Warum Weglassen oft wirksamer ist als Optimieren

Du streichst einen Termin aus deinem Kalender. Nicht, weil etwas dazwischengekommen wäre. Sondern weil du merkst, dass der Tag ohne ihn besser wird. Das Gefühl ist ungewohnt – als hättest du etwas Falsches getan. Dabei hast du nur etwas weggelassen, das keinen Platz mehr haben sollte.

Die Logik des Hinzufügens

Wenn etwas nicht funktioniert, fügen wir etwas hinzu. Eine neue Methode. Ein besseres System. Eine weitere Angewohnheit. Das erscheint vernünftig. Mehr Struktur, mehr Kontrolle, mehr Überblick. Optimieren bedeutet fast immer: etwas verbessern, indem man etwas dazugibt.

Weglassen dagegen wirkt wie ein Verzicht. Als würde man aufgeben. Als hätte man versagt, weil man etwas nicht durchhalten konnte. Dabei ist es oft das Gegenteil: Weglassen ist eine Entscheidung. Hinzufügen manchmal nur eine Reaktion.

Warum Optimieren so verführerisch ist

Optimieren fühlt sich produktiv an. Es gibt dir das Gefühl, aktiv zu sein. Du tust etwas. Du entwickelst dich. Du arbeitest an einer Verbesserung. Das ist sichtbar, messbar, belegbar.

Weglassen hingegen hinterlässt keine Spuren. Du kannst niemandem zeigen, was du nicht getan hast. Du kannst nicht beweisen, dass dein Tag besser wurde, weil du eine Verpflichtung gestrichen hast. Die Wirkung von Weglassen ist still.

Der Unterschied zwischen voll und überfüllt

Ein Kalender kann voll sein. Oder überfüllt. Der Unterschied ist nicht immer offensichtlich. Voll bedeutet: Es passt. Überfüllt bedeutet: Es passt nicht mehr, aber du versuchst es trotzdem.

Das Gleiche gilt für deine Aufmerksamkeit. Für deine Gedanken. Für deine Ansprüche an dich selbst. Du merkst den Unterschied erst, wenn du etwas wegnimmst – und plötzlich ist wieder Raum da.

Die Angst vor dem Leeren

Weglassen bedeutet, etwas leer zu lassen. Einen Abend. Eine Seite. Eine Antwort. Das macht vielen Menschen Unbehagen. Leere fühlt sich an wie Verschwendung. Wie eine verpasste Gelegenheit. Wie etwas, das man hätte nutzen können.

Aber Leere ist nicht dasselbe wie Nichts. Leere ist ein Zustand, der etwas ermöglicht. Sie gibt dir Bewegungsfreiheit. Sie lässt zu, dass Dinge sich setzen. Dass du merkst, was wirklich wichtig ist – und was nur Geräusch war.

Was Weglassen sichtbar macht

Wenn du etwas weglässt, wird sichtbar, was bleibt. Nicht theoretisch. Sondern spürbar. Du merkst, worauf deine Aufmerksamkeit wirklich fällt, wenn sie nicht mehr in alle Richtungen gezogen wird.

Du merkst auch, welche Verpflichtungen du dir selbst auferlegt hast – nicht weil sie sinnvoll sind, sondern weil du dachtest, du müsstest. Oder weil du einmal angefangen hast und nie wieder aufgehört hast zu prüfen, ob es noch passt.

Optimieren als Vermeidungsstrategie

Manchmal optimieren wir, um nicht weglassen zu müssen. Wir versuchen, alles irgendwie unterzubringen. Effizienter zu werden. Besser zu planen. Mehr zu schaffen. Anstatt zu akzeptieren, dass nicht alles gleichzeitig geht.

Optimieren kann eine Form von Vermeidung sein. Es verschiebt die Frage. Statt zu fragen: „Brauche ich das überhaupt?“ fragst du: „Wie kann ich das besser hinbekommen?“ Die zweite Frage ist einfacher. Sie stellt nichts infrage.

Weglassen als Klarheit

Weglassen ist keine Kapitulation. Es ist eine Klärung. Du entscheidest, was du nicht mehr mittragen willst. Was du nicht mehr rechtfertigen willst. Was du nicht mehr versuchst, irgendwie passend zu machen.

Das bedeutet nicht, dass du weniger schaffst. Es bedeutet, dass das, was du tust, wieder Gewicht bekommt. Dass es nicht mehr untergeht in einer Liste von Dingen, die alle gleich dringlich erscheinen.

Das Unbehagen bleibt

Auch wenn du etwas weglässt, das dir nicht guttut – das Unbehagen verschwindet nicht sofort. Es bleibt eine Weile. Du fragst dich, ob es richtig war. Ob du etwas verpasst hast. Ob du hättest durchhalten sollen.

Aber dieses Unbehagen ist kein Zeichen dafür, dass du einen Fehler gemacht hast. Es ist ein Zeichen dafür, dass du etwas geändert hast. Und Veränderung braucht Zeit, um sich normal anzufühlen.

Weglassen ist wirksam, weil es Klarheit schafft. Aber diese Klarheit entsteht nicht sofort. Sie zeigt sich erst, wenn du merkst, dass der Raum, den du freigemacht hast, dir mehr gibt als das, was vorher dort war.

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