Präsentation mit Wiedererkennungswert – raus aus der Einförmigkeit!

Wiedererkennungswer

Welche Bedeutung hat Sprache für unsere Selbstpräsentation? Als jemand, der mit Sprache lebt und arbeitet, und Linguistik-Nerd umkreise ich dieses Thema seit Jahren – gedanklich für mich selbst und gemeinsam mit den Menschen, die ich berate oder mit denen ich diskutiere. Ich beobachte außerdem, welche Lösung diejenigen gefunden haben, deren Arbeit ich schätze. Immer wieder stelle ich fest: Es ist die »eigene Sprache«, die den Unterschied macht. Wie lernen wir ihren Wortschatz, ihre Grammatik so zu beherrschen, dass wir uns als das Individuum präsentieren, das wir sind?

In diesem Artikel möchte ich einen Auszug der wichtigsten Antworten mit dir teilen.

Den wahren Kern ergründen

Bleibe bei dir. Relevant ist nicht die Frage, wie man etwas sagen sollte, um auf sich aufmerksam zu machen. Entscheidend ist: Was habe ich wirklich zu sagen und wie kann ich möglichst viele mit meiner Botschaft oder meiner Geschichte erreichen? Für mich liegt die Stärke in der Hüllenlosigkeit. Eine Idee, ein Talent, ein Produkt braucht keine Floskeln, um Eindruck zu hinterlassen.

Mit allen, die zu mir kommen, um mich bei der »Wortfindung« für ihr Geschäftsmodell oder ihr Buchprojekt um Unterstützung zu bitten, versuche ich diese Frage nach dem »eigentlichen Was« zu ergründen. Es ist eines der schönsten Erlebnisse, Menschen in ihren Erkenntnismomenten begleiten zu dürfen und zu sehen, wie sie etwas Eigenes formulieren oder im Kern verstehen. Ich vergleiche das gerne mit der Entdeckung des eigenen Körpers und seiner Fähigkeiten. 

Setze diese Frage an den Anfang deines Konzepts und versuche möglichst nicht, ins Wie abzudriften. Du wirst dich klarer präsentieren können, ohne dich selbst verleugnen zu müssen.

Die Form brechen, um die eigene Sprache wirken zu lassen

Warum sollte dieses Besondere, das du entdeckt hast, warum sollte das, was dich persönlich auszeichnet, sich nicht auch in der Präsentation deiner Ideen und Projekte widerspiegeln? Wie willst du Aufmerksamkeit erregen, wenn du alles genauso machst wie andere?

Ich rate dir zum Mut, mit den „klassischen” und offiziell als „erfolgversprechend” geltenden Strategien zu brechen, die Floskeln und Standardsätze auszusieben. Man ist nicht weniger professionell oder kundenfreundlich, wenn man sich einer anderen Sprache oder Form der Ansprache bedient. Indem du neue Inhalte und einen Wiedererkennungswert über Sprache kreierst, beweist du nicht nur Kreativität, du zeigst auch, dass du über das, was du tust, nachdenkst, dass du eine Vorstellung von dir selbst hast und dich mit wenigen eigenen Worten darstellen kannst. Die Inhalte und ihre Qualität sprechen eine Sprache, die jeder versteht oder verstehen lernt, der von ihr in ihren Bann gezogen wurde.

Den Rohstoff Sprache nutzen lernen

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich in den Alltag hineinlausche, habe ich den Eindruck, dass der Wortschatz, den wir benutzen, immer weiter schrumpft, die Sätze gleichförmiger werden und sich ein Set an wiederholenden Worten etabliert hat. Ähnlich sieht es in Business-, sozialen Netzwerken und auf Webseiten aus. Mich langweilt diese sprachliche Uniformiertheit schmerzlich, und ich bin da sicher nicht die Einzige. Um also den Radius deiner Sprache zu erweitern und dich aus dem Standardrahmen herauszubewegen, lerne mit Sprache umzugehen und zu spielen. Bereichere deinen Wortschatz, indem du viel liest oder dir von Zeit zu Zeit den Duden zur Hand nimmst. Mit Wörterbüchern und Enzyklopädien öffnest du Schatztruhen, die längst vergessene Ausdrucksmöglichkeiten zum Vorschein bringen.

Nicht jeder von uns ist ein Sprachfreak, und so manchem fällt es nicht nur schwer sich auszudrücken, sondern auch die Grammatik und Orthografie der Muttersprache richtig anzuwenden. Wenn du zu den Menschen gehörst, die ihre Zeit lieber in ihre Talente als in Korrekturlesen und stilistische Überlegungen investieren, beauftrage doch einen dieser Sprachfreaks und du bist auf der sicheren Seite.

Wiedererkennungswert
wilhei / Pixabay

In andere Sprachen Eintauchen, um gedanklich nicht einzuschlafen

Es ist nicht nur die Anwendung der Vielfalt, die uns hilft, originell zu sein. Auch das Verstehen von Vielfalt schärft den Blick für das Gesamte und führt weg von eintönigen Denkweisen und Ansichten. Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdeckt man erst im Vergleich. Ausdrucksmöglichkeiten lernt man erst kennen, wenn man die Wahl hat.

