer letzten Geschenke an meine Großeltern. Sie erhielten ihn, weil zuvor jedes Jahr einer dieser Stöcke eingegangen ist. Entweder wurde er durch Krankheit befallen oder kam mit dem Wetter nicht klar. Irgendetwas war immer, was ihn nicht überleben ließ. So aber nicht bei diesem Stock. Meine Großeltern behandeln die Natur und ihre Wunder, seit ich denken kann, so voller Liebe und mit einer Hingabe, welche ihresgleichen sucht. Daher kann ich mir nur schwer vorstellen, dass diese Rosen anders behandelt wurden, als die Dornengewächse zuvor.

Diese Rosen sind für mich ganz persönlich also ein kleines Wunder. Und sollte es auch nur der Zufall gewesen sein, der mir dieses Geschenk überreichte: Es spielt für mich keine Rolle. Die Wirkung des Trostes, der Zuversicht und der Wärme ist das, was für mich zählt. Nach meiner Erfahrung gilt dieser Umstand für alle Menschen, die jemanden verloren haben, gleichermassen.

Um mir das Ganze als Zufall zu verkaufen, habe ich bereits zu viele Erlebnissen erfahren, bei denen nach dem Tod plötzlich unerklärliche Dinge passierten. Ob es Glauben oder Hoffnung ist, spielt für mich persönlich keine Rolle. Wirklich wissen kann in meinen Augen sowieso niemand, wie, wo und ob es für Dich nach dem Sterben weitergeht. Daher darf und soll jeder Mensch seine eigene Antwort finden. Solange Du lebst, schenkt Dir die Offenheit jedoch Zuversicht und Trost. Um nach einem Verlust die Hoffnung wieder zu finden und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Der Tod, die Trauer und das Erleben von aktiven Sterbeprozessen, sind für mich keine schlimme Erfahrung. Im Gegenteil erlebe ich durch meine aktive Auseinandersetzung stets die wertvollsten Lehrstunden für mein Leben. Bewusst, im Moment und auf meinem eigenen persönlichen Weg, lebe ich unter der unverhandelbaren Bedingung, auf meinem Sterbebett nicht bereuen zu müssen.

Bis dahin koste ich das Leben in seiner ganzen Großartigkeit und nutze dieses Geschenk, um Spaß und Freude zu haben und mich durch andere Menschen inspirieren und im Herzen berühren zu lassen.

Fazit:

Lebe Dein Leben unabhängig vom Tod, doch sei darauf vorbereitet, dass er eines Tages kommt. Im Gegenteil zur Steuerrechnung hält die Auseinandersetzung damit jedoch viel Positives für Dich, Dein Leben und Deine zwischenmenschlichen Beziehungen bereit.

Ich wünsche Dir ganz viele Wunder, unvergessliche Momente und spannende Begegnungen.

Alles Liebe.
Sabrina

Artikel von

Sabrina Steiner

Sabrina Steiner

Meine langjährige Laufbahn im Schweizer Gesundheitswesen brachte mich nach unzähligen Jahren endgültig an meine persönlichen Grenzen. Denn meine persönlichen Werte stimmen absolut nicht mit den Grundsätzen der gesundheitspolitischen Ansätze im Umgang mit Krankheit überein. Klar ergriff ich im Hintergrund Massnahmen, um andere Ansätze leben zu können. So habe ich mich bereits vor Jahren als Bachblütenberaterin ausbilden lassen. Bei eigenen Symptomen griff ich stets dankbar und teilweise auch ergänzend zur Schulmedizin auf andere Möglichkeiten zurück. Aber ich blieb meinem Hamsterrad treu und wurde nach «Ausbruchsversuchen» immer wieder rückfällig. Als 2015 ganz plötzlich meine Mutter verstarb und ich nur ein Jahr darauf meinen Schwiegervater nach kurzer schwerer Krankheit bei seinen letzten Wochen auf Erden begleiten durfte, wurde mir die Endgültigkeit unseres Lebens bewusst. Die Konsequenz war meine Kündigung, denn das Leben ist zu kurz und einzigartig für schlechte Kompromisse. Meine Zeit und Ressourcen nutze ich nun, um Synergien zwischen Menschen und Wissen zu nutzen, das gesellschaftliche Tabuthema Tod zu durchbrechen, Menschen in Zeiten von Verlusten zu unterstützen sowie die Endlichkeit unseres Lebens in ein anderes Licht zu rücken. Damit das Bewusstsein für ein gesundes Leben in einer gemeinsamen Gesellschaft immer grösseren Anklang findet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Sabrina Steiner

Sabrina Steiner

Meine langjährige Laufbahn im Schweizer Gesundheitswesen brachte mich nach unzähligen Jahren endgültig an meine persönlichen Grenzen. Denn meine persönlichen Werte stimmen absolut nicht mit den Grundsätzen der gesundheitspolitischen Ansätze im Umgang mit Krankheit überein. Klar ergriff ich im Hintergrund Massnahmen, um andere Ansätze leben zu können. So habe ich mich bereits vor Jahren als Bachblütenberaterin ausbilden lassen. Bei eigenen Symptomen griff ich stets dankbar und teilweise auch ergänzend zur Schulmedizin auf andere Möglichkeiten zurück. Aber ich blieb meinem Hamsterrad treu und wurde nach «Ausbruchsversuchen» immer wieder rückfällig. Als 2015 ganz plötzlich meine Mutter verstarb und ich nur ein Jahr darauf meinen Schwiegervater nach kurzer schwerer Krankheit bei seinen letzten Wochen auf Erden begleiten durfte, wurde mir die Endgültigkeit unseres Lebens bewusst. Die Konsequenz war meine Kündigung, denn das Leben ist zu kurz und einzigartig für schlechte Kompromisse. Meine Zeit und Ressourcen nutze ich nun, um Synergien zwischen Menschen und Wissen zu nutzen, das gesellschaftliche Tabuthema Tod zu durchbrechen, Menschen in Zeiten von Verlusten zu unterstützen sowie die Endlichkeit unseres Lebens in ein anderes Licht zu rücken. Damit das Bewusstsein für ein gesundes Leben in einer gemeinsamen Gesellschaft immer grösseren Anklang findet.

Über die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad

Markus Cerenak hat gemeinsam mit seinen Lesern die kleine Rebellion gegen das Hamsterrad angezettelt. Wenn auch du in einem Hamsterrad sitzt und raus willst, dann klicke unten auf den Button!

STORYTELLing im online business

Teilen
Pin
Twittern
WhatsApp