Daher bin ich eine Befürworterin des Erlernens verschiedener Sprachen. Sprachkenntnisse in Sprachen außerhalb deiner Muttersprache werden nicht nur überall geschätzt, sie verleihen dir Freiheiten (Chancen für dein Business, Reisefreiheit, Lektüre- und somit Forschungsfreiheit etc.). Jede Sprache ist der Schlüssel für den Code einer anderen Welt.

Doch die Tendenz des Uniformen betrifft leider auch die Sprachen, in denen wir kommunizieren. Für die Verwendung solcher globaler Sprachen wie Englisch oder Spanisch spricht selbstverständlich die Effektivität. Das Argument der allgemeinen Verständlichkeit ist legitim, aber wir verlieren dadurch auch den Blick für „exotische” Details, sind nicht mehr in der Lage Originale und Geheimnisse zu entschlüsseln, lassen uns von einem Sprachraum „gefangen nehmen”, der als abgeschlossener Kulturraum Denkweisen schult und festigt. Nehmen wir die Denkweisen des angloamerikanischen Sprachraumes als Beispiel. Es lässt sich nicht leugnen, dass bestimmte Bewegungen und Institutionen in den USA weitaus progressiver sind als beispielsweise im deutschsprachigen Raum (wir sind doch teilweise arg verkrustet in unseren Ansichten und neigen dazu unsere Sichtweisen auf andere zu übertragen), aber hast du nicht auch manchmal den Eindruck, dass diese bestimmten Herangehensweisen an Themen die Lösungen von globalen Problemen allzu sehr dominieren? Wäre es nicht viel interessanter, wichtiger und fairer bei den Themen, die uns alle betreffen (Naturschutz, Frieden, Menschenrechte etc.) mehrere Weltsichten zuzulassen?

Es ist heute so viel leichter Sprachen zu lernen, Online als Autodidakt, im Sprachkurs, direkt vor Ort… Auch wenn die Zeit oder Lust fehlt, ist es kein großer Akt mehr, englische Übersetzungen spannender Bücher zu finden.

Wenn dein Produkt nicht explizit an einen bestimmten Sprach- oder Kulturraum gebunden ist, empfiehlt es sich ohnehin international zu denken. Was das Internet für die Vernetzung mit Menschen aus anderen Ländern bietet, muss ich hier bestimmt nicht erklären.

Übertragen auf die Sprache, mit der wir uns präsentieren bedeutet das: Bleibt sie einförmig, geht der Blick für das Individuelle verloren. Wir präsentieren uns als Teil einer Gemeinschaft von Menschen, aber wir sind immer noch Individuen. Eine nicht gleichförmige Sprache schärft den Blick des interessierten Publikums für Möglichkeiten und Vielfalt, regt zum Denken und Verstehen an, auch dann, wenn wir auf Stichwörter, Trends und Einförmigkeit gedrillt und gepolt wurden.

Unterschätze dein Publikum nicht!

Womit wir zum letzten und sehr entscheidenden Punkt kommen, die Abnehmer deiner Produkte: deine Zielgruppe. Sie übersetzt die Sprache deiner Präsentation in ihre eigene und entscheidet mit über deinen Erfolg.

Ich habe oft den Eindruck, dass viele inzwischen von einer passiven Masse an blinden und blöden Konsumenten ausgehen, die sich von ein paar einfachen Tricks verführen lassen und deren Begrenztheit man nur ausnutzen muss, um einfach (mit wenig Qualität) und schnell (möglichst dreist) zu Geld zu kommen. Ich gehe davon aus, dass du nicht zu den vielen gehörst. Ich halte diese Herangehensweise übrigens nicht nur für moralisch verwerflich, sondern auch strategisch für sehr unklug, denn glücklicherweise sind wiederum viele gegen bestimmte Begriffe resistent geworden und durchschauen brachiale Marketingstrategien schneller als noch vor ein paar Jahren.

Du kannst einen Unterschied machen, indem du jedem einzelnen Respekt entgegenbringst und die Freiheit lässt, dass was du tust für sich zu entdecken oder abzulehnen. Die meiner Meinung nach wichtigsten Schritte in diese Richtung sind, auf den Verstand des Publikums zu vertrauen, das du dir wünschst und vor allem auf deine eigene Art, dieses Publikum zu erreichen. 

Vielleicht dringt deine Botschaft auf diese Weise auch zu Menschen vor, von denen du nie gedacht hättest, dass sie dir zuhören oder an deinen Ideen und Produkten interessiert sind. Der Mut, den du sprachlich zeigst, kann belohnt werden.

Im besten Fall spricht dein Produkt für sich selbst, mit seiner Qualität und deinen eigenen Worten.

In diesem Sinne: Schreib wie du bist!

Artikel von

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

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Ja, das passt natürlich ;-)

Artikel von

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer

Nadine Stelzer aka Nadja Delajura studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Als Sängerin hat sie ihre Stimme mit der Musik verschiedener Künstler der alternativen elektronischen Musikszene verschmolzen. In ihrem Kosmos „Les Idées” entwirft sie aus Gedanken Konzepte und Herangehensweisen und erweckt sie zum Sicht-, Les- und Hörbaren. Mit den Projekten, die aus diesem Zusammenspiel der Ideen entstehen, möchte sie Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen kreativen Weg zu finden. Derzeit arbeitet sie an ihrem experimentellen Roman über das Schweigen.

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